Vielfalt statt Grabenkämpfe
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Vielfalt statt Grabenkämpfe – Offener Brief an die „Piratinnen"
Zahlreiche Piraten – jedweden Geschlechts – lehnen den Vorstoß der „Piratinnen“ aus Berlin entschieden ab. Wurde im Bundestagswahlkampf das Genderthema noch von außen an die Partei herangetragen, so ist es umso überraschender, dass diesmal in einer völlig unkoordinierten und intransparenten Initiative eine Genderdiskussion von den eigenen Leuten gezielt in die Medien gebracht wird. Die Initiatorinnen der Diskussion nehmen für sich in Anspruch, für die Mehrheit der Frauen innerhalb der Piratenpartei zu sprechen – ohne jemals vorher den Dialog gesucht zu haben. Es wäre zumindest angebracht gewesen, diese Idee für den Bundesparteitag vorzuschlagen.Vor allem die Herausgabe einer unautorisierten Pressemitteilung sorgte für einigen Unmut, denn diese Genderfrage ist höchst umstritten.
Geschlechterpolitik ist von Beginn an Thema innerhalb der Partei gewesen, jedoch scheint der Vorstoß der Initiatiorin Lena Simon ohne jede Rücksprache mit den entsprechenden Arbeitsgruppen stattgefunden zu haben. Außer der PM wurden auch direkte Interviews mit der TAZ und SpON geführt. Erst mit den Medien zu sprechen halten wir für den falschen Weg!
In den Vorständen der Piraten, seien es Landes-, Bezirks- oder Kreisvorstände, ist der Frauenanteil überdurchschnittlich hoch – gemessen am geschätzten Anteil der weiblichen Piraten der Basis. Der Vorwurf die Partei sei von Männern an der Basis dominiert ist schwer zu veri- oder falsifizieren, da auf den Beitrittsformularen nicht nach dem Geschlecht gefragt wird. Vielmehr scheinen alte Klischees den Eindruck zu schaffen, dass eine junge, technologiefreundliche Partei von Männern dominiert sein MUSS. Doch stellen wir uns die kokette Frage: Ist die „Nerd"-Partei nicht vielmehr von wenigen, aber engagierten und eben nicht schüchternen Frauen dominiert? Denn wird uns nicht ständig vorgeworfen, dass wir sozial unfähige „Kellerkinder" als Mitglieder hätten? Wie sollen die denn die Frauen unterdrücken?
Die Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Birgit Rydlewski, sprach sich explizit gegen die Aussagen der Berliner „Piratinnen" aus und wies darauf hin, dass Förderung für Schüchterne nicht nur für Frauen gelten solle, sondern für alle Menschen. Darüber hinaus fühlen sich viele weibliche Piraten durch eine explizit weibliche Gruppierung diskriminiert, da diese den Eindruck vermitteln könnte, dass Frauen nicht in der Lage wären, ihre Meinung gegenüber anderen Parteimitgliedern erfolgreich zu vertreten. Vielmehr verstehen sich die Frauen in der Piratenpartei als starke Vorbilder, die sich über Engagement und Leistung definieren und nicht über Quoten. Die Idee einer geschlossenen Mailingliste widerspricht zusätzlich vollkommen dem Anspruch der Piratenpartei nach Transparenz.
In vielen Bereichen sind Frauen weiterhin benachteiligt, man denke nur an die leidige Gehaltssituation, der sich auch die Regierung mit Familienministerin Schröder annehmen will. Auch ist das Betreuungsangebot für Kinder in Deutschland weiterhin ausbaubedürftig, ebenso wie eine gebührende Anerkennung der Mutterschaft. Doch sehen wir hierbei die Aufgabe vielfach auch bei den Frauen selbst. Haben vor allem die Feministinnen der 70er- und 80er-Jahre den Weg für die Gleichberechtigung geebnet, muss diese gesetzlich geschaffene Gleichstellung nun genutzt werden und die Frauen müssen selbst für gleichberechtiges Dasein kämpfen. Aber das geht nicht über die grundsätzliche Unterscheidung zwischen Mann und Frau. Wer unterscheidet, diskriminiert und bedient schlicht alte Klischees. Nur weil meine als Frau geäußerte Meinung nicht anerkannt wird, ist das nicht zwangsläufig auf mein Geschlecht zurückzuführen.
Es sollte möglich sein, Lösungen für Probleme aller Art zu finden, die auf ein Mitglied zukommen könnten. Sei es beispielsweise die Schüchternheit vor einer Gruppe zu sprechen und Meinungen kund zu tun. Piraten sind Individuen, die für die Überwindung von Grenzen und Einteilungen jeglicher Art sind. Sie denken philantropisch und sind daher auch dazu bereit, sich gegenseitig zu stärken, ganz unabhängig von der Herkunft, dem Geschlecht, der sexuellen Orientierung oder auch der ethnischen Abstammung. Darüber hinaus ist für uns Piraten Emanzipation unabhängig vom Geschlecht. Vielmehr sehen wir allenthalb unterdrückte Gruppen und Individuuen, die sich nicht zuletzt von der eigenen Sprachlosigkeit etwa, befreien müssen.
Wir hoffen, hiermit einen konstruktiven parteiinternen, piratigen Dialog mit den Initiatorinnen der Piratinnen-Aktion neu beginnen zu können.
Weiterführende Links zum Thema:
- http://www.piratenpartei.de/node/1045 (Piraten und Gender aus dem Newsletter)
- http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31122/1.html (Piratenpartei und Sexismus)
- http://wp.me/pw1IB-35 (CaeVye's Blog http://caevye.wordpress.com )
- http://www.anicatha.de/blog/index.php?/categories/14-Piratenpartei
- http://laprintemps.blog.com/2010/02/20/fleischeslust-und-emanzipation/
Die Verfasser:
- --Elle 20:55, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Mela 21:15, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Anicatha 21:25, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Julia 22:04, 3. Mär. 2010 (CET)
- --BrittaS 00:55, 4. Mär. 2010 (CET)
Unterzeichner:
- --Elle 20:08, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Veloc1ty 20:26, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Anicatha 20:33, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Atari-Frosch, 21:13, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Mela 21:14, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Leibowitz 3. Mär. 2010
- --Mopple 21:18, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Brandenburgerin 21:23, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Andreas Heimann 21:26, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Michel 21:29, 3. Mär. 2010 (CET)
- --SD 21:30, 3. Mär. 2010 (CET)
- --L3viathan2142 21:30, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Frl.smilla 21:32, 3. Mär. 2010 (CET)
- --PsychoTRON 21:40, 3. Mär. 2010 (CET)
- --SunTsu 21:53, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Julia 22:04, 3. Mär. 2010 (CET)
- --LucaL 22:28, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Draugr 22:31, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Dyfa 22:47, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Straider 22:48, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Stefan999 22:57, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Branleb 23:02, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Christian Specht 23:06, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Steffi 23:11, 3. Mär. 2010 (CET)
- -- Awitte 23:12, 3. Mär. 2010 (CET)
- --ThomasG 23:15, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Enigma 23:36, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Cruel 23:44, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Anne Alter 23:45, 3. Mär. 2010 (CET) Bin einer Genderdiskussion, falls eine solche gewünscht wird, nicht abgeneigt, aber bitte nicht so.
- --July 23:50, 3. Mär. 2010 (CET)
- --Kekzpriester 00:12, 4. Mär. 2010 (CET)
- --BrittaS 00:55, 4. Mär. 2010 (CET)
- --mahrko 01:36, 4. Mär. 2010 (CET) Ist doch Blödsinn. Gibts vielleicht Grüninnen? Oder Linkinnen? Und total dämlich find ich: Genossinen & Kameradinnen
- --Tobias Stephan 08:43, 4. Mär. 2010 (CET)
- -- Stefan Körner 08:55, 4. Mär. 2010 (CET)
- --WolfgangP 09:07, 4. Mär. 2010 (CET)
- --Benjamin Stöcker (Gleichberechtigung in der Partei Leben und im Land fordern)
- -- La Loupina 09:17, 4. Mär. 2010 (CET)
- --Mimir 09:19, 4. Mär. 2010 (CET)
- --Tj
- -- NetAndroid
- Flexi Der "Gegenwind" kommt nur von Männern. Komisch...
Gegenwind
- Ennomane 22:42, 3. Mär. 2010 (CET) (Anmerkung: PM war doof, aber zu Genderthemen brauchen wir Positionen und Frauen die sie vertreten. Friede-Freude-Eierkuchen-Postfeminismus ist für viele Wähler unbefriedigend und zu kurz gedacht; und ich stehe wohl wirklich nicht gerade unter Feminismusverdacht. ;) Also: Der Gruppe um Lena danken, sie einbinden, ihr einen Auftrag geben und ihre Ideen auf dem nächsten Parteitag bzw. per LD zur Wahl stellen und nicht auf diese Art abkanzeln bitte.)
- Metalpaule 22:52, 3. Mär. 2010 (CET) (Wie unter "Piratinnen" unterstütze ich auch hier die Grundidee. Niemand redet von Binnen-Is oder Quote. Aber wenn sich eine Gruppe von Piratinnen als Ansprechpartnerinnen für gleichgesinnte Frauen inner- und außerhalb der Partei engagieren, kann ich das nur begrüßen. Außerem ist "Vielfalt" in eurem Text lustig: Es sollen alle "vielfältig" "Pirat" heißen, vertrauliche Gespräche und ML-Diskussionen immer transparent und im Scheinwerferlicht ablaufen und alle sich der Diktatur des Piratenmainstreams beugen. Passendere Überschrift wäre "Einheitsschritt statt Grabenkämpfe" :-))
- pantoffelpunk Das, was ennomane sagt.
- Potzblitz 23:29, 3. Mär. 2010 (CET) Das, was pantoffelpunk sagt.
- Korbinian 23:47, 3. Mär. 2010 (CET) würd den text grundsätzlich unterschreiben, hab aber noch ein paar sachen auszusetzen: ich kann die textpassage wo impliziert wird dass "die" frauen für ihre gleichberechtigung zumindest hauptverantwortlich sind so nicht unterschreiben. das halte ich für eine these die erst belegt werden muss. falls das imperativ gemeint sein sollte kann ich nur sagen dass selbstbewusste menschen schüchternen menschen niemals ihre schüchternheit vorwerfen sollten. man darf die genderfrage auch nicht mit feminismus verwechseln. die genderthematik betrifft die ganze bandbreite der geschlechter gleichermaßen. mir persönlich würde es reichen sich von der unauthorisierten PM unabhängig vom inhalt zu distanzieren. elitäre geheimzirkel wie geschlossene mailinglisten finde ich natürlich gut, aber dann bitte echt geheim und echt elitär und mit höheren anforderungskriterien wie einfach nur einem geschlecht anzugehören. alles weitere ergibt sich organisch.
- Niun 03:59, 4. Mär. 2010 (CET) Was Ennomane und Korbinian sagen. Außerdem halte ich das Wettern gegen die geschlossene Mailingliste für falsch. Gerade unter der Überschrift "Vielfalt statt Grabenkämpfe". Wenn wir Vielfalt wollen, dann soll doch jeder für sich machen, was er für richtig hält (z.B. eine geschlossene Mailingliste benutzen). Das was dann in Form einer PM oder eines Interviews als Meinung der Piratenpartei in der Öffentlichkeit präsentiert wird, muss natürlich vorher in der Öffentlichkeit diskutiert und unter allen Piraten abgestimmt (oder wenigstens vom Vorstand abgesegnet) werden. Aber wenn einige der Meinung sind, sie müssen ihre Themen in einem exklusiven Kreis bequatschen, dann ist das doch in Ordnung, aus welchen Gründen auch immer.