AG Waffenrecht/Amokläufe

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Hier werden von der AG Waffenrecht Themen, Thesen und Materialen zu sogenannten Amokläufen gesammelt.


Amok - Definition

Begriffsdefinition auf Wikipedia: Amok

Ein Amoklauf ist nach der ursprünglichen Begriffsdefinition ein spontanes Ereignis. Daher werden die Begriffe Amok und Amoklauf oft falsch verwendet, auch wenn sich inzwischen die neue Bedeutung durchgesetzt hat. Die heutige Verwendung des Wortes Amoklauf bezieht sich auf Taten die lange und akribisch geplant wurden, denen also jede Spontaneität abgeht.

Amokläufe sind nichts neues. Es sind seltene Ereignisse, die sich aber durch sämtliche Zeitalter und Kulturen ziehen. Die Häufigkeit hat in den letzten Jahren noch weiter abgenommen. Annahmen oder Behauptungen, die von einer Zunahme sprechen, sind falsch.

Die hier im Artikel behandelten Amokläufe sind im Allgemeinen ein "erweiterter Suizid".

(StarFire 09:29, 15. Feb. 2012 (CET))

In einer 2012 erschienenen Studie der Uni Magdeburg haben Diplom-Psychologin Eileen Peter und Professor Bernhard Bogerts festgestellt, dass sich in Deutschland von 1990 bis 1999 insgesamt 50 Amokläufe ereigneten, durchschnittlich fünf pro Jahr, und im darauf folgenden Jahrzehnt 45 Taten.

Eine Zunahme von Amokläufen hat es also nicht gegeben. Allerdings zeigen die Magdeburger Forscher einen besorgniserregenden Anstieg der "School Shootings" auf: von einer Tat im Zeitraum 1990 bis 1999 auf sieben in der darauf folgenden Dekade.

In einer bisher noch unveröffentlichten Studie von Sarah Neuhäuser (Universität Köln) wurde festgestellt, dass durch die Berichterstattung über Amoktäter Trittbrettfahrer zu Drohungen animiert werden. Im März 2009 vervielfachte sich die Zahl der Androhungen nach dem School-Shooting in Winnenden. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen stieg die Zahl der Amokdrohungen sogar um das 30-fache. [1]

Örtlichkeiten

Die bevorzugten Örtlichkeiten für Amokläufe sind Schulen.

  • waffenfreie Zonen = Gegenwehr nicht zu erwarten
  • viele potenzielle Opfer
  • unzulängliche Sicherheitskonzepte
  • unzureichende Prävention

(StarFire 12:24, 15. Feb. 2012 (CET))

Gemeinsamkeiten deutscher Täter

Die Ärztezeitung vom 11.04.2012 veröffentlichte die Täterprofile der Studie, die von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Magdeburg durchgeführt wurde. Dort wurden 97 Amokläufe zwischen 1990 und 2010 untersucht. Die vier Frauen, die Amokläufe verübten, hatten niemanden getötet.

Es wurden für 27 Täter Profile erstellt:

  • Drei Viertel aller Amoktäter waren wegen einer psychiatrischen Erkrankung in Behandlung
  • Die meisten Täter hatten einen Hauptschul- oder Realschulabschluss, drei Abitur und fünf besaßen gar keinen Schulabschluss.
  • Fünf Amokläufer waren zur Zeit ihrer Tat arbeitslos, sieben ohne Beruf.
  • Die meisten Täter waren ledig (18) oder lebten vom Partner getrennt (fünf).
  • Sechs Täter standen auch zur Zeit ihres Amoklaufs unter Alkohol- und drei unter Drogeneinfluss.
  • Schusswaffen kamen bei gut der Hälfte der Taten zum Einsatz.
  • Knapp die Hälfte suchten ihre Opfer gezielt aus.
  • Die Eskalation der Gewalt wurde dabei von verschiedenen weiteren Faktoren ausgelöst.

Obwohl es einige Gemeinsamkeiten gibt, existiert kein einheitliches Täterprofil.

Die möglichen Gründe für Amokläufe

Computerspiele

Die Argumentation geht im Allgemeinen danach, dass bisher fast jeder Amokläufer "Killerspiele" gespielt haben soll. Dreht man die Argumentationskette um sieht man, dass in der zahlenmäßig sehr großen Gruppe der Gamer extrem wenige Amokläufer zu finden sind. Diese Argumentation greift also nicht.

Amokläufer haben "auch" Computerspiele gespielt, aber das ist nicht der Grund für Amokläufe.

Nach psychologischen Untersuchungen sind Spieler, die bevorzugt "First-Person-Shooter" spielen nicht aggressiver als andere Menschen. Die Affinität zu Krieg und Gewalt im normalen Leben ist unverändert sehr gering. Damit unterscheiden sich Gamer nicht von der Kontrollgruppe

Die Studien scheinen sich teilweise zu widersprechen, aber die Versuchsbedingungen sind auch sehr unterschiedlich. Tatsache ist jedenfalls, dass die Mehrzahl der Spieler nicht zu Gewalt neigt.

(StarFire 10:03, 15. Feb. 2012 (CET))

Internet

Zitat: Laut der Medienwissenschaftlerin Sabine Jörk ist das Surfen auf einschlägigen Websites nicht der Auslöser für ihre verheerenden Taten. "Sie informieren sich im Internet über andere Amokläufe", sagte Jörk der Nachrichtenagentur dpa im Vorfeld der Tagung "Mörderische Phantasien - Mediale Selbstdarstellung jugendlicher Amokläufer" der Tutzinger Akademie für Politische Bildung in Bayreuth (21. April 2012). Ihr Plan zur Tat aber stehe dann meist schon.

Airsoft + Paintball

Man projiziert auf Airsoft- und Paintballspieler gerne einen Hang zum Militarismus, zu Gewalt und eine große Affinität zu Waffen. So etwas mag wohl vorkommen. Untersucht man die Szene dagegen genauer dann bleibt von den Vorwürfen wenig übrig. Es handelt sich in beiden Fällen um Sport (bei AirSoft und MilSim auch um Reenactment) und Amokläufer finden sich in diesen Kreisen genau so selten, wie bei den Computerspielern.

(StarFire 10:03, 15. Feb. 2012 (CET))

Waffenbesitzer (Schießsport und Jagd)

Es gibt viele Millionen Waffenbesitzer und auch hier finden sich nur ganz selten und vereinzelt Leute, die zu Gewalttaten neigen. Auch hier gilt: Waffenbesitz ist nicht der Grund für Amokläufe

(StarFire 10:03, 15. Feb. 2012 (CET))

Psychologische Gründe

Hier wird man schon eher fündig. Die Gesellschaft und das soziale Umfeld kann ein Indikator für psychische Probleme und Gewalt sein. Leider kann man die Täter nach der Tat in den allerseltensten Fällen psychologisch untersuchen. Deshalb ist es ein recht abstraktes Forschungsfeld.

Allgemeine Quellen:

Medikamente

Seit einiger Zeit verdichten sich die Hinweise, daß Psychopharmaka eine Rolle bei Amokläufen spielen könnten. Noch gibt es keine gesicherten Erkenntnisse, geschweige denn offiziell zitierte Forschungen oder Studien zu diesem Thema.

Anhand von diversen Studien verdichtet sich die Vermutung, dass die Phase der Einführung und der Absetzung von Psychopharmaka Empathielosigkeit begünstigen können, wodurch das Mitleid für die Opfer einer geplanten Tat extrem vermindert werden kann. Nach vielen Gesprächen mit Experten, erhärtet sich die Vermutung, dass diese beiden Phasen unter Aufsicht (ggfs. auch die geschlossene Abteilung) erfolgen sollten.

Für eingestellte Patienten hingegen sind die Psychopharmaka das Tool, das ihnen Teilhabe ohne Gefährdung für sich selber oder andere ermöglicht. Eine Diskriminierung von Menschen, die solche Mittel nehmen, ist nicht angebracht, da sie keine höhere Gefahr für sich selber oder andere darstellen als "normale" Menschen. Auch fehlen Merkmale, die ehemalige psychisch Kranke wieder als "normal" diagnostizieren. Ein freiwilliger Klinikaufenfhalt darf niemanden Zeit seines Lebens diskreditieren.

Gesellschaft

Gesellschaftliche Zwänge können psychischen Druck aufbauen. Aus diesem Druck können sich innere Zwänge, Neurosen und andere Wahnvorstellungen entwickeln. Besonders sensible Menschen können darunter leiden.

Bei Amokläufern wird im Allgemeinen eine narzisstische Störung dagnostiziert. Narzissten sind selbstverliebt, überempfindlich und nehmen alles persönlich. Sie sind nicht konfliktfähig und vergraben sich in ihrer eigenen Scheinwelt. Werden die eingebildeten Kränkungen unerträglich, kann es zu einem Suizid oder einem "erweiterten Suizid" - sprich, Amoklauf - kommen.

Unsere Mediengesellschaft transportiert seit vielen Jahren ein narzisstisches Idealbild, das vor allem junge Menschen prägt. Egoismus und Selbstverwirklichung werden betont. Dem gegenüber hat alles andere zurückzustehen. Wir züchten uns unsere Amokläufer selbst - durch falsche gesellschaftliche Ideale, die das "ich" überhöhen und die das "wir" geringschätzen.

Soziales Umfeld

  • Schule
  • Familie
  • Freunde
  • Arbeitsplatz


Eltern

Warum sieht die Öffentlichkeit die Eltern von Amokläufern als Täter, fast nie als Opfer? Interview mit Stefan Drewes, dem Vorsitzenden der Sektion Schulpsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in Berlin.

Auszug: "Grundsätzlich sollten Eltern zunächst ihren Kindern vertrauen und an sie glauben. Ein Misstrauen taucht in der Regel relativ spät auf und das ist bei einer guten Eltern-Kind-Beziehung auch gut so. Dennoch müssen Eltern aufmerksam die Entwicklung ihrer Kinder verfolgen....Grundsätzlich aber müssen wir uns von dem Denken verabschieden, dass Eltern ihren Kindern alles anerziehen können und für alles verantwortlich sind. Jugendliche sind bereits eigene Persönlichkeiten und Individuen, Eltern nicht für all ihr Handeln und Sein verantwortlich."

Fazit

Das Problem ist komplex. Es gibt keine einfachen Antworten - und schon gar keine einfachen und billigen Lösungen. Amokläufe sind ein gesellschaftliches und soziales Problem, für das Computerspiele, Airsoft/Paintball und Waffenbesitz nur äußerst zweifelhafte Indikatoren sind.

(StarFire 10:03, 15. Feb. 2012 (CET))

Angst vor Amokläufen

Man hat vor allem Angst vor Dingen die man nicht kennt und vor Geschehnissen, die zwar extrem selten passieren, dafür einen um so nachhaltigeren Eindruck verursachen. Ein Amoklauf ist ein sehr seltenes Ereignis, das von den Medien entsprechend "gewürdigt" wird. Die fast täglich stattfindenden familiären Tragödien, die fast immer ohne Schusswaffenbeteiligung geschehen und der Originaldefinition des Amoklaufes noch eher entsprechen, sind dagegen meist nur eine kurze Meldung wert.

Die Wahrscheinlichkeit, durch/in/während einer Familientragödie umzukommen ist signifikant höher, als die Wahrscheinlichkeit, durch einen lange geplanten Amoklauf zu sterben. An diesem Vergleich sieht man schon die verschobene Aufmerksamkeit der Bevölkerung und der Medien.

Aufmerksamkeit bekommt nur der seltene und aussergewöhnliche Fall. Eine "Sensation" prägt die Wahrnehmung des Menschen stärker als die vielen kleinen, täglichen Tode, die nicht wahrgenommen oder einfach verdrängt werden.

In unserer Gesellschaft dominiert die Angst vor seltenen und ungewöhnlichen Ereignissen. Meist ist es eine sehr diffuse Angst, die in der Regel gar nicht rational begründet werden kann und bei der nur eine extrem geringe Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Befürchtungen eintreffen könnten.

Die Risikowahrnehmung und die Bewertung von Risiken sind in unserer Gesellschaft stark verzerrt. Signifikante Risiken, die wir jeden Tag bewusst eingehen, werden oft gar nicht mehr wahrgenommen oder verdrängt, während abstrakte, diffuse und irrationale Gefahren maßlos überhöht werden.


(StarFire 09:29, 15. Feb. 2012 (CET))

Projektion

Projektion findet auf mehreren Ebenen statt

  • Der Amokläufer projiziert seine Wut, seinen Hass, seine Ohnmacht, auf die vermeintlichen (oder tatsächlichen) Verursacher seiner Gefühle
  • Kriminologen (hier sei der notorische und stark kritisierte Christian Pfeiffer genannt) liefern plausibel klingende Gründe für die Ursachen solcher Taten
  • Medien projizieren den Grund auf das Tatmittel, auf Computerspiele und Paintball- oder Airsoft-Sport und damit auf die Menschen, die Schießsport betreiben, "Killerspiele" zocken, oder Paintball/Airsoft spielen.
  • Die Bürger übernehmen die Projektionen der "Experten" und der Medien meist ungeprüft, da sie plausibel klingen

Durch diese plausiblen aber meist oberflächlichen und stark vereinfachten Erklärungen wird ein "Feindbild" geschaffen. Etwas, was Angst erzeugt und damit bekämpft und verboten werden muss. Dass die Gründe oft ganz andere sind und sehr viel komplexere Ursachen haben, wird ignoriert.

Die aufgrund von Projektionen und diffusen Ängsten ausgearbeiteten Lösungen sind unwirksam und schaffen nur kurzfristig eine "gefühlte Sicherheit" - bis zur nächsten Tat.

(StarFire 09:29, 15. Feb. 2012 (CET))

Gefühlte Sicherheit

Gefühlte Sicherheit ist keine reale Sicherheit sondern eine Illusion - ein Abgerglaube, dem man sich hingibt, in der Hoffnung, der Blitz würde jemanden anderen treffen, wenn man nur nicht zu genau hinsieht.

Um "gefühlte Sicherheit" zu erzeugen werden sehr gerne Bürgerrechte eingeschränkt oder ausgehebelt. Ob nun das Waffenrecht verschärft wird oder ob "Anti-Terror-Gesetze" verabschiedet werden. Tauglich sind diese Lösungen im Allgemeinen nicht.

(StarFire 09:29, 15. Feb. 2012 (CET))

Verhinderung von Amokläufen

Hinschauen, nicht wegesehen

Amokläufe lassen sich - genau wie Familientragödien - kaum verhindern. Die möglicherweise vorhandenen Anzeichen werden nicht rechtzeitig erkannt oder ignoriert.

Prävention wird erst dann betrieben, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist. Dann aber meist nur halbherzig und unprofessionell, da die meisten Gesetze oder Regelung zur Verhinderung solcher Taten aufgrund von Panik und Aktionismus zu kurz bzw. gar nicht greifen. Echte Prävention kostet Zeit und viel Geld. Beides steht nicht zur Verfügung, also macht man ein Gesetz - das zwar nicht greift, aber "man hat doch was getan."

(StarFire 09:29, 15. Feb. 2012 (CET))

Psychologe Jens Hoffmann leitet ein Projekt, das zum Ziel hat, potenzielle Amokläufer rechtzeitig von ihrem Vorhaben abzubringen. Mit seinem Team von der Universität Darmstadt hat Hoffmann eine Software entwickelt, die helfen soll, potenzielle Amokläufer im Vorfeld zu erkennen. Dazu werden im "Dynamischen Risiko Analyse System" 32 Fragen über eine verdächtige Person gestellt. Je nachdem, wie die Antworten ausfallen, errechnet die Software auf einer Skala von "1" bis "6" das potenzielle Gefährdungsrisiko, das von dieser Person ausgeht. Eine Methode, die durchaus auf Kritik stößt, denn sie arbeitet mit standardisierten Fragen und kann nicht auf den Einzelnen gezielt eingehen. Doch gerade die Erfahrung zeigt, dass die Taten der Amokläufer sehr individuell und komplex sind.

Um Amokläufe verhindern zu können, müssen potenzielle Täter frühzeitig erkannt und ihre Motive verstanden werden. Amokläufer setzen oft schon im Vorfeld Signale. Schüler, Lehrer und Schulleiter müssen sensibilisiert werden: Sie können auf diese Anzeichen achten und so vielleicht einen Amoklauf verhindern. Das ist das Ziel der Amokforschung.

Verhindern der Heroisierung durch die Medien

40% der Amokläufe finden innerhalb von zehn Tagen nach aufwändiger Berichterstattung in den Medien statt. In diese Zeit fallen auch viele Amokdrohungen von Nachahmungstätern.

Der Kriminologe Prof. Dr. Henning Ernst Müller forderte nach Winnenden ein Schulamokveröffentlichungsgesetz.

Seine Begründung: Es ist eine wesentliche Motivation für solche Taten, als (negativer) Held zu erscheinen. Bei den Tätern handelt es sich meist um männl. Personen, die sich für gescheitert halten und für sich selbst keine Erfolgschance im Leben erkennen. Sie sehen ihre Tat (und zwar durchaus realistisch!) als einzige Chance an, sich in ihrem Suizid „unsterblich" zu machen. Selbst ein Gewinn bei DSDS oder bei Wer wird Millionär kann diesen „Ruhm" nicht toppen. Alle bisherigen Taten zeichnen sich dadurch aus, dass sich die Täter mit früheren solchen Vorgängen identifiziert haben. Sie streben zum Teil an, frühere Täter zu übertreffen.

Weniger pragmatisch ist der Vorschlag eines Amerikaners, der fordert, dass man solle sich darauf einigen sollte, bei jeder Erwähnung und bei jedem Bild des Tatverdächtigen darunter zu schreiben: "Loser", um jedenfalls die Assoziation "Hero" subtil zu hintertreiben:

Die einfache Lösung: Verbot der Schusswaffen

Die Meinungen darüber, ob man Amokläufe verhindern könne, gehen auseinander. Verschiedene Fachleute vertreten die Ansicht, dass Taten wie in Erfurt und Winnenden nur deshalb möglich waren, weil die Täter Zugang zu Schußwaffen hatten. Daher kommen auch die Forderungen nach weiteren Verschärfungen des Waffenrechts, Verbot von Großkaliberwaffen und Verbot von für Menschen tödliche Munition.

Diese Forderung stellen auch viele Medien: WDR, 25.06.2012

Ein Verbot von Schusswaffen mit für Menschen gefährlicher Munition wird zweifellos dazu beitragen, dass in Deutschland bei einem Massaker so viele Menschen mit Schusswaffen getötet werden. Aber, darin sind sich wohl alle Fachleute, Journalisten und sogar Waffengegner einig, es werden wohl auch in Zukunft noch Menschen mit anderen Tatwerkzeugen, z.B. Messer oder Äxte, ermordet. Allerdings - so die häufig geäußerte Ansicht - sind solche Tatwerkzeuge nicht annähernd so gefährlich wie eine scharfe Schusswaffe. Denn nur mit Schusswaffen können in kurzer Zeit viele Menschen getötet werden. Während ein mit Messer bewaffneter Täter es wesentlich schwieriger haben wird, da die Opfer flüchten oder sogar zur Gegenwehr übergehen und den Täter entwaffnen können.

Auf den ersten, unvoreingenommenen Blick scheint diese Argumentation schlüssig zu sein. Es klingt plausibel. Allerdings wird dabei außer Acht gelassen, dass die Opfer in der Regel arglos, auf den Angriff nicht vorbereitet und zutiefst verunsichert und verängstigt sind. Die Täter hingegen hatten Zeit sich mental auf die Tat vorzubereiten und agieren deshalb äußerst entschlossen und rücksichtslos. Auch scheint es ein typisches Muster der Täter zu sein sich vor allem unbewaffnete und schwache Opfer für ihre Taten auszusuchen.

Dementsprechend stellen auch „nur“ mit Messern oder Äxten bewaffnete Täter eine ernste Gefahr dar und vermögen in kurzer Zeit zahlreiche Menschen zu töten oder schwer zu verletzen. Als Beispiel seien hier Fälle aus China und Japan genannt [Links]. In beiden Ländern ist der Besitz von Schusswaffen für Zivilisten auf Grund äußerst strenger Waffengesetze absolut verboten. Dennoch kam es auch in diesen Ländern zu sogenannten Amokläufen mit zahlreichen Toten und Verletzten. Nun mögen einige Zeitgenossen vielleicht noch eine weitere schnelle Lösung für solche Taten parat haben: Härte Strafen für solche Täter. Darum sei hier darauf hingewiesen, dass sowohl in China als auch in Japan für solche Taten die Todesstrafe verhängt, die auch vollzogen wird. Trotzdem ließen sich die Täter nicht von ihrem Vorhaben abschrecken. Denn solche Taten werden in der Regel von Menschen ausgeführt, die ohnehin mit ihrem Leben abgeschlossen haben und den Tod suchen.

Immerhin scheint man sowohl in China, als auch in Japan ernsthaft andere Ursachen als den Waffenbesitz für Amokläufe und ansteigen der Gewalttaten im Allgemeinen zu suchen. In China sehen Experten einen Zusammenhang ansteigenden Gewaltbereitschaft mit dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel und dem damit verbundenen Stress für die Menschen [2]. Ebenso macht Professor Shunichi Kanda den Stress am Arbeitsplatz und andere gesellschaftliche Missstände für Amokläufe verantwortlich [3]. Dies sind aber Probleme, die sich nicht auf die schnelle und einfache Weise durch strengere Gesetze und härtere Strafen lösen lassen.


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--Volker t. 09:59, 17. Mai 2012 (CEST)

Berichterstattung, Medien


Journalistische Ethik

Amokläufe sind kein neues Phänomen

Julius Becker 1871

Ernst Wagner Degerloch 1913

Amoklauf in Bremen 1913

Fritz Angerstein 1924

Schulmassaker von Bath 1927

Tsuyama Masacre 1938

Camden(New Jersey 1949

Das Attentat von Volkhoven 1964

University of Texas at Austin 1966

San Diego 1979

Oktoberfestattentat 1980

Seoul 1982

Amoklauf eines Neonazis in Nürnberg 1982

Eppstein 1983

Amokfahrt von Karlsruhe 1985

Amoklauf auf der Reeperbahn 1987

Amoklauf in der Oberpfalz 1988

Amoklauf von Dorfen 1988

Amoklauf von Euskirchen 1994

Uhrfahr 1995

Saarländer Amokläufer 1999

Wissenschaftliche Fallstudien

Mark R. Leary1, Robin M. Kowalski, Laura Smith, Stephen Phillips: "Teasing, rejection, and violence: Case studies of the school shootings" in Aggressive Behavior Volume 29(3), June 2003, p. 202–214

Es wurden 15 Fälle von "school shootings" (1995 bis 2001) untersucht. Ziel war es die möglichen Einflüsse zu untersuchen, die zu den Taten geführt haben. Als Einflussfaktoren wurden Ausgrenzung und Mobbing in allen bis auf zwei Fällen als relevant erkannt. Zusätzlich spielen auch andere Risikofaktoren, Interesse an Schußwaffen, Faszination für den Tod, Satanismus, sowie psychische Probleme wie Depressionen und sadistische Neigungen eine Rolle als Auslöser für school shootings.


R. Burns, C. Crawford: "School shootings, the media, and public fear: Ingredientsfor a moral panic" in Crime, Law and Social Change Vol. 32, Nr. 2 (1999), p. 147-168,

Es wurden Fälle von school shootings in den USA untersucht. Grund dafür war die Verbreitung von Angst und Panik unter Schülern und Eltern durch die Medien. Die Untersuchung zeigte, dass Schulen immer noch zu den sichersten Orten zählen. Trotz der school shootings wurde festgestellt ein signifikanter Rückgang von Gewaltanwendung an Schulen festgestellt. Durch die intensive Sensationsberichterstattung der Medien über school shootings wird der Öffentlichkeit ein falsches Lagebild vermittelt.


R. Bondü, S. Meixner, H.D. Bull, F. Robertz, H. Scheithauer: "Schwere, zielgerichtete Schulgewalt: School Shootings und Amokläufe" in Problemverhalten und Gewalt im Jugendalter - Erscheinungsformen, Entstehungsbedingungen, Prävention und Intervention; Kohlhammer 2008 S. 86-96.

Am Fall des Schul-Massakers von Erfurt (2002) wurden Risikofaktoren zur Früherkennung untersucht und Vorsorgemaßnahmen abgeleitet. Dem Schulmassaker von Erfurt sowie den anderen Fällen gemeinsam ist die Tatsache, dass die Taten über einen langen Zeitraum sorgfältig geplant waren und häufig auch deutliche Warnsignale der Täter vorausgingen, die jedoch nicht beachtet wurden.




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