RP:Kreisverband Trier Trier-Saarburg/Kommunalprogramm

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Version vom 2. Juli 2013, 02:10 Uhr von Fenriz (Diskussion | Beiträge) (Beschlüsse vom 30. Juni 2013 eingearbeitet)
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Dieses Kommunalprogramm ist das Parteiprogramm (auch "Grundsatzprogramm") der Piratenpartei Trier/Trier-Saarburg. Hier kann man es als PDF herunterladen.
Es wurde zuletzt auf dem Kreisparteitag 2013.1 geändert.

Inhaltsverzeichnis

Präambel

Wir leben im Zeitalter der Information. Das Internet ist nahezu allgegenwärtig. Die Piratenpartei ist eine soziale und freiheitliche Bürgerrechtspartei, die den Menschen den Schlüssel in die Hand geben möchte, das global vorhandene Wissen zum Vorteil aller zu nutzen. Ziel unserer Politik ist es, dass jeder Einzelne selbstbestimmt und eigenverantwortlich sein Leben gestalten kann. Dazu gehört die Möglichkeit einer guten Ausbildung, die Stärkung des demokratischen Mitspracherechts und die Transparenz politischer Prozesse. Niemand ist vollkommen, daher wollen wir uns und unser Programm ständig weiterentwickeln und rufen zur Mitarbeit auf.

Freiheit

Durch immer neue Verbote, Regeln und Einschränkungen wird der Bürger schleichend entmündigt. Wir wollen dem Bürger seine Eigenständigkeit zurückgeben. Freiheit bedeutet, dass jeder Bürger selbst entscheiden kann, wie er lebt und mit wem er zusammenlebt. Freiheit bedeutet freien Zugang zu Wasser, Energie, Straßen und öffentlichen Plätzen, weswegen sie in öffentlicher Hand bleiben müssen.

Freiheit bedeutet Selbstbestimmung, Freiheit verlangt aber auch, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen. Dazu gehört, sich zu informieren, sich politisch zu engagieren und an Wahlen teilzunehmen.

Transparenz

Wenn wir von Transparenz sprechen, meinen wir politische Transparenz. Informationen zu politischen Prozessen müssen öffentlich gemacht werden. Politische Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein.

Wir stehen für den gläsernen Staat statt dem gläsernen Bürger. Das Behördengeheimnis muss deswegen aufgehoben und gegen eine Behördenöffentlichkeit getauscht werden. Gleichzeitig muss die Privatsphäre des Einzelnen gestärkt werden.

Mehr und direktere Demokratie

Wir wollen mehr direkte Demokratie, etwa durch niedrigere Hürden bei Bürgerbegehren. Wir wollen echte verbindliche Mitbestimmungsmöglichkeiten für den Bürger. Dabei soll jeder Bürger unabhängig von seiner Nationalität gleichberechtigt sein.

Bildung

Bessere Bildung führt zu besseren Entscheidungen. Da alle Macht von den Bürgern ausgeht, müssen sie gebildet und informiert werden. Wir stehen für Chancengleichheit und lebenslanges Lernen.

Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen

Öffentliche Verkehrsmittel sind nur dann wirklich öffentlich, wenn jeder Bürger sie nutzen kann, unabhängig von seiner Einkommenssituation. Daher fordern wir den fahrscheinlosen öffentlichen Nahverkehr.

Öffentliche Gebäude und Bildungsangebote sind nur dann wirklich öffentlich, wenn jeder Bürger sie nutzen kann, auch wenn er eine Behinderung hat. Daher fordern wir flächendeckende Barrierefreiheit und Inklusion.

Wir setzen uns dafür ein, soziale Benachteiligungen abzustellen. Jeder Bürger ist in unseren Augen gleichberechtigt und muss die Möglichkeit bekommen, seine Umgebung mitzugestalten.

Die 6 Säulen unserer Politik sind:

  1. keine Überwachung / Unterdrückung / Bevormundung der Bürger
  2. (staatszensur-)freie Kommunikation zwischen den Bürgern
  3. gute, freie, demokratische Bildung mit dem Ziel "mündiger Bürger"
  4. offene, frei verfügbare Daten
  5. ein Sozialsystem, dass jeder Person Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht
  6. direkt-demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten (Volks- und Bürgerbegehren und -entscheide)

Transparenz ist die Basis für Mitbestimmung. Ohne Informationen über anstehende Entscheidungen können sich die Bürger kein eigenes Bild der Sachlage bilden. Wir streben daher die zeitnahe, vollständige und für alle Bürger leicht zugängliche Veröffentlichung von Informationen an, die zur Meinungsbildung benötigt werden. Der Datenschutz betroffener Dritter ist hierbei zwingend zu beachten. Zudem müssen die Wege der Entscheidungsfindung klar kommuniziert werden.

Öffentliche Einrichtungen

Transparenz der Verwaltung

Leitbild

Wir wollen die Voraussetzungen schaffen, um alle bisher noch nicht zugängliche Behördenunterlagen zur Veröffentlichung aufzubereiten. Der Aktenbestand soll systematisch digitalisiert und veröffentlicht werden, beginnend mit Vergabeunterlagen für öffentliche Aufträge.

Alle städtischen Finanzdaten inkl. der Kontoführung sollen den Bürgerinnen und Bürgern im Netz zur Information zur Verfügung stehen. Eine Anonymisierung ist nur aus Datenschutzgründen akzeptabel.

Auch alle Gesellschaften, an denen die Stadt beteiligt ist, unterliegen einem besonderen Transparenzanspruch. Durch die Transparenz wollen wir das Vertrauen der Bürger in die Verwaltung und die Städtischen Betriebe stärken. Sollte es Misswirtschaft in Verwaltung oder Betrieben geben, wird dies durch die verbesserte Transparenz schneller erkannt und behoben.

Einsatz von freier Software und offenen Datenformaten

Für einen möglichst ungehinderten Zugang der Bürger zu den öffentlichen Daten, ohne dass spezielle Programme gekauft werden müssen, fordern wir die konsequente Nutzung von freier Software in der Verwaltung. Unter freier Software sind Programme zu verstehen, die weitergegeben, auf beliebige Art genutzt und verändert werden dürfen und deren Quellcode frei verfügbar ist. Die Umstellung soll schrittweise im Rahmen von Ersatzinvestitionen erfolgen. Die Nutzung solcher Programme reduziert zudem Anschaffungs- und Betriebskosten durch Herstellerunabhängigkeit. Wartungsverträge können mit Firmen vor Ort geschlossen werden, was die regionale Wirtschaft fördert.

Transparenz der Kommunalparlamente

Die Sitzungen der kommunalen Volksvertretungen werden – wenn überhaupt – nur von wenigen Bürgern verfolgt. Dies ist ein unhaltbarer Zustand. Wir setzen uns daher dafür ein, für Stadt- und Gemeinderäte inklusive deren Ausschüsse sowie sinngemäß ebenso für den Kreistag und seine Ausschüsse folgende Mindeststandards für eine bürgerfreundliche, transparente Volksvertretung einzuführen:

Veröffentlichung von Antragsvorlagen

Bereits vor der Sitzung sollen nicht nur Ort, Termin und Tagesordnung, sondern auch die öffentlichen Antragsvorlagen veröffentlicht werden. Der traditionelle Weg über die Möglichkeit der Einsicht in den Rathäusern ist hierbei nicht ausreichend, sondern muss durch eine Bereitstellung auf der Internetseite der Kommune ergänzt werden. Dies ist meist ohne Mehrkosten möglich, da die Antragsvorlagen im Regelfall bereits digital vorliegen. Ziel muss es sein, grundsätzlich alle Dokumente einer Kommune, des Kreistages und des Landratsamts Schritt für Schritt elektronisch auffindbar und zugänglich zu machen.

Übertragung und Aufzeichnung

Der Stadtrat bzw. der Gemeinderat ist das wichtigste Gremium der Kommunalpolitik. Dort wird öffentlich über die Zukunft der Stadt bzw. Gemeinde debattiert und abgestimmt. Die Sitzungen finden oft zu Zeiten statt, an denen viele Menschen ihnen nicht persönlich beiwohnen können. Wer keine Möglichkeit hat direkt an den Sitzungen teilzunehmen, kann die Abläufe und Argumente der Diskussionen kaum nachvollziehen. Wir wollen Ratssitzungen daher live und für jeden zugänglich per Videostream oder in Ausnahmefällen per Audiostream ins Internet übertragen. Die Sitzungen sollen aufgezeichnet und auf der Webseite der Stadt oder Gemeinde gemeinfrei verfügbar gemacht werden. So kann sich jeder Bürger unabhängig von Ort und Zeit informieren. Hierfür existiert eine große Zahl an kostenfreien Lösungen. Idealerweise sollte es den Bürgern so auch möglich sein, aus der Ferne Fragen einzubringen. Die Protokolle sind zusammen mit den Aufzeichnungen zeitnah, d.h. innerhalb von fünf Werktagen nach oder bereits während der Sitzung, zu veröffentlichen.

Plenar- und Ausschusssitzungen sollen ebenfalls per Videostream live übertragen, zusätzlich online archiviert und die Protokolle allen Bürgern zeitnah nach oder bereits während der Sitzung online zur Einsicht zur Verfügung gestellt werden. Bei nichtöffentlichen Sitzungen soll mindestens die Tagesordnung, der begründete Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit und die entsprechende, namentliche Abstimmung veröffentlicht werden.

Der Datenschutz von Besuchern der Sitzung kann durch einfache Maßnahmen wie der Einschränkung des Aufnahmebereichs auf die offiziellen Teilnehmer oder Unterbrechung der Tonübertragung bei Fragen aus dem Plenum sichergestellt werden.

Führung und Veröffentlichung von Beschlussbüchern

Von den Räten sind Beschlussbücher im Internet zu veröffentlichen und zeitnah, d.h. innerhalb von fünf Werktagen nach Beschlussfassung, aktuell zu halten. Diese Beschlussbücher müssen leicht zugänglich und durchsuchbar sein.

Nichtöffentliche Sitzungen minimieren

Wir sehen die Notwendigkeit, auch nichtöffentliche Sitzungen abzuhalten. Insbesondere der Datenschutz einzelner Beteiligter – beispielsweise bei Baumaßnahmen privater Natur, oder der Diskussion von Angeboten auf Ausschreibungen – kann dies im Einzelfall rechtfertigen. Die teilweise oder vollständige Nichtöffentlichkeit von Sitzungen ist jedoch ausnahmslos zu begründen und auf das notwendige Maß zu reduzieren. Ohne nachvollziehbare Begründung darf kein Tagesordnungspunkt nichtöffentlich abgehalten werden.

Veröffentlichung von Satzungen und Geschäftsordnungen

Satzungen, Geschäftsordnungen und andere Dokumente, die zum Verständnis der Abläufe in den Räten notwendig sind, sollen auf den entsprechenden Internetseiten veröffentlicht und verständlich dargestellt werden. Dies ermöglicht den Bürgern ein Verständnis für die Arbeit in den Gremien.

Veröffentlichung von Haushaltsplänen

Die Haushalte der Städte und Gemeinden müssen online zur Verfügung gestellt werden. Diese müssen durchsuchbar sein sowie stets aktuell gehalten werden, d.h. sie dürfen nicht nur einmal im Jahr oder alle zwei Jahre bei Doppelhaushalten aktualisiert werden.

Open Access

Dokumente, die von den Verwaltungen erstellt oder in Auftrag gegeben werden, müssen für alle Bürger frei nutzbar sein. Wir streben daher die gemeinfreie Veröffentlichung aller Dokumente an. In den wenigen Fällen, in denen eine kommerzielle Nutzung beispielsweise aufgrund von Rechten Dritter eingeschränkt werden muss, werden diese unter den Bedingungen einer passenden Creative Commons Lizenz für die nichtkommerzielle Nutzung zugänglich gemacht.

Um gesuchte Dokumente einfach auffindbar zu machen, soll die Veröffentlichungsplattform mit einer geeigneten Suchfunktion ausgestattet sein.

Bei allen Dokumenten ist darauf zu achten, dass Daten in offen dokumentierten Formaten abgelegt werden, um den Datenaustausch zu vereinfachen und fehlerarm zu gestalten.

Ratsinformationssystem einführen und verbessern

Die Stadt Trier betreibt ein Ratsinformationssystem, in welchem Dokumente und Termine der städtischen Gremien öffentlich zur Verfügung gestellt werden. Wir Piraten begrüßen dies, sehen aber Verbesserungsbedarf: Hürden müssen genommen werden, indem Übersichtsseiten nicht bloß lange Listen enthalten, sondern benutzerfreundlicher gestaltet werden. Damit Bürger sich tagesaktuell und komfortabel über Veränderungen informieren können, müssen Angebote wie der RSS-Feed vom Kalender auf das Beschlussbuch etc. ausgeweitet werden.

Fernerhin sollen in diesem System nicht bloß Ratsbeschlüsse, -vorlagen etc., sondern auch bereits vorliegendes, öffentlich finanziertes Kartenmaterial wie die Stadtgrundkarte und das Städtische Höhenverzeichnis gemeinfrei bereitgestellt werden.

Nach diesem Vorbild sollen auch alle anderen Gemeinden in Trier-Saarburg, dem Eifelkreis und der Vulkaneifel Informationssysteme für die Bürger anbieten. Insbesondere sollen auch alle Verordnungen der Gemeinden auf diesem Weg zur Verfügung gestellt werden.

Formulare für Anträge

Die Öffnungszeiten oder auch die Anfahrtswege zu den Rathäusern und kommunalen Verwaltungen erlauben nicht jedem Bürger einen einfachen persönlichen Besuch. Daher sollen Formulare für Anträge online verfügbar sein, um sie auch postalisch oder sogar direkt online über eine verschlüsselte Verbindung aufgeben zu können.

Transparente Statistiken

Wir wollen durchsetzen, dass es für alle öffentlichen Dienste die Pflicht zur Veröffentlichung von transparenten Statistiken gibt. So kann der Bürger für Dienste wie Feuerwehr oder Rettungsdienst deren Effektivität feststellen und nachvollziehen. Bei Defiziten in diesen Bereichen kann so schnell und entschlossen gegengesteuert werden oder öffentlicher Druck auf die Politik aufgebaut werden, um diese Dienste sicher und einsatzbereit zu erhalten.

Korruptionsbekämpfung

Korruption verhindern und bekämpfen

Für ein Zusammenleben in der Region ist eine auf das Gemeinwohl ausgerichtete Politik unerlässlich. Das Volk hat sich deshalb durch Politik und Verwaltung eine Struktur geschaffen, die nach objektiven Kriterien die Anliegen der Bürger fair und nachvollziehbar abwägt. Korruption untergräbt dies und schafft Schattenstrukturen, welche Einzelnen Vorteile verschaffen, oft zum massiven Nachteil der Gesellschaft. Staatliches Handeln wird so nicht mehr durch Bürgerwillen und Vernunft bestimmt, sondern durch die Macht und die finanziellen Möglichkeiten weniger einflussreicher Menschen.

Gegen Korruption hilft nur ein Maximum an Transparenz und empfindliche Strafen für die handelnden Akteure.

Die PIRATEN fordern daher die Umsetzung folgender Maßnahmen:

  1. Veröffentlichung sämtlicher Haupt- und Nebeneinkunftsquellen und Posten von Stadtratsmitgliedern und Dezernenten ähnlich der Regelungen für den Deutschen Bundestag.
  2. Veröffentlichung des Abstimmungsverhaltens bei öffentlichen Abstimmungen im Stadtrat.
  3. Schaffung einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit der Stadt und der stadteigenen Betriebe, insbesondere das Veröffentlichen von Grundlagen für wesentliche Entscheidungen. Darunter fallen z.B. Gutachten zu Privatisierungen, Grundlagen zur Berechnung von Strom- oder Wassertarifen, Eintrittspreisen oder Ähnlichem. Diese sollen im Volltext veröffentlicht werden, damit interessierte Bürger die Entscheidungen nachvollziehen können.
  4. Einführung einer Selbstverpflichtung für Stadtratsmitglieder. Die Stadtratsmitglieder müssen sich immer integer verhalten und alle Entscheidungen transparent und nachvollziehbar machen. Diese Selbstverpflichtung soll das Thema Korruption noch einmal deutlich in das Bewusstsein der Stadtratsmitglieder und der Öffentlichkeit bringen.

Sie sollte zumindest die folgenden Punkte enthalten:

    1. Ein eindeutiges Bekenntnis der Stadtratsmitglieder gegen Korruption.
    2. Falls Interessenkonflikte zwischen eigener beruflicher Tätigkeit und anstehenden politischen Entscheidungen vorhanden sind, sollten diese frühzeitig veröffentlicht werden.
  1. Verstöße müssen sanktioniert werden.
  2. Schaffung eines Gremiums (Ehrenrat), welches die Einhaltung der Regeln zur Korruptionsprävention und -bekämpfung kontrolliert.
  3. Wir wollen ein Vergaberegister schaffen, mit dessen Hilfe bereits auffällig gewordene Firmen künftig von der Vergabe öffentlicher Aufträge ausgeschlossen werden. Diese Informationen sollen nicht nur Behörden zur Verfügung stehen, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit.
  4. Die Schaffung eines jährlichen "Anti-Korruptionstages", damit das Thema kontinuierlich im Bewusstsein der Öffentlichkeit bleibt.

Wir setzen uns außerdem auf Landes- und Bundesebene im Rahmen unserer Möglichkeiten für eine konsequente Bekämpfung von Korruption ein und drängen auf eine dringende Umsetzung diverser internationaler Abkommen zur Korruptionsbekämpfung.

Offene Verträge und transparente Ausschreibungen

Verträge zwischen öffentlichen Einrichtungen, Behörden, der Verwaltung, Gremien etc. und Unternehmen müssen im Sinne des transparenten Staates öffentlich sein. Geheimverträge mit Unternehmen sind generell abzulehnen. Informationen über diese Verträge müssen grundsätzlich öffentlich und nicht nur dem sehr begrenzten Kreis der Bürgervertreter zugänglich sein.

Auch in der Vergangenheit geschlossene Verträge sind der Öffentlichkeit – soweit rechtlich zulässig – zugänglich zu machen.

In begründeten Fällen, wie bei Gefahr für Leib und Leben, kann eine zeitlich begrenzte Ausnahme (z.B. maximal 10 Jahre) definiert werden, in denen bestimmte Informationen von Verträgen unter Verschluss gehalten werden können. Danach sind diese Informationen ausnahmslos öffentlich zu machen.

Alle Ausschreibungen sind transparent und öffentlich durchzuführen. Nach der Vergabe sind alle Angebote zu veröffentlichen, sowie die Begründung für die Zuschläge. Ausschreibungen sind so zu gestalten, dass sie nicht nur von einem schon vorher bestimmten Unternehmen erfüllt werden können. Verträge sind so zu gestalten, dass von der Auftragsdurchführung keine größeren Gefahren für Mensch und Umwelt ausgehen, als wenn die Gemeinde sie selbst übernehmen würde.

Öffentlich-private Partnerschaften transparent machen

Öffentlich-private Partnerschaften müssen rechtzeitig vor dem Abschluss offen gelegt werden. Die Bürgerinnen und Bürger müssen sich selbst ein Bild von den Inhalten der zu treffenden Vereinbarungen machen können. Das wesentliche Problem bei solchen Projekten sehen wir in der Vermarktung öffentlicher Interessen. Damit fördert die Kommune, dass private Einrichtungen Einfluss auf kommunale Aufgabenfelder nehmen.

Mitbestimmung in der Kommune

Bürgerplattform

Für die Kommunikation mit dem Bürger setzen wir uns für ein moderiertes Diskussionsforum ein und eine Onlineberatungsstelle, bei der Bürgern dabei geholfen wird, für ihre Belange die richtigen Ansprechpartner zu finden.

Bürgerentscheide vereinfachen

Die rheinland-pfälzische Gemeindeordnung (GemO) sieht Einwohneranträge und Bürgerentscheide in Städten und Gemeinden vor. Die Hürden hierfür sind jedoch so hoch, dass dieses basisdemokratische Instrument selten von den Menschen eingesetzt werden kann. Deshalb setzt sich die Piratenpartei für eine grundlegende Verbesserung für die Durchführung von Einwohneranträgen und Bürgerentscheiden und eine Absenkung der diesbezüglichen Hürden ein.

Bürgerentscheide sollen zugelassen werden, wenn 3% statt der bisher 10% Prozent der Wahlberechtigten das Begehren unterstützen. Auch Online-Mitzeichnungsmöglichkeiten von Bürgerbegehren für eine unbürokratischere Mitgestaltung der Politik durch den Bürger wollen wir einführen. Das Zustimmungsquorum von bisher 20% soll abgeschafft werden. Jeder Bürgerentscheid muss gelten, denn jeder ist eingeladen abzustimmen. Der Negativkatalog von Themen, über die nicht abgestimmt werden darf, soll ebenfalls abgeschafft werden. Wie bei Wahlen setzen wir uns auch für Bürgerbegehren für ein Mitbestimmungsrecht für alle Menschen unabhängig von ihrer Nationalität ein.

Möglichkeiten von Bürgerentscheiden nutzen

Selbst bei umstrittenen Projekten, wie z.B. dem Moselaufstieg in Trier, wird die Möglichkeit von Bürgerentscheiden nur selten genutzt. Wir möchten in solchen Fällen nach Offenlegung aller vorhandenen Informationen die Bürger aktiv und verbindlich zu ihrer Einstellung befragen. In der Vorbereitung muss sowohl den Befürwortern als auch den Gegnern ausreichend Möglichkeit gegeben werden, ihre Vorschläge so konkret wie möglich zu gestalten und ausführlich zu begründen.

Die Bewertung solcher Projekte ist oft auch innerhalb der Parteien und Fraktionen umstritten, sodass eine themenbezogene Zusammenarbeit inner- und außerhalb der Stadt- und Gemeinderäte und Abstimmung durch alle Bürgerinnen und Bürger deutlich sinnvoller ist. In Gemeinden sollen grundsätzlich alle wichtigen Entscheidungen als Bürgerentscheid getroffen werden.

Frühe Bürgerbeteiligung

Die Bürger müssen früher als bisher in die Planung von Projekten eingebunden werden. Insbesondere bei öffentlichen Bauvorhaben wird die breite Öffentlichkeit oft erst in den wenigen Wochen der Einspruchsfrist im Planfeststellungsverfahren mehr oder weniger umfassend informiert. Wir fordern aktive Bürgereinbindung ab Beginn der Planungen. Damit wird der weitere Projektverlauf deutlich erleichtert, besser legitimiert und unnötige Kosten werden vermieden. Dies gilt insbesondere für langfristige und teure Projekte. Nach unserer Auffassung sollten vor kommunalen Entscheidungen ab einem bestimmten Investitionsvolumen Bürgerbeteiligungen verpflichtend durchgeführt werden.

Bürgerhaushalte einführen und verbessern

Die Piratenpartei setzt sich, sofern dieser noch nicht existiert, für einen Bürgerhaushalt für die Landkreise und in den Kommunen ein. Wir fordern ein zunächst jährliches Ansteigen des durch die Bürger direkt verwalteten Etats. Kritiker erhalten so die Möglichkeit, den Erfolg der direkten Demokratie zu erleben und sich langsam darauf einzustellen oder aber ein Scheitern darzulegen und zu klassischen Haushaltsformen zurückzukehren.

Bei der Realisierung des Bürgerhaushalts sind folgende Anforderungen einzuhalten bzw. bei bestehenden Bürgerhaushalten ist dieser so umzugestalten, dass diese Anforderungen erfüllt werden:

  1. Der Erfolg eines Bürgerhaushalt darf nicht bereits vor dessen Realisierung öffentlich bezweifelt werden.
  2. Nach der Online-Phase müssen die Vorschläge öffentlich diskutiert und per Bürgerentscheid abgestimmt werden, anstatt nur von politischen Fachgremien diskutiert und entschieden zu werden.
  3. Ein eventuell eingerichtetes Begleitgremium darf nicht mit Funktionären aus den Reihen der Politik oder Verwaltung besetzt werden.
  4. Der Erfolg darf nicht ausschließlich von der Beteiligungsquote abhängig gemacht werden. Eine geringe Beteiligung darf nicht pauschal als allgemeines Desinteresse gedeutet werden, sondern die Ursachen für die geringe Beteiligung müssen erforscht werden, z.B. zu geringe Bekanntmachung, zu hohe technische Hürden o.ä. Versäumnisse. Es muss zunächst immer von einem Interesse der Bürger an Mitbestimmung ausgegangen werden.
  5. Das Beteiligungsverfahren darf erst dann durchgeführt werden, wenn wichtige Eckdaten für den Haushalt bereits vorliegen.
  6. Die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb eines Bürgerhaushalts dürfen kein Argument für dessen Abschaffung sein.
  7. Es dürfen nicht nur Sparvorschläge zugelassen werden, da dies jegliche Kreativität der Bürger unnötig einschränkt. Die Budgetplanung muss einfach vermittelt werden, so dass der einfache Bürger den Bürgerhaushalt versteht und Eingaben machen kann.
  8. Anonyme Beteiligung muss unbedingt gewährleistet werden.
  9. Die Internetseite muss möglichst einfach zu bedienen sein, um unnötige Hürden für die Beteiligung zu vermeiden.
  10. Der Bürgerhaushalt muss der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden und Aktionen zu dessen Verbreitung müssen gefördert werden.

Kommunale Demokratie für Alle

Kommunale Demokratie für Alle

Auch ausländische Mitbürger sind Teil unserer Gesellschaft. Nicht-EU-Bürger haben derzeit jedoch kein Wahlrecht bei Kommunalwahlen. Ein großer Teil der Menschen wird so von der politischen Willensbildung durch Wahlen ausgeschlossen. Wir setzen uns daher für ein kommunales Wahlrecht für alle in der Stadt oder Gemeinde lebenden Menschen unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit ein, die das erforderliche Wahlalter erreicht haben. Die politischen Entscheidungsträger sollen sich auf allen Ebenen für die notwendigen Gesetzesänderungen einsetzen.

Wahlalter absenken

Die Piratenpartei Trier/Trier-Saarburg fordert, das Wahlalter für Kommunalwahlen kurzfristig auf 16 Jahre abzusenken. Gerade Entscheidungen auf kommunaler Ebene betreffen in hohem Maße auch Kinder und Jugendliche. Es ist wichtig, dass die Prinzipien der Demokratie so früh wie möglich gelernt und auch gelebt werden. Dazu ist es notwendig, dass man nicht nur mitreden, sondern auch mitentscheiden darf.

Ein Familienwahlrecht lehnen wir ab.

Stärkung der Ortsbeiräte

Die Piratenpartei setzt sich für die Stärkung der Rechte der Ortsbeiräte ein. Ortsbeiräte sind am dichtesten an den Wünschen und Interessen der Bürger eines Ortes oder Stadtteils. Demokratie und Mitbestimmung sind nirgendwo sonst greifbarer als in diesen kleinsten politischen Einheiten. Jeder Bürger soll Rederecht im Ortsbeirat seines Stadtteils haben.

Nicht ausgeschöpfte Ortsbeiratsbudgets dürfen nicht am Ende des Folgejahres verfallen, wenn die Umsetzung der geplanten Projekte aufgrund von nicht selbst verschuldeten Verzögerungen noch nicht erfolgt ist. Um solche Verzögerungen zu vermeiden, muss die Stadt für eine entsprechende Priorisierung innerhalb der Verwaltung sorgen und gegebenenfalls auch pragmatische Lösungen forcieren.

Für größere Projekte sollen die Ortsbeiräte Gelder über mehrere Jahre zurück stellen und sparen können, damit größere Investitionen nicht nur über die Stadt möglich sind.

Jugendgemeinderäte

Um die Jugend im Sinne demokratischer Werte zu erziehen und ihnen die Möglichkeit zur Mitbestimmung zu geben, fordern wir in allen Gemeinden die Einrichtung von Jugendgemeinderäten mit eigenem Budget, falls noch nicht vorhanden. Vertreter des Jugendgemeinderates sollen im Gemeinde- bzw. Stadtrat ein Rede- und Antragsrecht erhalten.

Zur Erhöhung der Wahlbeteiligung, die bei Jugendgemeinderäten erfahrungsgemäß eher niedrig ausfällt, können Maßnahmen wie etwa die Aufstellung der Wahlurnen in Schulen zur Unterrichtszeit ergriffen werden. Außerdem soll nach Möglichkeit der Wahlaufruf direkt mit konkreten Vorschlägen und Projekten verbunden werden, an deren Umsetzung der zu wählende Jugendgemeinderat dann u.a. arbeiten soll. Das heißt nicht, den Jugendlichen vorzuschreiben, was sie machen dürfen, sondern dem Projekt eine inhaltliche Starthilfe zu geben, um das Interesse zu wecken und einen inhaltlichen Anker für die aktive Beteiligung anzubieten.

Einzelkandidaturen stärken

Die Piraten Trier setzen sich dafür ein, dass Einzelkandidaturen von Parteiunabhängigen durch Wahlkampfhilfen gesondert unterstützt werden.

Kandidaten, die im Vorfeld der Wahl mindestens einhundert Unterstützerunterschriften sammeln konnten, sollen Wahlkampfkosten von bis zu 500 Euro erstattet werden.

Informationskampagne zur Gewinnung von mehr Wahlhelfern

Wir fordern eine Informationskampagne zur Gewinnung von mehr Wahlhelfern, damit nicht wie in der Vergangenheit die Wahl unter Zeitdruck durchgeführt und ausgezählt werden muss. So können Fehler bei der Durchführung der Wahl und der Auszählung vermieden werden.

Mobile Wahllokale statt Briefwahl

Die Möglichkeit der Briefwahl wollen wir einschränken, da sie die Freiheit der Wahl, das Wahlgeheimnis gefährdet und regelmäßig zu Wahlfälschungen führt, wie Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz bereits schmerzlich vor Augen geführt haben. Die notwendige Freiheit der Wahl ist nicht mehr gegeben, da Druck auf Personen ausgeübt werden kann, sich Briefwahlunterlagen zu bestellen und diese gemäß Vorgabe auszufüllen. Der eigentliche Schutzmechanismus, dass nur eine Person in eine Wahlkabine darf, wird so ausgehebelt. Auch die Öffentlichkeit der Wahl ist nicht mehr gegeben, da Wahlunterlagen wochenlang in nicht-öffentlichen Räumen der Verwaltung lagern, so dass Missbrauch Tür und Tor geöffnet ist. Durch die gestiegene Mobilität kann Briefwahl ohne Probleme durch mobile Wahllokale und Wahlvorstände ersetzt werden, so dass sowohl alle Menschen weiterhin an der Wahl teilnehmen können, aber gleichzeitig Missbrauch wirksam ausgeschlossen wird.

Kommunale Gebietsreform

Gebietsreform

Die Piraten lehnen die Gebietsreform in der aktuellen Form ab. Dennoch sehen wir, dass in Rheinland-Pfalz zahlreiche Gemeinden zu klein sind, um künftig eigenständig eine angemessene Daseinsvorsorge für ihre Bürger zu gewährleisten.

Kooperationsräume, die zwischen 15 000 und bis zu 75 000 Einwohnern umfassen, haben sich bewährt. Es empfiehlt sich, dass ein zentraler Ort oder zumindest ein Grundzentrum in die Kooperation eingebunden wird. Es ist hilfreich, wenn der Kreis aktiv mitwirkt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Kooperationsraum mit den Kreisgrenzen identisch sein muss.

Kooperation zwischen Kommunen schaffen und stärken

Die Piratenpartei setzt sich dafür ein, dass überörtliche Kooperationen zu Themen wie Seniorenbetreuung, Feuerwehr, Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs, Schul- und Kinderbetreuung, Kommunikations-Dienstleistungen, Kulturangebote etc. installiert und - falls vorhanden - ausgeweitet werden, um Synergien zu nutzen und den Zusammenhalt der verschiedenen Gemeinden untereinander zu stärken.

Es geht hierbei nur am Rande um die Einsparung von Verwaltungskosten. Dies kann schon allein durch Verwaltungskooperationen oder Ämter für mehrere Gemeinden geregelt werden. Entscheidend ist, dass die Kommunen regionale Anpassungsstrategien, die Schaffung von Angeboten und die Entscheidung für die besten Standorte untereinander ohne Konkurrenzgedanken besprechen und letztendlich abstimmen. Gleiches gilt für die Schaffung gemeinsamer Industrieflächen der Kommunen.

Kooperationsstrukturen

Kooperationsstrukturen sollen mit Unterstützung und Vermittlung durch Kreis und Land gefestigt oder neu etabliert werden. Diese sollen sich auf Anpassungsstrategien zur Gestaltung des demografischen Wandels konzentrieren. Im ländlichen Raum ist dabei jeweils ein Zusammenwirken mehrerer benachbarter Gemeinden sowie ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Verwaltung und Bürgern notwendig. Außerdem sollen nach Möglichkeit auch Kreis und nahegelegene Zentren in die Planung eingebunden werden. Diese Verhandlungen sollen vom Land angeregt und unterstützt werden, keinesfalls jedoch diktiert.

Bürgermitbestimmung bei Gebietsreformen

Bei allen Entscheidungen zu den Synergieeffekten ist dem Bürger eine geeignete Möglichkeit der Mitbestimmung bzw. Bürgerbeteiligung anzubieten. Diese sollte möglichst ab der untersten Ebene eingerichtet werden.

Datenschutz in der Verwaltung

Sichere Kommunikation mit den Bürgern

Eine sichere Kommunikation (Ende-zu-Ende-Verschlüsselung) zwischen Bürgern und Behörden auch über das Internet schützt davor, dass Daten missbraucht werden. Daher müssen alle Kommunikationskanäle zu Behörden stets höchste Sicherheitsstandards verwenden. Internetkommunikation soll verschlüsselt stattfinden. E-Mail-Kontakte sollen stets auch mit Verschlüsselung angeboten werden.

Datenschutz in der Verwaltung

Die Verwaltung erhebt von den Bürgern viele personenbezogene Daten, die für die Erfüllung ihrer Aufgaben teilweise notwendig sind, zum großen Teil aber auch nicht. Wir fordern, die Erhebung von Daten grundlegend auf den Prüfstand zu stellen und auf ein Minimum zu reduzieren. Auch die Aufbewahrungsfristen für personenbezogene Daten wollen wir prüfen und auf ein Minimum verkürzen. Wir fordern die Verwaltung auf, in einem Datenkatalog vollständig offenzulegen, welche Daten ihrer Bürger sie speichert und wie sie diese schützt. Datensparsamkeit beugt Datenmissbrauch vor.

Bewusstsein für Datenschutz stärken

Die Mitarbeiter in der Verwaltung sollen regelmäßig zum Datenschutz geschult werden. Außerdem soll die Verwaltung Aktionen unterstützen, die dazu beitragen, das Bewusstsein der Bürger zum Thema Datenschutz zu stärken, wie etwa Datenschutztage an Schulen oder andere aufklärende Maßnahmen.

Meldedaten nur nach Zustimmung herausgeben

Eine Weitergabe von Informationen über Bürger ohne deren explizite Zustimmung und ohne äußerst dringenden Grund lehnen wir ab. Wir unterstützen daher Bestrebungen, das Meldegesetz in Rheinland-Pfalz entsprechend anzupassen. Die Verwendung der Meldedaten wollen wir auf das Mindestmaß zurückfahren und mit einer engen Zweckbindung für kommunale Aufgaben versehen. Auf Anfrage soll jeder Bürger vollständige Informationen über alle getätigten Abfragen zu seiner Person erhalten können. Seine Erlaubnis muss jeder Bürger jederzeit widerrufen können.

Einrichtung eines kommunalen Datenschutzbüros

Wir wollen ein kompetentes, gut besetztes kommunales Datenschutzbüro einrichten, welches bei kommunalen Projekten frühzeitig eingebunden wird. Kommunale Datenschutzbeauftragte sollen zur Ausübung ihrer Beratungs- und Kontrollfunktion personell besser ausgestattet werden.

Wirtschaft, Finanzen und Tourismus

Kommunale Finanzen und kommunale Selbstverwaltung

Konnexitätsprinzip

Das in der Verfassung von Rheinland-Pfalz festgelegte Konnexitätsprinzip ist unbedingt einzuhalten. Das bedeutet, dass die Ebene, die eine staatliche Maßnahme vorschreibt, auch die Kosten hierfür zu tragen hat. Wir fordern außerdem eine verfassungsrechtlich garantierte finanzielle Grundausstattung zur Absicherung der kommunalen Daseinsvorsorge.

Selbstverwaltung

Die Piratenpartei vertritt den Grundsatz, dass alle Aufgaben, die Ortsgemeinden in Eigenverantwortlichkeit übernehmen möchten und können, auch von diesen wahrgenommen werden sollen.

Schuldenabbau

Die Kommunen sowie die Landkreise müssen sich ihrer Pflicht zum Schuldenabbau bewusst sein. Jedoch sollte dieser möglichst nicht zu einem Verlust von Servicequalität führen (z. B. durch massiven Personalabbau oder Abschaffung von Angeboten wie Bibliotheken, im sozialen Bereich usw.). Hohe Ausgaben sollen dort getätigt werden, wo sie notwendig sind (Instandhaltungen von Schulgebäuden, Verwaltungsräume, Infrastruktur). Teure Prestigeobjekte (Stichwort: „sich ein Denkmal setzen“) sind zurückzustellen, denn sie dienen nicht dem Wohl der Bürger.

In jedem Fall sind die Bürger jeweils rechtzeitig darüber zu informieren und per Bürgerentscheid zu befragen, falls aufgrund von Sparmaßnahmen ein Verzicht auf bewährte Standards erforderlich werden kann (z. B. Verkürzung von Öffnungszeiten, Umbau oder Verkleinerung von Schwimmbädern, Erhöhung von Verwaltungsgebühren, durch deren zweckgebundene Mehreinnahmen die Schulden gesenkt werden sollen usw.).

Kommunale Handlungsfreiheit im Kultur- und Sozialbereich

Die Piratenpartei fordert, möglichst alle Förderungen von kulturellen und sozialen Einrichtungen auf kommunaler Ebene zu bündeln. Direkte Förderungen und Kürzungen von Landes- und Bundes-Seite nehmen den Städten und Gemeinden die Möglichkeit, selbst darüber zu entscheiden, welche kulturelle und soziale Infrastruktur sie auch bei finanziellen Engpässen für unverzichtbar halten und welche Einrichtungen unter Umständen nicht erhalten werden können.

Kürzungen auf den weit von den tatsächlichen Einrichtungen entfernten Ebenen – vor allem solche nach einem "Rasenmäher-Prinzip" – ignorieren den Unterschied zwischen Einrichtungen, die zu großen Wohlfahrtsverbänden gehören, und solchen, die freie Träger mit geringen finanziellen Möglichkeiten haben. Letztere sind durch Kürzungen schnell in ihrer Existenz gefährdet und müssen, wenn sie für die Arbeit vor Ort entscheidend sind, von den Kommunen gerettet werden. Hier ist es konsequent, die Entscheidung über alle Förderungen komplett auf die Kommune zu verlagern, um ihr nicht nur die Rettung im Notfall, sondern auch positiven Entscheidungs-Spielraum zu geben.

Auch die Entscheidung, welche Träger und welche Art von Einrichtung eine bestimmte Aufgabe und die damit verbundenen Mittel zugewiesen bekommen, sollte kommunal getroffen werden. Die Arbeit der Einrichtungen unterscheidet sich zwischen den Kommunen gewaltig. In einigen Städten und Gemeinden herrschen eher staatliche Einrichtungen vor, in anderen leisten Einrichtungen der Arbeiterwohlfahrt, des Roten Kreuzes oder auch der Kirchen gute Arbeit, in wieder anderen existieren engagierte freie Träger. In einigen Städten und Gemeinden kann es sinnvoll sein, beispielsweise Beratungs-Leistungen an existierenden Einrichtungen (Kindertagesstätten, Schulen, u.ä.) anzubieten, während in anderen bereits spezialisierte Einrichtungen existieren, die durch eine solche Entscheidung ausgebootet werden. Auch hier ist also eine Entscheidung vor Ort die angemessenste.

Regionale Wirtschaft

Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe

Wir treten insbesondere in der Lebensmittelversorgung nachdrücklich für regionale Wirtschaftskreisläufe ein. Lange Transportwege und eine unklare Herkunft von Produkten führen zu Nachteilen für den Verbraucher. Außerdem werden Verkehrswege unnötig belastet. Daher fordern wir klare und nachvollziehbare Herkunftskennzeichnungen sowie eine Entbürokratisierung der Selbstvermarktung in der Landwirtschaft.

Landfrass

In den letzten 20 Jahren sind in Deutschland landwirtschaftliche Flächen von 800.000 ha verloren gegangen. Die Kriterien zur Umwandlung sind oftmals zu weich. Solche Umwandlungen sind kritisch zu betrachten und in jedem Fall wissenschaftlich zu hinterfragen und abzuwägen.

Daher sind jegliche Pläne, Ackerflächen in Neubau- oder Gewerbegebiete umzuwandeln, frühzeitig öffentlich zu machen. Vor der Genehmigung muss eine wissenschaftliche Untersuchung stattfinden, welche alle Vor- und Nachteile der Umwandlung der Ackerfläche transparent und öffentlich darstellt. Ferner muss untersucht werden, ob die für die Umwandlung vorgesehene Ausgleichsflächen geeignet, ausreichend und sinnvoll sind, um die Umwandlung zu rechtfertigen und auszugleichen.

Stärkung der Nahversorgung und sonstiger Dienstleistungsangebote

Es kommt im ländlichen Raum vermehrt dazu, dass die Nahversorgung (Lebensmittel, ärztliche Versorgung) und diverse Dienstleistungsangebote (Post, Geldautomaten usw.) vornehmlich aus Unwirtschaftlichkeit nicht mehr erhalten bleiben. Wir setzen uns dafür ein, dass mit Anbietern unter Beteiligung der Bürger vor Ort verhandelt wird, um zumindest ein Mindestmaß an Versorgung und Dienstleistungen anbieten zu können. Neue Modelle der Nahversorgung und Dienstleistungsangebote (z. B. mobile Einkaufsmärkte oder Geschäftsfusionen) sollen geprüft und unter Einbindung der Bevölkerung umgesetzt werden.

Business Angels

Um den Existenzgründern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, setzt sich die Piratenpartei für den Ausbau des Netzwerks von sogenannten „Business-Angels“ im Raum Trier ein, d. h. es werden speziell Fachleute aus der Wirtschaft angesprochen, die sich bereits im Ruhestand befinden, aber noch Lust und Energie haben, junge Firmengründer zu unterstützen.

Tourismus

Tourismus in ländlichen Regionen

Die Piratenpartei empfiehlt für die ländlichen Regionen den Ausbau des sogenannten "Sanften Tourismus". Dies bedeutet, dass Touristen so wenig wie möglich auf die Natur einwirken bzw. ihr schaden. Angebote wie Themenwanderwege, Hofläden, der Region und Landschaft angepasste Sportarten wie Wasserwandern, Radwandern oder Klettern ohne die Landschaft zu verändern, erfüllen diese Vorgaben.

Zur Steigerung der Attraktivität solcher Angebote möchte die Piratenpartei die kommunale Vernetzung der Gemeinden fördern. Regionale ortsübergreifende Kalender, Webseiten, Apps, Routeninformationen und andere elektronische Medien sollen dabei helfen, den Tourismus zu fördern. Der kreative Einsatz elektronischer Medien soll hierzu ausgebaut werden.

Für größere Tourismusprojekte ist eine frühzeitige Offenlegung der Pläne sowie die Beteiligung der Bürger unabdingbar.

Einführung eines kostenlosen Zugangs zu sanitären Einrichtungen in der Innenstadt

Die Piratenpartei setzt sich für die Einführung eines kostenlosen Zuganges zu ausreichend sanitären Einrichtungen durch das Konzept "die nette Toilette" in der Innenstadt ein. Öffentliche Toiletten sind bisher kaum ein Thema für Stadtplaner und Architekten. Angesichts des demografischen Wandels ist diese Tatsache eine sich verstärkende Problematik. Um dieser Thematik Rechnung zu tragen, fordert die Piratenpartei die Einführung des Konzeptes "Nette Toilette". Dies sieht vor, daß auch Besucher oder Touristen die sanitären Anlagen von den beteiligten Gastronomiebetrieben benutzen können. Diese erhalten von der Kommune einen finanziellen Ausgleich für die Toilettenbenutzung.

Smileys für Gaststätten

Der Kreisverband befürwortet die Einführung eines Bewertungssystem von Restaurants und Gaststätten, anhand dessen Besucher direkt beim Betreten des entsprechenden Lokals den Hygienestandard erkennen können. Die Bewertung erfolgt in regelmäßigen Abständen durch das Ordnungsamt. Zu bevorzugen ist hierbei ein einfaches System, wie z.B. ein Smiley-System. Um eine Akzeptanz zu schaffen, soll dieses System zunächst auf freiwilliger Basis eingeführt werden. Restaurants und Gaststätten mit hohem Hygienestandard können so einfach durch einen lachenden Smiley belohnt werden und motivieren dadurch auch andere Ihren Hygienestandard zu heben.

Gesellschaft und Soziales

Zusammenleben

Integration

Die Integration von ausländischen Mitbürgern ist erklärtes Ziel der Piraten. Nur wenn es gelingt sprachliche und kulturelle Barrieren durch Lernprozess und Toleranz zu überbrücken, kann das gemeinsame Zusammenleben angenehm gestaltet werden.

Interkulturelle Schulungen

Die Piratenpartei will sich dafür einsetzen, dass Beamte interkulturell geschult werden. Sie sind in vielen Punkten für Menschen mit ausländischen Wurzeln erste Ansprechpartner und Vermittler und sollten deswegen, neben ihrem Fachwissen, weitergehende Kenntnisse über andere Kulturen haben.

Barrierearmut

Die Piraten setzten sich auf allen Ebenen und Bereichen für mehr gesellschaftliche, kulturelle und politische Teilhabe ein. Ein besonderes Anliegen ist es uns, Aufmerksamkeit für Barrieren im Alltag zu schaffen, die fälschlicherweise oft entweder nicht als solche wahrgenommen oder aber verharmlost werden, für die Betroffenen jedoch erhebliche Hindernisse darstellen. Die Themenfelder sind vielfältig und reichen vom Wahlrecht für Ausländer und mehrsprachige Informationsangebote über eine blindengerechte Verkehrsführung und den stufenlosen Zugang zu öffentlichen Gebäuden bis hin zu kontrastreicher Raumgestaltung mit Rücksichtnahme auf Menschen mit Sehschwächen. Gleichermaßen wichtig sind Bekämpfung von geistigen Barrieren und die Erleichterung des Zugangs zu Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten, auch im Bereich des Internets. Als Ziel setzen wir uns hierbei die vollständige Barrierefreiheit. Wie die obige, eindeutig nicht erschöpfende Themenliste zeigt, geht die Umsetzung weit darüber hinaus, sich das Wort „Barrierefreiheit“ auf die Fahne zu schreiben. Wir bevorzugen den Begriff „Barrierearmut“, der den Fokus auf das Machbare legt und damit gleichzeitig die Forderung in sich trägt, unmittelbar zu handeln, um sich dem Langzeitziel stetig anzunähern.

Konkrete Maßnahmen

Wir wollen allen Menschen eine hürdenlose Teilhabe ermöglichen. Hierzu muss Neues barrierearm gebaut und Bestehendes Schritt für Schritt angepasst werden. Zusammen mit den Gemeinden wollen wir einen Umsetzungsplan mit konkreten Etappen und Zielen zur Barrierearmut erstellen. Damit wollen wir bestehende EU-Richtlinien umsetzen.

Konkret bedeutet das für uns unter Anderem:

  1. Öffentliche Gebäude und Verkehrsmittel müssen rollstuhlgerecht zugänglich gemacht werden. Bis zur Umsetzung muss kurzfristig eine provisorische Lösung (mobile Rampen u. Ä.) gefunden werden.
  2. Wir wollen umfangreiche Beschilderungen in öffentlichen Gebäuden, die auch für Blinde lesbar sind.
  3. Auf Formularen bei Ämtern müssen Erklärungen in so genannter »einfacher Sprache« beiliegen, und die Formulare müssen in möglichst vielen Sprachen zur Verfügung stehen.
  4. Damit sich Blinde mit Stock, Menschen mit Gehhilfen oder Rollstuhl hürdenlos durch die gepflasterten Fußgängerzonen bewegen können, sollen diese ggf. durch einen schmalen, ebenen und asphaltierten Streifen ergänzt werden. In diesen Streifen sollen spezielle Markierungen integriert werden, die Blinden zeigen, wo genau sie sich befinden.
  5. Wir wollen Inklusion an Bildungseinrichtungen ermöglichen und fördern, so dass Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich zusammenleben.
  6. Online-Angebote und andere Informations- und Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten müssen so barrierearm wie möglich sein, um ihrem Anspruch gerecht zu werden.

Meldepflicht für tot aufgefundene Haustiere

Von öffentlichen Stellen (z.B. Straßenmeisterei oder Straßenreinigung) tot aufgelesene Haustiere müssen registriert und auf eine Kennzeichnung (Tätowierung, Mikrochip) überprüft werden und schließlich an die zentralen Haustierregister gemeldet werden.

Essbare Stadt

Der Kreisverband setzt sich für einen verstärkten Anbau von Nutzpflanzen auf öffentlichen Grünflächen ein, die so der Allgemeinheit zur Nutzung verfügbar gemacht werden sollen. Dieses Konzept der sogenannten „essbaren Stadt“ wurde bereits sehr erfolgreich in Andernach umgesetzt. Je nach Eignung der Fläche ist hierbei der Anbau von Hecken (z.B.: Brombeer-, Himbeer-, Stachelbeere), Bäumen (Esskastanie, Nuss- und Obstbäume) oder Gemüse und Kräuter anzustreben. Dadurch entsteht ein stärkeres Bewusstsein für die Natur, eine erhöhte Lebensqualität und eine verstärkte Identifikation mit der Stadt.

Kostenfreier Kirchenaustritt

Gebühren erschweren den Austritt oder Wechsel der Religionsgemeinschaft und schränken damit die Bekenntnisfreiheit ein. Zudem stehen sie oft in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand. Daher sollten die Kommunen für einen Kirchenaustritt keine Gebühren verlangen dürfen. Entstehende Kosten sind im Zweifelsfall von der betreffenden Kirche zu entrichten, solange Kirchenangelegenheiten öffentlich verwaltet werden.

Des weiteren soll es zukünftig nicht mehr möglich sein, dass Kirchen nachträglich den Kirchenaustritt anzweifeln und damit eine Beweislastumkehr zu Ungunsten des Bürgers erzwingen. Momentan muss der Bürger durch Vorlage der amtlichen Austrittserklärung beweisen, dass er tatsächlich ausgetreten ist. Verliert er seine Urkunde innerhalb von 40 Jahren nach dem Austrittsdatum, wird er von einer immensen Kirchensteuernachforderung bedroht.

Ehrenamt

Ehrenamt fördern ohne Vernachlässigung der kommunalen Pflichten

Ehrenamtliche Aktionstage fördern das Wir-Gefühl und den Zusammenhalt der Bürger und dienen zeitgleich einer Verbesserung des Stadtbilds und damit auch der Lebensqualität. Daher ist ehrenamtliches Engagement (nicht nur) im Rahmen solcher Aktionstage grundsätzlich zu fördern.

Wir fordern die Einrichtung eines Budgets, um ehrenamtliche Arbeit zu unterstützen und ehrenamtliches Engagement z.B. durch öffentlich finanzierte Feste zu honorieren.

Zur Koordination ehrenamtlicher Arbeit schlagen wir vor, unter der Rubrik "Ehrenamt" der Online-Plattform der jeweiligen Stadt oder Gemeinde über ehrenamtliche Aktionstage (z.B. Renovierung von Spielplätzen etc.) zu informieren. Dabei soll der gewählte Vertreter des jeweiligen Stadtteils (Ortsvorsteher) oder der Gemeinde mit eingebunden werden und die Aktion über das Internetportal koordinieren.

Die Kommune darf jedoch keinesfalls die ihr obliegenden Pflichten so auf die Bürger abwälzen. Jegliches Ehrenamt soll primär dem Zusammenhalt der Bürger dienen und nicht die Kasse der Kommune durch kostenlose Mitarbeiter entlasten.

Wir möchten eine Diskussion über die Möglichkeit von Sozialversicherungsleistungen wie z.B. Rentenansprüche für ehrenamtliches Engagement anstoßen und uns dafür einsetzen, dass entsprechende gesetzliche Grundlagen geschaffen werden.

Vernetzung ehrenamtlicher Aktionen

Wir werden uns dafür einsetzen, dass eine Onlineplattform im Rahmen des Internetauftritts der Stadt bzw. Gemeinde erstellt wird, um darüber Aktionen der Bürger zu koordinieren. So sollen Bürger in die Lage versetzt werden für Projekte und Ideen Gleichgesinnte und Sach-, bzw., Geldspender zu finden. So könnten bspw. Sanierungen alter Spielplätze, Straßenfeste, Urban Gardening, offene Bücherschränke und viele weitere Ideen geplant und gemeinsam realisiert werden. Das Projekt soll dazu beitragen, die Gemeinschaft zu stärken und gute Ideen zu fördern. Bei Erfolg soll längerfristig über ein Budget für solche Projekte nachgedacht werden, bspw. Um Baumaterialien anzuschaffen.

Kinder und Jugend

Erhalt und Schaffung neuer Freizeitangebote und Rückzugsorte für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche sind die Zukunft unserer Gesellschaft, daher ist es wichtig, ihnen Raum zur Entfaltung und für eine gemeinschaftliche Freizeitgestaltung zu geben. Daher befürworten wir den Erhalt und die Schaffung neuer Freizeitangebote und Rückzugsorte für Kinder und Jugendliche. Vorhandene Ressourcen wie freie Sportplätze müssen genutzt und erhalten werden, neue Angebote müssen geschaffen werden.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass es mehr freie Sportplätze gibt. Öffentlich geförderte Sportplätze müssen immer auch für die Öffentlichkeit zugänglich und nutzbar sein. Außerdem befürworten wir die langfristig angelegte Zurverfügungstellung einer Halle für die Ausübung von Skatesport in Trier.

Bestehende Jugendzentren und Angebote sollen eng in die Planung und Konzeption neuer Angebote mit einbezogen werden. Kürzungen im Bereich von Kinder- und Jugendarbeit lehnen wir ab.

Gemeinschaftshäuser erhalten, soziale Begegnungsstätten schaffen

Um die Bürgerbeteiligung und den Zusammenhalt innerhalb der Ortsgemeinden zu stärken, möchte die Piratenpartei zentrale Begegnungsstätten schaffen bzw. erhalten. Der Unterhalt eines bestehenden Gemeindehauses sowie die Einrichtung einer generationenübergreifenden Begegnungsstätte sichern dem Gemeinde- und Vereinsleben die Zukunft und können die sogenannte Landflucht abmildern. Solch eine ständige Begegnungsstätte ist auch als ein Angebot an die Senioren zu verstehen. Es sollen jedoch alle Bürger hier zusammenkommen, um die Gemeinschaft zu fördern.

Begegnungsstätte für Jugendliche und Erwachsene

Wir möchten die Einrichtung einer Begegnungsstätte für Jugendliche und Erwachsene vorantreiben. Als Vorbild dient dabei das "Unperfekthaus" in Essen. Bisher fehlt der Stadt Trier solch ein Angebot.

Durch eine solche Begegnungsstätte wird das soziale und kreative Miteinander gefördert und die Stadt im Bezug auf Lebensqualität aufgewertet. In Essen wurde das Konzept des Unperfekthauses sehr gut von den Bürgern angenommen und ist auch über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Bildung und Kultur

Kultur

Einrichtung einer Sammelbörse für Musikinstrumente

Wir setzen uns für die Einrichtung einer Sammelbörse für gespendete Musikinstrumente ein, auf die die umliegenden Grundschulen zurückgreifen können. Das Ziel dieser Sammelbörse ist es, Kindern frühzeitig den Kontakt zur Musik und zu Musikinstrumenten zu ermöglichen. Eine Beschäftigung mit Musik fördert das Sozialverhalten und die Konzentrationsfähigkeit. Gleichzeitig wird auch eine erste kulturelle Bildung erlangt. Somit ist hier die Möglichkeit gegeben, mit relativ einfachen Mitteln eine langfristig positive Auswirkung auf unsere Gesellschaft zu bewirken.

Die Musikinstrumente sollen auch für andere Bildungseinrichtungen wie Volkshochschulen, aber auch für Musikvereine und Musikschulen verfügbar sein, sofern kein Bedarf von einer Grundschule angemeldet worden ist. Dadurch können die Musikinstrumente optimal genutzt werden.

Städtische Museen kostenlos

Bei städtischen Museen decken die Eintrittsgelder nur wenige Prozent der Kosten. Deswegen sollen die Kommunen bei städtischen Museen auf die Eintrittsgelder verzichten und stattdessen in den Museen zu freiwilligen Spenden aufrufen. Dadurch würden viel mehr Besucher angelockt und vor allem Menschen, die sich einen Museumsbesuch sonst nicht leisten könnten, würde dieser ermöglicht werden. So können sich Museen vom Ausstellungsort zum urbanen Begegnungsraum entwickeln.

Keine Wildtiere im Zirkus

Die kommunale Verwaltung darf aus Tierschutzgründen Zirkusbetrieben, die Wildtiere oder anderen nicht artgerecht gehaltene Tiere mit sich führen oder auftreten lassen, grundsätzlich keine städtischen Festplätze und sonstigen städtischen Flächen mehr überlassen oder Gastspiele solcher Zirkusse innerhalb der Kommune gestatten.

Das Verbot soll auf privatrechtlicher Ebene in dem Platzüberlassungsvertrag mit dem jeweiligen Zirkus-Pächter umgesetzt werden. Sollten sich die Zirkusse nicht an die Vereinbarung halten, so soll ihnen eine empfindliche Vertragsstrafe auferlegt werden. Um Lücken zu schließen soll die Verwaltung zusätzlich angewiesen werden, alle rechtlich zulässigen Möglichkeiten auszuschöpfen, solche Auftritte in der Kommune zu unterbinden.

Bildung

"Es gibt nur eins, was auf die Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung." John Fitzgerald Kennedy (1917-1963)

Bildung ist das wichtigste Gut in unserer Gesellschaft. Sie zu fördern sollte ein bedeutendes Ziel der Politik sein. Daher setzen wir uns für den Ausbau der frühkindlichen Bildung ein. Kindertagesstätten müssen ausgebaut werden.

Die Ausstattung der Grund- und weiterführenden Schulen muss gewährleistet sein. Ebenso wichtig wie die Bildung der Kinder und Jugendlichen ist die Erwachsenenbildung; auch hierfür müssen ausreichend Angebote vorhanden sein. Jeder Mensch, der sein Wissen erweitern möchte, soll dabei unterstützt werden.

Schulportal

Die Stadt Trier soll die Schulen bei der Einrichtung eines eigenen Schulportals mit Informationen über das Schulleitbild, die Ausstattung und Betreuung aller Schulen im Vergleich unterstützen, um den Eltern die Möglichkeit zu geben, sich eine eigene Meinung über die Arbeit in den Schulen zu bilden. Darüber hinaus setzen wir uns für die Erweiterung von Hospitationsmöglichkeiten für engagierte Eltern im Unterricht ein, was auch über dieses Portal organisiert werden kann. So kann Angebot und Nachfrage im Bildungsbereich an dieser Stelle aufeinandertreffen.

Um die Kommunikation zwischen dem Lehrpersonal und den Eltern zu verbessern, schlagen wir vor, dass jede Lehrperson eine öffentliche E-Mailadresse bekommt, über die Kontakt aufgenommen werden kann.

Ganztägige Kinderbetreuung

Die Piraten Trier setzen sich für ein ganztägiges Kinderbetreuungsangebot ein, damit auch nachts arbeitende Eltern ihrer erwerblichen Tätigkeit ungehindert nachgehen können.

Sprachförderung

Die Piratenpartei setzt sich für eine frühzeitige Integration ein, um sprachliche Barrieren rechtzeitig abzubauen. Kostenlose und intensive Deutschkurse sollen als freiwillige Angebote zur Verfügung gestellt werden. Diese Kurse sollen wie bei den Aussiedlern 20 bis 30 Stunden in der Woche stattfinden. Die Intensität wird erreicht, in dem nicht nur die Sprache gelehrt wird, sondern den Menschen mit ausländischen Wurzeln Rechtssystem, Sozialordnung und Kultur unseres Landes näher gebracht werden.

Programme und Aufklärung gegen Gewalt und menschenverachtende Ideologien

Besonders strukturschwächere Regionen bieten immer wieder Nährboden für die Ausbreitung menschenverachtender Ideologien und Gewalt. Wir lehnen dies klar ab und unterstützen Programme und Aufklärungsmaßnahmen gegen derartige Entwicklungen.

Inneres und öffentliche Sicherheit

Öffentliche Sicherheit

Kommunikation der Notfallpläne

Unsere Region wird durch verschiedene mögliche Katastrophenszenarien bedroht, beispielsweise Hochwasser oder ein Unglück im Kernkraftwerk Cattenom. Für diese existieren Notfallpläne, die jedoch nicht aktiv oder nur sehr mangelhaft an die Bevölkerung kommuniziert werden.

Im Katastrophenfall stellen Stromausfälle und der Wegfall von Verkehrswegen ein möglicherweise unüberwindbares Hindernis für die Verbreitung und Umsetzung von Notfallplänen dar. Wir fordern daher die Veröffentlichung und Kommunikation dieser Pläne bereits im Vorfeld. Dies ermöglicht auch die Prüfung der Pläne durch die Bevölkerung, die mit der Lage vor Ort am besten vertraut ist und somit mögliche Fehlplanungen rechtzeitig erkennen kann.

Schutzkleidung und Wärmebildkameras für die Feuerwehr

Die Piratenpartei setzt sich dafür ein, dass die Berufs- und die freiwilligen Feuerwehren mit aktueller Schutzkleidung nach Stand der Technik und zumindest die Berufsfeuerwehren mit Wärmebildkameras ausgestattet werden, damit Menschen in stark verrauchten Gebäuden schneller aufgefunden und so Leben gerettet werden können.

Kein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen

Wir setzen uns für Versammlungsfreiheit und eine vielfältige und freie Nutzung des öffentlichen Raums ein. Wir lehnen Regelungen ab, die diese unnötig einschränken. Deswegen stellen wir uns gegen Verbote, die den Konsum von alkoholischen Getränken auf öffentlichen Plätzen untersagen, ohne dass eine konkrete, akute Gefährdung davon ausgeht.

Kameraüberwachung minimieren

Im öffentlichen Raum werden immer häufiger Überwachungskameras eingesetzt. Videoüberwachung ist selten klar begründet, oft maßlos überzogen und fast immer nutzlos. Damit wird die Freiheit von Bürgern eingeschränkt, die im öffentlichen Raum nicht beobachtet werden wollen.

Die Piratenpartei fordert deshalb eine kritische Überprüfung aller Überwachungskameras. Wir fordern die Betreiber auf, Standorte und Blickwinkel der Überwachungskameras öffentlich zu dokumentieren und darzulegen, welchen Nutzen die jeweilige Kamera hat. Private Kameras, die dauerhaft Bereiche des öffentlichen Raumes filmen, sollen durch den Datenschutzbeauftragten genehmigungspflichtig werden.

Wir fordern

  1. eine Umkehr der Voraussetzungen für den Betrieb von Kameras, d. h. Bürger sollen sich nicht im Nachhinein dagegen wehren müssen, sondern Videoüberwachung soll nur in Ausnahmefällen überhaupt erst genehmigt werden,
  2. die deutliche, gut erkennbare und unmissverständliche Kennzeichnung von Geschäften und Gaststätten, die ihre Gäste und Kunden im Innenbereich überwachen,
  3. ein entschlossenes Vorgehen gegen jede Kamera, die unerlaubt im öffentlichen Raum angebracht wird.

Inneres

Beschwerdestelle für sexuelle Belästigung

Die Piratenpartei setzt sich für die Einrichtung einer Beschwerdestelle für sexuelle Belästigung ein. Diese soll in den Landkreisen, eventuell gemeinsam mit der Stadt Trier, angeboten werden. Dies kann nach dem Vorbild der entsprechenden Beschwerdestelle der Stadt München geschehen. Die Beschwerdestelle dient als Anlaufstelle für Betroffene und koordiniert Maßnahmen, um die Situation in den Landkreisen und der Stadt zu verbessern. Schwerpunkt soll die Aufklärung sexueller Belästigung in Schulen, anderen öffentlichen Einrichtungen sowie am Arbeitsplatz sein. Dazu arbeitet die Beschwerdestelle mit den kommunalen Verwaltungen und den im Kreis ansässigen Unternehmen zusammen.

Bauen, Verkehr und Infrastruktur

Öffentlicher Personennahverkehr

“Ein entwickeltes Land ist nicht eines, in dem arme Menschen Autos besitzen, sondern in dem Reiche die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen.” Gustavo Petro, Bürgermeister von Bogota

Leitbild Mobilität

Die vorrangige Mobilität soll nicht mehr den motorisierte Individualverkehr (miV) in den Mittelpunkt stellen, sondern der Umweltverbund (Bahn, Bus, Fahrrad, Fuß, carsharing, flexible Systeme (Anruftaxi, Anrufbus etc.) und seine bestmögliche Vernetzung und Vertaktung.

Fahrradverkehr

An überwiegend vom miV genutzten Straßen sollen zur Verkehrssicherheit – insbesondere ungeübten und unsicheren Radfahrern (Kindern, ältere Menschen) – Fahrradspuren angelegt werden. Für den Innenstadtbereich sollte ein geschlossenes Konzept von Fahrradstraßen (Beispiel Münster) entstehen, um sowohl die innerstädtische Lebensqualität zu erhöhen als auch dem Leitbild Mobilität Rechnung zu tragen.

ÖPNV-Entwicklung im ländlichen Bereich

Zwar wird nach jetzigen Prognosen die Bevölkerung im ländlichen Raum abnehmen, trotzdem darf der dortigen Bevölkerung kein “Rest-ÖPNV” angeboten werden. Wer den ländlichen Raum nur nach dem miV ausrichtet, konterkariert die Idee des „fahrscheinlosen ÖPNV“. Wenn schon “fahrscheinlos”, dann muss es aus Gerechtigkeitsgründen einen “ÖPNV für alle” geben (sonst sagen Steuerzahler auf dem Land berechtigterweise, warum sollen wir für zwei Systeme Geld abdrücken (ÖPNV+miV)). Außerdem ist zu berücksichtigen, dass innerhalb des Konstrukts “ländlicher Raum” durchschnittlich die gleiche Anzahl an täglichen Fahrten (4) wie im städtischen Bereich anfällt. Der ländliche Raum ist auch als Gegenstand für Naherholung und Fern-Tourismus (sanfter Tourismus) zu sehen. Daher ist auch deshalb der Ausbau des ÖPNV zu fordern (z.B. als Kombination Rad+ÖPNV).

Finanzierung des ÖPNV

Zwar strebt die Piratenpartei einen „fahrscheinlosen ÖPNV“ an, übergangsweise durch Umlage finanziert, trotzdem müssen den aktuellen Verhältnissen Rechnung getragen werden. Bislang bezuschusst die öffentliche Hand zwischen 50% und 75 % der anfallenden Kosten. Für den Raum Trier gilt das aber nur für den innerstädtischen Bereich. Das ÖPNV-Angebot außerhalb der Stadt Trier wird eigenwirtschaftlich erbracht, was die Fahrpreise im VRT-Gebiet ständig ansteigen lässt. Forderung: im gesamten VRT-Gebiet muss eine Anteilsfinanzierung der öffentlichen Hand vorherrschen, um das Preisniveau kostengünstiger für Nutzer zu gestalten.

Ziel

Ziel unserer Verkehrspolitik ist es, eine realistische und auch bequeme Alternative zum privaten PKW zu schaffen sowie gleichzeitig damit die Lebensqualität in der Stadt zu erhöhen. Wir wollen dabei jedoch nicht den Individualverkehr abschaffen, sondern im Gegenteil dem Bürger die Möglichkeit geben, jederzeit das für sein aktuelles individuelles Mobilitätsbedürfnis optimale Verkehrsmittel nutzen zu können.

Fahrscheinlosen ÖPNV voranbringen

Mobilität ist Grundlage für die Teilnahme am sozialen und kulturellen Leben. Bereits jetzt wird der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sehr stark (ca. 50%) bezuschusst. Wir setzen uns daher auch in der Region Trier für einen umlagefinanzierten, fahrscheinlosen ÖPNV ein und halten diesen für finanzierbar. Erfahrungen in anderen Städten haben gezeigt, dass die Akzeptanz des ÖPNV dadurch enorm gesteigert wird und sich sehr viele Menschen dafür entscheiden, ihn zu nutzen.

Taktfahrpläne

Damit ein vernetztes Mobilitätskonzept über verschiedene Transportmittel hinweg funktionieren kann und auch angenommen wird, müssen die Taktfahrpläne des öffentlichen Personennahverkehrs gut aufeinander abgestimmt werden.

Umsteigeplätze

Umsteigeplätzen wie Bahnhöfen kommt in einem vernetzten Konzept eine zentrale Rolle zu; daher müssen diese so ausgebaut werden, dass ausreichend Parkplätze für private und Carsharing Autos sowie für Fahrräder mit und ohne elektrischen Hilfsantrieb zur Verfügung stehen, um einen optimalen, einfachen und stets gut verfügbaren Wechsel zwischen den Transportmitteln zu gewährleisten.

Die Parkplätze an solchen Umsteigeplätzen sollen zudem mit Solar- und/oder Fernenergie-Ladestationen für Elektroautos, -roller und -fahrräder ausgestattet werden.

Fahrräder als zentrales Verkehrsmittel in der Stadt

Das Fahrrad gehört neben dem Fußverkehr schon heute zu den wichtigsten Verkehrsmitteln in der Stadt. Um diese Entwicklung weiter zu fördern, muss dem Fahrrad mehr Raum gegeben werden, so zum Beispiel durch mehr Fahrradspuren auf den Fahrbahnen, auch zu Lasten des Autoverkehrs und des Parkplatzraums. Das Fahrrad muss als gleichberechtigtes Verkehrsmittel auf der Straße gesehen werden. Mit dem Fahrrad schlecht zugängliche Stadtteile müssen leichter erreichbar werden. Daher wollen wir eine jederzeit kostenlose Fahrradmitnahme in Bussen.

Entgegen der landläufigen Meinung sorgen separate Radwege oftmals nicht für mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Besonders an Kreuzungen und Einmündungen erhöhen sie deutlich die Unfallgefahr im Vergleich zu gemeinsam genutzten Verkehrsräumen. Eine Radwegebenutzungspflicht mit blauem Schild darf nur angeordnet werden, wenn eine besondere Gefährdung das Fahrradfahren auf der Fahrbahn unzumutbar macht. Wir setzen uns daher dafür ein, dass alle vorhandenen Radwege sowie Neubauten auf ihre Notwendigkeit überprüft werden und gegebenenfalls. durch Radspuren auf der Fahrbahn ersetzt werden. Wo keine besondere Gefährdung auf der Fahrbahn vorliegt, ist auf die Anordnung einer Benutzungspflicht zu verzichten.

Carsharing

Da der Absatz von Neuwagen in Europa stagniert, haben die Automobilhersteller damit begonnen, auch auf die Dienstleistung Carsharing zu setzen. Die Fahrzeuge stehen dabei über das Stadtgebiet verteilt und können nach der Nutzung beliebig abgestellt werden.

Hier wäre neben Kurzzeitvermietangeboten auch eine Nutzung über Stadtgrenzen hinweg anzustreben, damit der private PKW möglichst vollständig durch Leihangebote ersetzt werden kann.

Mobilität im ländlichen Raum

Die Unterschiede in der individuellen Mobilität zwischen Stadt und ländlichem Raum werden sich durch die Vernetzung der Verkehrsmittel in den Städten weiter vergrößern. Auf dem Land ist der Individualverkehr unabdingbar, solange der ÖPNV im ländlichen Raum nicht ausreichend ausgebaut ist. Allerdings geht durch den demografischen Wandel und die weiter steigende Landflucht die Bevölkerungsentwicklung auf dem Land dahin, dass in Zukunft immer weniger und eher ältere Menschen dort leben werden. Um die Versorgung des Grundbedürfnisses Mobilität insbesondere älterer Menschen ohne eigenen PKW auf dem Land zu gewährleisten, müssen Systeme wie Ruftaxi oder Sammelbus eingerichtet oder ausgebaut und durch den Staat subventioniert werden, da sie sich fast unmöglich selbst finanzieren können.

Sicherheit statt Überwachung im ÖPNV

Die Verkehrsbetriebe versuchen, das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste in den Bussen und Bahnen durch den flächendeckenden Einsatz von Überwachungskameras zu steigern. In einer tatsächlichen Gefahrensituation können Kameras jedoch nicht eingreifen und Straftaten verhindern. Stattdessen wird durch Videoüberwachung tief in die Grundrechte der Bürger eingegriffen und es wird es immer leichter, Daten automatisch zu verknüpfen, was Verhaltens- und Bewegungsprofile und schlussendlich den Gläsernen Bürger ermöglicht. Wir fordern daher, dass Ende jeglicher Videoaufzeichnung im öffentlichen Nahverkehr.

Nutzung nachhaltiger Energieformen im ÖPNV

Die Piratenpartei setzt sich für die Erarbeitung von stimmigen Konzepten für den ÖPNV ein, die sich mit der Zeit nach der günstigen Verfügbarkeit von Treibstoffen auf Erdölbasis auseinandersetzt. Dabei sollen die Städte in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindenbund die Träger von dezentralen und vernünftigen Konzepten in diesem Bereich werden. Dazu forden wir die Einsetzung einer dauerhaften Kommission des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, die sich mit diesem Thema auseinander setzt.

Wir fordern darüber hinaus, dass sich eine solche Komission mit technischen Lösungen im Bereich “Wasserstoffantrieb”, “Solarbus” und Übergangslösungen auseinander setzt. Darüber hinaus sind auch günstige Übergangs- sowie Modernisierungslösungen in Hinsicht auf die Kassenlage vieler Städte und Gemeinden zu untersuchen.

Bauen und Wohnen

Wohnraum für Trier

Triers Immobilienmarkt ist seit vielen Jahren durch starke Preissteigerungen für Miet- und selbst genutzten Wohnraum geprägt. Qualitativer Wohnraum in ausreichender Größe muss für alle, die hier leben wollen, bezahlbar bleiben. Wir werden uns in Trier dafür einsetzen, die Wohnungsnot zu beseitigen.

Leerstand meiden – Wohnraum schaffen

Ungenutzten Wohnraum, auch in Form von verfallenden Gebäuden, werden wir nicht akzeptieren. Ungenutzte oder frei werdende Gewerbeflächen wollen wir verstärkt in Wohnraum umwandeln.

Förderung von Neubau-Projekten

Wenn Neubau-Projekte von der Stadt gefördert werden, müssen hier besonders genossenschaftliche oder anderweitig auf Beteiligung Vieler gerichtete Organisationsformen bevorzugt werden. In deren Satzungen muss die Verpflichtung auf das Gemeinwohl im Vordergrund stehen. Dies stellt sicher, dass der so gewonnene Wohnraum auch in vielen Jahren noch bezahlbar sein wird.

Modell des Salzburger Wohnungsbaus prüfen

Wir werden prüfen, ob das Modell des "Salzburger Wohnbaufonds" auch für Trier geeignet ist. Dieses Modell beruht im Kern auf drei Säulen: staatliche Förderung, gemeinnützige Bauträger und vollständiger Verzicht auf Bankkredite. Die Kredite kommen statt von einer Bank aus einem eigens gegründeten Fonds, der je nach Förderart für Mietwohnungen oder selbst genutzte Eigenheime nur 1 bis 2,5 Prozent Zinsen berechnet, festgelegt auf die gesamte, im Schnitt 30-jährige Laufzeit. So können die Bruttokosten für Wohnraum um bis zu 40% gesenkt werden. Was bisher die Banken verdient haben, fließt so in billigere Mieten und mehr Bauvolumen.

Ortskerne stärken

Der zur Zeit oftmals verfolgte eng eingrenzende Weg für Bebauungen und Renovierungen führt in vielen Gemeinden zu aussterbenden Ortskernen. Hier kann mit mehr Mut zur Veränderung und mehr Individualität eine Neubelebung erreicht und eine Leerstandentwicklung verhindert werden. Es müssen neue Anreize geschaffen werden, um den Innenkern von Ortsgemeinden zu beleben, etwa durch mehr Platz für Parkplätze, Gärten und Spielplätze. Restriktive Bauvorschriften und Bebauungspläne dürfen nur in Ausnahmefällen erstellt werden. Bei der Erstellung von neuen Bebauungsplänen muss der Bürgerwille in jedem Fall abgefragt und beachtet werden.

Entwicklung des ländlichen Raumes im Bereich der Altenpflege/Betreutes Wohnen

Bedingt durch den demografischen Wandel leben im ländlichen Raum immer mehr ältere Menschen. Dies macht einen besonders hohen Aufwand im Bereich der Altenpflege und des betreuten Wohnens erforderlich, der nicht von den Familien der Senioren abgedeckt werden kann. Wir setzen uns daher dafür ein, dass auch in kleineren Ortschaften für Senioren Möglichkeiten der Pflege und des betreuten Wohnens geschaffen werden, damit ältere Menschen nicht gezwungen sind, ihre angestammte Heimat zu verlassen. Mit Beteiligung der örtlichen Bevölkerung müssen Wege gefunden werden, die Altenpflege und das betreute Wohnen vor Ort zu realisieren. Die Piraten unterstützen daher die Gründung von so genannten Bürgergenossenschaften mit derartigen Zielen.

Transparenz bei Bauvorhaben

Die Informationspolitik des Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz Trier (LBM Trier) informiert sehr intransparent über bevorstehende oder gerade durchgeführte Straßenbaumaßnahmen. Informationen sind, wenn überhaupt, nur schwer aufzufinden, absolut nicht bürgernah formuliert und enthalten nicht alle für den Bürger interessanten Informationen.

Die Piraten Trier fordern die Nutzung moderner Informationstechnologie, um vollkommene Transparenz über bevorstehende und aktuell durchgeführte Straßenbaumaßnahmen zu erreichen. Wir fordern die Veröffentlichung aller Maßnahmen in einer auf ein Geoinformationssystem gestützten Karte im Internet. Dem Bürger sollen in übersichtlicher Art und Weise alle in der ihn interessierenden Region anstehenden oder durchgeführten Straßenbaumaßnahmen angeboten werden. Die Piraten Trier fordern weiterhin, dass diese kartographischen Informationen schon ab dem Zeitpunkt angeboten werden, ab dem über das Vorhaben auf politischer Ebene diskutiert wird.

Die veröffentlichten Information sollen mindestens enthalten:

  1. den exakten Ort der Maßnahme
  2. das Ziel der Maßnahme
  3. die exakte Dauer der Maßnahme
  4. die Kosten der Maßnahme
  5. die durchführende Firma
  6. einen Link zur zugehörigen öffentlichen Ausschreibung
  7. einen Ansprechpartner für Fragen zur Maßnahme

Die Piraten Trier fordern weiterhin, dass Informationen über geplante Maßnahmen zeitnah an andere Infrastrukturanbieter, wie z.B. Telekommunikationsfirmen, weitergeleitet werden, um eventuelle Synergien zu ermöglichen.

Ausbau der A1

Die Bundesautobahn A1 führt derzeit fast durchgängig vom Saarland bis zur Ostsee, mit Ausnahme der Vulkaneifel. Dort gibt es seit Jahrzehnten eine Lücke von derzeit noch ca. 25 km (AS Kelberg <> AS Blankenheim).

2011/2012 erfolgte im Vulkaneifelkreis eine Unterschriftenaktion “Pro Lückenschluss A1″ mit dem Ergebnis, daß 35000 Unterschriften für den Weiterbau eingingen. Die sehr hohe Beteiligung an dieser freiwilligen Aktion zeigt den eindeutigen Bürgerwillen für einen Weiterbau. (Hinweis: Im Landkreis Vulkaneifel leben ca. 61267 Menschen / Stand Dez. 2010)

Die PIRATEN Trier stellen sich hinter die Bürger und plädieren für einen unverzüglichen Lückenschluss der A1. Der Lückenschluss sollte schnellstmöglich erfolgen, um diverse Nebenstrecken (wie z.B. die B51), aber auch Orte mit erhöhtem Durchfahrtsverkehr (z.B. Hillesheim) zu entlasten.

Infrastruktur

Flächendeckender Breitbandinternetzugang

Wir sehen den Zugang zum Internet als Grundrecht an. Ein breitbandiger Internetzugang ist heutzutage Voraussetzung für die Teilnahme am politischen, kulturellen und sozialen Leben. Er ist ebenso für die Wirtschaft unabdingbar und ein entscheidender Standortfaktor im Wettbewerb um die Ansiedlung und Gründung Arbeitsplätze schaffender Unternehmen. Die veralteten Breitbanddefinitionen der internationalen Fernmeldeunion (ITU) sowie der Bundesregierung lehnen wir ab. Wir fordern im den Landkreisen und der Stadt Trier flächendeckend die Möglichkeit für Internetzugänge mit einer Bandbreite von langfristig mindestens 100 Mbit/s im Downstream, mittelfristig 20 Mbit/s, und 10 Mbit/s im Upstream. Für Unternehmen sollten bei Bedarf auch noch schnellere Anbindungen zur Verfügung stehen. Versorgungslücken sind zu identifizieren und durch geeignete Maßnahmen zu schließen. Infrastruktur-Projekte müssen koordiniert werden, um Synergien nutzbar zu machen und Kosten zu sparen.

Förderung und Ausbau offener Funknetze

Offene Funknetze erlauben auch finanziell schlechter gestellten Personen einen Zugang zum Internet. Zudem sind sie ein guter Service für auswärtige Besucher und Touristen. Daher fordern wir die Einrichtung und Kenntlichmachung offener Funknetze an Rathäusern, innerörtlichen touristischen Sehenswürdigkeiten und beliebten Plätzen durch die Kommunen, sofern dort solche Angebote nicht bereits bestehen.

Ablehnung der Privatisierung kommunaler Grundversorgung

Die Piratenpartei Trier/Trier-Saarburg lehnt die Privatisierung von Wasser- und Energieversorgern, sowie von Entsorgern ab. Wasser und Energie sind öffentliche Güter und müssen in öffentlicher Hand bleiben. Die öffentliche Hand muss ohne Gewinnstreben jedem Bürger bezahlbaren Strom und bezahlbares Wasser zur Verfügung stellen und sich um die Entsorgung des Abfalls kümmern. Dort wo Wasser, Energie und Entsorgung privatisiert wurden, hat sich die Situation für die Konsumenten verschlechtert. Teurere Preise und schlechte Versorgung haben zur Verringerung der Lebensqualität aller Bürger zugunsten privater Unternehmen geführt. Wo Strom, Wasser oder Entsorgung privatisiert worden sind, müssen alle Verträge, die diese Vorgänge betreffen offen gelegt und Maßnahmen zur Rekommunalisierung getroffen werden.

Datenschutz bei öffentlichen Versorgern

Auch die Stadtwerke müssen in ihren Planungen stärker den Datenschutz beachten. Zum Beispiel muss bei neuen sogenannten "intelligenten Stromzählern" gewährleistet sein, dass jeder Bürger entscheiden kann und weiß, welche Daten gespeichert und übermittelt werden. Private Daten wie die zum Stromverbrauch sollen prinzipiell nur selbstbestimmt an privatwirtschaftliche Dienstleistungsfirmen weitergegeben werden.

Umwelt und Energie

Energieerzeugung

Die Welt befindet sich mitten in der Energiewende. Um die Auswirkungen unseres Handelns auf das Klima zu begrenzen, müssen wir alle auf allen Ebenen unseren Beitrag leisten. Einerseits muss die Energiegewinnung von fossilen auf generative und regenerative Quellen umgestellt werden, andererseits müssen wir mit der vorhandenen Energie sorgsamer umgehen.

Öl- und Gasförderung

Wir betrachten die Energiegewinnung durch Verbrennung fossiler Brennstoffe als unzeitgemäße Technologie und stehen der Förderung kritisch gegenüber. Selbst die Kommunen können kaum auf Einnahmen über diesen Weg hoffen. Für das sogenannte Fracking fordern wir eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung für Schiefergasbohrungen. Bevor die Folgen der Technik für die Umwelt nicht ausreichend erforscht worden sind, lehnen wir Fracking als Fördermethode ab.

Biogas

Biogasanlagen nutzen organische Materialien wie Lebensmittelreste, Dung oder hierfür angebaute Pflanzen zur Produktion von Gas, das zur Energiegewinnung verbrannt werden kann. Ein wesentlicher Aspekt für uns als Piratenpartei ist hierbei, dass die Energieproduktion niemals in Konkurrenz zur Nahrungsmittelversorgung stehen darf. Die Umwandlung von Anbauflächen für Nahrungsmittel in Gebiete zum Zwecke der Energiegewinnung lehnen wir daher strikt ab.

Solarenergie

Wir fordern die Dachflächen öffentlicher Gebäude nach einer Wirtschaftlichkeitsprüfung konsequent für die Energiegewinnung zu nutzen. In Neubaugebieten sollen Gebäudeausrichtung und Dachneigung auf die zukünftige Nutzung der Sonnenenergie hin optimiert werden.

Wichtig ist hierbei auch der Brandschutz. Die Feuerwehren vor Ort müssen geschult werden, um den richtigen Umgang mit möglicherweise stromführenden elektrischen Anlagen zu beherrschen.

Windenergie

Die Windenergie ist eine der Schlüsseltechnologien zur Umstellung der Energieproduktion. Wir befürworten den Ausbau, stellen ihn jedoch auch unter klare Bedingungen. Aus Lärmschutzgründen müssen Mindestabstände zu Siedlungsgebieten streng eingehalten werden. Der Bau darf nur dort stattfinden, wo er wirtschaftlich ist. Für zukünftige effizientere Anlagen kann eine Ausweisung von weiteren Flächen im Flächennutzungsplan jedoch bereits heute erfolgen.

Dezentrale und regenerative Energien demokratisch mit Bürgerbeteiligung fördern

Mit der Energiewende ist auch die Zeit der Großkraftwerke vorüber. Den Ausfall der Atomkraft mit neuen Kohlekraftwerken kompensieren zu wollen, halten wir für einen Irrweg. Stattdessen müssen kleine dezentrale Kraftwerke auf ökologisch vertretbare Weise unseren Energiebedarf decken.

Bei der Planung von Kraftwerken wie Windkraftanlagen, Windparks oder Solaranlagen sollen die umliegenden Gemeinden möglichst kooperieren. Vor der Entscheidung über den Bau von solchen Anlagen muss eine wissenschaftliche und wirtschaftliche Analyse des Standortes erfolgen, auf dessen Grundlage auch über zu vergebende Fördermittel entschieden wird. Alle Vor- und Nachteile müssen transparent offengelegt werden, insbesondere die Windhöfigkeit ist für Windkraftanlagen ein entscheidendes Kriterium. Nach der Offenlegung aller Fakten ist eine Bürgerbeteiligung an der Entscheidungsfindung unabdingbar.

Wir bevorzugen für die Realisierung solcher Projekte Finanzierungsmodelle, die alle Bürger der Gemeinde an der Anlage beteiligen und ihnen das größtmögliche Mitspracherecht geben. Wertschöpfung und Entscheidungsfreiheit zu Planung und Betrieb müssen in Gemeinde- und Bürgerhand bleiben. In Verträgen mit Betreibern müssen die Gemeinden an allen Entscheidungen zu Planung, Bau, Betrieb und Verwendung des Stroms bis hin zu einem eigenen gemeindlichen Netzbetrieb / Stromversorgung beteiligt sein. Private Investoren müssen ebenso eingebunden werden wie die privaten Windkraftflächeninhaber. Die Gewinnverteilung aus allen Wertschöpfungsebenen sollen von den beteiligten Gemeinden mitentschieden werden. Reine Pachtmodelle lehnen wir ab.

Abschaltung und Rückbau des AKW Cattenom

Wir fordern die sofortige Abschaltung des störanfälligen Atomkraftwerks Cattenom, das nur 50km von Trier entfernt liegt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass wir diese Hochrisikotechnologie nicht beherrschen, und auch nach über einem halben Jahrhundert wurde keine Lösung für die Entsorgung der gigantischen strahlenden Abfallmengen gefunden. Wir werden uns daher auf allen Ebenen dafür einsetzen, dass dieses in allen Stresstests als mangelhaft bewertete Atomkraftwerk so schnell wie möglich abgeschaltet wird.

Der Rückbau der Anlage wird, gemessen an den Erfahrungen des Kernkraftwerks Greifswald, um die 25 Jahre in Anspruch nehmen und sollte zeitnah nach der Abschaltung beginnen. Während dieser Zeit wird die Anlage ein großer Arbeitgeber bleiben, bei dem das Knowhow der bisherigen Belegschaft zum Rückbau benötigt wird. Dies ist auch genug Zeit, um zum Ausgleich andere Arbeitgeber in diese Region zu holen.

Energieeffizienz

Kommunale Gebäude

Immobilien der Kommunen sollten energieoptimiert und ökologisch betrieben werden. Mögliche Maßnahmen sind hier die Prüfung und Verbesserung der Gebäudeisolierung, die Umstellung alter Heizsysteme auf regenerative Energieträger wie Holzpellets oder die Optimierung des Energieverbrauchs von Klima- und Beleuchtungsanlagen und anderen Geräten. Neubauten sollen mindestens Passivhausstandards entsprechen, also mindestens so viel Energie produzieren, wie die Heizsysteme verbrauchen. Dazu sollen etwa öffentlichen Gebäude mit Photovoltaikanlagen eingedeckt werden, sofern die Wirtschaftlichkeit gegeben ist.

Energiesparende Straßenbeleuchtung

Die Beleuchtungssysteme der Kommunen sind auf Energieeffizienz zu prüfen und gegebenenfalls durch entsprechende Maßnahmen wie den Einsatz moderner Leuchtmittel anzupassen.

Weiterhin halten wir es für sinnvoll zu untersuchen, ob durch einen „Schlummermodus“ am späteren Abend zusätzlich Energie eingespart werden kann. Dabei wird die Lampe auf etwa ein Viertel der Leuchtkraft gedimmt, kehrt aber zur normalen Helligkeit zurück, sobald sich ein Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer oder Auto) dem eingebauten Bewegungsmelder nähert.

Energieversorgung öffentlicher Gebäude, Betriebe, Flächen

Die Städte und Gemeinden sollten beim Ausstieg aus der Atomenergie mit gutem Beispiel vorangehen und kurzfristig die Stromversorgung von öffentlichen Gebäuden, Betrieben und Flächen auf erneuerbare Energien umstellen. Mittel- bis langfristig fordern wir, eine möglichst hundertprozentige Selbstversorgung mit Strom anzustreben.

Positionspapiere

Positionspapier zur Kommunal- und Verwaltungsreform

Position zu einer möglichen Aufnahme wechselwilliger Gemeinden aus der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf, Kreis Bernkastel-Wittlich, durch Verbandsgemeinden im Kreis Saarburg im Zuge der Kommunal- und Verwaltungsreform

Wir unterstützen alle bisherigen Ergebnisse aus Bürgerentscheiden und Ratsbeschlüssen der einzelnen Gemeinden der VG Thalfang am Erbeskopf und lehnen daraus folgernd eine Zwangsfusion der gesamten VG Thalfang am Erbeskopf mit der EG Morbach ab.

Die aus den Bürgerentscheiden / Ratsbeschlüssen der Gemeinden aus der VG Thalfang am Erbeskopf resultierenden Angliederungswünsche sind zu befolgen, soweit die aufnehmende Kommune dem zustimmt und eine räumliche Anbindung möglich ist. Die Kreisgrenzen dürfen kein Hindernis für Fusionen darstellen.

Positionspapier zu den Plänen der ECE in Trier

Die Piratenpartei Trier/Trier-Saarburg stellt sich gegen die Pläne, in Trier ein oder gar zwei neue Einkaufscenter am Viehmarkt und der Simeonstraße bauen zu lassen. Wir Piraten möchten nicht, dass durch diese neuen innerstädtischen Einkaufszentren der ökonomischen aber auch der kulturellen Entwicklungsperspektive der Trierer Innenstadt nachhaltig geschadet wird oder sie zumindest negativ beeinflusst wird.

Trier ist nicht primär eine Einkaufsstadt, sondern hauptsächlich eine Touristenstadt. Daher sollte nicht der betriebswirtschaftliche Nutzen von Einkaufszentren in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt werden, sondern vielmehr auf die touristische und kulturelle Attraktivität der Stadt gesetzt werden. Die Anziehungskraft der Stadt Trier auf die Menschen ergibt sich nicht in erster Linie durch ihre Einkaufsmöglichkeiten, sondern vielmehr durch ihre mehr als zweitausendjährige Geschichte, die zahlreichen einzigartigen Sehenswürdigkeiten und Weltkulturerbestätten, die bemerkenswerte charakteristische Innenstadt mit ihren zahlreichen Cafés und inhabergeführten Geschäften sowie die reizvolle Umgebung der Stadt insgesamt.

Erfahrungen aus anderen Städten haben gezeigt, dass die über Jahre gewachsenen innerstädtischen Geschäftsbereiche, die den Charakter der Stadt ausmachen, oftmals kaum noch eine Chance im Wettbewerb gegen die Einkaufszentren haben, selbst wenn die Zentralität und damit die wirtschaftliche Bedeutung im Bereich des Einzelhandels durch diese Zentren gesteigert wurde und die Stadtverträglichkeit vorab durch Gutachten bescheinigt worden war. Neue Einkaufszentren bedeuten mehr motorisierten Individualverkehr, eine Verlagerung des städtischen Lebens in diese Zentren, weniger Passanten und damit auch weniger soziales und kulturelles Leben in der Fußgängerzone und nicht zuletzt eine Monopolisierung der Verkaufsflächen. Auch das belegen Erfahrungen aus anderen, mit Trier vergleichbaren Städten.

Die Statistiken der letzten Jahre zeigen außerdem eine stagnierende bzw. sogar real rückläufige Umsatzentwicklung im Einzelhandel insgesamt. Eine Vergrößerung der Verkaufsflächen in Trier steht im krassen Gegensatz zu diesen Entwicklungen. Die Piraten nehmen diese Entwicklung ernst und sehen die Zukunft des Handels im Internet. Für den Einzelhandel ist die Zukunftsperspektive viel mehr das Fachgeschäft, das durch persönliche Beratung und langjährige Erfahrung einen Mehrwert gegenüber dem Handel über das Internet bietet. Gerade solche Geschäfte sind aber oftmals inhabergeführt und passen nicht ins Schema von Einkaufszentren, die eher Platz für große Ketten bieten, deren Umsätze in Zukunft jedoch mehr und mehr über das Internet gemacht werden. Nicht Wachstum ist das Schlüsselwort für den Einzelhandel, sondern Qualität und Flexibilität!

Insgesamt stellt sich in letzter Konsequenz die Frage: Nimmt man eine massive Umstrukturierung durch neue innerstädtische Einkaufszentren mit all ihren Auswirkungen in Kauf oder stellt die Erhaltung der historisch gewachsenen Trierer Innenstadt einen Wert dar? Die Piraten sagen Ja, Triers Innenstadt ist schützenswert und muss erhalten bleiben, damit Trier Trier bleibt!