RP:Kreisverband Rhein-Pfalz/Archiv/Aktivitäten/AG Bürgerabend/Themensammlung/Expertenkreis Amok/Unterthema Soziales
Inhaltsverzeichnis
Unterthema Bildung/Gesellschaft
Hier wird das Unterthema Bildung/Gesellschaft behandelt. Bisher finden sich hier die bei dem Gründungstreffen zusammengetragenen Stichpunkte, die mit der Zeit weiter zu einem Teil des Gesamtvortrages ausgebaut werden.
Team
Treffen
Datum: 26.11.2009
Ort: bei Barbara
Stichpunkte
- Eltern und Gesellschaft in die Pflicht nehmen
- Lehrer weiterbilden
- mehr Lehrer / Vertrauenspersonen
- Kinder müssen Selbstbewusstsein lernen,
- Bildungssystem / soziales System grenzt leicht aus (Abstiegsangst, Leistungsdruck)
- Bei AG Bildung Standpunkte der Partei nachfragen
Erstenwurf eines Textes
In dem Spiegel online-Artikel sagt der Psychologe Peter Langman, dass die Täter psychische Störungen hatten und somit Bildung / Gesellschaft als Ursache ausfallen.
Falls die anderen Teil-AGs des Bürgerabends zum gleichen Schluss kommen, hat dieses Unterthema also nicht allzuviel beizutragen zur Thematik "Amoklauf".
Aber natürlich kann man es trotzdem bearbeiten. Z.B. ganz allgemein mit dem Fokus auf "Gewalt an Schulen", wobei man "Suizid von Schülern" miteinbeziehen sollte.
Schule
Schule und Kindergärten haben heute mit vielen Problemen zu kämpfen und haben viele Aufgaben zu bewältigen:
- Manche Kinder bekommen von ihren Eltern zu wenig Aufmerksamkeit und keine Hilfe bei schulischen Problemen.
- Viele Kinder mit Migrationshintergrund haben unzureichende Deutschkenntnisse.
- Mobbing, früher als "hänseln" verharmlost, schadet Kindern seelisch. Wir alle kennen den Spruch: "Kinder können grausam sein."
- Der Leistungsdruck in unserer heutigen Wissengesellschaft ist größer denn je.
Mit den daraus resultierenden Problemen müssen Kindergarten und Schule fertig werden. Besser wäre noch, wenn Kindergarten und Schule Defizite bei Kindern besser ausgleichen und Probleme lösen könnten. Mit dem derzeitigen Lehrermangel ist das aber nichtmal ansatzweise zu schaffen. Auch für die Früherkennung von Gefahren ist es notwendig, dass Lehrer mehr Zeit haben, sich ihren Schülern zu widmen.
Wir brauchen mehr Lehrer, kleinere Klassen und auch einer anderen Ausrichtung der Bildung. Die Bildung muss weg von der reinen Ausrichtung auf den späteren wirtschaftlichen Wert des Schülers. Die Bildung muss weg vom Stoff-Lernen und Antrainieren von in der Wirtschaft gerade gefragten "soft-skills", hin zu einer echten Bildung des Menschen im Schüler.
Wertschätzung
Politiker werden nicht müde zu betonen, dass die Schüler unsere Zukunft sind. Dennoch steht Deutschland beim Vergleich der Bildungsausgaben im Vergleich mit den anderen OECD-Ländern regelmäßig auf einem der letzten Plätze.
Schüler bekommen das auch unmittelbar zu spüren in Schulen mit Baumängeln, fehlendem / uraltem Lehrmaterial etc.
Kinder und Schüler werden nicht wertgeschätzt.
Aufmerksamkeitsökonomie
Menschen werden in unserer Gesellschaft danach beurteilt, was sie gemacht haben, danach, ob man sich einmal an sie erinnern wird, wenn sie nicht mehr sind.
An wen wird man sich erinnern:
- A, der Buchalter bei Firma X wurde?
- B, der sich das Leben genommen hat?
- C, der bei einem Amoklauf 5 seiner Mitschüler und anschließend sich selbst tötete?
So zynisch es ist: Mit einer guten Note, oder indem man seinen Mitschülern hilft, kommt man nicht ins Fernsehen. Mit einem Amoklauf schon.
Zukunftsperspektiven
gesellschaftlich
Sieht man heute Sience-Fiction-Filme aus den 60er / 70er-Jahren, kann man nur staunen: fliegende Autos, Reisen in den Weltraum, Haushaltsroboter, ... Was ist daraus geworden? Wie sehen wir heute unsere Zukunft? Erwarten wir nun statt einem Schlaraffenland den schleichenden Untergang?
Das Wirtschaftswachstum hat sich abgeschwächt, aber im Mittel über mehrere Jahre ist es nach wie vor vorhanden. Die Real-Löhne und -Gehälter sind dagegen in Deutschland zwischen 2000 und 2008 um 0,8% gesunken. Das erleben auch Kinder und sie beziehen es auf ihre persönliche Zukunft. (Reallohnentwicklung Niederlanden, Schweden, Finnland, Dänemark, Großbritannien, Irland und Griechenland im gleichen Zeitraum: ca. +10% bis ca. +40%) [1] [2] [3]
persönlich
"Dir soll es einmal besser gehen als uns." - Wer hat diesen Satz von seinen Eltern nicht gehört? In den letzten Jahren werden wohl immer mehr Kinder diesen Satz nicht gehört haben. Denn der Aufstieg - gesellschaftlich und wirtschaftlich - ist nicht mehr die Regel.
Für viele junge Menschen ist es schon schwer überhaupt den Status der Eltern wieder zu erreichen. PISA hat gezeigt, wie schlecht die Aufstiegschancen von Schülern aus einer sozialen Schicht in eine höhere sind. Auch deswegen brauchen wir mehr Mittel für den Bildungsbereich.
Ergebnisse des Treffens
(Ich kipp das erstmal rein und verarbeite es später.)
Bildung und Gesellschaft:
Überleitung von Täterprofil: Alle Taten haben sich an der Schule ereignet, daher kommen von seitens der Politik und Gesellschaft immer öfter die Forderung nach Maßnahmen zur Früherkennung an der Schule. Kann die Schule in ihrer heutigen Situation diesen Forderungen überhaupt gerecht werden?
Schule:
Eingehängt bei zu wenig Lehrer:
Schulpsychologen, die Schülern in schwierigen Situationen helfen können, sehr wichtig wären, gibt es größtenteils nur auf Nachfragen und dann stehen sie meistens auch nur 1h in der Woche zur Verfügung. Viel zu wenig Zeit um echtes Vertrauen aufzubauen.
Nicht an jeder Schule gibt es Vertrauenslehrer. Wie sieht es denn hier an der Schule aus? Bekommen sie Unterstützung für ihr Tätigkeit?
Lehrer denen die Schüler vertrauen sind wichtig, da Schüler noch eher einen geplanten Amoklauf erkennen könnten (Prahlen der Täter) und darauf hinweisen können.
Danach Wertschätzung
Überleitung: Die Schule kann jedoch nur die Eltern bei der Erziehung und Förderung ihrer Kinder unterstützen.
Familie:
- Unserer Meinung nach sollten: Selbstbewusstsein stärken (Lob) mit den Hobbys (PC, Verein, Bücher, Filme, Freunde) und Bedürfnissen der Kinder auseinandersetzen Zeit verbringen
Des weiteren ist die Politik auch in der Pflicht für Eltern und Schule die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und nicht nur, wie bisher populistisch Verbote von Computerspielen und Paintball zu fordern:
PC Spiele sind nicht immer so schlecht, wie sie in den Medien oft dargestellt werden. Oft gescholten – Counterstrike – nicht töten sondern Teamarbeit und Taktik stehen im Vordergrund. Counterstrike wurde bis zur gefärbten Medienberichterstattung europaweit als Turniersport in großen Veranstaltungen professionell gespielt.
Wenn man den Aussagen der Medien glauben könnte, dann würde die Welt der PC Spiele nur aus brutalen Ballerspielen bestehen. Tatsächlich ist es so, dass laut USK nur ca. 3% des kompletten Marktanteils von solchen Spielen abgedeckt wird (ab 18 Ego shootern). Hier fällt auch schon das wichtige Stichwort ab 18 Jahren. Denn die USK sorgt bereits dafür, dass solche Spiele nicht in die Hand von Heranwachsenden gerät. Gleichzeit werden Spiele die das Töten verherrlichen in Deutschland generell verboten. Neben solchen Spielen, die gewiss Diskussionspotential bieten, gibt es auch noch eine große Anzahl anderer: z.B. Lernspiele, Strategiespiele, Rollenspiele, Sportspiele, etc
Viel wichtiger als die Berichte über die Spiele ist jedoch der Medienwirbel, der jedes Mal um einen Amoklauf veranstaltet wird und dadurch die Täter in das Zentrum der Aufmerksamkeit rückt. Seit die Berichterstattung zugenommen hat auch die Amokläufe zugenommen (Liste der Amokläufe). Warum ist das so? Vorlage für Amokläufe Überhöhung der Täter Stärkung des Machtgefühls durch starke öffentlich Aufmerksamkeit
Ein gutes Beispiel für einen solchen Kreislauf und wie man ihn durchbricht bietet der Wiener U-Bahnbetreiber und die Österreicher Presse. Es gibt dort eine Vereinbarung, dass nicht mehr über Selbstmorde durch u-Bahnen berichtet wird. Seitdem ist die Zahl der Selbstmorde durch U-Bahnen gesunken. Würde die Presse sich mit der Berichterstattung zurückhalten, dann sinkt auch die Attraktivität von Amokläufen.
Quellen
- Spiegel online: "[...]sind Amokläufer stets killerspielsüchtige Außenseiter? US-Psychologe Peter Langman untersuchte zehn Fälle und warnt vor schlichten Erklärungen." Buch: Peter Langman: "Amok im Kopf"; Buchauszüge
- AG Bildung
- Vorschlag für ein "piratiges" Bildungssystem
- Schul-Amokläufe - Forscher arbeiten an Frühwarnsystem
- ↑ sueddeutsche.de: Reallohnentwicklung - Deutschland wieder Schlusslicht [1]
- ↑ PR online: "gingen die Reallöhne in der Bundesrepublik zwischen 2000 und 2008 um 0,8 Prozent zurück, während sie den Niederlanden, Schweden, Finnland, Dänemark, Großbritannien, Irland und Griechenland um 12,4 bis 39,6 Prozent stiegen" [2]
- ↑ Europäischer Tarifbericht des WSI 2007/2008 [3]
- Amok und zielgerichtete Gewalt an Schulen: Früherkennung / Risikomanagement / Kriseneinsatz / Nachbetreuung (Broschiert)
- Studie Tu Darmstadt
- Als Kind traumatisiert - als Erwachsener depressiv
- diverse Statistiken zu Wirtschaft Lohnstückkosten etc.
- Risikoschüler kosten den Staat Billionen Euro
Ergebnisse Quellenanalyse
- In dem Spiegel online-Artikel sagt der Psychologe Peter Langman, dass die Täter psychische Störungen hatten und somit Bildung / Gesellschaft als Ursache ausfallen.