Liquidizer

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Wozu?

Liquidizer ist sowohl ein Umfragetool-, als auch ferner ein Abstimmungstool, das Ergebnisse ebenso historisch wie in Echtzeit liefert.

Wie funktionierts?

Liquidizer basiert auf vorhandenen Systemen aus der Finanzwelt und greift die Idee des politischen Tradings ähnlich des Wettanbieters Tradesports.com auf. Jeder zur Abstimmung berechtigte Pirat oder jedes Mitglied an der Umfrage bekommt X Stimmeinheiten (EH). Diese EH können dann nach Präferenz des Besitzers auf die relevanten Themen allokiert werden und die jeweilige Position oder Gegenposition eingenommen werden. Natürlich können für bestimmte Abstimmungen auch feste EH bestimmt werden, um jeden Teilnehmer das gleiche Stimmgewicht zu geben.

Eine Umfrage könnte in Echtzeit von T(0) an beobachtet werden und eine Abstimmung hätte eine Deadline, ähnlich einem Wahltag.

Probleme herkömmlicher Online-Umfragen

Das Erfassen von akutellen Meinungsbildern beruht in der Regel auf Umfragen. Dabei werden einer bestimmten Gruppe verschiedene Frage zu politischen Themen vorgelegt und das Ergebnis statistisch verwertet. Dieses Verfahren eignet sich nicht für das schnelle Erfassen von politischen Stimmungsbildern. Die Probleme sind im einzelnen:

  • Übergewichtung von Online-Junkies, und anderen die gerne Zeit mit Umfragen verbringen
  • Die Anzahl der auswertbaren Fragen ist gering. Ein ausführlicher Fragenkatalog senkt den Teilnehmerkreis
  • Politische Trends lassen sich kaum erkennen
  • Verschiedene Phasen der Meinungsbildung werden nicht unterschieden. (Spontane Sympathie vs. starke Überzeugung)
  • Ein Moderator ist notwendig um geeignete Fragen auszuwählen.

Vorteile

Der Liquidizer löst diese Probleme. Er ermöglicht es Stimmungsbilder schnell und präzise einzufangen. Gleichzeitig ergeben sich eine Reihe von politischen Analysemöglichkeiten, die bisher nicht bekannte Einblicke in aktuelle Stimmungstrends und Meinungsbildungsprozesse geben können.

  • Akkreditierung einfach durch Allokation von Stimm-Einheiten. Jeder Nutzer hat die gleiche Anzahl an Stimmen.
  • Berechtigte sind einfach bei Abstimmungen zu erkennen und dennoch anonym!
  • Diesselbe Frage kann noch auf Jahre beobachtet werden.
    • Abnahme und Zunahme der Popularität eines Themas. Anders, als bei den "Fragen der Woche".
    • Durch die Anzahl der insgesammt an die Frage abgegebenen Stimmen erkannt man die Wichtigkeit der Frage. Das Stimmverhältnis zeigt die Neigung der befragten Gruppe.
  • Durch die präferenzbedingte Stimm-Allokation lassen sich wirklich "wichtige" Themen erkennen und "Scheinhighlights" können nicht von wenigen Meinungsführern einfach "hochgepusht" werden.
    • Online-Junkies müssen ihre Stimmen bei früheren Fragen wieder abziehen, um an neuen Abstimmungen teilzunehmen.
    • Ist Paris Hilton wirklich für alle sooo interessant, oder wird sie nur durch die Medien als solches dargestellt? Ließe sich leicht durch hohes/geringes Volumen beim Traden erkennen!
    • Dadurch ließen sich auch (neue) Kernthemen der Piraten, bzw. Themen mit hoher Relevanz für die Piraten, am leichtesten indentifizieren.
  • Alle Umfragen laufen in Echtzeit ab; bei Abstimmungen kann man den Graphen aus Gründen der Wahlgesetzgebung ausblenden.
  • Es ist, einmal umgesetzt, extrem billig und verläßlicher als alle anderen Tools.
    • Über "Broker", ähnlich Delegierten, können auch Offline-Lebewesen partizipieren.
    • Es geht hier erstmal um ein parteiinternes Tool.
    • Über Korrelationsanalyse ist es möglich bestimmte Subkulturen zu analysieren. (Z.B. Was meinen Leute, die These Y zustimmen, zur Frage X?)
  • "glaubwürdige" Politiker, da Abstimmungshistorie auf Wunsch abrufbar.
    • Meinungsübereinstimmungen zwischen Nutzern sind schnell erkennbar, falls erwünscht.

Polit-Mashups

Analog zu den Funds aus dem Finanzmarkt, muss es bei dem Liquidizer möglich sein bestimmte Zusammenstellungen an politischen Meinungsbekundungen als neue Frage zu formulieren. Beispielsweise könnte ein Nutzer einen bestimmten Teil seiner Stimmen auf das Mashup "Ich bin Öko" vergeben, anstatt sich einzeln mit den Themen "Atomstrom ja/nein" und "Biomüsli ja/nein" äußern zu müssen. Gelingt es einem Mashup sehr viele Stimmen auf sich zu vereinen, kann er die Einzelfragen in ihrer Bedeutung verdrängen und prominenter in der Frageliste angezeigt werden. Auch wenn ein Mashup keine Stimmen auf sich vereint, bzw. keine Stimmen zulässt, kann er sich dazu eignen Stimmungsbilder von Einzelfragen abzubilden und Fragen zu beantworten wie: "Piraten nehmen Umweltprobleme ernst ja/nein?".

Wie erkläre ich's meiner Mutter

Das folgende fiktive Fallbeispiel soll zeigen wie Mashups in der Praxis eingesetzt werden können

  1. A ist Klingonin. Sie möchte das Verständnis für Klingonen-Interessen in der Partei stärken. Deshalb gestaltet sie ein Mashup, in dem sie zu allen relevanten Fragen eine pro-klingonische Position einnimmt.
  2. B ist Journalist. Er möchte wissen wie sich ein Sieg der Piratenpartei auf die Borg-Klingonische Freundschaft auswirken wird. Er sieht A's Mashup und erkennt schnell das Stimmungsbild, ohne sich auf halbgare Aussagen verlassen zu müssen.
  3. C ist ein Fan klingonischer Kultur. Er vergibt 3 seiner Stimmen auf A's Mashup. Er kann A erlauben seine Stimmen zu verwalten, auch wenn er offline ist.
  4. D ist Kosmopolit. Er gründet das neue Mashup "proIntegration". Er vergibt Gewichte auf vorhanden Mashups wie pro-Klingonen, pro-Borgs, I-love-Humans etc....
  5. K ist Kapitän. Er möchte wissen in welchen politischen Kreisen sich sein Deckoffizier herumtreibt. Auf der Webseite der Piratenpartei findet er "proIntegration" als einen der meist unterstützten Mashups. Er identifiziert sich mit den Idealen und wird Pirat. :-)

Welche Probleme werden gelöst, welche noch bestehen

Da der Liquidizer eine wachsende und nicht moderierte Liste von Fragen zulässt, entstehen einige Probleme, welche ohne Mashups das System schnell schwerfällig machen würden.

  • Redundanzbildung wiederkehrender ähnlicher Fragen
  • Die wachsende Zahl ein Einzelthemen ist für viele schwierig zu überblicken
  • Das permanente Aktualisieren des Abstimmungsprofils verschlingt viel Zeit


Gütekriterien

Entscheidend für die effiziente Verwaltung von Mashups sind klare Kriterien, welche geeignets sind interessante Mashups von Redundanten zu unterscheiden.

  • Hohe Zustimmung Mashups mit starker politscher Zustimmung können dazu dienen das Parteiprogramm zu schärfen und klare Slogans für den Wahlkampf zu formulieren.
  • Hohe Konsistenz Mashups deren politischer Standpunkt zwar kontrovers diskutiert wird, aber von den Kontrahenten konsistent in allen Einzelfragen angenommen oder abgelehnt wird, deuten auf fundamentale Blockbildung hin.
  • Hohe verwaltete Stimmenanzahl Der Maintainer dieses Mashups genießt das Vertrauen vieler Stimmberechtigter, er könnte für ein politisches Amt vorgeschlagen werden.
  • Swing Mashups Der vertretene politische Standpunkt ist in Bewegung. Er gewinnt an Bedeutung, oder es findet ein Umdenken statt. Das Thema sollte frühzeitig in der Presse besetzt werden.

Selbstverständlich lassen sich einige dieser Gütekriterien auch auf Einzelfragen anwenden. Damit wird es dem Nutzer deutlich vereinfacht politisch relevante Fragen zu identifizieren und seine Stimmen effizient aufzuteilen.

Umsetzung

Der Traum besteht im Moment darin, den Liquidizer als Open-Source Software zu entwickeln und auf den Seiten der Piratenpartei zur Verfügung zu stellen. Eine Reihe von Umsetzungsfragen sollten geklärt sein, bevor die Programmierung beginnen kann. Danach muss geklärt werden, ob eine (externe) Finanzierung dafür eingeholt werden kann, oder ob Entwicklungsresourcen im Rahmen von Praktika oder Entwicklungsprojekten an Universitäten dafür gewonnen werden können.

Technische Aspekte

  • Fragen erstellen und verwalten
    • Jeder User sollte neue Fragen in dem System erfassen können. Die Fragen sollten klar mit Ja oder Nein betwortet werden können.
    • Im angeschlossenen Wiki sollten beide Seiten die Möglichkeit bekommen ihren Standpunkt genauer zu erläutern
    • Möglicherweise kann die Anzahl der abgegebenen Stimmen pro Stimmberechtigten festgesetzt oder begrenzt werden.
  • Stimmabgabe
    • Möglich wäre eine kleine Anzahl von Gesamtstimmen (z.B. 10). Bei jeder neuen Frage muss eventuell eine Stimme von einer alten Frage abgezogen werden.
    • Wesentlich flexibler wäre ein Kontinuum an Stimmen, von dem man beliebige Teile auf eine Frage gesetzt werden können. Dies wäre jedoch schwierig von den Usern zu verwalten.
    • Als Kompromiss zwischen den beiden vorgenannten Abgabeverfahren wäre eine automatische Fragengewichtung vorstellbar. Der User bestimmt nur ob ja oder nein. Die Anteil seiner Stimmen, der auf die Frage gesetzt wird, errechnet sich aus einer Formel. Vorstellbar wären gleichverteilt, oder paritätisch gemessen an der Anzahl der von anderen abgegebenen Stimmen.
    • Die Abgabe der eigenen Stimmen erfolgt in der gleichen Weise, wie die Festlegung der Stimmproportionen in Mashups.
  • Stimmauszählung
    • Feedback. Da Mashups gegenseitig auf einander referenzieren können, führt die Stimmauszählung zu einem linearen Gleichungssystem. (In pathologischen Fällen wird dieses unlösbar. Was passiert wenn zwei Mashups sich ausschließlich darüber definieren dem jeweils anderen nicht zuzustimmen?)
    • Stimmneutralisation. Die Stimmverteilung über Mashups kann dazu führen, dass ein User ein Teil seiner Stimmen sowohl für eine Frage als auch gegen eine Frage abgibt. Dieser Stimmenanteil sollte herausgerechnet werden und proportional auf seine übrigen Fragen verteilt werden.
  • Visualisierung
    • Da sowohl Volumen als auch Stimmproportionen angezeigt werden müssen, bietet sich die Chartsysteme vom Finanzmarkt an.
    • Angesichts der vielfältigen Möglichkeit zur Datenanalyse wird schnell Bedarf an weiteren Visualisierungmethoden entstehen.

Bei der Implementierung sollte auf Methoden und Ideen anderer LD-Tool Entwickler zurückgegriffen werden, da die verschiedenen Systeme sich momentan gut ergänzen würden. Liquidizer als "Engine" und Teile von Adhocracy, Votorola, der Grass Root Democracy Machine und Liquid Feedback von Skipper, daß ich leider noch nicht testen konnte, um diesen Problemen Herr zu werden.


Verwandte Ideen

Offensichtlich ist der Liquidizer keine völlig neue Idee. Er setzt die zahlreichen Bemühungen fort Liquid Democracy auf eine technische Plattform zu heben. Möglicherweise geht die Idee des Liquidizers eines Tages in ähnlichen Bewegungen auf. Dennoch erweitert er die bisherigen Ideen. Er könnte die Benutzung vereinfachen und den Nutzerkreis vergrößern.

Adhocracy

Die Idee der Adhocracy kommt der hier vorgestellten Idee wahrscheinlich am nächsten. Die Gemeinsamkeiten sind im einzelnen:

  • Prizipiell können beliebige Fragen, bzw. Motions, von den Nutzern generiert und zur Abstimmung gestellt werden
  • Beide Plattformen zielen nicht auf eine endgültige Entscheidung einer Frage. Fragen können offen bleiben. Ihr Stimmungsbild wird fortwährend beobachtet.
  • Delegation von Stimmen auf mehrere Delegierte ist möglich. Ihre Stimme kann sich ergänzen oder gegenseitig aufheben.
  • Der prinzipielle Konflikt zwischen potentiellen Internetausdruckern, die ihre Stimme nur selten und als grobe Richtungsentscheidung abgeben möchten und den Online-Aktivisten, die sich am liebsten täglich zu Detailfragen äußern würden, kann durch ein Delegiertensystem gelöst werden (Grundidee von Liquid Democracy).
  • Beim Liquidizer geht die Teilnahme an vielen Umfragen in der Regel mit der Reduktion des Stimmgewichts in Einzelfragen einher; ein Problem und ein Vorteil in einem, da man dadurch zur Präferenzbildung gezwungen wird!

Wahl-O-Mat

Auch wenn der Wahl-O-Mat traditionell nicht zu den Liquid-Democracy Systemen gezählt wird, teilt er wesentliche Ziele mit dieser Bewegung:

  • Die Nutzer sollen sich zu Einzelfragen Gedanken machen
  • Das Ziel ist eine Lösung von Parteien und Personen
  • Aus der Meinungsanalyse soll sachliche politische Partizipation folgen

Die hohen Nutzerzahlen des Wahl-O-Mates zeigen, daß ein großer Bedarf an einer solchen Technologie besteht. Mit Hilfe des Datensatzes den ein ähnlich stark frequentierter Liquidizer erzeugen würde, könnte die prinzipielle Funktionalität eines Wahl-O-Maten deutlich verbessert werden.

  • Fragen könnten weniger redundant gestellt werden. Wer z.B. für den Nato-Austritt stimmt, braucht nicht zum Afghanistaneinsatz der Bw befragt werden.
  • Der Benutzer kann entscheiden wieviele Fragen er beantworten möchte.
  • Der Benutzer kann jederzeit wiederkommen und sein Profil verfeinern.

Votorola

Gemeinsamkeiten zum Liquidizer:

  • Keine endgültigen Entscheidungen
  • Kaskadierende Weitergabe von Stimmrechten

Unterschiede:

  • Votorola gibt jedem Stimmberechtigen genau eine Stimme. Er kann nicht mehrere Delegierte gleichzeitig beauftragen. Auch kann dieser seine Stimme nicht themenbezogen auf verschiedene Delegationen übertragen, so wie es der Liquidizer mit den Mashups ermöglicht.
  • Votorola zielt vornehmlich auf die Nominierung von Meinungsvertretern ab. Im Gegensatz dazu dient der Liquidizer hauptsächlich dazu ein allgemeines Stimmungsbild zu erfassen.

Mitarbeit/Interessenten

  1. Dadim
  2. Max WeberII (Ansprechpartner)
  3. Du?

Links

  1. Adhocracy
  2. Adhocracy-Test
  3. Votorala
  4. Votorola-Theorie
  5. Votorola-Home
  6. Grass Root Democracy Machine
  7. Liquid Feedback
  8. Liquid Feedback-Test
  9. Berliner Gedanken zu LD 1
  10. Berliner Gedanken zu LD 2
  11. AG Liquid Democracy
  12. Liquid Democracy e.V.
  13. Benjamin's Blog über Urabstimmungen
  14. Liquid Democracy I
  15. Liquid Democracy II
  16. Liquid Democracy — Anforderungen, Betrieb und Sicherheitsrichtlinien
  17. Followcracy
  18. Liquid Democracy Tour 2009