NRW:Landesparteitag 2012.1/Kandidatengrillen/Zeitarbeit
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Wo/Wie siehst du Lösungsansätze, möglichst am Beispiel.
Zur Fragestellung wurde die Fachfrau genötigt und ich weis nicht ob es ihr recht wäre, deshalb übernehme ich das gerne. Wiskyhotel 23:44, 20. Mär. 2012 (CET)
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Inhaltsverzeichnis
- 1 Hans Immanuel Herbers
- 2 Timm Herbst aka Logos
- 3 Daniel Schwerd a/k/a netnrd (45)
- 4 Stefan Bröse / SQAMPY
- 5 Jorgos Tsichlakis - Admiral
- 6 Valentin Brückel
- 7 Sebastian Kroos (@de_Wastl) 37 Jahre
- 8 Andreas Rüßel aka Ryuseru
- 9 Florian Beger
- 10 ChW Christian
- 11 Richard Bertram
- 12 Thomas Hegenbarth 47 aka thomas_heg
- 13 JochenLobnig 54 J
- 14 DanielC
- 15 Klaus Hammer
- 16 Felix Bosseler aka Fx Textheld
- 17 Daniel Horz
- 18 Michael Levedag 53Jahre
Hans Immanuel Herbers
Kurzfristig helfen können hier Mindestlöhne, die ich als eine Art Brückentechnik richtig finde. Damit lässt sich die Zahl der völlig unterbezahlen Arbeitsverhältnisse deutlich verringern - allerdings vermutlich nicht auf Null.
Ich denke, dass unser Konzept eines bedingungslosen Grundeinkommens hier eine Lösung wäre. Aber es wäre Illusion zu glauben das würden wir in kürzerer Zeit erreichen.
Das Problem des Misbrauchs der Zeitarbeit muss schnell angegangen werden. Dazu gehören zwar auch tarifliche regeln. Im Kern aber ist es eine Frage der Arbeitsgesetzgebung, ähnlich wie Kettenverträge auch. Hier muss die Bundespolitik für schnelle Abhilfe sorgen. Darum 2013 Piraten in den bundestag!
Timm Herbst aka Logos
Allzu oft geht Leiharbeit mit Lohndumping einher, was die ohnehin schon bestehende soziale Ungerechtigkeit weiter verschärft. Diesem Missstand gilt es entschieden entgegen zu treten: Im Sinne von sozialer Gerechtigkeit ist mein Standpunkt sonnenklar: Ausgehend vom Grundsatz "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" -was auch für Frauen gelten sollte- sollte wenigstens der Mindeststandard umgesetzt werden, dass Zeitarbeiter für gleiche Arbeit das bekommen sollten, wie Festangestellte. Tatsächlich kann man sich sogar auf den Standpunkt stellen, und das tue ich, dass sie -in Maßen- mehr bekommen sollen, weil ihre Arbeitsplätze i.d.R. wechseln. Das wird auch so in mind. einem anderen europ. Land so gehandhabt. Ich meine, es wäre in Frankreich.
Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts scheint es sich abzuzeichnen, dass sich wenigstens der Mindeststandard -gleicher Lohn für gleiche Arbeit- durchsetzt. Immerhin ein Anfang. Jede der beiden Ansätze löst das Problem, "dass die oft unter dem Existenzminimum liegenden Einkommen vom Staat aufgestockt werden müssen".
- http://www.zeit.de/2011/10/Leiharbeiter-Lohn Gleicher Job, gleicher Lohn - Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts könnte das Gehaltsgefüge in der Zeitarbeitsbranche umkrempeln
Daniel Schwerd a/k/a netnrd (45)
Zeitarbeit kann die Möglichkeit darstellen, in eine Festanstellung zu wechseln. Sie kann die Chance sein, aus Arbeitslosigkeit oder Arbeitspausen in eine Anstellung zu wechseln. Für Unternehmen kann Zeitarbeit Arbeitsspitzen oder Krankheitsfälle abfedern.
Allerdings wird Zeitarbeit oft als Lohndumping-Instrument benutzt. Anstatt vollbezahlte Kräfte zu beschäftigen, werden Stellen auf Dauer mit niedriger bezahlten Zeitarbeitern besetzt. Oftmals müssen deren Gehälter dann von den sozialen Sicherungssytemen aufgestockt werden, so dass das dieses Lohndumping auch noch staatlich subventioniert ist.
Zeitarbeit kann immer nur ein temporäres Modell sein. Stellen sollen nicht auf Dauer durch Zeitarbeitskräfte besetzt werden. Hier könnte eine kürzere Befristung von Zeitarbeitsstellen, sowie das Verbot von wiederholter Besetzung mit Zeitarbeitskräften in Frage kommen.
Arbeitslose werden von den Arbeitsagenturen oftmals in Zeitarbeitsfirmen vermittelt. Dies mag für die Arbeitslosenstatistik schön aussehen, durch die oftmals erforderliche Lohnaufstockung durch das ALGII aber keine wirkliche Entlastung der Haushalte darstellen. Zeitarbeit sollte daher nicht im Fokus der Vermittlung stehen.
Stefan Bröse / SQAMPY
Die Idee der Zeitarbeit hatte einen wichtigen Hintergedanken: Menschen in Firmen bekannt zu machen so das sie vielleicht dort übernommen werden. Leider wird das Konzept von vielen Firmen, vor allem im Bereich der Vermittlung, ausgenutzt und die Ämter finanzieren den Spaß dann teilweise auch noch in dem Sie Leute dahin "abschieben". Das Problem ist das hier ein Bereich entstanden ist in dem Menschen zu "Mietgegenständen" gemacht werden, die auf Abruf stehen müssen, dafür schlecht bezahlt werden und die Vermittler streichen das Geld ein. Wenn man die Arbeitslosenstatistiken dahingehend "bereinigen" würde die ganzen Leute bei Zeitarbeitsfirmen rauszurechnen wäre das ein ziemlicher Batzen. Wirklich eine Lösung dafür habe ich nicht. Ein großes Problem - nämlich das die Ämter versuchen Menschen durch Auflagen zu Zwingen solche Jobs anzunehmen - dürfte man sicherlich angehen können.
Jorgos Tsichlakis - Admiral
Diese Studie, in Auftrag gegeben vom Ministerium für Arbeit in NRW sagt eigentlich alles:
Die Zeitarbeit in NRW wächst. Im Juni 1996 gab es 801 Verleihbetriebe in NRW; im Juni 2007 waren es bereits 2.802 Betriebe (hauptniederlassungsbezogene Zählweise). Nach der standortbezogenen Zählweise waren es in Juni 2007 sogar 3.109 Verleihbetriebe. Damit sind rd. 22% aller in Deutschland gezählten Verleihbetriebe in NRW ansässig. � Die Zeitarbeitsbranche ist kleinbetrieblich (bis 49 Zeitarbeitnehmer/innen) geprägt. � Neben Wachstum führen insbesondere Konzentrations- und Übernahmeprozesse zu einem wachsenden Anteil größerer Zeitarbeitsbetriebe mit Mitarbeiterzahlen im drei- und vierstelligen Bereich. � Sechs der TOP 25 Zeitarbeitsunternehmen haben ihre Zentrale in NRW. � Kleine Zeitarbeitsbetriebe treten eher als Spezialisten, größere eher als Generalisten am Markt auf. Beide nehmen für den Zeitarbeitsmarkt jeweils wichtige Funktionen ein. � Im Juni 2007 gab es 129.797 Frauen und Männer in NRW (hauptniederlassungsbezogene Zählweise), die in der Zeitarbeit beschäftigt waren. Bei einer standortbezogenen Zählweise kommt NRW im Juni 2007 auf 146.756 Zeitarbeitnehmer/innen. Das sind 23% aller Zeitarbeiter/innen in Deutschland. � 1,8% aller Erwerbstätigen in NRW sind Zeitarbeitnehmer/innen (BRD: 1,6%). � Zeitarbeit ist eine Männerdomäne. 2007 waren 76% der Zeitarbeitnehmer in NRW männlich (Anteil der Männer an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in NRW: 57%). � Zeitarbeit ist eine junge Branche (Altersdurchschnitt in 2007: 35,1 Jahre), aber der Anteil Älterer steigt (Fachkräftemangel). � Die Mehrheit der Zeitarbeitnehmer/innen in NRW kommt aus der Arbeitslosigkeit (58%; Juni 2007). 33% waren unmittelbar vorher beschäftigt, davon ein Drittel bei einem anderen Zeitarbeitsbetrieb. Seit 2004 setzt die Zeitarbeit in NRW verstärkt auf die Integration von (Langzeit-) Arbeitslosen und Berufseinsteiger/innen. � Zeitarbeit in NRW war 2007 eher eine vorübergehende Form der Erwerbstätigkeit. 68% aller beendeten Arbeitsverhältnisse dauerten weniger als drei Monate (Juni 2007). Ein Jahr nach Aufhebung des Synchronisationsverbots (2004) stieg der Anteil der kurzen Arbeitsverhältnisse (< 1 Woche) sprunghaft um 80% an. � Immer mehr Betriebe in NRW nutzen Zeitarbeit. 2007 waren es 15.576 Betriebe. Die gesetzlichen Änderungen in 2003 haben zu einer Nachfragesteigerung beigetragen, die 2004 (zunächst) ihren Höhepunkt erreichte. Von 2006 auf 2007 stieg die Anzahl der Entleihbetriebe um 30%. Studie zur Zeitarbeit in NRW: Endbericht 13 � Rd. 4% aller Betriebe in NRW nutzen Zeitarbeit. Unter den Entleihbetrieben sind mehr kleine als große Betriebe. Gleichzeitig nutzen Großbetriebe häufiger Zeitarbeit als Kleinbetriebe. � Zeitarbeit wird insbesondere im verarbeitenden Gewerbe genutzt. Zwei von fünf Entleihbetrieben in NRW kommen aus dem verarbeitenden Gewerbe. � In Entleihbetrieben sind im Vergleich zu Nicht-Entleihbetrieben in NRW die Belegschaftsstrukturen dynamischer (mehr Zu- und Abgänge). � Zeitarbeit ist für Einsatzbetriebe in NRW ein Mittel im Instrumentenbaukasten, das neben anderen genutzt wird, um die notwendige/gewünschte Flexibilität herzustellen. � Zeitarbeit heißt im Gros kurze Einsätze in den Entleihbetrieben NRW’s. � In Entleihbetrieben in NRW überwiegt eine geringe bis mäßige Nutzungsintensität der Zeitarbeit (<10% der Stammbelegschaft). � Immer mehr Großbetriebe in NRW nutzen Zeitarbeit immer intensiver. 6% sind Intensivnutzer (≥20% ZAN). � Rd. 3% der Betriebe in Deutschland nutzen Zeitarbeit. Ein Viertel der Entleihbetriebe nutzen Zeitarbeit zur Substitution von Stammbeschäftigten durch Zeitarbeitnehmer/ innen. � Die Substitutionseffekte liegen im Gros im einstelligen Bereich. Substitutionseffekte im dreistelligen Bereich inklusive Überkompensation der Belegschaftsstärke durch Zeitarbeitnehmer/ innen sind (noch) Einzelfälle. � Die Nutzungsstrategien entwickeln sich neben dem klassischen Geschäft der Urlaubsund Krankheitsvertretung, über die Personalsuche sowie Verlagerung und Rückentleihung hin zum Dauereinsatz. � Zeitarbeitnehmer/innen arbeiten seltener im erlernten Beruf als Nicht-Zeitarbeitnehmer/ innen. 2006 waren es 62% der Nicht-Zeitarbeitnehmer/innen und 46% der Zeitarbeitnehmer/ innen. � Zeitarbeitnehmer/innen werden häufiger als Nicht-Zeitarbeitnehmer/innen für Tätigkeiten eingesetzt, die nicht ihrem Berufsabschluss entsprechen. � Zeitarbeitnehmer/innen besetzen häufiger als Nicht-Zeitarbeitnehmer/innen Stellen, die ihnen weniger berufliche Kenntnisse abfordern als ihre letzte Stelle. � Aber: Ein Großteil der Zeitarbeitnehmer/innen hat keine kontinuierliche Erwerbsbiografie. Ungenutzte Qualifikationen veralten schnell. Für diesen Personenkreis kann Zeitarbeit ein neuer Einstieg ins Berufsleben sein – durch langsames Hereinwachsen in die alte Tätigkeit oder durch die Übernahme einer neuen Tätigkeit. � Das durchschnittliche sozialversicherungspflichtige Monatsentgelt (Vollzeit) von Zeitarbeitnehmern lag 2006 (1.550 Euro) rund 7% unter dem von 1999 (1.668 Euro). � Das durchschnittliche sozialversicherungspflichtige Monatsentgelt von Helfern in der Zeitarbeit liegt rd. 45% unter dem von Helfern in anderen Branchen. Auch bei qualifizier ten Tätigkeiten wie z. B. Organisations-, Verwaltungs- und Büroberufen liegt die monatliche Entgeltlücke bei rd. 35%. � Die Einführung der Tarifverträge in der Zeitarbeit 2004 hat nicht dazu beigetragen, die Lücke zwischen dem durchschnittlichen sozialversicherungspflichtigen Monatsentgelt von Zeitarbeitnehmern und Mitarbeitern in anderen Branchen zu verringern oder gar zu schließen. � Angeführte Entgeltangleichungen bei qualifizierten Tätigkeiten verbleiben auf der Beispielebene. � Der Erwerbsstatus von Zeitarbeitnehmer/innen vor der Zeitarbeit hat starken Einfluss auf den Erwerbsstatus im 1. Jahr nach der Zeitarbeit. Wer vorher eine Vollzeit- /Teilzeitbeschäftigung hatte, hat sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nach der Zeitarbeit. Wer vorher arbeitslos war, ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit auch danach. � Der Erwerbsstatus im 1. Jahr nach der Zeitarbeit setzt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit im 2. Jahr nach der Zeitarbeit fort. � Aber: Knapp einem Drittel der Zeitarbeitnehmer/innen, die vor der Zeitarbeit arbeitslos waren, gelingt danach ein Einstieg in eine Vollzeit-/Teilzeitbeschäftigung in einem anderen Wirtschaftsbereich (Klebe-/Brückeneffekt). Im 2. Jahr nach der Zeitarbeit steigt der Anteil auf rd. 37%. � Hinter dem Klebe-/Brückeneffekt steht i. d. R. eine weitere rd. 2-jährige Bewährungsfrist in der Gruppe der befristeten Beschäftigten in einem Unternehmen außerhalb der Zeitarbeit. Erst aus dieser Gruppe kann der „Aufstieg“ in ein unbefristetes Beschäftigungsverhältnis gelingen. � Für einen Teil der Zeitarbeitnehmer/innen heißt nach der Zeitarbeit vor der Zeitarbeit. Sie wechseln sofort oder nach einer anderweitigen Suchphase zum nächsten Verleiher (Zeitarbeitskarrieren).
Gruß Admiral
Valentin Brückel
Zeitarbeit stellt für Unternehmen ein Mittel dar, flexibel auf eine schwankende Auftragslage zu reagieren. Diese Flexibilität bietet den Unternehmen Vorteile und verlangt den Zeitarbeitern Opfer ab. Entsprechend wäre es nur fair, wenn die Arbeitnehmer für Zeitarbeit nicht nur den gleichen Lohn wie die festangestellten Mitarbeiter erhalten, sondern darüber hinaus einen Zuschlag. Unter diesen Bedingungen sähe ich keine großen Probleme mit Zeitarbeit. Leider sieht die Realität anders aus: Zeitarbeiter werden zu Dumpinglöhnen beschäftigt und nicht selten werden festangestelle Mitarbeiter aus dem Unternehmen gedrängt und kommen später über Zeitarbeitsfirmen wieder zurück an den gleichen Arbeitsplatz, wo sie dann zu geringerem Lohn und ohne Absicherung arbeiten.
Eine Lösung könnte z.B. sein, dass Zeitarbeiter künftig grundsätzlich nach dem Tarif des Unternehmens bezahlt werden müssen, in dem sie eingesetzt werden und zusätzlich analog zum Mindestlohn in Mindestzuschlag definiert wird.
Sebastian Kroos (@de_Wastl) 37 Jahre
Es wird zwar konkret nach Zeitarbeit gefragt, ich vermute aber das ein breiteres Thema gemeint ist.
Es muss zwischen Zeitarbeit und Leiharbeit unterschieden werden.
- Bei der Leiharbeit wird von einem nicht ausgelasteten Unternehmen Personal an ein überlastetes Unternehmen ausgeliehen. Die Beschäftigten behalten ihren Arbeitsvertrag und werden zeitlich befristet in einem anderen Unternehmen eine Aufgabe übernhemen. Hier profitieren alle Parteien.
- Bei der Zeitarbeit stellt ein Unternehmen ohne eigenen Betrieb, ohne eigene Aufgabe Personal ein und verleiht es an Unternehmen. Oft kosten dem Unternehmen die Zeitarbeiter mehr wie wenn sie direkt anstellen würden, zumindest wenn das Zeitarbeitunternehmen einigermaßen vernünftige Löhne zahlt. Das Unternehmen muss aber nicht selber Personal einstellen, sondern zahlt nur die Leistung. Oft ein Vorteil in Bilanz und Risikomanagement sowie eine Steigerung der Flexibilität.
Die Leiharbeit ist eine Form der Arbeitsvermittlung, wo jeder Beteiligte profitiert. Beschäftigte haben allenfalls mit wechselnder Fachaufsicht, Arbeitsweg und Arbeitsort klarzukommen.
Die Zeitarbeitsbranche lobhudelt sich regelmäßig selbst, sie würden einen hohen Anteil des verliehenen Personals in feste Beschäftigungsverhältnisse vermitteln. Das mag am Anfang dieser abscheulichen Entwicklung vielleicht mal so gewesen sein. Aktuelle Zahlen kenne ich nicht. Das es so ist, glaube ich nicht.
Unternehmen verdienen mit der Leistung ihrer Beschäftigten, das ist ok. Zeitarbeitsunternehmen schöpfen nun Profite zwischen Unternehmen und Beschäftigen ab. Das ist für mich nicht ok.
Damit Unternehmen flexibel Aufragsspitzen abfangen können, müssen andere Lösungen her.
Andreas Rüßel aka Ryuseru
Zeitarbeit wurde ursprünglich gedacht als Mittel Arbeitnehmer über einen Zeitraum in Firmen bekannt zu machen. Es wurde so möglich diesen Personen eine festen festen Arbeitsplatz zu sichern. Inzwischen sieht es oft so aus, dass Zeitarbeit als zum Lohndumping missbraucht wird.
Auf kurze und mittlere Sicht sind Forderungen nach "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" und auch der Mindestlohn sicher Wege die beschritten werden können.
Im Ansatz der Piraten sehe ich das BGE als langfristiges Ziel. Die Ausarbeitung und Umsetzung des BGE wird solche Probleme lösen können. Das BGE hat noch einen weiten Weg vor sich, aber das ist ein Weg auf dem wir nun auch weiterkommen wollen. Die Probleme von Zeit-, Leih- und Niedrigstlohnarbeitern werden in der Ausarbeitung des Konzeptes mit Sicherheit eine Rolle spielen und einen Platz haben.
Florian Beger
Hinsichtlich der Zeitarbeit erscheint mir besonders problematisch, dass diese im Zuge der Agenda 2010 in gewisser Weise durch die Ausgestaltung der Reformen indirekt staatlich gefördert wurde.
Ich bin aber kein grundsätzlicher Gegner von Zeitarbeitsverhältnissen. Die staatliche Aufstockung mag einerseits problematisch erscheinen; konsequenterweise sollten wir Piraten aber reflektieren, dass zahlreiche Modelle eines Bedingungslosen Grundeinkommens eben solche Aufstockungsszenarien fördern würden!
Insgesamt glaube ich weniger, dass gewisse Entwicklungen des Arbeitsmarktes zurück gedreht werden können, die Herausforderung wäre eher, die Arbeitnehmer im Umgang mit den neuen Bedingungen zu stärken.
ChW Christian
Als Gewerkschaftsmitglied sträuben sich mir die Haare (obwohl nicht mehr viele da sind). Diese Praxis ist's nichts anderes als Sklavenhandel. Wir müssen dafür sorgen, das sich Arbeit lohnt, Existenzen gesichert sind.
Richard Bertram
Zeitarbeit ist ein wichtiges Instrument für die Arbeitgeber auf Nachfragespitzen kurzfristig reagieren zu können. Die Zeitarbeiter sind aber doppelt benachteiligt: Zunächst sind sie nicht langfristig beschäftigt (das war ja die Absicht), und dann verdienen sie bei dieser Unsicherheit auch noch weniger.
Mein Lösungsvorschlag: Zunächst gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Um die Unsicherheit auszubügeln, sollten die Zeitarbeiter sogar etwas mehr verdienen. Zum Beispiel 10% mehr als ihre festangestellten Kollegen.
Durch diese Maßnahme sollte Zeitarbeit wieder zu seinem eigentlichen Sinn, Nachfragespitzen zu bewältigen, zurückkehren, und nicht mehr versteckte Lohnkürzungen und eine versteckte Drosselung des Kündigungsschutzes darstellen.
Langfristig aber sollte ein BGE dieses Problem am besten lösen.
Thomas Hegenbarth 47 aka thomas_heg
Wir haben uns im Kölner AK bereits intensiv mit dieser Thematik auseinandergesetzt. Vorbereitende Themenabende die man hier in diesem Protokoll http://wiki.piratenpartei.de/NRW:K%C3%B6ln/Kommunalpolitik/Protokoll_141111 nachlesen kann da sie sonst den Rahmen hier sprengen würde. Die weitere Diskussion hat dazu geführt das wir auf der vorletzten KMV folgenden Beschluss gefasst haben:
Eine Subventionierung der Vermittlung in Zeitarbeit durch kommunale Gelder wird abgelehnt
Die Vermittlung von Arbeitssuchenden durch Jobcenter an die Zeitarbeitsbranche über Plattformen wie Zeitarbeitsmessen und das zum größten Teil durch Zeitarbeitsfirmen beschickte „Job-Speed-Dating“ inklusive Vorbereitungsmassnahmen, Coaching und Logistik wird durch kommunale Gelder mitfinanziert. Zeitarbeitsfirmen vermitteln Beschäftigung mit Löhnen bis zu 30% unter Marktniveau; eine Vermittlung durch die Jobcenter an Zeitarbeitsfirmen ist unwirtschaftlich, da die Unterschreitung des Existenzminimums durch staatliche Mittel ausgeglichen werden muss (Aufstockerleistungen nach Alg II). Da nicht im erhofften Maß Festeinstellung über Zeitarbeit erfolgt, droht vielen Arbeitnehmern durch die wirtschaftliche Schlechterstellung und den daraus resultierenden geringen Rentenansprüchen nach der Erwerbsphase Altersarmut bei Bezug von Grundsicherung.
Das Parteiprogramm der Piraten (siehe auch die Positionierung der Kölner PIRATEN zu den Punkten Arbeit & Soziales) bildet die Grundlage der Ansicht, dass Zeitarbeit in der derzeitigen Form eine nicht förderungswürdige, da für den Bürger unökonomische und den sozialen Frieden gefährdende Beschäftigungsform darstellt.
Als besondere Forderung für die Mischveranstaltung „Job-Speed-Dating“ (Auftraggeber: Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen, Regionales Einkaufszentrum Nordrhein-Westfalen für die Leistung Job-Speed-Dating nach Paragraph 46 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 und 3 Sozialgesetzbuch, Drittes Buch, Freihändige Vergabe nach Paragraph 3 Absatz 5 Buchstabe d VOL/A) soll gelten:
- Ausschluss von Zeitarbeitsfirmen unter Beibehaltung der Vermittlungsidee
Zur Begründung(nicht Teil des Antrags):
Zeitarbeit kann unter den derzeitigen Rahmenbedingungen dazu eingesetzt werden, Stammbelegschaften abzubauen und reguläre Arbeitsplätze zu vernichten. Eine Quersubventionierung dieser Beschäftigungsform ist auch unter diesem Aspekt abzulehnen.
JochenLobnig 54 J
Zeitarbeit ist für manche Wirtschaftszweige in Ausnahmesituationen,wie Krankheit einer/s Mitarbeiters/Mitarbeiterin sinnvoll. Sie muss auf ein Mindestmaß beschränkt werden und darf nicht als Regelbeschäftigung gehandelt werden. Die Praxis der so genannten 1€-Jobs gehöhrt abgeschafft, da sie mit einem Abbau regulärer Arbeitsplätze einhergeht. Zur Erhaltung unserer Sozialsysteme sehe ich Zeitarbeit eher kritisch und als ungeeignet an.
DanielC
Eine mögliche Lösung wäre ein Tarifmodell wie in Frankreich, also Tariflohn und eine zusätzliche Flexibilitätszulage. Zeitarbeit hat deutliche Vorteile für die Unternehmen und sollte entsprechend entlohnt werden.
Klaus Hammer
Zeitarbeit, was mal als gute Idee gestartet ist, entwickelt sich immer mehr zum "Hire & Fire" Instrument. Außerdem werden immer mehr Arbeiten mithilfe von Outsourcing und "Taschenspielertricks" von Lohnarbeit zu Stückkosten umgewandelt. (Bsp.: Regale in Supermärkten werden von externen Firmen eingeräumt, die pro Regal bezahlt werden, unabhängig von der benötigten Zeit.)
Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes untergräbt einerseits die Gestaltungsfreiheit von Arbeitsverträgen und die Tarifautonomie. Andererseits werden massenhaft Arbeitnehmer mit Löhnen für ihre Arbeit abgespeist, die an Sklaverei grenzen. Meines Erachtens nach, ist der Mindestlohl nicht der richtige Ansatz um das Problem des Lohndumpings an zu gehen. Mein Vorschlag wäre die Einführung einer Bemessungsgrenze, an der sich die Lohnnebenkosten für Unternehmen anhand des Stundenlohnes berechnen. D.h.: je geringer der Stundenlohn um so höher die Lohnnebenkosten.
Grundsätzlich bin ich Befürworter des BGE. Allerdings habe ich meine Zweifel, ob das BGE auch dieses Problem lösen hilft.
Felix Bosseler aka Fx Textheld
Zeitarbeit ist von der Idee her nicht grundsätzlich schlecht. Arbeitgeber können Auftragsspitzen brechen und stellen zusätzlich Menschen ein, statt dem vorhandenen Personal Überstunden aufzubürden.
Außerdem bekommt sowohl das Unternehmen als auch der überlassene Arbeitnehmer einen Eindruck von Arbeit bzw. der Person. Idealerweise führt das dann in eine Festanstellung.
Der Missbrauch macht die Idee leider kaputt. Durch Verlängerung um Verlängerung um Verlängerung. Dem kann man evtl. über Mindestlöhne entgegenwirken. Evtl. auch mit einem Zuschlag bei überlassenen Arbeitnehmern.
Daniel Horz
Zeitarbeit hat durchaus eine Existenzberechtigung. Und zwar, wenn ein Unternehmen z. B. bei Mitarbeiterausfall oder Auftragsspitzen kurzfristig mehr Mitarbeiter benötigt. Zum Problem wird sie dann, wenn zuwenig gezahlt wird und/oder ein Mitarbeiter trotz langfristiger Beschäftigung nicht übernommen und fest eingestellt wird.
Deshalb sollte der Grundsatz gelten, daß der Arbeitgeber die Flexibilität, die er durch Beschäftigung von Zeitarbeitern gewinnt, auch bezahlen muss. Zum „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ muss ein Zuschlag gezahlt werden, der auch beim Arbeitnehmer ankommt. Also Lohn + Zuschlag + Provision für das Vermittlerunternehmen. Das stellt zwei Dinge sicher: erstens wird Zeitarbeit wirklich nur kurzfristig genutzt, da den Vorteilen der Nachteil höherer Kosten gegenübersteht. Zweitens bekommt der Arbeitnehmer, der durch Zeitarbeit weniger Planungssicherheit über die nächsten Jahre hat, einen Risikozuschlag ausbezahlt.
Mittelfristig müssen zusätzlich die abgeschaffte Höchstdauer eines Zeitarbeitsverhältnisses und das Wiedereinstellungsverbot wieder eingeführt werden.
Michael Levedag 53Jahre
Oh, eine schöne Frage. Da kommt der Linke in mir durch...Aus meiner Sicht muss zumindest die Leiharbeit abgeschafft werden. Die Zeitarbeit muss sehr enge Regeln bekommen, viel engere als heute. Der völlig entfesselte Turbokapitalismus der letzten beiden Jahrzehnte hat beide Instrumente, die gut gedacht waren, einfach radikal missbraucht. Und hier muss die Politik wieder das Heft des Handelns in die Hand bekommen. Es war zwar nicht die Frage, aber ich wäre auch für die Wiedereinführung der sozialen Marktwirtschaft. Im Übrigen ist das, so wie die Frage, Bundesthema. Das müssen wir ab 2013 angehen!