Über-Die-Arbeitsreligion

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Kritik an der Arbeitsreligion

"Arbeit" ist eine Ideologie mit schon quasi religiösem Fetisch-Charakter. Die Schaffung von "Arbeitsplätzen" wird von allen Parteien von Rechts bis Links gepredigt egal ob es um Finanzwirtschaft, Freihandelsabkommen oder Verschärfung des Urheberrechts geht. Die Politik, die Programmatik der Parteien ist nur auf Schaffung von "Arbeit" ausgerichtet. Arbeit scheint als der Sinn des Lebens verstanden zu werden, so dass nichts außerhalb dieses Strebens nach "Arbeit" existieren darf, der nicht Arbeitende, dessen Arbeitsplatz durch den technischen Fortschritt bereits wegrationalisiert wurde, ist dann in den Augen der Gläubigen nur noch ein Ketzer, ein unmoralischer Schmarotzer welcher sich der heiligen Arbeitspflicht zu entziehen scheint.

Mit der Schaffung von Arbeitsplätzen lässt sich alles rechtfertigen, die Bundesregierung rechtfertigt den Export von Waffen und Panzern an Diktaturen wie Saudi Arabien damit wie wichtig es sei das in Deutschland Arbeitsplätze geschaffen werden. Dass Waffen von diesen Staaten gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt werden könnten wird wohl moralisch als weniger verwerflich angesehen als wenn die Schaffung neuer Arbeitsplätze aufgrund ethischer Überlegungen nicht erfolgt. Die Schaffung von Arbeitsplätzen scheint den Gläubigen also wichtiger zu sein als der Schutz von Menschenleben. Auch die Zerstörung der Natur, z.B. durch Fracking wird von den Befürwortern dieser Praxis mit der Schaffung von Arbeitsplätzen gerechtfertigt. Egal ob Krieg, Umweltzerstörung oder Ausbeutung durch Niedrigstlohn, alles ist für den Arbeitsgläubigen gut, solange es nur Arbeit schafft.

Die Arbeit wird als der Sinn des Lebens verklärt welchem sich alles andere unterzuordnen hat, selbst das Gewissen und die Vernunft. Die Arbeit wird in unserer Zeit so verehrt wie früher die Religion, die Arbeit selbst ist zur Religion geworden. Wenn es darum geht, den für eine Gesellschaft notwendigen Wohlstand zu produzieren, so ist die Arbeit eine Notwendigkeit, um die Gesellschaft mit allem, was sie zum Leben braucht, zu versorgen. Die Arbeit aber selbst zum Ziel und Zweck allen Handelns zu erklären, ist, wie bereits gesagt, äußerst destruktiv und auch nicht mehr zeitgemäß. Wir leben in einer Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgeht. Obwohl die Bundesrepublik einen Exportrekord nach dem anderen aufstellt, reicht dies bei weitem nicht mehr aus um Vollbeschäftigung zu schaffen. Die Arbeitsideologie kommt in zunehmenden Widerspruch zur Realität, versucht jedoch diesen Realitätsbruch durch zunehmenden Fanatismus und Dogmatismus zu kitten. Einem Fanatismus welcher zu zunehmender Repression und Zwang gegen Arbeitslose führt, welche quasi schuldig gesprochen werden (Schmarotzer usw.), da sie aus dem System des Arbeitsglaubens herausfallen.

Wenn wir Arbeit realistisch als nichts mehr denn eine lästige Notwendigkeit betrachten würden, gäbe es zum einen diese schädliche ideologische Verherrlichung nicht mehr. Zum anderen müssten wir dann zwangsläufig zu dem Schluss kommen, dass die Ersetzung menschlicher Arbeitsplätze durch Automatisierung und Roboter im Grunde eine Befreiung von der Notwendigkeit, etwas anzustrebendes Positives gilt. Wollen wir eine bessere Zukunft erlangen, so müssen wir zuerst den pseudo-religiösen Arbeitskult infrage stellen und überwinden.

Denn solange die Arbeitsreligion herrscht, solange wird sich auch kein BGE realisieren lassen.