Seite   Diskussion   Quelltext anzeigen   Versionen/Autoren   

AG Geldordnung und Finanzpolitik/ThemaVollgeldreform

Aus Piratenwiki

Wechseln zu: Navigation, Suche
Geldsystem alt.png

Navigation

Selbstverständnis  |  Kommunikationsmittel  |  Termine  |  Grillfeste  |  Quellen  |  BPT  |  FAQ  |  Zusammenarbeit mit anderen Gruppen  |  Videos  |  Geschäftsordnung  |  Interviews der AG  |  Mitglieder  |  Ziele der AG  |  Aufbereitete Themen  |  Protokolle  |  Projekte und Aufgaben  |  www.geldsystempiraten.de

Vorbemerkung:

Dies ist eine Meinung, die derzeit von dem Mitglied Keox vertreten wird und spiegelt nur die Meinung einiger Mitglieder der Piratenpartei oder der AG Geldordnung und Finanzpolitik wieder. Wer Anmerkungen/Fragen hat schreibt diese bitte auf die Diskussionsseite zu diesem Artikel.


Inhaltsverzeichnis

Achtung!

Das Verstehen des gegenwärtigen Geldsystems ist Vorraussetzung, um die Vollgeldreform nachvollziehen zu können. Deshalb sollte man diese Darstellung des gegenwärtigen Geldsystems gelesen haben, bevor man hier fortfährt. Die dortige Gliederung des Textes in "Geld,Geldmengen und Geldanlagen", "Geldschöpfung" und "Funktionsweise des Zahlungsverkehrs" wurde hier auf das Vollgeldsystem übertragen, um einen direkten Vergleich zu ermöglichen.

Vorläufer der Vollgeldreform: 100%-Reserve

Aufgrund der großen Depression wurde schon seit den 1930er Jahren das fraktionale Reservesystem kritisiert. Unter dem Namen Chicago Plan wurde damals ein Vorschlag bekannt, der unter anderem von Milton Friedman unterstützt wurde. Er forderte eine Erhöhung der Mindestreserve auf 100%. Ein anderer Unterstützer dieser Grundidee war der Ökonom Irving Fisher, der sein Konzept der 100%-Reserve in dem Buch 100%-Geld erläuterte. Auch Murray N. Rothbard, ein bekannter Vertreter der Österreichischen Schule, befürwortete das "full-reserve banking" und bezeichnte das fraktionale Reservesystem als "fraudulent and inflationary"[1]




Vertreter eines 100%-Reservesystems wollen die Giralgeldschöpfung durch Banken verhindern, indem sie die Banken verpflichten für Kundenguthaben eine 100%-Reserve in baren oder unbaren Reserven bereit zu halten. Die Zentralbank kann deshalb durch ihre Kreditvergabe exakt bestimmen wieviel Giralgeld geschöpft werden kann.

aber das Problem der deflationären Schrumpfung während Abschwungsphasen oder Krisen bleibt bestehen.

In einem 100%-Reservesystem gäbe es aber immer noch voneinander getrennte Interbankenbanken- und Publikumskreisläufe

Vollgeldreform in Deutschland

In Deutschland hat Prof. Joseph Huber die Vollgeldreform entwickelt, mit der das fraktionale Reservesystem auf eine unproblematischere Weise überwunden werden könnte als mit den bisherigen Vorschlägen eines 100 %-Reservesystems. Er ist Mitbegründer des Vereins Monetative. Publikationen und Vorträge sind unter Quellen aufgelistet.

Ähnliche Initiativen im Ausland

  • In Amerika wird die Abschaffung des fraktionalen Reservesystems vom American Monetary Institute vorangetrieben. Direktor des Instituts ist Stephen Zarlenga, der ein Buch über die Geschichte des Geldes namens "Der Mythos vom Geld - die Geschichte der Macht" geschrieben hat. Der demokratische Kongressabgeordnete Dennis Kucinich hat am 21. September 2011 im Kongress einen entsprechenden Gesetzesentwurf namens National Emergency Employement Defense Act (NEED Act) eingebracht.

Ziel

Der Kern der Vollgeldreform besteht darin die Verknüpfung von Kreditvergabe und Geldschöpfung aufzulösen. Die Kreditvergabe, das heißt die Finanzierung der Wirtschaft soll weiterhin Aufgabe von Banken bleiben. Aber die Geldschöpfung, also die Versorgung der Wirtschaft mit Geld soll ausschließlich durch eine, von der Öffentlichkeit kontrollierten, staatliche Instanz erfolgen. Es handelt sich bei der Vollgeldreform nur um eine kleine und gezielte Änderung innerhalb des gegenwärtigen Geldsystems im Bereich der Geldschöpfung. Das gegenwärtige Geldsystem soll nicht komplett abgeschafft und durch ein Neues ersetzt werden. Die alte Währung bliebe erhalten und es fände kein Kapitalschnitt statt. Die Bezeichnung Vollgeld drückt nur aus, daß nicht nur alles bare, sondern auch alles unbare Geld nach einer solchen Reform vollwertiges gesetzliches Zahlungsmittel wäre. Infolgedessen wäre alles Geld voll beständig, das bedeutet, daß es durch Tilgung von Bankenkrediten nicht mehr vernichtet werden könnte, da es ja auch nicht durch Bankenkreditvergabe geschöpft worden wäre. Die umlaufende Geldmenge würde sich durch Geschäfte zwischen Banken und Nichtbanken nicht mehr ändern. Es gäbe dann nur noch Zentralbankgeld und deshalb nur noch eine Geldmenge M.

Vollgeldsystem

Geld, Geldmenge und Geldanlagen

Was ist Geld

Auch im Vollgeldsystem wird Geld das sein, womit man bezahlen kann. Es gibt bares Geld in Form von Münzen und Banknoten und unbares Geld, das nur auf Konten existiert.

Geldmengen

Im Vollgeldsystem gibt es nur noch eine einzige Geldmenge M. Diese Geldmenge besteht aus Bargeld und unbarem Geld. Bares und unbares Geld sind beide gesetzlich vollwertige Zahlungsmittel. Es gibt nur noch Zentralbankgeld.

Mindest- oder Zahlungsreserven

gibt es im Vollgeldsystem nicht mehr. Banken werden nicht mehr gezwungen sein sich Zentralbankkredite geben zu lassen. Mindest- und Zahlungsreserven in Zentralbankgeld im Sinne des fraktionalen Reservesystems sind nicht mehr notwendig, da die Zentralbank die Geldmenge M nun direkt steuern kann. Trotzdem wird es auch bei Vollgeld nötig sein, daß die Banken einen Vorrat an Vollgeld aufbauen, um unverzüglich Kreditanfragen nachkommen zu können. Dieser Vorrat wird aus den unterschiedlichsten Einnahmequellen entstehen können.

Geldanlagen

Man wird Geld wie bisher anlegen können. Im Vollgeldsystem wird es die gleichen Geldanlagen wie bisher geben: Staatsanleihen, Aktien, Bankschuldverschreibungen, Sachen wie zum Beispiel Immobilien und so weiter. Auch das Anlegen in Form des Sparens bei der Bank wird nicht verschwinden. Allerdings kann sich die umlaufende Geldmenge im Gegensatz zum fraktionalen Reservesystem nicht mehr ändern, wenn eine Geldanlage gekauft oder verkauft wird. Dies wird auch für das herkömmliche Sparen gelten.

???Schaubild???

Geldschöpfung

Geldschöpfung durch die Zentralbank: Im Vollgeldsystem gibt es nur noch einen Geldschöpfer: Die per Gesetz zur staatlichen Gewalt ermächtigte Zentralbank. Nur sie kann bares und unbares Geld ausgeben. Zusätzliches Geld, das die Geldmenge M erhöht, wird von der Zentralbank zinslos und unbefristet als Kredit dem Staat gegeben, indem dieses Geld dem Zentralbankkonto des Staats einfach gutgeschrieben wird. Dieses Geld wird wie im fraktionalen Reservesystem quasi aus dem Nichts geschöpft. Der Geldschöpfungsgewinn wäre in diesem Fall eine echte Seigniorage, also die volle Differenz zwischen Herstellungskosten und Nennwert und nicht bloß ein Zinsgewinn. Diese Seigniorage würde als Einnahme in den Staatshaushalt fließen. Die Frage, wofür dieses Geld ausgegeben werden sollte ist nicht Teil der Vollgeldreform und muß an anderer Stelle beantwortet werden. Auf jeden Fall gelangt neues Geld über Staatsausgaben ins Publikum und damit in den Geldkreislauf.

Geldschöpfung durch Banken

findet nicht mehr statt. Banken werden nicht mehr in der Lage sein durch irgendwelche Geschäfte unbares Geld zu schöpfen.


Geldmengensteuerung durch die Zentralbank

Auch im Vollgeldsystem besteht die Hauptaufgabe der Zentralbank darin für Geldwertstabilität zu sorgen. Die Geldmenge M läßt sich eindeutig definieren und kann nur von der Zentralbank verringert oder vergrößert werden. Dadurch hat die Zentralbank die umlaufende Geldmenge im Vollgeldystem im Gegensatz zum fraktionalen Reservesystem vollständig unter Kontrolle. Das Ziel der Zentralbank sollte eine potenzialorientierte Geldmengenpolitik sein. Sie sollte sich also bei der Steuerung der Geldmenge am Wachstumspotenzial der Realwirtschaft orientieren. Grundsätzlich sollte die Zentralbank prozyklisch handeln, aber während Hoch- und Tiefphasen eine gemäßigt kontrazyklische Geldpolitik verfolgen, um Extreme zu vermeiden.

Der Zentralbank stehen drei mögliche Maßnahmen zur Verfügung: S.118

1. Geldschöpfung und Ausgabe als Seigniorage an den Staat. Dies sollte in regelmäßigen Abständen geschehen. Je nach wirtschaftlicher Lage könnte man das auch zeitweise ausfallen lassen. In seltenen Fällen eines schrumpfenden Wirtschaftsprodukts könnte die Monetative die Geldmenge aktiv und direkt senken, indem sie Geld aus den Staatseinnahmen einzieht.

2. Offenmarktpolitik

3. Fristenpolitik: Damit ist die Veränderung der Mindestlaufzeit von Geldanlagen gemeint.

Wieviel Geld soll die Zentralbank schöpfen?

Das Ziel der Zentralbank sollte eine potenzialorientierte Geldmengenpolitik sein. Damit der Geldwert stabil bleibt, sollte die Geldmenge genauso stark wie das Wirtschaftsprodukt ansteigen. Wenn das Wirtschaftsprodukt um 2% wächst, sollte die Zentralbank also auch die Geldmenge um 2% anheben. Daraus ergäbe sich eine regelmäßige Seigniorage in Höhe von ??? pro Jahr und 1% Wirtschaftswachstum. ???Link zur regelmäßigen Seigniorage??? Falls das Wirtschaftsprodukt sinkt, was selten vorkommen sollte, muß die Zentralbank auch die Geldmenge entsprechend verringern. Natürlich sollten solche Anpassungen der Geldmenge vorausschauend geschehen. Um die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung einzuschätzen wird sich die Zentralbank der gleichen Informationen bedienen, die sie schon heute nutzt.

Kreditvergabe durch die Zentralbank

Theoretisch ist es ohne weiteres möglich, daß die Zentralbank, entgegen ihrer Grundabsicht neues Geld nur über zinslose und unbefristete Staatskredite auszugeben, auch an Banken Kredite vergibt. In der Praxis sollte so etwas aber natürlich nur in Notsituationen geschehen. Während der Umstellungsphase auf das Vollgeldsystem oder in unvorhergesehenen Krisen könnte es erforderlich werden, daß Kreditvergaben an Banken eingesetzt werden müssen.

Funktionsweise des Zahlungsverkehrs

Ein Kreislauf des Vollgeldsytems

Anders als im fraktionalen Reservesystem gibt es keine getrennten unbaren Kreisläufe mehr, weil es nur noch eine Geldmenge M bestehend aus Zentralbankgeld gibt. Für das unbare Geld hat das Publikum seine Geldkonten und die Banken haben ihre Zentralbankkonten. Bei jeder Transaktion fließt unbares Geld direkt von einem Konto auf ein anderes Konto. Zahlungen an oder von einer Bank würden immer über ihr Zentralbankkonto erfolgen, während Zahlungen an oder von einer Nicht-Bank immer über ihr Geldkonto erfolgen würde. Bei einer Kreditvergabe würde Vollgeld vom Zentralbankkonto der Bank auf das Geldkonto des Kreditnehmers fließen. Bei einer Überweisung innerhalb des Publikums würde Vollgeld direkt von einem Geldkonto auf das andere Geldkonto fließen, auch wenn sich die Geldkonten bei unterschiedlichen Banken befänden. Sollte ein Kunde sein Vollgeld gegen Zinsen sparen wollen, würde es von seinem Geldkonto auf das Zentralbankkonto der Bank fließen, von wo aus die Bank das Vollgeld auf das Geldkonto eines kreditnehmenden Kunden überweisen würde. Um die Banken und ihre Geschäfte besser kontrollieren zu können, wird ihr gesamter Zahlungsverkehr nur noch über ihre Zentralbankkonten abgewickelt. Deshalb wird es keine Interbank-Girokonten mehr geben.

Es gibt keinen gesonderten baren Kreislauf mehr. Im fraktionalen Reservesystem war der Bargeldkreislauf Bestandteil zweier getrennter unbarer Kreisläufe, weshalb es Sinn gemacht hat ihn als dritten Kreislauf zu behandeln. Da im Vollgeldsystem aber nur noch ein unbarer Kreislauf existiert, ist das komplette Bargeld eine Wechselmenge nur dieses einen unbaren Kreislaufs.

Bargeld gelangt wie bisher von der Zentralbank über die Banken ins Publikum. Sobald eine Bank merkt, daß ihre Kunden mehr Bargeld benötigen, kann die Bank es einfach von ihrem Zentralbankkonto abheben und das unbare Geld auf ihrem Zentralbankkonto durch das unbare Geld des Kunden ersetzen. Banken müssen deshalb keine Zentralbankkredite mehr aufnehmen. Für das Publikum wird es weiterhin nicht möglich sein Zentralbankkonten zu haben. Deshalb kann kein Bargeld direkt vom Publikum zur Zentralbank oder umgekehrt fließen. Dies kann weiterhin nur indirekt über die Banken geschehen.



???Schaubild???

Kreditvergabe durch Banken

Da Banken kein Giralgeld mehr schöpfen können, müssen sie positiv über das Geld verfügen, welches sie gegen Zinsen verleihen möchten. Das heißt, daß sie entweder eigenes Geld oder fremdes Geld verleihen könnten. Das fremde Geld müssten sich die Banken von anderen Banken oder Nicht-Banken gegen niedrige Zinsen leihen, um es gegen höhere Zinsen weiterverleihen zu können. Im Fall von Banken als Geldgebern würde die entsprechende Summe von dem Zentralbankkonto der gebenden Bank auf das Zentralbankkonto der nehmenden Bank überwiesen. Von dort aus könnte die Bank dieses Geld dann als Kredit auf das Geldkonto eines Kreditnehmers überweisen. Wenn sich die Bank das Geld von einer Nicht-Bank holt, fließt die entsprechende Summe von einem Geldkonto über ihr Zentralbankkonto zum Geldkonto eines Kreditnehmers. Banken werden Geld nur noch von Geldanbietern leihen und es an Kreditnehmer weiterverleihen. Das Risiko für Kreditausfälle werden die Banken tragen, da sie am Kredite vergeben auch weiterhin Geld verdienen werden. Sparen führt nicht mehr wie im fraktionalen Reservesystem zur Stillegung von unbarem Geld. Stattdessen wird das gesparte Vollgeld von der Bank weiterverliehen und gelangt so rasch wieder in den Publikumskreislauf zurück. Deshalb bleibt die umlaufende Geldmenge M durch Sparen und auch durch die Vergabe von Krediten fast unbeeinflusst. Eine Ausnahme stellt das unbare und bare Geld dar, welches Banken vorrätig halten müssen, um Kreditanfragen sofort nachkommen zu können ohne erst jemanden zu finden, der ihnen sein Geld leiht. Im Verhältnis zur gesamten Geldmenge sollte dieser Vorrat aber sehr gering ausfallen, ähnlich wie im fraktionalen Reservesystem die unbaren Reserven zur störungsfreien Abwicklung des Zahlungsverkehrs verhältnismäßig sehr gering sind.

Banken werden nicht mehr wie im fraktionalen Reservesystem gezwungen sein Sparguthaben anzunehmen und zu verzinsen. Stattdessen werden sie im Vollgeldsystem nur soviel Geld als Sparguthaben annehmen wie sie auch weiterverleihen können. Es ist also möglich, daß die Summe der Schulden geringer ausfällt als die gesamte Geldmenge. Da von den Banken weiterverliehenes Geld vom Kreditnehmer ausgegeben wird, kann ein Teil davon durch andere Nichtbanken wieder an Banken verliehen werden bevor der ursprüngliche Kredit abbezahlt worden ist. Deshalb ist es auch möglich, daß die Summe der Schulden höher ausfällt als die gesamte Geldmenge.

Ansonsten ändert sich nichts im Vergleich zum fraktionalen Reservesystem. Die Banken würden weiterhin Sicherheiten verlangen und die Bonität von Kreditnehmern prüfen.

Wie sehen Bilanzen von Zentralbank, Banken und Nicht-Banken im Vollgeldsystem aus?

Nichtbanken

  • Aktivseite:

Im Vergleich zum fraktionalen Reservesystem verändert sich bloß die Bilanzposition zu unbarem Geld. Unbares Geld stellt nun nicht mehr eine täglich einlösbare Forderung gegenüber der Bank dar, sondern ist nun wie Bargeld vollwertiges gesetzliches Zahlungsmittel.

  • Passivseite:

Hier gibt es keine Veränderungen.

VG Nichtbankbilanz.png



Banken

  • Aktivseite:

- Bare Reserven werden nun als Bargeld bezeichnet, da es keine Reserven im Sinne des fraktionalen Reservesystems mehr gibt.

- Die unbaren Reserven sind nicht mehr vorhanden. An deren Stelle steht nun das unbare Geld auf den Zentralbankkonten. Wie schon bei den Nichtbanken stellt dieses Geld nun keine täglich einlösbaren Forderungen auf Bargeld dar, weil es vollwertiges gesetzliches Zahlungsmittel ist.

Der Rest der Bilanz bleibt gleich.

  • Passivseite:

Das unbare Geld der Nichtbanken ist nun nicht mehr Bestandteil der Bankbilanz. Ansonsten ändert sich nichts.

VG Bankbilanz.png



Zentralbank

  • Aktivseite:

- Eine neue Bilanzposition namens "Zinslose- und unbefristete Forderungen an Staatshaushalt" entsteht durch die Vergabe eines "ewigen Kredits" an den Staat. Dieses unbare Geld wird von der Zentralbank quasi aus dem Nichts geschöpft.

- Die alten Bilanzpositionen bleiben erhalten.

  • Passivseite:

- Eine neue Bilanzposition namens "Unbares Geld im Umlauf durch Seigniorage" wird hinzugefügt. Durch die Kredite an den Staat entsteht zusätzliches unbares Geld.

- Die Reserven der Banken werden durch unbares Geld ersetzt, welches entsteht, wenn die Zentralbank ausnahmsweise Kredite an Banken vergibt.

VG Zentralbankbilanz grau.jpg


VG Zentralbankbilanz.png



Staat

Da der Staat auch eine Nichtbank ist, stehen in seiner Bilanz die gleichen Positionen wie bei anderen Nichtbanken. Mit zwei Ausnahmen: Der Staat wird die einzige Nichtbank sein, welche "ewige" Zentralbankkredite erhält. Deshalb befindet sich sein unbares Geld auf der Aktivseite auf einem Zentralbankkonto und nicht wie bei allen anderen Nichtbanken auf Geldkonten. Auf der Passivseite entsteht aufgrund dieser Zentralbankkredite eine neue Bilanzposition mit zinslosen und unbefristeten Verbindlichkeiten.

VG Staatsbilanz.png



Zusammenhänge zwischen den Bilanzen

VG ZusammenhängeDerBilanzen.png

Was passiert in den Bilanzen in einem Vollgeldsystem

Im Folgenden wird gezeigt wie sich nach vollendeter Übergangsphase in einem etablierten Volllgeldsystem verschiedene Geschäfte und Transaktionen auf die Bilanzen auswirken.


Wenn die Zentralbank dem Staat einen "ewigen" Kredit gibt?

In diesem Fall finden die gleichen Veränderungen wie bei einer Bankkreditvergabe im fraktionalen Reservesystem statt. Beide Bilanzen werden verlängert. Der Staat erhält Geld auf seinem Zentralbankkonto gutgeschrieben, wodurch seine Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank steigen. Bei der Zentralbank steigen in gleichem Ausmaße Forderungen und Verbindlichkeiten gegenüber dem Staat.

VG SeigniorageAnDenStaat.png



Bei Bankkreditvergaben an Nichtbanken?

Unbares Geld wird vom Zentralbankkonto auf das Geldkonto überwiesen. Dadurch verringert sich auf der Aktivaseite der Bankbilanz der unbare Geldbestand, während die Kreditforderungen steigen. In der Nichtbankbilanz steigt auf der Aktivaseite die Summe unbaren Geldes, aber dafür steigen auf der Passivaseite die Verbindlichkeiten auf Zurückzahlung von Krediten. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG KreditvergabeAnNichtbank.png



Bei Bankkredittilgungen durch Nichtbanken?

Unbares Geld wird vom Geldkonto des Kreditnehmers auf das Zentralbankkonto überwiesen. Dadurch steigt in der Bankbilanz auf der Aktivseite der unbare Geldbestand, während die Kreditforderungen sinken. In der Nichtbankenbilanz sinkt auf der Aktivaseite die Summe unbaren Geldes. Ebenso sinken die Verbindlichkeiten auf Zurückzahlung von Krediten. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG KredittilgungDurchNichtbank.png



Bei einer Überweisung von einer Nichtbank an eine andere Nichtbank innerhalb einer Bank oder zwischen unterschiedlichen Banken?

Da die Geldkonten nicht mehr Teil der Bankbilanz sind, finden durch solche Überweisungen keine Veränderungen in den Bankbilanzen mehr statt. Die Banken verwalten die Geldkonten nur noch und überweisen das Geld im Auftrag des Kunden von einem Geldkonto auf ein anderes Geldkonto. Es spielt keine Rolle, ob die Geldkonten von derselben Bank oder von unterschiedlichen Banken verwaltet werden. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG ÜberweisungBeiUnterschiedlichenBanken.png


VG ÜberweisungBeiDerselbenBank.png



Wenn eine Nichtbank einen Teil des Vollgeldes ihres Geldkontos spart, das heißt es ihrer Bank gegen Zinsen ausleiht?

Das Geld wird von dem Geldkonto auf das Zentralbankkonto überwiesen. Dadurch erhöhen sich in der Bankbilanz der unbare Geldbestand auf der Aktivaseite und die Verbindlichkeiten gegenüber dem Kunden auf der Passivaseite. Im Gegenzug verringert sich in der Nichtbankbilanz auf der Aktivaseite der unbare Geldbestand, während auf der Aktivaseite die Kreditforderungen gegenüber der Bank steigen. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG NichtbankSpart.png



Wenn eine Nichtbank Bargeld von einer Bank abhebt?

Die Bank, welche das betroffende Geldkonto verwaltet, zahlt dem Kunden das Bargeld aus ihrem Bargeldbestand aus. Auf der Aktivaseite der Bankbilanz sinkt der Bargeldbestand, während die Menge unbaren Geldes steigt. In der Nichtbankbilanz sinkt auf der Aktivaseite der Bargeldbestand, während die Menge unbaren Geldes sinkt. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG NichtbankHebtBargeldAb.png



Wenn eine Bank Bargeld von der Zentralbank abhebt?

Die Bank läßt sich Bargeld von ihrem Zentralbankkonto in bar auszahlen. Dadurch steigt in der Bankbilanz auf der Aktivaseite der Bargeldbestand, während die Menge unbaren Geldes sinkt. In der Zentralbankbilanz steigt auf der Passivaseite das Bargeld im Umlauf. Dieses neue Bargeld kann die Zentralbank aufgrund ihres Banknotenmonpols bei Bedarf einfach drucken und gegen unbares Geld tauschen. Deshalb sinkt dadurch auf der Passivseite die Menge des unbaren Gelds im Umlauf. Die Geldmenge M bleibt gleich, da die Menge an unbarem Geld um den gleichen Betrag sinkt wie die Bargeldmenge steigt.

VG BankHebtBargeldAb.png



Bei Zentralbankkreditvergabe an eine Bank?

Der Bank wird Geld auf ihrem Zentralbankkonto gutgeschrieben, wodurch ihre Verbindlichkeiten auf Rückzahlung gegenüber der Zentralbank steigen. In der Zentralbankbilanz steigen auf der Aktivseite die Kreditforderungen gegenüber der Bank. Auf der Passivseite steigt die Menge unbaren Gelds im Umlauf und damit die Verbindlichkeiten gegenüber Banken. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG Zentralbankkredit.png



Wenn eine Nichtbank eine von derselben Bank neuemittiertes Wertpapier kauft? (z.B einen Bankschuldverschreibung)

Die Nichtbank überweist den Betrag von ihrem Geldkonto auf das Zentralbankkonto und erhält dafür das Wertpapier. Auf der Aktivseite der Nichtbankbilanz sinkt dadurch das unbare Geld während das Wertpapier hinzugefügt wird. Bei der Bank findet eine Bilanzverlängerung statt. Das unbare Geld steigt, ebenso wie die Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG NichtbankKauftNeuemittiertesWertpapierVonBank.png



Wenn eine Bank ein neuemittiertes Wertpapier von einer Nichtbank kauft? (z.B. eine Staatsanleihe)

Die Bank überweist das Geld von ihrem Zentralbankkonto auf das Geldkonto der Nichtbank. Bei der Nichtbank steigen dadurch die Verbindlichkeiten auf Rückzahlung gegenüber Banken und das Geld auf ihrem Konto. In der Bankbilanz findet ein Aktivtausch statt, weil das Geld durch das Wertpapier ersetzt wird. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG BankKauftNeuemittiertesWertpapierVonNichtbank.png



Wenn eine Nichtbank ein nicht neuemittiertes Wertpapier von einer Bank kauft?

In beiden Bilanzen findet ein Aktivtausch statt. In der Nichtbankbilanz wird Geld wird durch das Wertpapier ersetzt, während in der Bankbilanz das Wertpapier durch Geld ersetzt wird. Die Geldmenge M, die unbare Geldmenge und die Bargeldmenge bleiben gleich.

VG NichtbankKauftNichtNeuemittiertesWertpapierVonBank.png

Übergang von einem fraktionalen Reservesystem zu einem Vollgeldsystem

Aufstufung der Zentralbank zur Währungsbehörde

In Anlehnung an die Legislative, die Exekutive und die Judikative könnte die einzige Instanz, die in Zukunft Geld schöpfen darf, Monetative heißen. Dabei wird es sich wohl um die jetzige Zentralbank handeln, die per Gesetz zur vierten Gewalt aufgestuft wird und dadurch die Geld- und Währungshoheit erhält. Ab dem Tag des in Kraft tretens wird nicht nur Bargeld, sondern auch unbares Geld nur noch durch die Zentralbank geschöpft und ausgegeben werden dürfen. Unbares Geld wird deshalb vollwertiges gesetzliches Zahlungsmittel sein, was auf das heutige Giralgeld nicht zutrifft. Giralgeld stellt nur eine Forderung auf vollwertiges Bargeld dar. Es gibt dann praktisch nur noch Zentralbankgeld und nur noch eine einzige Geldmenge M. Um das ausschließliche Recht der Geldschöpfung von unbarem Geld in die Hände der Zentralbank zu übertragen, müßte man bloß den entsprechenden Paragraphen der Bankengesetze etwas ändern. Im Fall der Europäischen Zentralbank wäre das Artikel 16, der die Überschrift 'Banknoten' trägt:

"...Der EZB-Rat hat das ausschließliche Recht, die Ausgabe von Banknoten innerhalb der Gemeinschaft zu genehmigen. Die EZB und die nationalen Zentralbanken sind zur Ausgabe von Banknoten berechtigt. Die von der EZB und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten sind die einzigen Banknoten, die in der Gemeinschaft als gesetzliches Zahlungsmittel gelten."

Nach Joseph Huber müßte man bloß die Überschrift in 'Gesetzliche Zahlungsmittel' und den Paragraphen wie folgt ändern:

"Der EZB-Rat hat das ausschließliche Recht, die Ausgabe von gesetzlichen Zahlungsmitteln innerhalb der Gemeinschaft zu genehmigen. Gesetzliche Zahlungsmittel umfassen Münzen, Banknoten sowie unbare Geldguthaben auf festen Geldkonten und mobilen Geldspeichern. Die EZB und die nationalen Zentralbanken können solche Zahlungsmittel ausgeben. Von der EZB und den nationalen Zentralbanken ausgegebene Münzen, Banknoten und unbare Geldguthaben sind die einzigen Zahlungsmittel innerhalb der Gemeinschaft, die den Status von unbeschränkten gesetzlichen Zahlungsmitteln besitzen."

Im Grunde holt man dadurch mit Giralgeld nur das nach, was mit Banknoten schon vor über hundert Jahren geschehen ist. Die ersten Banknoten wurden von Privatbanken ausgegeben. Diese Möglichkeit wurde den Banken zugunsten der Zentralbanken verboten. In Deutschland wurde dieser Schritt 1905 bis 1909 vollzogen.

Paragraph 123.1

Girokonten werden zu Geldkonten und Giralgeld wird zu Vollgeld

In der Nacht vor der Einführung des Vollgeldsystems findet die Umstellung statt. Alle Girokonten, daß heißt die Sichtguthaben der Nichtbanken auf der Passivseite der Bankbilanzen werden ausgegliedert, wodurch die Giralgeldschöpfung durch Banken unterbunden wäre. Danach wären sie Geldkonten in eigenem Recht der Kunden und das Giralgeld würde zu vollwertigem gesetzlichen Zahlungsmittel also Vollgeld werden. Dabei findet kein wirklicher Tausch statt. Unbares Guthaben auf diesen Geldkonten wird einfach nicht mehr Giralgeld sondern Vollgeld genannt und so behandelt als wäre es von der Zentralbank geschöpft worden. Es kann also nicht passieren, daß man nach der Umstellung weniger Vollgeld auf seinen Geldkonten haben wird als man vorher Giralgeld auf seinen Girokonten hatte. Die Banken werden die Geldkonten verwalten und sich um Kontoführung und Zahlungsverkehr kümmern. So ähnlich wie sie es schon heute mit Wertpapierdepots ihrer Kunden tun. Entscheidend ist, daß diese Geldkonten von den Bilanzen, den Eigengeschäften und den Konten der Banken strikt getrennt wären. Dadurch wäre unbares Vollgeld auf Geldkonten der Nichtbanken im Gegensatz zu Giralgeld auf Girokonten 100% sicher und könnte nicht mehr durch Bankenpleiten verloren gehen.


Durch die Ausgliederung der Nichtbanken-Sichtguthaben entsteht eine Lücke in den Bankbilanzen. Diese wird durch Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank aufgefüllt. Auf diese Weise gibt es keinen Bruch in den Bankbilanzen und es wird gewährleistet, daß die Banken nach der Umstellung bei Tilgung alter Kredite, die von ihnen durch Giralgeldschöpfung vergeben worden sind, keine unverdienten Gewinne erhalten. Denn im fraktionalen Reservesystem wäre Giralgeld mit dem Kredite zurückbezahlt werden vernichtet worden. Da dies bei Vollgeld nicht mehr geschehen soll, würden die Banken Gewinne erzielen, die ihnen nicht zustehen. Mithilfe dieser Maßnahme wird erreicht, daß die Banken Vollgeld in Höhe der alten Giralgeldmenge nach der Umstellung bei Tilgung alter Kredite nicht behalten dürfen, sondern an die Zentralbank weiterreichen müssen. In der Zentralbankbilanz werden dementsprechend neue Forderungen gegenüber Banken in Höhe des alten Giralgelds hinzugefügt. Die Zentralbank wird dieses Geld nicht behalten oder aus dem Verkehr ziehen, da sonst die umlaufende Geldmenge schrumpfen würde. Deshalb muss und darf sie dieses Geld als "ewigen Kredit" dem Staat geben.

Infolge der Ausgliederung der Girokonten aus den Bankbilanzen verändern sich auch die Nichtbankbilanzen. Aus dem alten Giralgeld, welches eine Forderung gegenüber der Bank war, wird unbares Vollgeld, das nun eine Forderung gegenüber der Zentralbank ist. Der Schuldner des unbaren Gelds im Publikumskreislauf ändert sich, so als ob dieses Geld im Ursprung von der Zentralbank geschöpft worden wäre. Parallel dazu werden der Zentralbankbilanz neue Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken in gleicher Höhe hinzugefügt.



Aus Sicht der Bank stellt Giralgeld eine täglich fällige Verbindlichkeit auf Auszahlung von Zentralbankgeld dar, wohingegen Vollgeld keine Verbindlichkeit mehr wäre, da es nicht mehr Teil der Passiva-Seite der Bankbilanz wäre. Stattdessen stehen auf der Passiva-Seite der Banken nun Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank anstelle der Verbindlichkeiten gegenüber Kunden in gleicher Höhe. Bei der Zentralbank entstehen dadurch entsprechende Forderungen auf Tilgung der Kontokorrentsummen (Bilanzsumme der Sichtguthaben). Das ist erstens wichtig, damit in den Bankbilanzen kein Bruch entsteht und zweitens um zu verhindern, daß die Banken unverdienterweise Geld verdienen. Denn ab dem Tag der Umstellung stellt altes Giralgeld neues Vollgeld dar und soll auch so behandelt werden als wäre es tatsächlich von der Zentralbank geschöpft worden. Das hat zur Folge, daß unbares Geld ab der Umstellung bei der Tilgung von alten Krediten nicht mehr vernichtet wird. Die Banken würden also das unbare Geld, daß sie durch Kreditvergabe noch selbst geschöpft haben bei Kredittilgung nicht wie gewohnt vernichten sondern behalten. Da den Banken dieses Geld als Gewinn nicht zusteht, sollten sie es an die Zentralbank weiterleiten müssen. Die Zentralbank könnte dann dieses Geld als echte Seigniorage dem Staat geben. Dadurch entstünde während der Umstellungsphase durch Tilgung der alten Kredite eine große Summe unbaren Geldes, welche die Zentralbank einmalig dem Staat schenken dürfte ohne daß dadurch die Geldmenge erhöht wird. Auf diese Weise wird das alte Giralgeld bei Kredittilgung ausgeschleust und durch Vollgeld in gleicher Höhe ersetzt.



Der Unterschied zwischen Giralgeld und Vollgeld besteht darin, daß Giralgeld aus Sicht des Girokonteninhabers nur eine Forderung auf Zentralbankgeld nämlich Bargeld darstellt. Geldkonten dagegen enthalten Vollgeld, welches keine Forderung auf Zentralbankgeld darstellt, da es selbst Zentralbankgeld ist. Man hat als Geldkonteninhaber keine Forderung auf Bargeld mehr, sondern nur noch das Recht auf Umtausch von unbarem Zentralbankgeld in bares Zentralbankgeld. Vollgeld ist zu 100% voll liquides Geld, weshalb man dafür wie bei Bargeld auch keine Zinsen erhält.


Auf M2-Guthaben und andere Geldanlagen trifft diese Ersetzung durch Vollgeld während der Umstellung nicht zu. Da alle Geldanlagengeschäfte beim Kauf sowie beim Verkauf mithilfe von M1-Geld getätigt worden sind, sollte die gleich hohe unbare Geldmenge nach der Reform auch ausreichen. M2-Guthaben und Wertpapiere werden bei ihrer Liquidation in Vollgeld ausbezahlt. Weil Liquidationen durch Neuanlagen ständig ausgeglichen werden, sind keine besonderen Umstellungsverfahren notwendig.

Auf den Interbank-Girokonten ändert sich nur folgendes: Alle Verbindlichkeiten und Forderungen werden in Darlehen umgewandelt oder die Verbindlichkeiten werden beglichen. Neue Kredite werden ab der Umstellung nur noch über die Zentralbankkonten vergeben. Interbank-Buchhaltungskosten wird es weiterhin geben, aber der Zahlungsverkehr findet nur noch über die Zentralbankkonten statt.

Mindestreserven werden nicht mehr nötig sein. Innerhalb der Bankbilanzen und innerhalb der Zentralbankbilanz fallen die jeweiligen Forderungen und Verbindlichkeiten weg. Die Zahlungsreserven auf den Zentralbankkonten bleiben erhalten und stellen ab der Umstellung Vollgeld dar und könnten dann direkt auf Geldkonten zur Kreditvergabe überwiesen werden.


Bis hier stammt alles aus dem Buch "Monetäre Modernisierung" von Joseph Huber. Im folgenden möchte ich meine eigenen Gedanken (Keox 01:00, 1. Feb. 2012 (CET)) zur Umstellung formulieren:

Was passiert in den Bilanzen bei der Umstellung und während der Übergangsphase?

Einen Tag vor der Umstellung

Noch sind die Bilanzzusammensetzungen des fraktionalen Reservesystems vorhanden.


GGzuVG VorDerUmstellung.png


Umstellung

In der Nacht, bevor das Vollgeldsystem eingeführt wird, findet die Umstellung statt. Alte Verbindlichkeiten und Forderungen werden durch neue in gleicher Höhe ausgetauscht, weil Banken und Nichtbanken als Gläubiger und Schuldner durch die Zentralbank ersetzt werden. Dadurch entstehen bei der Zentralbank neue Bilanzpositionen mit zusätzlichen Forderungen und Verbindlichkeiten.

1. Zuerst werden die Sichtguthaben/Giralgeld aus der Bankbilanz ausgegliedert. Damit kein Bruch in der Bilanz entsteht werden die alten Verbindlichkeiten gegenüber den Nichtbanken in gleicher Höhe durch Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank ersetzt. Das hat zur Folge, daß in der Zentralbankbilanz eine zusätzliche Bilanzposition hinzugefügt wird. Auf der Aktivseite der Zentralbank werden neue Forderungen gegenüber den Banken eingefügt.

2. Bei den Nichtbanken stellen die Sichtguthaben nun keine Forderungen gegenüber Banken dar. Sie werden durch Forderungen gegenüber der Zentralbank ersetzt. Daraus entsteht in der Zentralbankbilanz eine zusätzliche Bilanzposition, bestehend aus neue Verbindlichkeiten gegenüber den Nichtbanken.

3. In der Bankbilanz werden auf der Aktivseite nur neue Bezeichnungen eingeführt. Da es Reserven im Sinne des fraktionalen Reservesystems nun nicht mehr gibt, werden bare Reserven in Bargeld und unbare Reserven in unbares Geld umbenannt. Das gleiche geschieht mit den unbaren Reserven in der Zentralbankbilanz. Neue Forderungen entstehen dadurch nicht.


GGzuVG Umstellung.png


Die obere Darstellung ist zu breit um in Originalgröße hier im Wiki dargestellt zu werden, deshalb wurde unten noch eine gleiche etwas schmalere Version erstellt.


GGzuVG Umstellung schmal.png

Neue Verbindlichkeiten und Forderungen aufgrund der Umstellung

In der


GGzuVG UmstellungNeueVerbindlichkeitenFarblichHervorgehoben.png


Tag X nach der Umstellung = Beginn der Übergangsphase

Tilgung von alten Krediten

GGzuVGTilgungAlterKrediteErsterSchritt.png



GGzuVGTilgungAlterKrediteZweiterSchritt.png



GGzuVGTilgungAlterKrediteDritterSchritt.png

Vorteile eines Vollgeldsystems

Mehr Transparenz

Das Vollgeldsystem bietet ein hohes Maß an Transparenz, da es nur noch einen Geldschöpfer, eine Geldmenge M und keine getrennten Geldkreisläufe mehr gibt. Außerdem gibt es nur noch direkte Geldflüsse. Dadurch wäre es möglich, daß auch die breite Bevölkerung die Funktionsweise des Geldsystems nachvollziehen könnte, was die Voraussetzung darstellt, um als Bevölkerung kontrollierenden Einfluß ausüben zu können. Mißstände und Mißbrauch können so viel eher erkannt und beseitigt werden.

Geldmenge wäre direkt kontrollierbar

Im Vollgeldsytem könnte die Zentralbank die Geldmenge direkt je nach Bedarf durch erhöhen oder verringern kontrollieren. Dadurch hätte sie die Höhe der umlaufenden Geldmenge vollständig unter Kontrolle.

Unbares Geld wäre sicheres Geld

Im Vollgeldsystem stellt unbares Geld aus Sicht des Publikums nicht mehr bloß eine Forderung auf Zentralbankgeld dar, da ihr unbares Geld ja schon Zentralbankgeld ist. Das heißt, daß unbares Geld vollwertig gesetzliches Zahlungsmittel ist. Da es zinslos und unbefristet ausgegeben wird, ist es voll beständig. Geldkonten befinden sich nicht in der Bankbilanz und haben mit den Eigengeschäften der Bank nichts zu tun. Aus diesem Grund ist unbares Vollgeld auf Geldkonten nicht gefährdet, falls eine Bank pleite geht. Selbst wenn alle Banken pleite gehen würden, wären die Geldkonten und das darauf befindliche Geld noch in voller Höhe vorhanden und für den Zahlungsverkehr verfügbar. Um Vollgeld in seinem Bestand zu schützen braucht man keine Sicherungsfonds mehr und auch eine Staatsgarantie wird überflüssig.

Aus diesem Grund muß man sich im Vollgeldsystem auch nicht mehr vor einem Bankrun fürchten. Jeder, der das Vollgeldsystem verstanden hat, sollte wissen, daß unbares Geld nicht mehr durch einen Zusammenbruch der Bank verschwinden kann. Falls trotzdem einmal zuviele Kunden ihr Geld in bar abheben wollen, müßte die Bank nur die Bargeldauszahlung beschränken. Und zwar nur solange bis die Zentralbank genügend Banknoten nachgedruckt hätte. Die Bank könnte ihre übrigen Geschäfte, unabhängig von der gestiegenen Bargeldnachfrage, unbeeinflußt fortführen.

Der Staat könnte Banken pleite gehen lassen

Da das unbare Geld auf den Geldkonten sicher ist, wäre der Staat nicht mehr gezwungen Banken finanziell zu unterstützen, um zu verhindern, daß unbares Geld verloren geht oder der Zahlungsverkehr zusammenbricht. In Verbindung mit dem hier beschriebenen Trennbankensystem (Link??????) könnte es sich der Staat sogar erlauben Investmentbanken pleite gehen zu lassen, ohne daß dadurch das Kreditgeschäft mit der Realwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Reibungslose Umstellung aus Sicht der normalen Bürger

Nichtbanken könnten weiterhin ihre Konten wie gehabt benutzen und müßten sich um nichts kümmern, da die Veränderungen innerhalb der Banken stattfinden. Auf die Benutzung von Bargeld und unbarem Geld auf Konten hätte die Umstellung auf Vollgeld keinen spürbaren Einfluß. Alle Guthaben, Schulden, Forderungen und Verbindlichkeiten blieben unverändert erhalten.

Regelmäßige Seigniorage als zusätzliche Staatseinnahmen

Die Monetative sollte die Geldmenge entsprechend dem Wachstum des Wirtschaftsprodukts erhöhen. Daraus ergeben sich regelmäßige zusätzliche Staatseinnahmen in Höhe von etwa ????????.

Einmalige Seigniorage zum Abbau der Staatsschulden

Während der Umstellung muß die Monetaive alles Geld, welches im fraktionalen Reservesystem durch Kreditvergabe von den Gescäftsbanken geschöpft worden ist durch Vollgeld ersetzen. Dazu gehören das alte Giralgeld (1.109 Mrd. 2010), die Interbanken-Sichtguthaben (135 Mrd. 2010) und die Zahlungsreserven (80 Mrd. 2010). Diese Summe von 1.324 Mrd. entsprach 2010 etwa zwei Drittel der Staatsverschuldung in Höhe von 2.080. Im Laufe von einigen Jahren könnte der Staat also seine Schulden zu einem großen Teil tilgen.

Vereinbarkeit mit zinskritischen Ansätzen

Durch ein Vollgeldsystem entstünde eine zinslose und tilgungsfreie Geldbasis. Die erfolgreiche Einführung von Vollgeld könnte in der breiten Gesellschaft die Bereitschaft erzeugen sich auch mit weitergehenden Veränderungen des Geldsystems zu beschäftigen. Es gibt keinen ersichtlichen Grund weshalb sich Vollgeld und zum Beispiel umlaufgesichertes Geld ausschließen sollten. Deshalb sollten Zinskritiker Vollgeld befürworten.

Vereinbarbarkeit mit Komplementärwährungen/Regiogeld

Sofern Komplementärwährungen nicht den Anspruch erheben würden gesetzliches Zahlungsmittel zu sein und sich nur auf eine lokale oder regionale Ebene beschränken würden, könnten sie theoretisch mit Vollgeld zusammen existieren. In der Praxis wäre aber natürlich der Wille der Regierung entscheidend.

Vereinbarkeit mit Null-Wachstum

Schwachpunkte

Unabhängigkeit der Zentralbank/Monetativen von der Regierung

Natürlich besteht die potentielle Gefahr, daß zuviel neues Geld geschöpft wird. In der Vergangenheit haben Regierungen schon oft einfach neues Geld "drucken lassen", um ihre Ausgaben zu finanzieren. Im Übermaß angewendet führt dies unweigerlich zu Inflation und in Extremfällen zu Hyperinflation. Deshalb ist es von höchster Wichtigkeit dafür zu sorgen, daß die Monetative unabhängig von der Regierung bestimmen kann wieviel zusätzliches Geld abhängig vom Wirtschaftswachstum benötigt.

Folgende Maßnahmen könnten die Unabhängigkeit einer Monetativen stärken:

1. Nicht eine einzelne Person, sondern ein Rat, der aus mindestens 5 Mitgliedern besteht, sollte über die Höhe neu geschöpften Geldes entscheiden.

2. Dieser Rat sollte vom Volk und nicht von Politikern gewählt werden.

3. Über einen Volksentscheid sollte das Volk das Recht haben jederzeit die Zusammensetzung dieses Rats zu ändern.

4. Genauso sollte das Volk das Recht gegen jede Entscheidung dieses Rats auch noch nachträglich über eine Volksabstimmung sein Veto einzulegen.

5. Sitzungen oder Treffen dieses Rats sollten öffentlich stattfinden.

Vermutlicher Kostenanstieg bei Bankdienstleistungen

S. 110


Anstieg der Habenzinsen und dadurch auch der Kreditzinsen

Da unbares Geld auf Geldkonten 100%ig sicher ist, könnte die Meinung aufkommen, daß Geldbesitzer in einem Vollgeldsystem höhere Zinsen verlangen könnten als im heutigen System, um ihr Geld zu "sparen". Dies hätte zur Folge, daß auch die Kreditzinsen in gleichem Maße steigen müssten. ..................

Nachteile

Negative Seigniorage

Um den Geldwert stabil zu halten soll die Monetative die Geldmenge entsprechend dem Wirtschaftswachstum erhöhen. Auf der anderen Seite bedeutet das aber auch, daß die Geldmenge verringert werden sollte, falls das Wirtschaftsprodukt sinkt. In solch einem Fall müßte der Staat einen Teil seiner Staatseinnahmen an die Monetative abgeben. Dieser Nachteil sollte aber vernachlässigbar sein, da die Vorteile sehr stark überwiegen und der Fall einer Schrumpfung des Wirtschaftsprodukts nur selten vorkommen sollte.

Banken verlieren ihren Extrazinsgewinn

Keine Verzinsung von unbarem Geld

Weil Vollgeld auf Geldkonten gesetzliches Zahlungsmittel darstellt und zu 100% verfügbar ist, wird es dafür im Gegensatz zu heutigem Giralgeld keine Guthabenzinsen mehr geben. Auf der anderen Seite ist aber garantiert, daß unbares Vollgeld wirklich sicher ist. Dadurch sollte dieser Nachteil leicht in Kauf genommen werden können.


Quellen

Publikationen

Vollgeldreform nach Prof. Joseph Huber

  • Die Vollgeld-Reform. Wie Staatsschulden abgebaut und Finanzkrisen verhindert werden können: Mit Beiträgen von Hans Christoph Binswanger, Joseph Huber und Philippe Mastronardi 1. Auflage 2012
  • Buch: Monetäre Modernisierung. Zur Zukunft der Geldordnung 2011 2. aktualisierte Auflage
  • Geldschöpfung in öffentlicher Hand: Weg zu einer gerechten Geldordnung im Informationszeitalter 1. Auflage 2008
  • Vollgeld: Beschäftigung, Grundsicherung und weniger Staatsquote durch eine modernisierte Geldordnung 1. Auflage 1998

100%-Reservesysteme

  • 100%-money/100%-Geld von Irving Fisher

Videos

Vollgeldreform nach Prof. Joseph Huber

Verein Monetäre Modernisierung aus der Schweiz

American Money Institute


Einzelnachweise

  1. Mystery of Banking S. 120
Persönliche Werkzeuge
Werkzeuge