Benutzer:CSteinbrenner/Genderpolitik
Inhaltsverzeichnis
Genderpolitische Position
Genderdiskussion - wieso die Frontenbildung?
Die Genderdebatte... ist leider eine verfahrenen Sache. Nicht nur bei den Piraten, sondern ganz allgemein ist die Thematik kaum beliebt - auch in Seminaren sozialwissenschaftlicher Studiengänge mit überwiegend weiblichen Teilnehmern provozieren diese Themen bei beiden Geschlechtern immer wieder leidendes Stöhnen, dass man sich schon wieder mit dieser Gender-Kacke beschäftigen müsse. Aber mal weg vom universitären Kontext und Klagen über die Lehrinhalte...
Vielleicht läßt es sich am einfachsten so erklären: Betroffenheit ist im Allgemeinen kein guter Ratgeber. Zumindest ist es das was ich bei Äußerungen in der Genderdiskussion immer wieder als Ursache für das blocken des anderen Geschlechts zwischen den Zeilen erkenne.
Übt jemand Kritik an etwas, das das eigene Geschlecht benachteiligt, so ist die Reaktion regelmässig, dass diese Person als überempfindlich oder nur auf eigenen Vorteil bedacht etikettiert und ihr kein weiteres Gehör geschenkt wird. --- Jedoch, übt eine Person des anderen Geschlechts genau dieselbe Kritik, so wird diese in der Regel ernst genommen und provoziert keine Abwehrhaltung gegen das Vorgebrachte, denn Überempfindlichkeit und eigener Vorteil kann nicht unterstellt werden.
Ich konnte das Geschilderte erst kürzlich in einer Gruppendiskussion schön beobachten. Ich brachte die Kritik, dass die Werbekampagne für ein bestimmtes Produkt sexistisch sei, da das Augenmerk nicht auf den (tatsächlich vorhandenen technischen) Vorzügen des Produkts sondern auf der Abbildung der Frau liege. Im nu hatte ich bei den anderen Männern nickende Zustimmung und im zweiten Moment schlossen sich auch die anwensenden Frauen der Zustimmung an - weil es ja jetzt sicher war dies zu tun, da der Konsens bei den Männern die Gefahr genommen hatte als überempfindlich abgetan zu werden.
Was ich damit sagen will, ist, dass Genderstatements, aufgrund der festgefahren Reaktionen bei diesem Thema, sofern jemand des betroffenen Geschlechts sich dazu äußert, einen unfruchtbaren Konflikt schüren. Wogegen sie funktionieren, wenn nicht-Betroffene des anderen Geschlechts die zur Perspektivübernahme fähig und willens sind diese Äußerungen tun. Das heißt Männer sollten für die Position der Frauen argumentieren und Frauen für die Position der Männer, um Abwerhaltungen wegen unterstellter Befangenheit auszuschliessen. Auf diese Weise kann denke ich die Diskussion tatsächlich voran kommen, Früchte tragen und Konsens ernten.
Genderdiskussion bei den Piraten - intern
Eins vorweg, wenn wir Piraten uns in die Satzung schreiben, dass wir Menschen ohne Zuschreibung des Geschlechts betrachten, auch im Mitgliedsantrag das Geschlecht nicht erfassen und Menschen nach ihren Fähigkeiten und Taten in Positionen wählen, so ist das durchaus postgender. Wenn wir einen Konsens haben, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung nicht askriptiv sein sollen sondern der Beliebigkeit des Einzelnen unterstellt sind, ob ein Mensch sich mänlich, weiblich, bisexuell, transsexuell, asexuell oder als was auch immer betrachtet und auch so gesehen werden möchte. Wo ist dann bitte das Problem darin, wenn Menschen in der Partei sich je nach belieben Pirat oder Piratin nennen? Auf dem Wortlaut der Satzung zu insistieren und die Freiheit zu negieren je nach aktueller Befindlichkeit, und nicht Aufgrund von Askprition eines bestimmten Geschlechts, auch mal die feminine Form zu verwenden, halte ich für engstirnig.
Wobei, es geht denke ich nicht darum ob sich jemand Piratin nennt, sondern vielmehr darum, dass befürchtet wird bei Duldung dieser Praxis eine Genderdebatte aufkommen zu lassen, die wenn jeder für sein Geschlecht spricht nur in Abwehrhaltungen und Grabenkämpfen endet, unendlich Kraft und Ressourcen zehrend ist und am Ende kaum Resultate liefert. Wieso das so ist habe ich oben bereits zu skizzieren versucht.
Zumal gibt es bei den Mitgliedern gleich welchen Geschlechts keine Mehrheit die diese Debatte führen möchte... und die Freiheit Basisdemokratisch zu entscheiden womit wir uns beschäftigen ist denke ich zu respektieren.
Ich denke tatsächlich, dass wir jenseits der Vorlieben für die eigene Bezeichnung intern keine Genderdebatte führen müssen, da im Großen und Ganzen das was wir fordern intern gelebt wird. Ich glaube auch nicht, dass wir die Debatte für die gesamte Gesellschaft führen müssen, auch wenn diese defintiv nicht postgender ist.
Genderdiskussion bei den Piraten - gesamtgesellschaftlich
Sondern ich glaube, dass wir Politik für Menschen machen sollten. Jenseits von Forderungen, dass ein Geschlecht dasselbe wie das andere möchte... weil dabei jeweils ein Geschlecht seine Privilegien schwinden sieht ohne dafür Kompensation zu erhalten. Menschen gleich jeden Geschlechts lassen sich für Ziele die alle, wenngleich vielleicht unterschiedlich weit, voran bringen zur Zusammenarbeit bewegen. Und genau das sollten wir angehen.
Fazit
Unsere Themen sind Menschenthemen... und zu wichtig als die Zeit für die Arbeit daran und die Chance diese Menschenthemen voran zu bringen in Grabenkämpfen auf dem Genderschlachtfeld zu verschwenden.