Diskussion:AG Geldordnung und Finanzpolitik/ThemaUngleichverteilung

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Falscher Ansatz. Es gibt ja keine "objektiv angemessene Austauschrelation" außer der faktisch erfolgenden. Die Idee eines freien Marktes ist, dass nur solche Transaktionen zustandekommen, die für beide Seiten subjektiv von Vorteil sind, d.h. beide gewinnen. Es ist eher die Ausnahme, dass die eine oder andere Seite aufgrund einer Fehlkalkulation im nachhinein den Handel bereut. Ungleichheit entsteht also im idealen Markt nicht speziell durch ungleiches Handelsgeschick, sondern durch allgemein ungleiche Talente und ungleiche Anstrengung, wobei zumindest letzteres ja eine gewisse Ungleichheit legitimiert. Ein gerechtes System hat dementsprechend ein gewisses Maß an Ungleichheit, welches allerdings über die Zeitachse relativ konstant ist, da es immer in ähnlichem Maße Leute gibt, die mehr oder weniger arbeiten usw. Was wir heute sehen, ist aber eine ständig fortschreitende Konzentration des Reichtums, die natürlich nicht zu rechtfertigen ist. Diese sollte aber nicht durch ein ständiges "nachträgliches" Umschichten von Oben nach Unten bekämpft werden, sondern dadurch, dass ungerechtfertigte Akkumulation von Reichtum von vornherein verhindert wird. Dazu muss man die eigentlichen Ursachen, also den Fehler im System erkennen. Und der liegt in der Privatisierung des natürlichen (und deshalb gerechterweise gemeinschaftlichen) Reichtums, so dass dieser proportional zum erarbeiteten Reichtum verteilt wird, anstatt gleich unter allen. Ein BGE, gestaltet als Dividende des natürlichen Reichtums, würde dies korrigieren und die weitere Reichtumskonzentration stoppen, wobei die bestehende sich über kurz oder lang auf das gerechte Maß reduzieren würde. (Bestehender Reichtum kann sich normalerweise jedem Zugriff entziehen, wird aber, wenn er nicht weiter unverhältnismäßig wächst, irgendwann verkonsumiert, ähnlich wie es auch bei einem überschuldeten Staat nur darauf ankommt, das Defizit zu beseitigen, danach werden die verbleibenden konstanten Schulden im Verhältnis zum - normalerweise ja wachsenden - BIP automatisch schrumpfen.) Ben S. 04:48, 17. Jun. 2012 (CEST)


Vielen Dank für deine Kritik, allerdings halte ich sie für nicht ganz richtig. Ich will dies im folgenden erläutern:

"Falscher Ansatz. Es gibt ja keine "objektiv angemessene Austauschrelation" außer der faktisch erfolgenden. Die Idee eines freien Marktes ist, dass nur solche Transaktionen zustandekommen, die für beide Seiten subjektiv von Vorteil sind, d.h. beide gewinnen. Es ist eher die Ausnahme, dass die eine oder andere Seite aufgrund einer Fehlkalkulation im nachhinein den Handel bereut."

Tatsächlich? Wie erklärst du dir, dass über 70% aller neugegründeten Unternehmen nach 5 Jahren pleite sind? Das klingt eher so als würde es die Mehrheit aufgrund einer Fehlkalkulation bereuen - oder hatten die immer schon vor pleite zu gehen? Bei einem Wertpapierhandel halten sich alle Gewinne und Verluste genau die Waage - wie jemand subjektiv seine Entscheidung findet ist dabei egal, objektiv war die eine Entscheidung gut, die andere schlecht.

"Ungleichheit entsteht also im idealen Markt nicht speziell durch ungleiches Handelsgeschick, sondern durch allgemein ungleiche Talente und ungleiche Anstrengung, wobei zumindest letzteres ja eine gewisse Ungleichheit legitimiert. "

Was ist denn deiner Meinung nach der fundamentale Unterschied zwischen "ungleiches Handlungsgeschick" und "ungleiche Talente"? In meinem Ansatz habe ich diese ungleichen Voraussetzungen als "Wahrscheinlichkeit eines Handelserfolges" abstrahiert.

"Ein gerechtes System hat dementsprechend ein gewisses Maß an Ungleichheit, welches allerdings über die Zeitachse relativ konstant ist, da es immer in ähnlichem Maße Leute gibt, die mehr oder weniger arbeiten usw. Was wir heute sehen, ist aber eine ständig fortschreitende Konzentration des Reichtums, die natürlich nicht zu rechtfertigen ist."

Ich will dies an einem ganz einfachen Beispiel erläutern: In der Steinzeit lebt eine Sippe von Jägern, die einmal auf die Woche auf die Jagd gehen. Es gibt dabei 3 mögliche Jagdausgänge:

  1. Sie kehren mit Beute zurück
  2. Sie kehren ohne Beute zurück
  3. Sie kehren gar nicht zurück

Ich denke, es ist völlig offensichtlich, dass die gestorbenen nicht so viele Jagderfolge erzielen können wie die lebenden. Wenn man unterstellt, dass die erfolgreichen Jäger besser genährt und dadurch gesünder sind als die weniger erfolgreichen, dann werden sie wohl "fitter" (im Darwinistischen Sinne sein) und spätestens in der nächsten Generation wird sich ihr höherer Jagderfolg fundamental materialisieren - und zwar in Form zahlreicherer Nachkommen. Die "fitteren" werden sich also immer stärker durchsetzen und die anderen werden schlicht verschwinden - ein in der Natur universelles Prinzip und äußerst ungleichverteilt.

In der Tat hat es sehr viel Ähnlichkeit mit der Poker-Analogie: Einige scheiden aus dem Spiel schlicht aus; früher de facto, heute nur finanziell - immerhin ein Fortschritt.

"Diese sollte aber nicht durch ein ständiges "nachträgliches" Umschichten von Oben nach Unten bekämpft werden, sondern dadurch, dass ungerechtfertigte Akkumulation von Reichtum von vornherein verhindert wird. Dazu muss man die eigentlichen Ursachen, also den Fehler im System erkennen. Und der liegt in der Privatisierung des natürlichen (und deshalb gerechterweise gemeinschaftlichen) Reichtums, so dass dieser proportional zum erarbeiteten Reichtum verteilt wird, anstatt gleich unter allen."

Was ist das anderes als "nachträgliches" Umverteilen? Übrigens, wenn der Reichtum "proportional zum erarbeitenden Reichtum" verteilt wird, dann wird er de facto nicht umverteilt, oder meinst du dass der Gesamtreichtum immer wieder gemäß der Leistung der letzen Periode umverteilt wird?

"Ein BGE, gestaltet als Dividende des natürlichen Reichtums, würde dies korrigieren und die weitere Reichtumskonzentration stoppen, wobei die bestehende sich über kurz oder lang auf das gerechte Maß reduzieren würde. (Bestehender Reichtum kann sich normalerweise jedem Zugriff entziehen, wird aber, wenn er nicht weiter unverhältnismäßig wächst, irgendwann verkonsumiert, ähnlich wie es auch bei einem überschuldeten Staat nur darauf ankommt, das Defizit zu beseitigen, danach werden die verbleibenden konstanten Schulden im Verhältnis zum - normalerweise ja wachsenden - BIP automatisch schrumpfen.) Ben S. 04:48, 17. Jun. 2012 (CEST)"

Wie berechnet sich diese Dividende und was ist der "natürliche Reichtum"?

Patrik74 22:49, 21. Jun. 2012 (CEST)