Benutzer:Nils Faerber/PetitionAKWAusstieg

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Dies ist eine Art Sicherungskopie eine Beitrages von mir in den Kommentaren zur Petition gegen die Verlängerung der AKW Laufzeiten, Original URL https://epetitionen.bundestag.de/index.php?topic=5093.msg101290#msg101290 Diese Petition entstand noch vor der Katastrophe von Fukushima.

Re: Einhaltung der Verträge zur Abschaltung der Atomkraftwerke bis zum Jahr 2023 « Antworten #367 am: 22. Oktober 2010, 20:20:00 » Zitat von: Santa83 am 22. Oktober 2010, 13:53:14 Zitat von: Nutzer504263 am 09. September 2010, 14:35:35

Nach Umfragen wollen mehr als 80% der Bundesbürger keine Laufzeitenverlängerung der veralteten und gefährlichen deutschen Atomkraftwerke. Ich halte den Wert von 80% für äußerst fragwürdig. Die Umfrage ist alles aber sicher nicht repräsentativ. Die deutschen AKWs als gefährlich zu bezeichnen ist plumpe Panikmache. Wir haben die sichersten AKWs weltweit. Eben weil wir so viele Atomkraftgegner haben, die immer strengere Sicherheitsvorschriften durchgesetzt haben. Was ich im übrigen durchaus begrüße. Leider scheinen viele Atomkraftgegner solche Panik vor dem "atomaren Schreckgespenst" zu haben und so festgefahren in ihrer Meinung zu sein, dass es ihnen nicht möglich ist das Thema objektiv zu betrachten. Denn dann würden sie erkennen das Atomkraft zwar durchaus Probleme mit sich bringt (z.B. Atommüllentlagerung), diese Probleme aber durchaus zu lösen sind, wenn man sich mit ihnen beschäftigt und das Atomkraft lange nicht so gefährlich ist, wie einige Gegner es immer wieder gerne darstellen. Deshalb keine Mitzeichnung!


Das Problem mit der Atomkraft ist kein akutes - und das macht es eben so schwer, damit umzugehen. Wenn ein Auto kaputt ist, dann merkt man das, fährt in die Werkstatt und läßt es eben reparieren. Die Auswirkungen eines Planungsfehlers bei einer "Haltbarkeit" der Strahlung von mehreren tausend Jahren ist für uns Menschen nicht absehbar. Wer etwas anderes erzählt ist sehr blauäugig. Man muß nur mal versuchen für seine eigene Region die letzten, sagen wir mal, 50.000 Jahre versuchen zurückzuverfolgen. Davon agbesehen, daß es einem nur schwerlich möglich sein wird wird man auch feststellen, daß *wahrscheinlich* sich in dieser Zeit doch einige dramatische Dinge abgespielt haben. Da gibt es Fluten Dürren, tektonische Verschiebungen, alles Mögliche - und das auch hier in Deutschland. Alleine diese 50.000 Jahre sind eine verflixt lange Zeit. Und dies ist der Blick in den Rückspiegel - das geht ja noch. Was in den nächsten 50.000 Jahren passiert, wer weiß das schon?

Es gibt fast nichts, was wir Menschen kontrollieren könnten oder kontrolliert haben, was solange gehalten hätte. 100 Jahre vielleicht - meinetwegen auch 500, bei 1000 wird es schon sehr eng, von vor 2000 Jahre ist praktisch nichts mehr übrig. Und da wollen wir uns anmaßen voraussagen zu können, daß ein eingelagerter Atommüll die nächsten 50.000 Jahre sicher ist? Das kann mir wirklich keiner erzählen. Das ist purer Größenwahn und Überheblichkeit. Es muß ja nichteinmal etwas Geologisches oder großflächiges passieren - ein Unfall in dem Stollen bspw., reicht vollkommen aus.

Die unüberschaubare Zeitspanne ist das große Problem und eines, daß wir, meiner Meinung nach, nicht lösen können. Wir können dies nicht überblicken, für nichts und nirgends.

Das andere Problem ist die enorme Gefährlichkeit dieser Güter und die menschliche Fehlbarkeit. Menschen machen Fehler - in allen Bereichen, auch im Entwurf von Sicherheitsanlagen. Der beste Wunsch, die höchsten Ziele helfen nicht, es wird früher oder später passieren. Bei einem Auto ist das, global betrachtet, nicht schlimm. Traurig ggf. wenn es Personenschaden gibt, ärgerlich, aber global nicht schlimm. Bei einem Bus wird es schon etwas tragischer, Flugzeug, Schiff, Industrieanlage fliegt in die Luft - alles schlimm, aber noch halbwegs zu handhaben - das ist spätestens nach einer Generation erledigt.

Doch ein größerer Unfall eines AKW oder der vor- und nachrangigen Betriebe (Brennstoffversorgung, Entsorgung des Mülls) hat Auswirkungen in ungeahnten Größenordnungen - Zunächst auf die Region, die ggf. für Jahrhunderte nicht mehr betret- oder gar bewohnbar wird aber auch globaler, da sich dies über Atmosphäre, Grundwasser, Wasserläufe etc. ständig weiter verbreitet. Und es läßt ja dann nicht nach - das Zeug strahlt und strahlt eben für Jahrhunderte! Die Spitze des Eisberges dieses Dilemmas können wir hervorragend in Tchernobyl sehen - und da sind wir noch SEHR glimpflich davon gekommen. Hätte das Desaster nur ein paar Minuten länger gedauert, hätten wir einen wirklich GAU gesehen. So ist es ja jetzt noch halbwegs eindämmbar und der Knall den es gab incl. Freisetzung war nur ein leichter Vorgeschmack auf das, was hätte passieren können - ganz davon abgesehen, daß wir hier in West-Europa fürchterliches Glück mit dem Wetter hatten, sodaß nur ein Bruchteil der freigesetzten strahlenden Partikel bei uns gelandet sind. Der Beton des Sarkophags bröselt schon heute, da die Strahlung im Inneren immernoch derart hoch ist, daß sie sogar Beton mürbe macht. Und das wird auch noch ein paar hundert Jahre so gehen. Wer kann hier wirklich ernsthaft sicherstellen, daß sich auch in 50, 100 oder 200 Jahren noch jemand um diesen Müllhaufen kümmert? Niemand. Nicht ernsthaft.

Atomenergie *scheint* ganz nett zu sein. Doch dieser Schein trügt im Lichte der unüberschaubaren Zeitspannen und damit verbundenen Risiken, für die wir hier die Verantwortung tragen müssen.

Hinzu kommen Argumente, wie man sie auch gegen die Gentechnik in der Landwirtschaft anbringen muß - wir haben alle Mühe zu verstehen, wie die lokalen Phänomene funktionieren und Erklärungsmodelle dafür zu finden. Es ist überheblich, anmaßend und unvernünftig zu behaupten, man könne die ganze Tragweite des Einsatzes absehen. Können wir nicht. Wir haben keine Ahnung, von den globalen Wechselwirkungen. Deshalb sollten wir in diesem großen Maßstab die Finger davon lassen - im Labor gerne, aber nicht industriell.

Und zuguterletzt wird gerade die Atomenergie als segenbringendes Allheilmittel aller Energieprobleme propagiert. Doch das es dazu Uran als Rohstoff braucht, wird gerne übersehen, denn auch spaltbares Uran ist nicht in beliebigen Mengen Verfügbar - ganz im Gegenteil. Es gibt Prognosen, die das Ende des wirtschaftlich erreichbaren Urans bei weiterem Ausbau der AKWs in etwa 25 Jahren sehen. Was haben wir da also gewonnen?

Ich kann mich da leider nur vielen anderen anschließen - der von der Regierung beschlossene Ausstieg vom Ausstieg macht einzig und allein für die Stromkozerne Sinn, für keinen anderen. Daher muß dieser rückgängig gemacht und die AKWs, wie geplant, heruntergefahren werden. Alleine mit deren Entsorgung und Abbau werden wir noch Jahre beschäftigt sein... mit nur einfach "Abschalten" ist das ja auch nicht getan...

Zitat von: Santa83 am 22. Oktober 2010, 13:53:14 Zitat von: romidu am 21. Oktober 2010, 23:12:10 Ich bin soweit Realist, zu wissen, das alles immer zwei Seiten hat. Einfach bei den wichtigen Themen mehr Rückrat zeigen und klar Position beziehen auch wenn es unangenhem wird. Das mache ich hiermit. Für Atomkraft! Für den Neubau von Atomkraftwerken nach modernsten (Sicherheits)standards! Gegen den Atomausstieg!


Mutig und ich respektiere das - schließe mich dem aber ganz und gar nicht an.