AG Geldordnung und Finanzpolitik/ThemaGegenwaertigesGeldsystem
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Vorbemerkung:
Dies ist eine Meinung, die derzeit von dem Mitglied Keox vertreten wird und spiegelt nur die Meinung einiger Mitglieder der Piratenpartei oder der AG Geldordnung und Finanzpolitik wieder. Wer Anmerkungen/Fragen hat schreibt diese bitte auf die Diskussionsseite zu diesem Artikel.
Vorwort
- Hier soll eine auch für Laien leicht verständliche Darstellung des Gegenwärtigen Geldsystems entstehen. Geld ist leider ein komplexes Thema. Es gibt in den untenstehenden Erklärungen viele Wiederholungen, so daß der Text monoton wirkt. Das ist leider notwendig und gewollt, um Mißverständnisse und Unklarheiten zu vermeiden. Es gibt gerade beim Thema Geld viele schwammige und überlappende Begriffe. Und es gibt auch für viele Dinge mehrere Begriffe die aber ein und dasselbe meinen, beim Laien aber nur für Verwirrung sorgen, wenn man sie abwechselnd benutzt. Deshalb habe ich versucht mit möglichst wenig Fremdwörtern und Fachbegriffen auszukommen. Am wichtigsten ist es klare Definitionen bereitzustellen. Ohne diese Grundlage führt jede Diskussion über Geld zu Nichts. Bitte verändert an diesem Wiki-Text nichts direkt. Ich werde den Text in ein Piratenpad kopieren. Dort können wir dann gemeinsam an Verbesserungen oder Ergänzungen arbeiten, die dann hier übernommen werden. Die Zeichnungen sollen natürlich irgendwann ersetzt werden. Wenn ihr also jemanden kennt, der gut mit einem Grafikprogramm umgehen kann, solltet ihr euch bei mir melden.Keox 03:41, 8. Dez. 2011 (CET)
- Die meisten Informationen stammen aus dem Buch "Monetäre Modernisierung" von Joseph Huber und den Publikationen der Deutschen Bundesbank.
- Jeder der nicht mit dem Inhalt übereinstimmt, kann in den dazugehörigen Piratenpads seine Kritik äußern:
Geld, Geldmengen und Geldanlagen -> Pad
Geldschöpfung -> Pad
Funktionsweise des Zahlungsverkehrs -> Pad
Geld, Geldmengen und Geldanlagen
Was ist Geld
Geld ist das, womit man bezahlen kann. Geld ist also das offizielle und damit allgemein akzeptierte Zahlungsmittel innerhalb eines Währungsraumes. Per Gesetz lässt sich die allgemeine Akzeptanz erzwingen, wenn dadurch Steuern nur in der staatlichen Währung bezahlt werden können. Es gibt verschiedene Formen von Geld. Münzen und Banknoten bilden zusammen das Bargeld. Das unbare Geld auf Bankkonten wird Buchgeld genannt, da es nur in den Kontenbüchern der Bank existiert. Abstrakt betrachtet stellt verdientes Geld (Arbeitnehmereinkommen oder Unternehmensgewinn) auf der einen Seite den Nachweis einer erbrachten Leistung zum Wirtschaftsprodukt dar und auf der anderen Seite den Anspruch auf einen Teil des Wirtschaftsprodukts in gleicher Höhe. Geliehenes Geld oder Schulden ermöglichen es in diesem Sinne diesen Anspruch vorzeitig einzulösen und die entsprechende Leistung erst in Zukunft zu erbringen.
Geld ist also im wesentlichen eine Information. Um diese Information festzuhalten wurden in der Geschichte der Menschheit unterschiedliche Trägermedien verwendet. Diese Information wurde auf Münzen geprägt, auf Papier gedruckt und in Bücher geschrieben. Heutzutage wird diese Information größtenteils nur noch in Form von Bits und Bytes in Computern gespeichert.
Drei Akteursgruppen des Geldsystems
Es gibt die Zentralbank, die Banken und die Nicht-Banken/Publikum. Zu den Nicht-Banken gehören private und öffentliche Haushalte sowie Unternehmen.
Offizielle Geldmengendefinitionen
Innerhalb des Euro-Währungsgebietes wird zwischen den Geldmengen M0, M1, M2 und M3 unterschieden.
M0-Geldmenge
umfasst alles Bargeld, egal ob es sich im Besitz von Banken (bare Reserven/Kassenbestände) oder Nicht-Banken befindet und alle Sichtguthaben von Banken auf ihren Zenralbankkonten (unbare Reserven/Überschussreserven) bei der Zentralbank. Sichtguthaben sind Buchgeld, welches jederzeit verfügbar ist. Die Mindestreserven gehören nicht zum M0-Geld.
Zentralbankgeldmenge
umfasst die M0-Geldmenge und die Mindestreserven.
Zahlungsreserven
sind eine Teilmenge der M0-Geldmenge und umfassen die Sichtguthaben von Banken auf ihren Zentralbankkonten (deren Kontonummern die Bankleitzahlen sind) bei der Zentralbank (unbare Reserven/Überschussreserven) und das im Besitz der Banken befindliche Bargeld (bare Reserven/Kassenbestände) oder anders ausgedrückt: Zahlungsreserven = M0-Geldmenge minus Bargeld im Publikum.
Mindestreserven
Laut Bundesbank besteht für jede Bank die Plficht 1% der Summe bestimmter Sicht-, Spar- und Termineinlagen, die im Besitz von Nichtbanken sind als ein unbares Zentralbankgeld-Guthaben auf dem Zentralbankkonto zu halten. Die unbaren Reserven/Überschussreserven sind etwas anderes als Mindestreserven: Mindestreserven sind Pflichteinlagen, die rückverzinst werden. Die Banken zahlen zwar Zinsen dafür, aber erhalten diese wieder zurück. Das unbare Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken besteht aus ihren 1% unbaren Mindestreserven und zusätzlich ihren unbaren Reserven/Überschussreserven. Die unbaren Reserven/Überschussreserven benutzen Banken für ihren Zahlungsverkehr, während die Mindestreserven normalerweise nicht dafür verwendet werden und deshalb als stillgelegt betrachtet werden müssen. Die Mindestreservepflicht ist im Monatsdurchschnitt zu erfüllen. Es ist also möglich, daß Banken kurzfristig auch auf einen Teil ihrer Mindestreserven zurückgreifen, um Zahlungen zu tätigen.
M1-Geldmenge
umfasst alles Bargeld, das sich im Besitz von Nicht-Banken befindet. Bargeld, welches also einer Bank gehört, zählt noch nicht zu M1-Geld, sondern erst nachdem es eine Nicht-Bank bekommen hat. Außerdem gehören alle Sichtguthaben von Nicht-Banken dazu. Diese Sichtguthaben befinden sich auf den Girokonten und werden deshalb auch Giralgeld genannt. Mit Giralgeld kann man also jederzeit etwas bezahlen, da es für das Publikum jederzeit verfügbar ist. M1-Geld besteht in der Europäischen Währungsunion (EWU) zu etwa 1% aus Münzen, zu etwa 19% aus Banknoten und zu etwa 80% aus Giralgeld.
Das ist ein zweiter Entwurf einer bildlichen Darstellung von M0, M1, M2 und M3. Die grauen Bereiche stellen Bargeld dar. Die weißen Bereiche stellen unbares Geld dar. Gestrichelte Linien stellen durchlässige Grenzen dar. Das bedeutet, daß eine direkte Umwandlung der angrenzenden Bereiche möglich ist. Wer Fehler erkennt oder Verbesserungsvorschläge hat soll sich bitte an Keox wenden.
M2-Geldmenge
umfasst die M1-Geldmenge plus alle Sparguthaben/-einlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu 3 Monaten und Terminguthaben/-einlagen mit einer maximalen Laufzeit von zwei Jahren. Und zwar nur Sparguthaben und Terminguthaben von Nicht-Banken. Sparguthaben sind Buchgeld, welches einer Bank für unbestimmte Zeit überlassen worden ist. Ohne Kündigung kann man kurzfristig nur auf auf einen Teil zugreifen. Sparguthaben werden variabel verzinst. Terminguthaben sind Buchgeld, welches einer Bank für eine bestimmte Zeitdauer überlassen worden ist. Zugriff darauf ist erst nach Ablauf der Vertragslaufzeit möglich. Terminguthaben werden fest verzinst. Nach Beeindigung der Laufzeiten werden diese Guthaben zu Sichtguthaben, also M1-Geld, welches sie vorher auch schon waren. M2-Geldguthaben (mit M2-Geldguthaben ist die M2-Geldmenge ohne M1-Geld gemeint) ist strenggenommen kein Geld, sondern bloß eine Forderung auf M1-Geld, mit dem man tatsächlich etwas bezahlen könnte. Man könnte es auch als vorübergehend stillgelegtes oder eingefrorenes M1-Geld bezeichnen. Deshalb ist M2-Geldguthaben kein Zahlungsmittel sondern gehört zu den Geldanlagen.
M3-Geldmenge
umfasst die M2-Geldmenge plus verbriefte Forderungen, die im Besitz des Publikums sind und eine geringe Laufzeit von bis zu zwei Jahren aufweisen. Dazu gehören zum Beispiel Geldmarktpapiere, Repogeschäfte und kurzfristige Bankschuldverschreibungen. Bankschuldverschreibungen werden von einer Bank emittiert und verzinst. Unter Emission versteht man die erstmalige Ausgabe eines Wertpapiers auf dem Markt. Der Käufer bekommt durch dieses Wertpapier die Zusicherung regelmäßig die vereinbarten Zinsen zu erhalten und am Ende der Laufzeit die ursprüngliche Kaufsumme zurückerstattet zu bekommen. Geldmarktpapiere sind auch ausgegebene Schuldverschreibungen, die aber nicht nur von Banken, sondern auch von Unternehmen stammen können. Bei Repogeschäften werden Wertpapiere (zum Beispiel Staatsanleihen und Aktien) von Banken an das Publikum verkauft, wobei eine beiderseitige Rückkaufvereinbarung getroffen wird. Während die Gläubiger von M3-Geldanlagen (mit M3-Geldanlagen ist die M3-Geldmenge ohne die M2-Geldmenge gemeint.) immer zu den Nicht-Banken gehören, sind unter den Schuldnern neben Banken auch Nicht-Banken. Auch M3-Geldanlagen stellen wie M2-Geldguthaben kein echtes Geld dar, mit dem etwas bezahlen werden kann, sondern bloß eine Forderung auf M1-Geld. Deshalb sollte man M3-Geldanlagen nicht als Geld bezeichnen.
Außerhalb des Euro-Währungsgebietes gibt es aber andere Definitionen. Nur M1 wird überall gleich definiert.
Geldanlagen über M3-Geldanlagen hinaus
Zu M3-Geld gehören Wertpapiere, die im Besitz des Publikums sind und eine geringe Laufzeit von bis zu zwei Jahren haben. Wertpapiere im Besitz des Publikums mit längeren Laufzeiten werden nicht zu M3-Geld gezählt. Unabhängig von Laufzeiten werden Wertpapiere im Besitz von Banken ebenfalls nicht zu M3-Geld gezählt. Zu Geldanlagen, die nicht zu M3-Geld gehören, zählen zum Beispiel Lebensversicherugen, Bausparverträge, Grundpfandbriefe, Anleihen, Aktien, Derivate und ähnliches. Solche Wertpapiere können direkt oder indirekt in Form von Fondanteilen gekauft werden. Man kann sie primär bei ihrer Emission oder sekundär auf speziellen Märkten kaufen. Sie können an der Börse gehandelt werden, wo bestimmte Regeln eingehalten werden müssen, während manche Wertpapiere auch außerbörslich gehandelt werden dürfen. Grundpfandbriefe werden von Hypothekenbanken emitiert und sind mit Immobilien besichert. Anleihen werden von Staaten, großen Unternehmen und Gebietskörperschaften emitiert. Bei der Emission von Aktien erhält der Käufer nicht nach einer bestimmten Laufzeit die Kaufsumme zurück, sondern er erwirbt einen Anteil am Unternehmen. Auch Sachwerte werden als Geldanlage genutzt. Dazu gehören vorallem Immobilien und Grundstücke.
???Inwiefern gibt es über die Summen dieser Geldanlagen verlässliche Zahlen???
Größenverhältnisse der Geldmengen untereinander
In untenstehender Tabelle sind die Werte in Milliarden Euro von unterschiedlichen Geldmengen Ende 2008 in Deutschland enthalten. In der Spalte "Multiples von" ist angegeben in welcher Höhe die jeweilige Geldmenge ein Vielfaches einer anderen Geldmenge ist. In der Spalte "Fraktion" rechts daneben steht in Prozent wie groß diese andere Geldmnge im Verhältnis zu der jeweiligen Geldmenge ist.
Beispiel: Die M1-Geldmenge ist 15 mal so groß wie die Zahlungsreserven. Fraktional betrachtet bedeutet das, daß die Zahlungsreserven so groß sind wie 6,5 % dieser M1-Geldmenge.
Rangfolge des Geldes und seiner Anlagemöglichkeiten
Beginnend mit maximaler Liquidität und hoher Sicherheit, aber auch keiner Verzinsung oder keinem Wertzuwachs. Normalerweise erfolgt sogar eine Wertminderung durch die Inflation. Am Ende stehen Geldanlagen mit minimaler Liquidität, hoher Verzinsung und niedriger Sicherheit, welche sich in potentiell großen Kursschwankungen ausdrückt. Nur M1-Geld stellt echtes Geld dar mit dem etwas bezahlt werden kann. Ab dem M2-Geld beginnen die Geldanlagen.
- Bargeld M1
- Giralgeld M1
- Spareinlagen und Termineinlagen M2
- Geldmarktpapiere M3
- Staatsanleihen - hohe Laufzeiten
- Hypothekenpfandbriefe und immobilienbezogene Wertpapiere
- Aktien - hohes Kursrisiko
- Gold, Rohstoffe, Immobilien, Kunstwerke Sachwerte
Die Funktionen des Geldes
Geld soll drei Funktionen haben. Es soll Zahlungsmittel sein, als Wertmaßstab und als Wertaufbewahrungsmittel dienen. Geld ist zwar eindeutig und hauptsächlich Zahlungsmittel, aber strenggenommen kein echtes Wertaufbewahrungsmittel. Geldanlagen müssen zwar mit Geld gekauft werden, stellen selbst aber kein Geld dar, da man nicht mit ihnen bezahlen kann. Natürlich muß M1-Geld auch zum Geldvermögen gezählt werden, aber seine Hauptfunktion besteht darin Zahlungsmittel zu sein. Wenn jemand über viel Geldvermögen verfügt, besteht in der Regel aus gutem Grund nur ein geringer Teil davon aus M1-Geld. Die Wertzumessungs- und Rechenfunktion wird strenggenommen von der Währung erfüllt und nicht vom Geld.
Vergangene Entwicklung der Geldmengen
???Hier sollten Schaubilder stehen auf denen anhand von Kurven die Veränderungen aller Geldmengen seit der Euroeinführung zu sehen sind. Außerdem wäre eine Tabelle mit den Nominalwerten und den jährlichen Zuwachsraten hilfreich. Wer weiß wo man so etwas auf offiziellen Seiten finden kann???
Wodurch erhält die Geldmenge M1 seinen Wert/Kaufkraft? oder Wodurch wird die Geldmenge M1 gedeckt?
Allein aufgrund der Tatsache, dass man etwas damit kaufen kann. Würde man in einem Land leben in dem nichts produziert wird, wäre M1-Geld der dortigen Währung wertlos. Daran erkennt man auch, daß es Unsinn ist zu denken man könnte den Wert des Geldes durch Gold decken. Auch Gold wird wertlos, wenn man nichts damit kaufen kann. Der Wert des Geldes wird also nur durch das ständig geschaffene Wirtschaftsprodukt im jeweiligen Währungsraum gedeckt.
Geldschöpfung
Wie sehen Bilanzen von Zentralbank, Banken und Nicht-Banken im fraktionalen Reservesystem aus?
Bilanzen sind eine Gegenüberstellung der Vermögen und Schulden. In der Fachsprache wird in eine Aktivseite (Vermögen,Haben,Forderungen) und eine Passivseite (Schulden,Soll,Verbindlichkeiten) unterteilt. Auf der Aktivseite befinden sich hauptsächlich verfügbares Geld, Forderungen (vorallem Kreditforderungen), Wertpapiere oder Sachwerte. Auf der Passivseite stehen überwiegend Verbindlichkeiten gegenüber anderen. Die Höhe des Eigenkapitals ergibt sich wenn man vom Vermögen die Schulden abzieht. Eigenkapital ist eine Bilanzgröße ohne festen Inhalt. Es stellt nicht eine verfügbare liquide Summe an Geld dar. Ist das Eigenkapital positiv steht es in der Bilanz auf der Passivseite. Umgekehrt steht Eigenkapital auf der Aktivseite wenn es negativ ausfällt. Sobald das Eigenkapital negativ wird ist man pleite. Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz tritt ein wenn man über kein liquides Geld mehr verfügt um zu bezahlen.
Nichtbanken
- Aktivseite:
- Bargeld im Besitz der Nichtbank.
- Giralgeld stellt aus Sicht einer Nichtbank eine täglich einlösbare Forderung gegenüber einer Bank dar. Als Nichtbank kann man sich sein Sichtguthaben jederzeit in bar auszahlen lassen oder zu einem anderem Girokonto überweisen.
- Spar- und Terminguthaben stellen aus Sicht einer Nichtbank eine nach Vertragsende einlösbare Forderung gegenüber einer Bank dar. Sobald der Vertrag zu Ende ist wird es zu Sichtguthaben/Giralgeld, welches es vorher schon gewesen ist.
- Wertpapiere/Verbriefte Forderungen: Hierzu zählen M3-Geldanlagen und alles darüber hinaus. Also unter anderem auch Bankschuldverschreibungen, Staatsanleihen und ähnliches.
- Zu den Sachvermögen im Besitz einer Nichtbank gehören vorallem Immobilien und Grundstücke. Im Fall von Unternehmen auch das Produktionskapital.
- Passivseite:
- Kreditverbindlichkeiten gegenüber Banken stellen Schulden dar, die noch zurückgezahlt werden müssen.
- Eigenkapital ist eine Berechnungsgröße und ergibt sich wenn man die Schulden vom Vermögen abzieht.
Banken
- Aktivseite:
- Bare Reserve: Bargeld im Besitz der Bank.
- Unbare Reserve: Unbares Zentralbankgeld auf dem Zentralbankkonto stellt eine täglich einlösbare Forderung gegenüber der Zentralbank dar. Sie besteht aus der Mindestreserve und der Überschussreserve.
- Kreditforderungen gegenüber Nichtbanken: Vergebene Kredite die noch zurückgezahlt werden müssen.
- Wertpapiere/Verbriefte Forderungen: Hierzu zählen unter anderem Staatsanleihen, Aktien und ähnliches.
- Sachvermögen
- Passivseite:
- Täglich fällige Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken: Die Kunden können jederzeit ihre Sichtguthaben in bar abheben oder zu anderen Kunden überweisen.
- Nach Vertragsende fällige Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken: Die Kunden können über diese Spar- und Terminguthaben erst nach Vertragsende verfügen. Solange gelten sie als stillgelegt.
- Sonstige Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken: Alle Verbindlichkeiten, die aufgrund ihrer langen Vertragslaufzeit nicht zur M2-Geldmenge oder M3-Geldmenge gehören, finden sich hier wieder. Auch die Bankschuldverschreibungen werden zu dieser Bilanzposition gezählt.
- Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank: Von der Bank aufgenommene Zentralbankkredite, um ihre unbaren Reserven zu erhöhen.
- Eigenkapital ist eine Berechnungsgröße und ergibt sich wenn man die Schulden vom Vermögen abzieht.
Zentralbank
- Aktivseite:
- Gold- und Währungsreserven: In den Besitz dieses Vermögens gelangt die Zentralbank, wenn Banken Zentralbankgeld durch den Verkauf von Gold oder Devisen ihre unbaren Reserven erhöhen.
- Kreditforderungen gegenüber Banken: Entstehen durch Zentralbankkredite an Banken, wodurch die Banken ihre unbare Reserven erhöhen.
- Wertpapiere/Verbriefte Forderungen:
- Sachvermögen:
- Passivseite:
- Bargeld im Umlauf: Das von der Zentralbank ausgegebene Bargeld, welches sich nun im Besitz von Banken oder Nichtbanken befindet.
- Täglich fällige Verbindlichkeiten gegenüber Banken: Diese Sichtguthaben in Zentralbankgeld können sich Banken in bar ausbezahlen lassen, falls die Kundennachfrage nach Bargeld steigt. Oder sie werden für den Zahlungsverkehr zwischen den Banken verwendet.
- Eigenkapital ist eine Berechnungsgröße und ergibt sich wenn man die Schulden vom Vermögen abzieht.
Zusammenhänge zwischen den Bilanzen
Verbindlichkeiten des einen sind immer Forderungen eines anderen, weshalb Bilanzpositionen die Geld repräsentieren immer einen Gegenpart auf der anderen Seite haben. Im folgenden Schaubild sieht man welche Bilanzpositionen aus Sicht eines anderen das gleiche sind.
Was ist Geldschöpfung
Unter Geldschöpfung ist das Erschaffen und Ausgeben von neuem, das heisst zusätzlichem Geld zu verstehen, so daß die gesamte Geldmenge steigt. Wenn also alte und abgenutzte Geldscheine gegen neue Geldscheine ausgetauscht werden, handelt es sich dabei nicht um Geldschöpfung.
Zentralbankgeldschöpfung durch Zentralbanken
Der Staat/Regierung hat die Münzhoheit: Er lässt Münzen prägen und verkauft sie dann zum Nennwert an die Zentralbank. Die Differenz zwischen Herstellungskosten und Nennwert erhält der Staat als Gewinn. Solch ein Geldschöpfungsgewinn wird Seigniorage genannt. Der Münzgewinn in Deutschland beträgt zwischen 200 und 400 Millionen jährlich. Die Zentralbank hat das Notenmonopol: Nur sie darf Banknoten ausgeben. Das geschieht ganz einfach, indem sich eine Bank einen Teil ihres unbaren Guthabens von ihrem Zentralbankkonto auszahlen lässt. Wie aber kommt dieses unbare Guthaben auf die Zentralbankkonten? Dafür gibt es zwei Möglichkeiten.
Erste Möglichkeit: Zum einen kann eine Bank einen Kredit gegen Sicherheiten (z.B. Wertpapiere) bei der Zentralbank aufnehmen. Diesen Kredit bekommt die Bank dann auf ihrem Zentralbankkonto als Buchgeld gutgeschrieben. Danach kann sich die Bank dieses Buchgeld nur in Form von Bargeld auszahlen lassen. Diese unbaren Reserven in Form von Krediten werden also als zu verzinsende und zu tilgende Schuld erschaffen. In der Zentralbankbilanz entsteht dadurch auf ihrer Aktivseite eine Kreditforderung an die Bank. Auf ihrer Passivseite entsteht dadurch eine Verbindlichkeit gegenüber der Bank. Dies geschieht durch eine Bilanzverlängerung. Sobald die Bank den Kredit zurückzahlt, verschwinden die Forderung der Zentralbank und die entsprechende Verbindlichkeit gegenüber der Bank durch eine Bilanzverkürzung. In der Regel werden solche Kredite nicht getilgt, sondern revolviert, das heisst sie werden sofort durch neue Kredite ersetzt oder verlängert.
Die zweite Möglichkeit, für Banken Buchgeld auf ihre Zentralbankkonten zu bekommen, besteht darin, daß die Banken der Zentralbank etwas verkaufen, das die Zentralbank zu diesem Zeitpunkt auch haben möchte. In der Regel handelt es sich dabei um Gold, Devisen oder Wertpapiere. Die entsprechende Kaufsumme wird ihnen dann auf ihren Zentralbankkonten gutgeschrieben. Bei beiden Möglichkeiten entsteht unbares Zentralbankguthaben durch Gutschrift quasi aus dem Nichts. Der Geldschöpfungsgewinn bei Banknoten entspricht nicht wie bei Münzen einer Seigniorage (Differenz zwischen Herstellungskosten und Nennwert), sondern beschränkt sich auf den Zinsgewinn, der durch die unbaren Kredite der Zentralbank an die Banken entsteht. Dieser Zinsgewinn wird von der Zentralbank an den Staat weitergereicht.
???Tabelle mit Zahlen zu den Herstellungskosten der verschiedenen Münzen und Banknoten???
Giralgeldschöpfung durch Banken
Buchgeld in Form von Sichtguthaben wird durch Kreditevergabe an Nicht-Banken geschöpft. Eine Bank kann sich selbst keinen Kredit geben. Wenn ein Kredit gewährt wird (gilt auch für Überziehungskredite), schreibt die Bank dem Kreditnehmer den entsprechenden Betrag auf seinem Kunden-Girokonto gut, ohne dass die Bank dieses Geld vorher von jemandem leihen mußte oder es schon auf ihren eigenen Konten hatte. Die Bank gibt dem Kunden also nicht Geld, welches sie schon hat, sondern erschafft dieses Geld durch einen zusätzlichen Bucheintrag. Es findet eine sogenannte Bilanzverlängerung statt. Giralgeld wird quasi aus dem Nichts geschöpft. Die Menge an Giralgeld, welche die Bank durch Kredite schöpfen darf ist durch die Höhe der vorgeschriebenen Mindestreservepflicht und den Eigenkapitalanforderungen beschränkt. Außerdem muß die Bank über genügend Zahlungsreserven verfügen, damit sie den Zahlungsverkehr aufrecht erhalten kann. Beträgt die Mindestreservepflicht zum Beispiel 2% darf eine Bank das fünfzigfache von der Summe ihrer Mindestreserve als Sicht-, Spar- und Terminguthaben in ihrer Bilanz haben. Solange diese Guthaben weniger ausmachen darf die Bank Giralgeld schöpfen ohne weitere Reserven aufnehmen zu müssen. Deshalb wird dieses System auch fraktionales Reservesystem genannt, da nur eine Fraktion/Bruchteil der Summe bestimmter Sicht-, Spar- und Terminhuthaben (Verbindlichkeiten gegenüber den Kunden) in Form von Reserven bereitgehalten werden muss. Giralgeld in Form von Krediten an Nichtbanken wird also als zu verzinsende und zu tilgende Schuld erschaffen. Giralgeldvernichtung findet statt, wenn ein Kredit getilgt wird. Dabei kommt es zu einer Bilanzverkürzung. Giralgeld wird auch geschöpft, wenn eine Bank ein Wertpapier wie zum Beispiel eine Staatsanleihe kauft. Der Geldschöpfungsgewinn bei Giralgeld entspricht nicht wie bei Münzen einer Seigniorage (Differenz zwischen Herstellungskosten und Nennwert), sondern beschränkt sich auf den Zinsgewinn, der durch die unbaren Kredite der Banken entsteht. Dieser Zinsgewinn gehört den Banken.
Zitat Bundesbank aus Geld und Geldpolitik (Stand Herbst 2010) auf den Seiten 67 und 68 unter der Überschrift "Wie das Bargeld in Umlauf kommt":
"Wenn eine Geschäftsbank Bedarf an Bargeld hat, nimmt sie bei der Zentralbank einen Kredit auf. Die Zentralbank prüft, ob die Voraussetzungen für eine Kreditvergabe erfüllt sind. Ist dies der Fall, schreibt die Zentralbank der Geschäftsbank den aufgenommen Betrag auf dem Konto der Geschäftsbank bei der Zentralbank gut. Die Zentralbank gewährt nur dann Kredit, wenn die Geschäftsbank den Kredit durch Hinterlegung von Pfändern besichert. Ganz allgemein handelt es sich bei solch einem Vorgang – Kreditgewährung und entsprechende Gutschrift auf einem Konto – um die Schöpfung von Buch- bzw. Giralgeld. In diesem speziellen Fall spricht man von der Schöpfung von Zentralbankgeld."
"Nutzt sie dieses Guthaben, um einen zuvor bei der Zentralbank aufgenommenen Kredit zu tilgen, kommt es zur „Vernichtung“ von Zentralbankgeld. Sowohl der Kredit als auch das Guthaben werden ausgebucht."
Zitat Bundesbank aus Geld und Geldpolitik (Stand Herbst 2010) auf den Seiten 68 und 70 unter der Überschrift "Wie das Giralgeld der Geschäftsbanken in Umlauf kommt":
"Aber wie ist dieses Giralgeld entstanden? Der Vorgang entspricht der Entstehung von Zentralbankgeld: In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto gut. Wird dem Kunden ein Kredit über 1.000 Euro gewährt (z. B. Laufzeit 5 Jahre, 5 %), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist Giralgeld entstanden bzw. wurden 1.000 Euro Giralgeld geschöpft (siehe Grafik 1. Vorgang). Die Giralgeldschöpfung ist also ein Buchungsvorgang."
In der Auflage von 2007 beschreibt die Bundesbank den Vorgang der Geldschöpfung noch so als ob die Banken Geld von ihren Kunden weiterverleihen würden. Davon hat sie in der aktuellen Auflage von 2010 Abstand genommen. Ein direkter Vergleich beider Versionen ist hier möglich. Leider hat sie es immer noch nicht geschafft das fraktionale Reservesystem vollständig zu erklären.
Ottmar Issing war Chefsvolkswirt und Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank. Im Oktober 2008 wurde er von der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Vorsitzenden der Expertengruppe "Neue Finanzmarktarchitektur" berufen. Issing schreibt in seinem Buch "Einführung in die Geldtheorie" auf den Seiten 61 und 62 (13. Auflage):
"Analog zur Schaffung von Zentralbankgeld kann das Geschäftsbankengeld durch Monetisierung von Aktiva durch die Geschäftsbanken entstehen. Auch dieser Vorgang beruht entweder auf einer Kreditgewährung oder das Geld wird ohne Zunahme der Kreditsumme geschaffen.
Räumt eine Geschäftsbank beispielsweise einem Unternehmen einen Kontokorrentkredit in Höhe von 1000 ein, so zeigen die Bilanzen folgende Veränderungen:
............................................................................
Im ersten Fall liegt also eine Bilanzverlängerung sowohl im Banken- wie im Nichtbankensektor vor, während im zweiten Fall bei der Nichtbank ein Aktivtausch stattfindet.
Geld ist in beiden Fällen geschaffen worden, weil die Geschäftsbank jeweils mit einer Forderung gegen sich bezahlt, die zur Geldmenge gerechnet wird; die betreffende Nichtbank verfügt über zusätzliche Sichtguthaben, mit denen sie per Scheck oder Überweisung Zahlungen leisten kann. Zur Geldvernichtung kommt es dagegen, wenn etwa ein Kredit zurückgezahlt oder ein Wertpapier von der Geschäftsbank an eine Nichtbank verkauft wird."
Inzwischen hat auch die FAZ die Giralgeldschöpfung begriffen.
Fraktionales Reservesystem oder multiple Geldschöpfung
Die Summe an Krediten, die eine Bank durch Giraldgeldschöpfung vergeben darf, ist nur indirekt durch die Summe von Kundenguthaben begrenzt. Einschränkende Größen stellen die Höhen der Mindestreservepflicht, der Zahlungsreserven und der Eigenkapitalanforderungen dar. Die Höhe der Mindestreserve ist abhängig von der Summe bestimmter Sicht-, Spar- und Terminguthaben, die im Besitz von Nicht-Banken sind und wird gesetzlich vorgeschrieben. Die Mindestreserve muß sich als unbares Zentralbankgeld auf dem Zentralbankkonto befinden. Der Zahlungsverkehr wird hauptsächlich mithilfe der Zahlungsreserven, das heißt den unbaren Überschussreserven auf dem Zentralbankkonto und den baren Reserven erledigt. Die Höhe dieser Zahlungsreserven wird nicht gesetzlich vorgeschrieben. Jede Bank darf selbst bestimmen wieviel Zahlungsreserven sie bereithalten muss, um einen störungsfreien Zahlungsverkehr sicher stellen zu können. Ende 2008 betrug die Höhe aller Sichtguthaben das 12fache aller Zahlungsreserven, das 17fache aller Überschussreserven und das 46fache aller baren Reserven der Banken. Fraktional betrachtet betrugen alle Zahlungsreserven 8%, alle Überschussreserven 5,9% und alle baren Reserven 2% aller täglich fälligen Sichtguthaben bei den Banken. Es gibt also zwei Betrachtungsweisen des Verhältnisses von Reserven zu Sicht-, Spar- und Terminguthaben. Man spricht von fraktionalem Reservesystem oder von multipler Geldschöpfung. Bei dem Modell der multiplen Geldschöpfung wird aber bewußt oder unbewußt der falsche Eindruck erweckt werden, daß Guthaben weiterverliehen werden, wodurch die Giralgeldgeldschöpfung aus dem Nichts unterschlagen wird. Der Kreditvorgang wird so dargestellt, als ob eine Bank von vorhandenen Guthaben nicht Alles, sondern nur einen großen Teil weiterverleihen darf und einen kleinen Teil behalten muß. Die Höhe der Mindestreserve soll entscheiden wieviel die Bank behalten muß. Hat eine Bank zum Beispiel 100€ und beträgt die Höhe der Mindestreservepflicht 5%, darf sie laut dem Modell der multiplen Geldschöpfung nur 95€ weiterverleihen und muß 5€ als Mindestreserve behalten. Die 95€ landen dann irgendwann bei einer anderen Bank und werden von dieser wieder abzüglich der Mindestreserve weiterverliehen. Dieser Vorgang soll sich so oft wiederholen bis der große Teil, den die Bank weiterverleihen darf Null erreicht. Auf diese Weise soll eine Summe von möglichen Krediten entstehen, die ein Vielfaches des anfänglichen Guthaben erreichen können soll. Deshalb sollte man die Bezeichnung multipe Geldschöpfung vermeiden und nur von fraktionalem Reservesystem sprechen. Denn Kredite und damit auch Sichtguthaben entstehen nicht durch Verleihen von Guthaben oder Reserven, sondern durch Giralgeldschöpfung, welche durch fraktionale Reserven-Refinanzierung erlaubt wird. Die Höhe der Reserven wird vorauseilend oder nachträglich der Summe von durch Kundenkredite entstandenen Guthaben angepasst. Die Höhe der Reserven beschränkt die Kreditvergabe nicht wirklich, da sich die Banken in der Regel bei der Zentralbank problemlos refinanzieren können. Es kommt praktisch nie vor, daß einer Bank die Refinanzierung mit Zentralbankgeld durch die Zenralbank verwehrt wird. Das Publikum muß also kein Giralgeld auf ihren Girokonten bereitstellen und auch keine Sparguthaben gebildet haben, damit Banken Kredite an das Publikum vergeben können. Sparen muß dem Investieren mithilfe von Krediten nicht vorausgehen.
???Ausführliche Gegenüberstellung von fraktionalem Reservesystem und multipler Geldschöpfung???
Kreditvergabe durch die Zentralbank
Die Zentralbank verlangt Sicherheiten in Form von Wertpapieren, wenn eine Bank einen Zentralbankkredit haben möchte. Falls eine Bank aber droht pleite zu gehen, verhält sich die Zenralbank in der Regel nicht wie eine normale Bank im gleichen Fall gegenüber ihrem Kreditnehmer. Durch die Systemrelevanz von Banken werden sie von ihrem Gläubiger der Zentralbank nicht wie normale Schuldner behandelt, sondern dürfen in der Regel neue Kredite zu günstigen Bedingungen aufnehmen, um sich zu refinanzieren. Das gilt in besonderem Maße für große Banken oder in Zeiten einer Krise. Vor diesem Hintergrund verlieren die Sicherheiten der Banken an Bedeutung, da sie normalerweise nicht in Anspruch genommen, das heißt gepfändet werden. Ein weiterer Grund, um die Sicherheiten der Banken gegenüber der Zentralbank in Frage zu stellen, besteht darin, daß ein Teil der Wertpapiere (zum Beispiel Staatsanleihen), die als Sicherheit dienen sollen von den Banken durch Giralgeldschöpfung gekauft worden sind. Außerdem kaufen Banken auch von anderen Banken Wertpapiere und bezahlen mit Zentralbankgeld. Da aber gleichzeitig auch an andere Banken die gleichen Wertpapiere verkauft werden, fließt das Zentralbankgeld auf diese Weise wieder zurück. So daß unterm Strich die Banken keine Reservenabflüsse haben, aber trotzdem in den Besitz von Wertpapieren mit Laufzeiten von bis zu zwei Jahren gelangen, gegen deren Hinterlegung die Banken dann frisches Zentralbankgeld aufnehmen dürfen.
Welche Sicherheiten akzeptiert die Zentralbank?
Kreditvergabe durch Banken
Einer Kreditvergabe geht immer eine Bonitätsüberprüfung der Kreditnehmer voraus. Wie wahrscheinlich eine Zurückzahlung des Kredits ist, hängt vom Vermögen und Einkommen des Kreditnehmers ab. Beides dient der Bank als Sicherheit und kann gepfändet werden, falls der Kredit ausfallen sollte. Bei Investitionen von Unternehmen muß die Bank zusätzlich einschätzen wie sinnvoll diese Investitionen sind und ob sie sich rentieren. Die Strenge von Bonitätsprüfungen verändert sich je nach allgemeiner Wirtschaftslage. Wenn sich die Wirtschaft im Aufschwung befindet, vergeben Banken Kredite eher und zu besseren Bedingungen. Das Umgekehrte ist während dem Abschwung der Fall.
Die Summe der Kredite die von Banken vergeben werden können ist begrenzt. Erstens durch die Anzahl an Nichtbanken, die einen Kredit haben möchten und gleichzeitig auch über die erforderlichen Sicherheiten verfügen. Zweitens durch die Mindestreservepflicht die von Banken erfüllt werden muss und drittens durch die Eigenkapitalanforderungen.
Eigenkapitalanforderungen
Wieviel Eigenkapital muß eine Bank aufweisen, um Kredite vergeben zu dürfen?
Wie kann eine Bank ihr Eigenkapital erhöhen?
Geldmengensteuerung durch die Zentralbank
Die Hauptaufgabe der Zentralbank besteht darin für Geldwertstabilität zu sorgen. Die Kaufkraft des Geldes soll möglichst stabil bleiben, also weder in kurzen Zeiträumen stark steigen oder sinken, noch über einen langen Zeitraum schwach aber stetitg steigen oder sinken. Doch das erklärte Ziel der Zentralbank ist eine Inflation um 2%. Das würde über einen Zeitraum von etwa 35 Jahren zu einem Kaufkraftverlust von über 50% führen:
Sie hat also eine Aufgabe, die sie nicht erfüllen kann oder möchte. Stabilität der Kaufkraft des Geldes setzt voraus, daß die Geldmenge im Einklang mit dem Wirtschaftsprodukt mitwächst oder sogar mitsinkt, falls das Wirtschaftsprodukt sinken sollte. Die Bundesbank gibt aber offen zu, daß sie die Geldmenge nicht eindeutig definieren kann:
Zitat Bundesbank aus Geld und Geldpolitik Seite 66:
"Die Geldmenge lässt sich nicht eindeutig definieren Da die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Einlagearten und kurzfristigen Finanzinstrumenten fließend sind, lässt sich die Geldmenge nicht eindeutig definieren. Letztlich hängt es beispielsweise von der Fragestellung einer Untersuchung ab, welche Einlagearten man zum Geld rechnet und welche nicht bzw. welche Geldmenge man in der Untersuchung verwendet. Vor diesem Hintergrund haben andere Länder ihre Geldmengen nach anderen Kriterien definiert, beispielsweise die Schweiz und die USA. In der praktischen Geldpolitik steht in der Regel derjenige Geldmengenbegriff im Vordergrund, der zur Erfüllung der geldpolitischen Ziele am besten geeignet erscheint. Für das auf Preisstabilität verpflichtete Eurosystem steht die weit abgegrenzte Geldmenge M3 im Vordergrund seiner monetären Lageeinschätzung."
Die Bundesbank gibt also zu, daß sie schon im Ansatz scheitert. Sie versucht eine Geldmenge zu kontrollieren, die von anderen Ländern anders definiert wird und zu einem großen Teil kein Geld ist, sondern etwa zur Hälfte aus Geldanlagen besteht. Dennoch versucht die Zentralbank über die Höhen der Mindestreserve und der Zentralbankzinsen indirekt und deshalb unzureichend Einfluß auf die Geldmenge zu nehmen. Die Höhe der Mindestreservepflicht wurde seit dem Beginn der dritten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion am 1.1.1999 nicht geändert. Ab dem 18.1.2012 wurde die Mindestreservepflicht von 2% auf 1% gesenkt.
Die Zentralbank verzichtet also auf eines ihrer beiden Instrumente, um die Geldmenge zu kontrollieren. Übrig bleibt der Zentralbankzins, den Banken bezahlen müssen, um sich Zentralbankgeld zu besorgen. Er wird in der Regel in kleinen Schritten erhöht oder gesenkt und bewegte sich in der Vergangenheit zwischen 1% und 4,5%.
???Schaubild oder Tabelle seit Euroeinführung zur Höhe des Zentralbankzinses???
Durch erhöhen der Zentralbankzinsen erhofft sich die Zentralbank, daß die Banken im Gegenzug auch die Kreditzinsen anheben. Infolgedessen sollen weniger Kredite nachgefragt werden als ohne Zentralbankzinserhöhung. Es gibt aber keinen Grund weshalb die Banken die Zentralbankzinserhöhung im Verhältnis 1:1 auf die Kreditzinsen übertragen sollte. Der Effekt sollte wesentlich niedriger ausfallen, da die für die Kreditvergabe benötigten Reserven ja nur einen Bruchteil/Fraktion dieser Kreditsumme betragen. ???Hier wäre eine ausführliche Quelle hilfreich oder eine Beispielrechnung??? Es bleibt festzuhalten, daß die Kontrolle der Geldmenge durch die Zentralbank mangelhaft ist.
Funktionsweise des Zahlungsverkehrs
Drei Kreisläufe des Geldsystems
Es gibt zwei unbare Kreisläufe und einen baren Kreislauf. Die unbaren Kreisläufe sind getrennt voneinander, das heißt daß unbares Geld innerhalb eines dieser Kreisläufe nicht in den anderen Kreislauf gelangen kann. Zum einen wäre das der unbare Interbankenkreislauf zwischen den Banken untereinander. Dort zirkulieren nur die Reserven auf den Zentralbankkonten zwischen den Banken oder die Banken benutzen ihre Interbank-Girokonten. Zum anderen wäre das der unbare Publikumskreislauf. Dort zirkuliert nur das Giralgeld innerhalb des Publikums zwischen den Kundengirokonten. Entweder direkt wenn sich die Kundengirokonten bei derselben Bank befinden oder indirekt, das heißt vermittelt über die Zentralbankkonten oder die Interbank-Girokonten, wenn sich die Kundengirokonten bei unterschiedlichen Banken befinden. Es ist ausgeschlossen, dass unbare Reserven direkt von einem Zentralbankkonto auf ein Kundengirokonto gelangen können. Beim baren Kreislauf zirkuliert Bargeld zwischen der Zentralbank und den Banken direkt und auch zwischen den Banken und dem Publikum direkt. Es ist aber nicht möglich, daß Bargeld ebenso wie unbares Geld direkt vom Publikum zu der Zentralbank oder umgekehrt fließen. Das kann nur indirekt über die Banken als Zwischenstelle geschehen.
Unbarer Interbankenkreislauf
Der unbare Geldfluß zwischen Banken kann auf zwei Arten erfolgen. Entweder mit unbaren Reserven über die Zentralbankkonten bei der Zentralbank oder über Interbank-Girokonten. Wenn Banken Zahlungen untereinander über ihre Zenralbankkonten abwickeln, fließen immmer direkt unbare Reserven von einem Zentralbankkonto auf das andere. Die andere Art der Zahlung zwischen den Banken besteht in der Nutzung sogenannter Interbank-Girokonten. Banken können anderen Banken bei sich ein Interbank-Girokonto einrichten. Forderungen und Verbindlichkeiten auf solchen Konten entstehen, indem sich Banken darauf gegenseitig einen Überziehungskredit einräumen. (???Bedeutet das, daß auf solchen Konten nie ein positives Guthaben existieren kann und eines von diesen beiden Konten immer Null-Guthaben hat, oder vergeben Banken auf diesen Konten auch normale Kredite an andere Banken???) Das eigene Konto bei einer anderen Bank wird Nostro-Konto ("unser Konto") genannt, während das fremde Konto bei der eigenen Bank Loro-Konto ("ihr Konto") gennant wird. Wenn Bank A der Bank B etwas zu überweisen hätte, könnte Bank A also ihr Noro-Konto bei Bank B überziehen, so daß dort ein Soll entsteht. Umgekehrt wäre es für Bank A bei sich auch möglich dem Loro-Konto von Bank B den Betrag gutzuschreiben, falls dieses Loro-Konto ein Soll aufweist. Dieses Interbanken-Giralgeld wird in keiner der offiziellen Geldmengen erfasst. .... Wird irgendwann noch erweitert.
Was passiert in den Bankbilanzen und wie verändern sich die Geldmengen bei unterschiedlichen Geldflüssen und Geldschöpfungsprozessen?
Ausgangslage:
Die Bank hat sich 100 Euro Zentralbankgeld geliehen und sich 50 davon in Bargeld auszahlen lassen. Dem Zentralbankkonto der Bank wurden 100 gutgeschrieben, wovon sie sich die Hälfte gleich ausbezahlen ließ. Dadurch steigt M0 um 100 und die Zahlungsreserven der Bank ebenfalls um 100. Auf der Aktiva-Seite der Bank werden dadurch Zahlungsreserven in Höhe von 100 hinzugefügt. Gegenüber der Zentralbank hat die Bank auf ihrer Passiva-Seite nun eine Verbindlichkeit, also Schulden in Höhe von 100 stehen.
Bei Bankkreditvergaben an Nichtbanken und Bankkredittilgungen durch Nichtbanken?
Wenn nun ein Kunde einen Kredit von 100 haben möchte, verleiht die Bank nicht ihre Reserven, sondern schöpft dieses Giralgeld quasi aus dem Nichts und schreibt es dem Kundengirokonto gut. Durch einen zusätzlichen Bucheintrag findet eine sogenannte Bilanzverlängerung von 100 auf 200 statt. Auf der Aktivseite der Bankbilanz wird die Forderung "Kredit an Kunden" in Höhe von 100 hinzugefügt, ohne daß die Höhe der Reserven sinkt. Die Reserven bleiben unberührt und werden nicht verliehen, sondern dienen bei der Kreditvergabe nur als begrenzende Größe. Auf der Passivseite wird der gleiche Betrag als täglich fällige Verbindlichkeit gegenüber dem Kunden hinzugefügt. Der Kunde hat nun einerseits 100 mehr auf seinem Girokonto, aber dafür auch gleichzeitg 100 mehr Schulden bei der Bank. Durch diese Giralgeldschöpfung hat sich die M1-Geldmenge um 100 erhöht. Sobald der Kunde einen Teil des Kredits zurückzahlt, findet eine Bilanzverkürzung in entsprechender Höhe statt. Auf diese Weise wird Giralgeld vernichtet. Dadurch würde sich M1 verringern. M0 verändert sich durch diese Vorgänge nicht.
Bei Giralgeldüberweisungen innerhalb einer Bank?
Wenn Kunde A 10 Euro von seinem Girokonto auf das Girokonto von Kunde B bei derselben Bank überweist, werden 10 Euro vom Girokonto A abgezogen und anschließend 10 Euro dem Girokonto B hinzugefügt. Innerhalb der Bankbilanz ändert sich nur die Zusammensetzung der Bilanzposition "täglich fällige Verbindlichkeiten". Für solche Umbuchungen muß die Bank weder bare noch unbare Reserven benutzen. M0 sowie M1 ändern sich nicht.
Wenn eine Nichtbank ihr Giralgeld bei derselben Bank spart?
Wenn ein Kunde 20 Euro seines Girokontos auf sein Sparkonto bei derselben Bank anlegen möchte, findet nur eine interne Umbuchung von Verbindlichkeiten auf der Passivseite (Passivatausch) der Bank statt. Nun können nicht mehr 100 täglich fällig werden, sondern nur noch 80, während 20 erst nach der vereinbarten Frist fällig werden können. Die 20 wurden quasi stillgelegt oder eingefroren. Dadurch erhält die Bank nicht wie die meisten Menschen denken zusätzliches Geld, welches sie verleihen kann. Umfang und Zusammensetzung ihrer Aktiva ändern sich nicht. Bei diesem Beispiel verringert sich M1 um 20 und M2 erhöht sich um 20. Für solche internen Umbuchungen muß die Bank weder bare noch unbare Reserven benutzen. Deshalb bleibt M0 unverändert. Reserven würden abfließen, wenn der Kunde sein Geld auf ein Sparkonto bei einer anderen Bank anlegen würde. Der Vorteil für Banken, wenn ein Kunde einen Teil seines Sichtguthabens auf ein Sparkonto bei derselben Bank anlegt, besteht darin, daß die Bank für die dadurch geschrumpfte Summe an Sichtguthaben (täglich fällige Verbindlichkeiten) nun weniger Zahlungsreserven bereithalten muß. Hat der Kunde sein Girokonto bei Bank A und will sein Geld aber auf dem Sparkonto bei Bank B anlegen, bestünde der Vorteil für Bank B darin, daß ihr durch die Überweisung über die Zentralbankkonten unbare Reserven zufließen würden.
Wenn eine Nichtbank Bargeld abhebt?
Wenn ein Kunde 40 Euro am Geldautomat von seinem Girokonto abhebt, sinken die baren Reserven der Bank um den gleichen Betrag. Die Bilanzsumme der Bank hat sich verringert und zwar nicht durch Giralgeldvernichtung, sondern weil bare Reserven (M0) in das Publikum geflossen sind. Dadurch hat dieses Bargeld die Geldmenge M1 erhöht. M0 dagegen ist gleich geblieben. Sobald dieses Bargeld vom Publikum wieder zurück zu einer Bank fließt verringert sich M1.
Bei Giralgeldüberweisungen zwischen unterschiedlichen Banken?
Wenn Kunde A 40 Euro seines Girokontos A bei Bank A auf das Girokonto B von Kunde B bei der Bank B überweist, fließt dieses Giralgeld nicht direkt von Bank A zu Bank B. Dieser Zahlungsvorgang wird nur über den Interbankenkreislauf vermittelt und besteht aus drei Schritten.
- Erstens werden dem Girokonto A durch Bank A 40 Euro abgezogen, wodurch sich die Passiva von Bank A um 40 Euro täglich fälliger Verbindlichkeiten verringern.
- Zweitens überweist Bank A 40 Euro an Bank B. Diese Zahlung kann auf zwei Arten erfolgen. Entweder mit unbaren Reserven über die Zentralbankkonten bei der Zentralbank oder über Interbank-Girokonten. Bei der Zahlung mit Reserven über Zentralbankkonten fließen 40 Euro an unbaren Reserven vom Zentralbankkonto der Bank A direkt zum Zentralbankkonto von Bank B. Das bedeutet einen Reservenabfluß von 40 Euro auf der Aktiva-Seite von Bank A, während sich bei Bank B die unbaren Reserven auf der Aktiva-Seite um 40 erhöhen.
- Drittens werden dem Girokonto B durch Bank B 40 Euro gutgeschrieben, wodurch sich die Passiva von Bank B um 40 Euro täglich fälliger Verbindlichkeiten erhöhen. Wenn die Zahlung über die Interbank-Girokonten erfolgt fließen keine Reserven.
Falls der Kunde von Bank B 40 an den Kunden von Bank A zurück überweist, findet der gleiche Vorgang in umgekehrter Weise statt.
Bei Zentralbankkreditvergabe an eine Bank?
Wenn das Publikum mehr Kredite oder Zahlungsmittel haben möchte als die Banken aufgrund ihrer Zahlungsreserven bereitstellen können, müssen sich die Banken bei der Zentralbank durch Zentralbankkredit refinanzieren. Durch die zusätzlichen Reserven in Höhe von 10 kann die Bank nun einen Kredit in Höhe von 200 vergeben.
Wenn eine Nichtbank mit ihrem Giralgeld ein von derselben Bank neuemittiertes Wertpapier kauft? (z.B einen Bankschuldverschreibung)
Im Prinzip passiert das gleiche wie wenn der Kunde sein Giroguthaben (M1) auf seinem Sparkonto (M2) anlegen würde. M1 sinkt, während M3 steigt. Es findet ein Passiva-Tausch innerhalb der Bankbilanz statt. Auf der Passiva-Seite verringern sich die täglich fälligen Verbindindlichkeiten, wodurch die Bank auf weniger Zahlungsreserven angewiesen ist. Die Summe aller Verbindlichkeiten bleibt gleich. In der Kundenbilanz findet ein Aktiva-Tausch statt. Das Giralgeld wird durch den Sparbrief ersetzt. M0 verändert sich nicht.
Wenn eine Bank ein neuemittiertes Wertpapier von einer Nichtbank kauft? (z.B. eine Staatsanleihe)
In diesem Fall wird das Giralgeld mit dem die Bank das Wertpapier kauft von der Bank geschöpft. Es findet eine Bilanzverlängerung statt. Das neue Giralgeld erhöht die Passivseite der Bankbilanz durch hinzufügen zusätzlicher täglich fälliger Verbindlichkeiten, während auf der Aktivseite das Wertpapier hinzukommt. Geldmenge-M1 hat sich erhöht. In der Bilanz des Emittenten erhöht sich die Aktivseite durch Giroguthaben in Höhe der Kaufsumme, während auf der Passivseite das Wertpapier als Verbindlichkeit hinzukommt.
Wenn eine Nichtbank ein nicht neuemittiertes Wertpapier von einer Bank kauft?
Dadurch kommt es bei der Bank zu einer Bilanzverkürzung. Das Wertpapier verschwindet von der Aktivseite und das Giroguthaben mit dem der Kunde bezahlt hat verschwindet von der Passivseite. In der Nichtbankbilanz findet ein Aktivtausch statt, weil das Giralgeld verschwindet, während das Wertpapier hinzukommt. Reservenabflüsse oder -zuflüsse finden nur statt, wenn der Kunde sein Girokonto bei einer anderen Bank hat. M0 würde sich dadurch aber nicht ändern.
Wenn eine Bank Bargeld von der Zentralbank abhebt?
Die unbaren Reserven sinken, während die baren Reserven steigen. In der Bankbilanz findet ein Aktivtausch statt. Bei der Zentralbank hingegen liegt ein Passivtausch vor. Der umlaufende Bargeldmenge steigt und die unbaren Reserven der Banken sinken.
Wenn eine Bank einer anderen Bank einen Kredit gibt?
Wenn eine Bank einer anderen Bank ein Wertpapier abkauft?
???Wenn euch Fehler aufgefallen sind oder ihr weitere Fälle hinzugefügt haben möchtet schreibt dies bitte ins entsprechende Piratenpad???
Sich ausgleichende Geldflüsse und tägliche Saldierungen
Grundsätzlich gilt bei Geldflüssen, daß Abflüsse zeitnah durch Zuflüsse ausgeglichen werden. Das gilt für Kreditvergaben und -tilgungen, für Bargeldabhebungen und -einzahlungen, für Überweisungen und für das Anlegen von Geld. Dies geschieht umso lückenloser, je größer eine Bank ist. Jede Bank muß darauf achten, daß sie genügend Reserven vorrätig hält, um ihre Zahlungen störungsfrei tätigen zu können. Das Ziel der Banken besteht darin, durch eine möglichst geringe Reservenhaltung ihre Zinszahlungen an die Zentralbank niedrig zu halten.
Wenn Banken ihre Zahlungen mithilfe von Reserven abwickeln, fließt nicht bei jeder einzelnen Zahlung Geld. Stattdessen wird einmal täglich saldiert, das bedeutet Zu- und Abflüsse werden miteinander verrechnet. Nur für die übriggebliebenen Forderungen und Verbindlichkeiten werden Reserven von einem Zentralbankkonto auf ein anderes Zentralbankkonto überwiesen. Falls eine Bank nach der Saldierung ein Reservendefizit hat, leiht sie sich kurzfristig die fehlenden Reserven von Banken mit Reservenüberschüssen.
Einteilung nach der Zusammensetzung der Geschäftspartner:
Die Auswirkung von Transaktionen, Zahlungen, Geldanlagen und so weiter läßt sich anhand der betroffenen Geschäftspartner kategorisieren:
- Bank <-> Bank: Geschäfte zwischen Banken haben keinen Einfluß auf die Größen der Zentralbankgeldmenge, der M1-Geldmenge, der M2-Guthaben oder der M3-Geldanlagen. Solche Geschäfte werden mit Interbanken-Giralgeld auf den Interbanken-Girokonten oder mit den Zahlungsreserven auf den Zentralbankkonten abgewickelt.
- Bank <-> Nicht-Bank:
- Nicht-Bank <-> Nicht-Bank: Bei Neuemission steigt die Menge der jeweilgen Geldanlagenart. Zum Beispiel würden die M3-Geldanlagen steigen, wenn es sich bei diesem Geschäft um den Kauf von Geldmarktpapiere handelt, die von Unternehmen emittiert worden sind. Die Höhen der M0-Geldmenge, der M1-Geldmenge und der M2-Guthaben bleibt bei Geschäften zwischen Nicht-Banken immer gleich.
Wenn es sich dagegen um nicht neuemittierte Geldanlagen handelt, bleiben alle Geldmengen sowie die Menge der betroffenen Geldanlagen gleich.
M1-Geldmenge steigt wenn ...
- eine Bank einen Kredit an eine Nicht-Bank vergibt.
- eine Bank eine Geldanlage von einer Nicht-Bank kauft. (z.B. Staatsanleihen)
- eine Nichtbank ihre Geldanlage bei einer Bank auflöst/liquidiert.
M1-Geldmenge sinkt wenn ...
- ein Kredit getilgt wird.
- eine Bank eine Geldanlage an eine Nicht-Bank verkauft.
- eine Nichtbank M1-Geld bei einer Bank anlegt (M2, M3 usw.).
Warum nehmen Banken noch Spar- und Terminguthaben von Nicht-Banken an?:
Da Banken Guthaben von Nicht-Banken nicht brauchen, um Kredite durch Giralgeldschöpfung vergeben zu können, erscheint es unsinnig, daß die Banken Zinsen auf Guthaben bezahlen. Warum tun sie es dennoch?
- Erstens verringert sich durch die Bildung von Spar- und Terminguthaben die Summe der täglich fälligen Verbindlichkeiten auf der Passiva-Seite der Banken. Dadurch müssen die Banken weniger Zahlungsreserven bereithalten und haben deswegen dann geringere Zinskosten.
- Zweitens: Wenn eine Bank damit anfinge ihren Kunden keine Guthabenzinsen mehr zu bezahlen, würden die Nicht-Banken ihre Guthaben zu anderen Banken überweisen, wo sie Zinsen bekämen. Das hätte einen Abfluss an unbaren Zahlungsreserven auf dem Zentralbankkonto zur Folge, der nicht durch Zuflüsse ausgeglichen werden würde. Die betroffene Bank stünde nun vor dem Problem sich Zentralbankgeld in Höhe der abfließenden Guthaben zu besorgen. Andererseits fließen einer Bank Reserven zu, wenn sie neue Kunden für sich gewinnen kann.
- Und drittens wollen Banken natürlich Kunden an sich binden, da Kunden dort wo sie ihr Girokonto haben normalerweise ihr Konto überziehen, größere Kredite aufnehmen und Wertdepots eröffnen. Deshalb lohnt es sich für Banken auf der Passiva-Seite Habenzinsen zu zahlen, solange die Sollzinsen auf ihrer Aktiva-Seite höher sind. Der Konkurrenzkampf um Kunden ist also entscheidend. Gäbe es nur noch eine Bank, also ein Monopol, sollte sie zwecks Gewinnmaximierung kein Interesse daran haben für Kundenguthaben Habenzinsen zu bezahlen.































