AG Geldordnung und Finanzpolitik/ThemaMinskyStabilizing

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Vorbemerkung Vorbemerkung:
Dies ist derzeit eine lose Notizensammlung des Mitglieds Thomas Weiß und spiegelt keinerlei Meinung außer vielleicht seiner eigenen wider. Wer Anmerkungen/Fragen hat schreibt diese bitte auf die Diskussionsseite zu diesem Artikel.

Hyman P. Minsky: Stabilizing an unstable economy

Vorwort

Die folgenden Ausführungen sind eine unvollständige Zusammenfassung von Minskys "Stabilizing an unstable economy" aus dem Jahre 1986, mit einigen Anmerkungen von mir.

Part I: Introduction

Economic Processes, Behaviour, and Policy

Hier stellt er hauptsächlich seine Motivation dar und kritisiert den aktuellen Zustand der herrschenden VWL, ohne ins Detail zu gehen. Einige Zitate:

„Demand curves do not confront sellers - customers do“
S. 3

„Thus, while admiring the properties of free markets we must accept that the domain of effective and desirable free markets is restricted.“
S. 6

„Paradoxically, capitalism is flawed precisely because it cannot readily assimilate production processes that use large-scale capital assets.“
S. 6

„[Keynes defined the political problem as a need] to combine three things: economic efficiency, social justice, and individual liberty. The first needs criticism, precaution, and technical knowledge; the second, an unselfish and enthusiastic spirit that loves the ordinary man; the third, tolerance, breadth, appreciation of the excellencies of variety and independence, which prefers, above everything, to give unhindered opportunity to the exceptional and to the aspiring.“
J. M. Keynes, "Essays in Persuasion", 1972, S. 311

„We - in the US at least - are rich. This means we can afford to relinquish some output to achieve social justice and individual liberty.“
S. 9

„I tend to favor personal freedom and democratic rights; the safeguarding of so-called property rights - even if property rights lead to the narrow economic efficiency of orthodox theory - is not to my mind equal to the extension of individual liberty and the promotion of social justice. These beliefs affect my policy positions.“
S. 10

Part II: Economic Experience

Die Wirtschaftskrisen der Nachkriegszeit, besonders die von 1974-75 und 1982-82 werden auf Ursache und den Umgang damit untersucht.

„What, then, prevented a deep depression in 1975 and 1982? The answer centers on two aspects of the economy. The first is that Big Government stabilizes not only employment and income but also business cash flows (profits) and as a result asset values. The second aspect is that the Federal Reserve System, in cooperation with other government agencies and private financial institutions, acts as a lender of last resort.“
S. 17

Diese beiden Elemente verhindern wirksam große Depressionen, allerdings hat heavy medicine eben auch serious side effects.

„In particular, government contra-cyclical deficits now attenuate downside instability even as chronic deficits now exacerbate upside or inflationary instability.“
S. 191

Minsky kritisiert also, dass die derzeitigen Mechanismen zwar eine Krise abschwächen, aber Boom und Übertreibung befeuern.

A Deep Recession but not a Depression in 1975: The Impact of Big Government

Es wird erklärt, wie durch "Keynesianische Ausgabenpolitik" eine schwere Depression verhindert wurde.

Die Krise begann im Oktober 1973 mit einer mäßigen Rezession. Im Oktober 1974 entwickelte sich die Rezession zu einem steilen Fall, bis schon im April 1975 der Kurs wieder auf starkem Wachstum stand. Diese plötzlichen Umschwünge sind ein Zeichen von größerer Instabilität im Vergleich zur früheren Nachkriegszeit.

Instabilität wirkt sich negativ auf die Wirtschaftsleistung, v.a. langfristiges Investment aus. Zusätzlich ist Instabilität selbstverstärkend. Bei höherer Instabilität reagieren Investoren schnell und überzogen auf kurzfristige Indikatoren. Als Folge bevorzugen Investoren die kurzfristigen riskanten Spekulationsgewinne gegenüber den langfristigen, aber unflexibleren realwirtschaftlichen Investitionen.

Anfang 1975 schien die US Wirtschaft auf eine Krise vom Ausmaß der Great Depression zuzusteuern. Der Umschwung resultierte aus Fiskalpolitik und Zentralbankintervention. Die Fiskalpolitik war teilweise passiv (Niedrigere Steuereinnahmen und höhere Transferzahlungen durch den Wirtschaftsabschwung) und teilweise aktiv in Form von Steuererleichterungen und außerordentlichen Transferleistungen. Allerdings brauchen die stabilisierenden Effekte eines großen Staatshaushaltes Zeit um zu wirken. Um in dieser Zeit die Assetpreise stabil zu halten muss zusätzlich die Zentralbank eingreifen.

Staatsausgaben bestehen generell aus

  1. Staatsbedienstete und Staatsproduktion (Militär,...)
  2. Einkauf von Produkten und Dienstleistungen (Flugzeuge, Straßen,...)
  3. Transferzahlungen (Arbeitslosengeld, Gesundheitssystem,...)
  4. Zinsen auf Staatsanleihen

wobei die Transferzahlungen der zyklisch relevante Teil sind. Da Transferzahlungen zur Nachfrage, aber nicht zur Produktion beitragen, sind sie inflationär.

Ein großer Staatshaushalt hat Effekte auf drei Ebenen:

  1. Einkommens- und Beschäftigungseffekt
    über die Nachfrage nach Gütern und Arbeit durch den Staat
  2. Budget Effekt
    Das Defizit des Staates taucht zwangsläufig in anderen Sektoren als Überschuss auf
  3. Portfolio Effekt
    Die Finanzinstrumente zur Finanzierung des Defizits (Staatsanleihen) tauchen in den Bilanzen des privaten Sektors auf

Ein Fokus allein auf die Stabilisierung der Nachfrage greift zu kurz. In Krisenzeiten braucht der Privatsektor auch einen Finanzierungsüberschuss und sichere Assets in der Bilanz.

1975 gingen drei viertel des Staatsdefizits zu Gunsten des Unternehmenssektors:

„Business profits, correctly defined, were sustained and increased even as the country was in a severe recession!“
S. 31

Die Finanzierungsüberschüsse ermöglichen es den Unternehmen ihre Verschuldung gegenüber Banken zu reduzieren, was Investitionen begünstigt. Eine Stabilisierung der Gewinne von Unternehmen ist aber auch deshalb notwendig, weil ihre Kreditwürdigkeit davon abhängt.

Im Jahre 1975 hat der Finanzsektor massiv Staatsanleihen erworben. Da in der Krise Kredite unrentabel und riskant sind, "speichert" der Finanzsektor seine Finanzierungskraft in Form von Staatsanleihen, um später wieder investieren zu können. Deshalb wirkt das inflationäre Potential des Staatsdefizits verzögert.

A Deep Recession but not a Depression in 1975 and 1982: The Impact of Lender-of-Last-Resort Intervention

Die Rolle der Zentralbank in den Krisen 1969-70, 1974-75 und 1981-82 wird beschrieben.

Die Zentralbank hat für den Finanzsektor eine ähnliche antizyklische Funktion wie ein großer Staatshaushalt für die Realwirtschaft. Als Lender-of-last-Resort kann die ZB Assetpreise stabilisieren, indem sie diese Assets kauft, ankündigt zu kaufen, oder als Sicherheit akzeptiert.

Die Idee eines Lender-of-last-resort war ein Hauptgrund für die Einrichtung der Fed, obwohl mittlerweile die Kontrolle der Geldmenge als deren vorwiegende Aufgabe gesehen wird.

Im Allgemeinen entwickeln sich Finanzkrisen aus einem Run. Wenn Kreditgeber und Käufer von Verbindlichkeiten befürchten, dass ein Finanzinstitut seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann, gerät es in Liquiditätsschwierigkeiten. Der Lender-of-last-resort garantiert diese Zahlungen und mindert damit das Ausfallrisiko der jeweiligen Verbindlichkeit.

Je niedriger das Ausfallrisiko eines Assets, desto "marktfähiger" oder liquider ist es. Wenn die Fed neue Arten von Assets gegen Ausfall absichert, erhöht sie damit die Menge der liquiden (und folglich Geld-ähnlichen) Assets. Dies führt zu erhöhter Finanzierungskapazität und bei Ausschöpfung dieser Kapazität zu steigenden Assetpreisen und erhöhter Kreditvergabe, also inflationärem Potential.

Speculative Finance

In unserem komplexen Wirtschaftssystem ist Eigentum an Aktiva gewöhnlich über Verbindlichkeiten finanziert, die Zahlungsverpflichtungen mit sich bringen. Finanzielle Strategien, bei denen diese Zahlungsverpflichtungen zunächst nur über neue Kredite bedient werden können, werden "Speculative Finance" genannt. In guten Zeiten ist spekulative Finanzierung profitabel, damit steigt der Anteil von spekulativen Finanzierungen, und Assetpreissteigerungen sowie erhöhte Investitionen sind die Folge. Daraus ergeben sich Wirtschaftswachstum, steigende Unternehmensprofite und niedrige Arbeitslosigkeit, die wiederum Investoren zu spekulativer Finanzierung motiviert. (-> Positive Rückkopplung, Instabilität)

Allerdings sind spekulative Finanzierungen von der Verfügbarkeit günstiger Kredite abhängig, und benötigen damit bei Problemen Rückhalt durch einen Lender-of-last-resort. Indem die Fed diese Aufgabe übernimmt, werden Teile des Risikos sozialisiert, was allerdings auch dieses riskante Verhalten und damit die Instabilität des Systems fördert (Moral Hazard).

Eine Lender-of-last-resort Intervention verhindert, dass ein Finanzinstitut in Schwierigkeiten seine Assets unter Wert verkaufen muss. Damit werden zwei Ansteckungseffekte vermieden:

  1. Die Gläubiger dieses Instituts müssen nicht auf ihre Forderungen verzichten
  2. Die Preise dieser Art Assets fallen nicht, was andere Institute in Schwierigkeiten bringen könnte

Effektiv werden Risiken sozialisiert. Konsequenterweise müssen jedoch auch Regeln geschaffen wurden um solche Risiken zu minimieren:

„If a lender of last resort agrees to pick up the pieces in case of a problem, it has a right and a responsibility to control and prevent business practices that tend either to create or to worsen financial crises.“
S. 45

Bis auf die stabilisierende Funktion in Krisenzeiten ist die ZB nahezu überflüssig.

The Emergence of Financial Instability in the Postwar Era

Die Nachkriegszeit scheint eine Erfolgsgeschichte zu sein. Die Wirtschaft wächst und hat nur kleinere Krisen, denen man scheinbar richtig begegnet. Tatsächlich erlebt der Finanzsektor währenddessen bedeutenden Veränderungen hin zu immer mehr systemischer Instabilität.

„The dynamics of the financial system that lead to institutional change result from profit-seeking activities by businesses, financial institutions, and households as they manage their affairs. In this process innovation occurs, so that new financial instruments and institutions emerge and old instruments and institutions are used in new ways. These changes, along with legislated and administrative changes that reflected the aura of success of this period, transformed the financial and economic system from one in which a financial crisis was unlikely into one that was vulnerable to crises.“
S. 77-78

Es werden zwei Arten von Vermögenswerten der Unternehmen unterschieden:

  1. position assets:
    Dies sind die Assets, mit denen das Unternehmen sein Hauptgeschäft betreibt (z.B. Fabriken) und i.d.R. auch den Hauptteil der Gewinne erwirtschaftet. Sie sind in der Regel wenig liquide.
  2. position-making assets:
    Dies sind Assets, die verwendet werden um die Cash-flows sowie Einkauf und Verkauf der position assets zu refinanzieren. Sie sollten sehr liquide sein und einen großen, aktiven Markt haben, damit der Preis stabil ist auch gegenüber größeren Handelsvolumina.

Beispiel: Eine Bank mit dem Hauptgeschäft 'Darlehen' gewährt ihren Kunden einen Kreditrahmen. Wenn der Kunde innerhalb dieses Kreditrahmens ein Darlehen aufnimmt wird er das erhaltene Geld in der Regel zu einer anderen Bank hin überweisen. Damit hat die Bank einen Verlust an Interbankengeld und einen Gewinn in ihren position assets. Das Interbankengeld beschafft sie sich dann wieder durch Verkauf von position-making assets.

Die position-making assets dienen also dazu einen cash-flow zu Gunsten des Unternehmens zu forcieren wenn er benötigt wird, d.h. die Zahlungsfähigkeit zu sichern. Alternativ kann das Unternehmen sich auch Geld leihen. Zu Beginn der Nachkriegszeit waren Staatsanleihen das übliche position-making asset. Mitte der 50er Jahre entwickelte sich als Alternative die 'federal funds', also Zentralbankgiralgeld.

Im Zuge der Profitmaximierung versuchen Banken, den relativen Anteil der position-making assets/liquiden Mittel gering zu halten. Dazu werden neue innovative Produkte entwickelt, die die Zahlungsfähigkeit sicherstellen können. Ende der 60er bestehen diese aus der Herausgabe von Jumbo CDs, also hochvoluminösen Sparbriefen. Solche Innovationen ermöglichen es, dass der Umfang der Kreditvergabe, und damit der realwirtschaftlichen Geldmenge, schneller wächst als die Geldbasis.

Im Gegenzug hängt das Funktionieren des Bankensystems nun von all diesen innovativen Produkten ab. Bricht der Markt für eines dieser Produkte ein, wird damit die Möglichkeit der Kreditvergabe durch Banken gemindert, was eine Kreditklemme zur Folge hat. In der Nachkriegszeit werden durch den Lender-of-last-resort diese Produkte stabilisiert, damit aber auch legitimiert. Dies bildet die Basis für zukünftiges inflationäres Wachstum und wachsende Instabilität.

„In effect, the Federal Reserve prepares the way for the restoration of the type of financing that is a necessary, but not a sufficient condition, for an investment boom that is brought to a halt by financial crises. The deficits of Big Government are the sufficient condition. By sustainaing aggregate demand, they sustain corporate profits and feed secure assets into portfolios. These effects of Big Government mean that an investment boom will occur quite soon after a recession, and the investment boom generates the demand for finance that leads to another bout of inflation and crisis.
What we seem to have is a system that sustains instability even as it prevents the deep depressions of the past. Instead of a financial crisis and a deep depression being separated by decades, threats of crisis and deep depression occur every few years; instead of a realized deep depression, we now have chronic inflation. In terms of preventing deep depressions, we have done better than in earlier epochs. This is not a trivial gain. But the instability and the deteriorating performance mean that we need to search for something better.“
S. 106

Part III: Economic Theory

Perspectives on Theory

Minsky beschreibt den Nutzen und die Gefahren von wirtschaftlichen Theorien im Allgemeinen, er führt kurz die Ansichten der klassischen Theorie aus, und kritisiert, dass monetäre und finanzielle Aspekte nicht die notwendige Rolle spielen.

The Current Standard Theory: The After-Keynes Synthesis

Die derzeitige (1986) Standardtheorie ist die Neoklassische Synthese. Obwohl man diese Theorie teilweise als keynesianisch bezeichnet, betont Minsky, dass Keynes in vielen Teilen auf einige wenige Ideen (v.a. Nachfragetheorie) reduziert wird. Die Angebotstheorie von Keynes, seine Ausführungen, wie Geld geschöpft wird im Rahmen des Prozesses der Unternehmensfinanzierung, werden ignoriert.

Nach der neoklassischen Synthese erreicht der freie Markt über den Patinkin Effekt die Vollbeschäftigung:

Arbeitslosigkeit erzeugt Lohn- und Preisdeflation. Die Deflation bewirkt einen Anstieg der realen (d.h. preisdeflationerten) Geldmenge. Die reale Vermögenszunahme der Haushalte führt zu einem höheren Konsum-Einkommen-Verhältnis. Ein Überschuss an Arbeitskraft führt also über die Deflation zu steigendem Konsum und damit mehr Nachfrage, bis dadurch Vollbeschäftigung erreicht ist.

Prices and Profits in a Capitalist Economy

Kapitalismus wird von privaten Investitionsentscheidungen getrieben. Ob investiert wird oder nicht, hängt von den zu erwartenden Profiten ab. Basierend auf einfacher Saldenmechanik leitet Minsky die folgende Gleichung her:

Profite minsky.png

wobei alle Variablen hier monetäre Stromgrößen darstellen, im Detail:

  • Pi: Profite der Unternehmer (nach Steuern)
  • I: Höhe der Investitionen
  • Df: Haushaltsdefizit des Staates
  • BTDf: Handelsbilanzdefizit
  • C_pi: Konsum der Unternehmer bzw. aus Profiten (nach Steuern)
  • S_W: Sparvolumen der Arbeiter (nach Steuern)


Um Investitionen zu rechtfertigen und aufrechtzuerhalten, dienen die Preise in erster Linie dazu, die erwarteten Unternehmensgewinne zu realisieren, damit die Unternehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können.

Preiswettbewerb und Kapitalintensität

Kosten der Unternehmen setzen sich zusammen aus

  1. Technologisch bestimmte Kosten der eigentlichen Produktion (Arbeiterlöhne, Rohstoffe)
  2. Zusatzkosten (Forschung, Verwaltung, Marketing, Verkauf) und Finanzierungskosten

Es wird unterschieden zwischen kapitalintensiven Unternehmen, bei denen ein großer Teil der Kosten unter 2. fällt (z.B. Autoindustrie), und weniger kapitalintensiven Unternehmen (z.B. Friseurbetrieb), bei denen 1. dominiert. Man beachte, dass die Finanzierungskosten von der Höhe des eingesetzten Realkapitals sowie von den Bedingungen des Finanzsektors abhängen.

Je kapitalintensiver eine Unternehmensstruktur, desto weniger können die Kosten bei ungünstigen Entwicklungen angepasst werden. Bei starkem Preiswettbewerb innerhalb von freien Märkten bewirkt fallende Nachfrage einen starken Preisverfall, der kapitalintensive Unternehmen deshalb schnell in den Ruin treiben kann. Im Interesse von Investoren und Banken sollte also Marktbeherrschung vorliegen. Für kapitalintensive Branchen sind Oligopole und Monopole die natürliche Struktur.

Das ist doch mal interessant: Der Kapitalismus verträgt sich nicht mit der freien Marktwirtschaft!
In ähnlicher Weise ist auch Forschung im perfekten Wettbewerb unterdrückt:
Konkurrieren mehrere gleichwertige Unternehmen, kann dasjenige mit den niedrigsten Zusatzkosten auch die günstigsten Preise anbieten. Erst wenn ein Unternehmen eine gewisse Monopolstellung erreicht hat, kann es diesen Wettbewerbsvorteil ausnutzen um substanziell in Forschung zu investieren und damit seinen Vorsprung weiter auszubauen. In diesem Sinne ist es nachvollziehbar, dass viele Großkonzerne aus einem (technologischen o.ä.) Wettbewerbsvorteil entstanden sind.

[Include page 169]

[Opt: Include price-taking, price-making mechanisms]

Investment and Finance

Herstellung von Kapitalgütern, sowie der Besitz derselben, muss finanziert werden. Dabei benötigt ersteres kurzfristige Finanzierung, letzteres langfristige Finanzierung.

Beispiel: Während ein Kraftwerk gebaut wird, werden die Kosten für Arbeiter, Materialien, etc. über kurzfristige Kredite bezahlt, um auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren zu können. Ist das Kraftwerk fertig, sucht man einen langfristigen Kredit, dessen Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen über die laufenden Einnahmen des Kraftwerks gedeckt werden.


„The fundamental propositions of the financial instability hypothesis are:

  1. Capitalist market mechanisms cannot lead to a sustained, stable-price, full-employment equilibrium.
  2. Serious business cycles are due to financial attributes that are essential to capitalism.“
    S. 194

Eine Wirtschaft mit Preisstabilität und Vollbeschäftigung ist für Minsky keineswegs ein Gleichgewicht sondern vielmehr ein Übergangszustand. Denn einerseits sind Unternehmen, durch den Erfolg motiviert, immer mehr bereit Schulden aufzunehmen. Andererseits tendieren Banken aus den positiven Erfahrungen der Vergangenheit dazu, größeres Risiko einzugehen, mehr Kredite zu vergeben und neue Finanzprodukte zu erfinden. Diese beiden Arten finanzieller Expansion führen zu höheren Assetpreisen und folglich Investitionen und Profiten, resultierend in übertriebenem Wachstum. (Genaugenommen kommt noch Inflation dazu, die Verschuldung weiter motiviert.) Erfolgreiche ruhige Zeiten (z.B. 'Great Moderation') führen also zu einem spekulativen Überschuldungsboom.

Die Nachfrage nach Investitionen hängt hauptsächlich ab von dem Unterschied zwischen dem Preis von Kapitalgütern und den Kosten der Herstellung von Kapitalgütern. Steigende kurzfristige Zinsen führen aber zu höheren Herstellungskosten, und steigende langfristige Zinsen zu einem niedrigereren Nachfragepreis von Kapitalgütern. Der Preisunterschied, der Investitionen motiviert, verhält sich also invers zur Höhe der Zinssätze. Niedrige Zinssätze führen zu hohem, schuldenfinanzierungslastigem Investment.

Während der Produktion von Kapitalgütern ist deren Nachfrage nach kurzfristigen Krediten 'unendlich elastisch', d.h. weil etwa ein halbfertiges Kraftwerk nutzlos ist, werden nahezu beliebig hohe Zinsen akzeptiert um es fertig zu stellen. Um also ein stabiles Level von Investment zu ermöglichen, sollte im Gegenzug die Zinshöhe möglichst wenig von der Kreditnachfrage abhängen.

Dies rechtfertigt das Vorgehen der Notenbanken, den Leitzins vorzugeben und nicht die Geldmenge.

Financial Commitments and Instability

Minsky unterscheidet drei Arten von Finanzierungen:

  1. Abgesicherte Finanzierung (Hedge finance):
    Die Zahlungsverpflichtungen der Passivseite, also Zinsen und Tilgung der Schulden, können über die laufenden Einnahmen aus der Aktivseite gedeckt werden.
  2. Spekulative Finanzierung (Speculative finance):
    Die Zahlungsverpflichtungen der Passivseite können (zumindest zeitweise) nicht komplett aus der Aktivseite gedeckt werden. Auslaufende Kredite werden durch neue ersetzt. Langfristige Aktiva werden über kurzfristige Kredite finanziert. Die gesamte Höhe der Schulden nimmt jedoch nicht zu.
  3. Ponzi Finanzierung (Ponzi finance):
    Ähnlich der spekulativen Finanzierung, nur dass hier nicht einmal die Zinsen aus den Aktiva gedeckt werden können. Durch einen notwendige Netto-Neuverschuldung wird im Laufe der Zeit das Eigenkapital aufgezehrt.

Während die abgesicherte Finanzierungen unabhängig von den Bedingungen des Finanzmarkts sind, reagieren die anderen beiden empfindlich darauf.

Minsky argumentiert, dass eine ruhige, von 1. dominierte wirtschaftliche Situation, Wachstum von 2. und 3. induziert:

In einem System mit großem Anteil von abgesicherten Finanzierungen sind langfristige Zinsen signifikant höher als kurzfristige Zinsen. In der Folge existieren Profitmöglichkeiten durch Einführung von spekulativer Finanzierung.

Eine Hedge-Finance dominierte Wirtschaft unterliegt wenig Schwankungen. Im Laufe der Zeit steigt das Vertrauen von Bänkern in die Stabilität des Systems, was niedrigere Liquiditäts- und Eigenkapitalpuffer akzeptabel macht. Die Bilanzverlängerung im Bankensektor entspricht einer endogenen Erhöhung der Geldmenge. Die gesteigerte Liquidität im Nichtbankensektor sowie deren ebenfalls wachsende Akzeptanz von Fremdfinanzierung lässt die Kapitalgüterpreise steigen. Dies führt zu höherer Investition, was wiederum die Profiterwartung für Kapitalgüter und damit deren Barwert erhöht. Durch die Preissteigerung existierender Kapitalgüter wächst außerdem das Eigenkapital, was den Investmentboom weiter befeuert. Erwartete Preissteigerung von Kapitalgütern versprechen Rentabilität von spekulativen und Ponzi Finanzierungen.

„Profit opportunities within a robust financial structure make the shift from robustness to fragility an endogenous phenomenon.“
S. 234

Besteht nun ein großer Teil der Wirtschaft aus spekulativer und Ponzi Finanzierung, so können bereits kleine Veränderungen in Zinssätzen große Pleitewellen nach sich ziehen.

Idee: Durch Regulierungen dauerhaft eine flache bis leicht-inverse Yield-curve forcieren.

Part IV: Institutional Dynamics

Banking in a Capitalist Economy

Inflation

Part V: Policy

Introduction to Policy

An Agenda for Reform

Minsky bevorzugt einen Kapitalismus mit niedrigem Investment, hohem Konsum, Ausrichtung auf Vollbeschäftigung und kleine Unternehmen.

Big government

Ein großer Staatshaushalt ist notwendig um realwirtschaftliche Schwankungen antizyklisch auszugleichen. Der Staatshaushalt sollte mindestens so groß sein wie die üblichen Investitionen (Empfehlung 16-20% des Vollbeschäftigungs-BIP). Ungünstige Ausgestaltung des Staatshaushalts kann zu Fehlallokation und Inflation führen.

Vorschlag:

  • Beschäftigungsprogramm in Höhe von 1,25% Vb-BIP
  • Kindergrundeinkommen in Höhe von 1,33% Vb-BIP (75$ monatlich, bis 16 J.)

Desweiteren:

  • Sozialleistungen, wie das KGE, sollen mitbesteuert (und Kinderfreibeträge abgeschafft) werden
  • Transferleistungen dürfen nicht Beschäftigung verhindern
  • Der Staat sollte langfristig ausgeglichene Haushalte haben

„There is nothing special about government debt, and a flight from government debt can occur.“
S.336

  • Kalte Progression ist eine Inflationsbarriere, indexierte Steuern lehnt er deshalb ab.
  • Progressive Einkommensteuer wirkt gegen lohninduzierte Inflation
  • Die derzeitige Firmen-Einkommensteuer lehnt er ab. Finanzierungskosten können vom Einkommen steuerlich abgesetzt werden, daher ist Fremdkapital gegenüber Eigenkapital bevorzugt. Für hohe Stabilität ist aber Eigenkapital wünschenswert. Außerdem sind nichtproduktive Ausgaben wie Werbung, Firmenwagen, Hotelübernachtungen, etc, absetzbar und daher effektiv subventioniert.
  • Der Unternehmensanteil der Sozialversicherung ist doppelt ungewünscht: Zum einen reduziert es die Beschäftigung durch höhere Lohnkosten, zum anderen bevorzugt es kapitalintensive Produktion, die Finanzierung benötigt (und damit Instabilität nach sich zieht).
  • Verbrauchsteuern sind ein mögliches Mittel, um gesellschaftliche Motive zu erreichen.

An employment strategy

Der derzeitige Weg Vollbeschäftigung zu erreichen, besteht darin Investitionen zu fördern, die dann Arbeitsplätze schaffen. Allerdings führt dieser Weg auch zu finanzieller Instabilität, Investmentbooms, Inflation etc.. Stattdessen soll der Staat direkt Jobs anbieten, die realen Mehrwert hervorbringen, auch wenn sie nicht "marktfähig" sind. Solche Programme sind reinen Transferzahlungen vorzuziehen.

„A world with measured unemployment and minimum wages is internally inconsistent; an effective minimum wage program must guarantee that jobs are available to all at the minimum wage.“
S.345

Er empfiehlt ähnliche Arbeitsprogramme wie in den 30er Jahren.

  1. Civilian conservation corps (CCC)
  • Am Übergang von Schule zu Berufsleben (16-20 J.)
  • ca 1 Mio Beschäftigte
  • Hauptaufgabe: Instandhaltung und Verbesserung der Nationalparks
  1. National Youth Administration (NYA)
  • Hauptzielgruppe: 16-20jährige
  • bis ca 6 Mio Beschäftigte (=25% der Altersgruppe)
  • Schüler- und Studentenarbeiten, Nebenjobs in Schulen, Sommerschulen, Universitäten. Entlastet diese Institutionen
  • Neben Einkommensgewährung steht Talentförderung und -entwicklung sowohl direkt als auch durch die Unterstützung der Bildungseinrichtungen im Vordergrund
  1. Works progress administration
  • Zielgruppe: Arbeitssuchende, auch Teilzeitangebote für Eltern oder Senioren
  • Umfang schwer einzuschätzen, grob ~ 2 Mio

Financial Reform

„The history of money, banking and financial legislation can be interpereted as a search for a structure that would eliminate instability. Experience shows that this search failed and theory indicates that the search for a permanent solution is fruitless.“
S. 349

Hauptaufgabe der Zentralbank sollte die Überwachung des Finanzsektors sein, Instabilität einzudämmen und Stabilität zu fördern.

„Financial reform can be effective only as part of a general system of reform. As long as the main proximate objective of policy is to encourage investment, institutions, and ways of doing business that facilitate investment financing and capital-asset ownership will be fostered. But inappropriate financing of investment and capital-asset ownership are the major destabilizing influences in a capitalist economy. Thus, the substitution of employment for investment as the proximate objective of economic policy is a precondition for financial reforms that aim at decreasing instability.“
S. 350

Die Erfahrung zeigt, dass etwa ein Trennbankensystem nicht auf Dauer Bestand hat, wenn das Brechen dieser Trennung große Profitmöglichkeiten liefert.

„Big or giant organizations carry an implied public guarantee on their debts. This introduces a financing bias favoring giant corporations and giant banks, for the implicit public liability leads to preferred market treatment.“
S. 354

Durch den großen Staatshaushalt werden individuelle Pleitefälle möglich, weil großflächige Zusammenbrüche verhindert werden. Deshalb sollte ein Bankrott, der eine spekulative oder Ponzi-Finanzierung in eine abgsicherte Finanzierung verwandelt, einfach und billig möglich sein.

Die Zentralbank sollte "to-the-asset" Kredite fördern, d.h. Banken sollten bevorzugt Produktivkapital beleihen und nicht firmenbezogene Kredite vergeben.

Die Struktur des Bankensektors beeinflusst den Unternehmenssektor. Ein dezentrales Kleinbankensystem begünstigt kleine und mittlere Unternehmen, etc.. Kleinbanken sollten regulative Vorteile genießen um dauerhaft gegen Großbanken bestehen zu können.

Eigenkapitalquoten sollten von der Zentralbank bestimmt werden.(Vorschlag 5%)

Regulierung der Gewinnausschüttung von Banken kann das Wachstum des Eigenkapitals bei Banken begrenzen, und ergeben mit den Eigenkapitalquoten eine Begrenzung des Bilanzsummenwachstums.

Bankengründungen sollen erleichtert werden.

Mit Offenmarktgeschäften hat die Zentralbank zu wenig Einfluss auf die Aktiva der Banken. Stattdessen sollte das "discount window", also über Banken-Aktiva besicherte Zentralbankkredite verwendet werden. Dann kann die Zentralbank Hedge-Financing systematisch begünstigen.

Industrial policy: Alternatives to dominance by giant corporations

Echter Wettbewerb soll erreicht werden, indem kleine Unternehmen und Startups gefördert werden, während die Marktmacht von großen, bürokratischen, institutionalisierten Unternehmen begrenzt wird.

Die bereits vorgestellten Reformen, wie Kleinbankenbegünstigung, to-the-asset financing, Steuerreformen, etc., sollten dies begünstigen können.

Einige Großfirmen sollen zerschlagen werden.