SGShitstorm

Aus Piratenwiki
Version vom 7. Dezember 2011, 21:42 Uhr von Silura (Diskussion | Beiträge) (Mitglieder der SGShitstorm)
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Bei jedem Shitstorm stirbt ein Teddy

Warum wir die SGShitstorm ins Leben gerufen haben

Wir möchten der bei den Piraten zur Zeit leider recht etablierten Shitstorm-Kultur ein wenig entgegenwirken. Das Problem ist: Viele großartige Piraten haben sich in der Folge eines krassen Shitstorms bereits in der Vergangenheit aus der aktiven Arbeit zurückgezogen. Das können und wollen wir uns aber eigentlich nicht leisten. Es ist ein großer Verlust, wenn uns kluge Köpfe und aktive Piraten verlorengehen, bloß weil wir mal wieder bei einem Shitstorm nichts getan und nur daneben gestanden und zugeschaut haben.

“Trolls gonna troll”: Bei vielen Leuten, die aus Prinzip gerne meckern oder an Shitstorms teilnehmen, wird man nicht verhindern oder verändern können, dass sie sich so verhalten. Deswegen erscheint es uns sinnvoll, mit diesem Maßnahmenkatalog ein Gegengewicht zu schaffen, welches den Betroffenen einerseits helfen soll, einen Shitstorm besser zu überstehen, andererseits eine Solidaritäts-Kultur stärker etablieren und darauf hinweisen soll, dass auch hitzige Diskussionen in einem weniger aggressiven oder verletzenden Tonfall geführt werden können.

Natürlich sind wir nicht die ersten, die sich über dieses Problem Gedanken machen. Ähnliche Initiativen und How-Tos findet ihr unter [7] Links

Über Anregungen, Ergänzungen, Hinweise und Kritik freuen wir uns sehr.

Was wir tun wollen

Die SGShitstorm soll vermehrt darauf achten, ob irgendwo ein Shitstorm stattfindet, als Ansprechpartner und Unterstützung für Betroffene fungieren und sich in laufende Shitstorms einschalten, diesen Maßnahmen-Katalog verbreiten und sich auf die Seite der Betroffenen stellen bzw. für Solidarität mit den Betroffenen werben. Wir wollen darauf hinarbeiten, dass einen Shitstorm zu veranstalten nicht mehr angenehm, cool und lustig ist, sondern dass es einen Lerneffekt gibt und wir alle für einen weniger aggressiven Diskussionsstil sensibilisiert werden, so dass wir uns einsetzen, wenn wir Zeugen werden und die Betroffenen unterstützen können.

Wichtig: Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht NICHT darum, jegliche Diskussion zu unterbinden. Es geht darum, dass der Tonfall einer Diskussion weniger aggressiv und verletzend sein soll. Wenn man der Meinung ist, dass jemand etwas falsch gemacht hat, kann man darauf auch auf eine etwas neutralere Art hinweisen.

Dies ist ein Maßnahmen-Katalog, im Shitstorm-Fall soll jede/r hier Anregungen, Ratschläge, Hilfe und Ansprechpartner finden. Ihr könnt euch auch an den Twitteraccount @SGShitstorm wenden, wenn ihr Hilfe braucht.

Katalog: Warum Leute einen Shitstorm beginnen bzw. an einem Shitstorm teilnehmen

  1. Berechtigte, aber falsch vorgetragene Kritik an einem Sachverhalt oder dem Verhalten einer Person
  2. Weil sie sich einfach gerne aufregen/flamen/meckern
  3. Persönliches angespanntes Verhältnis zu der kritisierten Person
  4. Persönliche Profilierung des Kritikers
  5. Weil es als cool und lustig empfunden wird; weil es einen Herdentrieb gibt (machen doch alle); weil aus Shitstorms öfters spaßige Mems werden (#taschengate etc.)

Katalog: Was man für den Betroffenen eines Shitstorms tun kann, wenn man Zeuge unverhältnismäßiger Kritik wird

1 – “Brauchst du Hilfe?”: Private Nachricht schicken und nachfragen, ob es ihm/ihr gut geht, Zustand des Betroffenen abklären (hat ihn/sie die Kritik hart getroffen oder eher nicht), nachfragen, ob es Hilfebedarf gibt.

2 – Nicht zu dem beobachteten Shitstorm schweigen, denn sonst kann von außen nicht unterschieden werden, ob man schweigt, weil man “die Trolle nicht füttern will” oder ob man mit dem Gebashe einverstanden ist und es angemessen findet. “Bitte die Trolle nicht füttern” ist ja schön und gut. Wenn aber unangemessene persönliche Angriffe auf eine Person stattfinden oder z.B. sexistische Äußerungen zu hören sind, wäre es gut, wenn das zumindest einmal kurz angesprochen und thematisiert würde.

3 – Solidarität ausdrücken (“öffentlicher Solidaritäts-Sturm”); Öffentlichkeit schaffen; ausdrücken “Hier wird gebasht und jemand unverhältnismäßig angegriffen und egal was vorher passiert ist oder wer Recht hat, wir finden es nicht gut, dass hier ein Shitstorm stattfindet”, “Bitte nicht in diesem Ton”, “Ich solidarisiere mich hiermit mit der angegriffenen Person”.

4 – Den oder die Kritiker öffentlich oder in einer persönlichen Nachricht darauf hinweisen, dass ein unverhältnismäßig aggressiver Tonfall unangemessen ist und berechtigte Kritik besser ausführlich in einer privaten Nachricht mitgeteilt wird. “Bitte nicht in diesem Ton”. Siehe auch unter [6] Katalog: Welche Fragen der Kritiker sich stellen bzw. wie Kritik besser geäußert werden sollte.

5 – Loben. Als Gegengewicht zu dem Gemecker. In einer persönlichen Nachricht an die kritisierte Person oder auch öffentlich. Auch auf positive Dinge hinweisen, die der/die Kritisierte getan hat. “Ich finde es ja sehr gut, dass du xy gemacht hast, aber ich hätte es noch besser gefunden, wenn du dann z anders umgesetzt hättest.” Loben hilft übrigens generell, damit Leute sich nicht aus der aktiven Arbeit bei den Piraten zurückziehen, weil sie das Gefühl haben, dass alle ihre Arbeit immer nur scheiße finden. Meistens sind nur die zu hören, die meckern, und von denen wiederum die, die am lautesten schreien. Lob oder Anerkennung fällt oft unter den Tisch. Also lobt euch gegenseitig, wenn ihr findet, dass jemand etwas gut gemacht hat! Dann wird er/sie eher in der Lage sein, den nächsten Shitstorm zu überstehen und ihn sich nicht so zu Herzen nehmen.

6 – Empathie: Versuche, dich in die kritisierte Person und ihre Argumente hineinzuversetzen, was will sie eigentlich sagen, ist sie möglicherweise falsch verstanden worden oder basiert die Kritik evtl. auf falschen Grundannahmen? → Sowas kann man unglaublich schnell mithilfe eines kurzen Hinweises auf Twitter oder einer Mailingliste oder in einer privaten Nachricht klären! Versuche auch dir vorzustellen, wie sich die kritisierte Person jetzt fühlt, wenn das ganze Gemecker und die persönlichen Angriffe auf sie herabprasseln.

7 – Wenn du zufällig der gleichen Meinung wie die kritisierte Person bist, überlege, ob du möglicherweise Unterstützung leisten kannst/möchtest, indem du die Argumente öffentlich und sachlich unterstützt.

8 – Wenn es dir sinnvoll erscheint, kannst du den Link zu diesem Maßnahmen-Katalog weiterverbreiten bzw. ihn im Verlauf einer Diskussion auf Twitter oder einer Mailingliste posten, so dass die betroffene Person weiß, dass sie sich an die SGShitstorm wenden und um Hilfe bitten kann bzw. damit die Beteiligten sich daran erinnern, dass Kritik auch sachlicher geäußert werden kann.

9 – Wenn du persönlichen Kontakt zu der von einem Shitstorm betroffenen Person hast und du feststellst, dass sie wirklich Redebedarf hat, versuche, einen geeigneten Ansprechpartner mit ausreichend Zeit zu vermitteln oder hilf selbst, wenn du kannst und möchtest. Ansprechpartner kann ein Freund, Pirat oder Nichtpirat, ein Vertrauenspirat oder ein Mitglied der SGShitstorm sein. Wir werden auch versuchen, Ansprechpartner zu sein bzw. zu vermitteln. Seine Sorgen, Ängste und Verletztheit einfach mal einem aufmerksamen Zuhörer mitzuteilen kann schon enorm helfen!

Katalog: Was der/die Betroffene eines Shitstorms tun kann

1 – Überlege, ob vielleicht berechtigte Kritik in dem Shitstorm oder den Angriffen steckt. Da man auf persönliche Angriffe meist mit Abwehrmechanismen reagiert, fällt es im ersten Augenblick schwer, sich ruhig zu überlegen, ob auch sinnvolle Kritik geäußert wurde. Versuch es trotzdem!

2 – Überlege, ob ein dich unangemessen angreifender Kritiker möglicherweise persönlich etwas gegen dich hat und es eigentlich gar nicht um die Sache selber geht. Dann könntest du die Kritik etwas entspannter sehen.

3 – Überlege, ob es wirklich ein schlimmer Shitstorm ist oder vielleicht in Wirklichkeit nur 3 Leute meckern, die immer meckern oder deren Kritik ganz offensichtlich Quatsch ist.

4 – Überlege, ob deine Kritiker generell gerne an Shitstorms teilnehmen und ob du ihre Kritik also ernst nehmen solltest oder eher nicht.

5 – Werde aktiv und frage Andere, wie sie zu der kritisierten Frage stehen; vielleicht findest du heraus, dass es tatsächlich berechtigte Kritik an den von dir vertretenen Positionen gibt oder du stellst fest, dass es mehr Leute gibt, die deine Position unterstützen als Leute, die sie scheiße finden.

6 – Melde dich, wenn du das Gefühl hast, von einem Shitstorm betroffen zu sein. Wir folgen möglicherweise auf Twitter nicht all den Trotteln, die dich angreifen und bekommen so nicht alles mit. Sag Bescheid, wenn du angegriffen wirst oder beleidigende Privatnachrichten bekommst. Scheue dich auch nicht davor, in ganz krassen Fällen persönliche Angriffe oder Beleidigungen zu veröffentlichen. Bei sexistischen Angriffen empfehlen wir hatr.org Melde dich auch bei der SGShitstorm oder deinen Freunden und Mitpiraten, teile mit, wenn du dich unangemessen angegriffen und verletzt fühlst und bitte um Unterstützung und Solidarität.

7 – Wenn du möchtest und glaubst, dass es Erfolg hat, dann kontaktiere deine Kritiker in einer persönlichen Nachricht und hake nach. Vielleicht wirst du in einer ausführlicheren Email oder einem persönlichen Gespräch herausfinden, dass es doch berechtigte Kritik gab oder du wirst verstehen, warum dein Kritiker sich so aufgeregt hat. → Meistens hilft ein persönliches Gespräch oder eine Email mehr als 140 Zeichen!

8 – Streite nicht auf Twitter! Fundierte Argumente und Kritik werden besser in Emails ausgetauscht. Ob du eine Auseinandersetzung via Email auf einer Mailingliste führen möchtest oder lieber im Austausch privater Nachrichten, musst du selbst entscheiden.

9 – Zeitlicher Abstand kann manchmal helfen, Stress, Schmerz und Aggression aus einem Streit zu nehmen. Wenn du es schaffst, mach doch mal einen Tag lang oder wenigstens einen halben Tag lang deinen Twitter oder Email-Client aus und ignoriere die Kritik eine kurze Weile. Dann musst du dich nicht die ganze Zeit dem Shitstorm aussetzen und wenn die Wellen ein klein wenig abgeebbt sind, kannst du vielleicht besser über die Kritik reflektieren, sie annehmen und daraus einen Gewinn ziehen.

Katalog: Welche Fragen der Kritiker sich stellen bzw. wie Kritik besser geäußert werden sollte

1 – Du regst dich grade total über etwas auf? Recherchier erst mal oder frag nach, ob die Fakten wirklich so sind, wie du sie verstanden hast, bevor du rantest oder halbwahre Gerüchte in die Welt setzt, weiter verbreitest oder jemanden ungerechtfertigterweise angreifst.

2 – Überlege, ob du deine Kritik konkreter und konstruktiver äußern kannst als “Find ich ja mal total scheiße“. (Tipp: Das erfordert meist mehr als 140 Zeichen.)

3 – Versuche, persönliche Angriffe aus deiner Kritik rauszunehmen. Ob du jemanden blöd findest, hat in der Kritik an einem Sachverhalt nichts zu suchen. Außerdem wird die von dir kritisierte Person eher in der Lage sein, sich deine Argumente anzuhören, wenn sie nicht sofort in den Verteidigungsmodus gehen muss.

4 – Kritik wird am Besten persönlich und direkt geäußert (also z.B. per Email). Wird jemand öffentlich kritisiert, fühlt er/sie sich schneller angegriffen und verfällt in einen defensiven Beiß-Reflex (egal ob deine Kritik tatsächlich einen persönlichen Angriff enthält oder nicht). Der/die Kritisierte ist dann weniger in der Lage, in Ruhe darüber nachzudenken, ob die Argumente berechtigt sind oder nicht.

5 – Versucht, faire Verhältnisse zu wahren. Nicht zu zehnt verbal auf eine Person einprügeln. Wenn zehn Leute sachliche Kritik äußern, ist das etwas anderes. Wenn zehn Leute schreiben “Du bist so scheiße” ist das ein Problem. “Du bist so scheiße” ist übrigens NIE eine angemessene Kritik.

6 – Hast du grade einen Puls von 180? Schreib es nicht! Schlaf eine Nacht über deinen Rant. Hat deine Kritik nicht bis morgen Zeit? Bist du sicher, dass sie nicht bis morgen Zeit hat?!?!?!?

7 – Schonmal selber von einem Shitstorm betroffen gewesen? Ja? Ok, dann gönne dir einen kurzen Empathie-Moment und versuche dir vorzustellen, wie sich die bereits aggressiv kritisierte Person wohl fühlt. Versuche im Anschluss, deine Kritik weniger aggressiv zu formulieren.

8 – Was willst du mit deiner Kritik eigentlich erreichen? Wird sie dir in der Form einer aggressiven persönlichen Beleidigung etwas bringen? Wirst du in dieser Form erreichen, was du willst? Wird der Betroffene so reagieren, wie du es möchtest? Wird die kritisierte Person so, wie du deine Kritik äußern möchtest, in der Lage sein, in Ruhe darüber nachzudenken, ob deine Argumente berechtigt sind oder wird sie sich angegriffen fühlen? Gibt es eine Möglichkeit, deine Kritik so umzuformulieren, dass die kritisierte Person sie tatsächlich annehmen kann?

Links

Diese Links verweisen auf Gedanken, die sich Piraten bereits zu der Frage “Wie kann eine Diskussion produktiver verlaufen” gemacht haben. Teilweise geht es hier zwar um spezielle Bereiche, aber die Grundgedanken sind sehr ähnlich. Diese Liste kann gerne ergänzt werden, wenn ihr oder andere sich bereits ähnliche oder verwandte Gedanken gemacht haben.

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