BY:2009-12-01 - Erklärung zu Aaron Koenig

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Darf der König das?

Ein Medienpirat des Bundesvorstandes soll "frei drehen", er soll polarisieren und zum Diskutieren anregen, dies aber mit Bedacht. Dass es sich hierbei um eine Gratwanderung handelt, wurde in der Politik schon oft genug gezeigt.

Stefan 'Aaron' Koenig, Du schriebst gestern in Deinem Blog:

"In der Mehrheitsentscheidung der Schweizer drückt sich vielmehr ein Unbehagen gegen eine politische Bewegung mit Allmachtsanspruch aus, die die Gleichberechtigung der Geschlechter, die pluralistische Gesellschaft und die Demokratie explizit ablehnt."

Dieser Satz wirkt wie eine Kriegserklärung gegen alle Muslime, nein, gleich gegen Anhänger aller Religionen. Denn er vermengt, wie viele andere konservative Bigotten, Religion, Kultur und deren Missbrauch. Und zieht vor allem falsche Schlüsse: Selbstmordtattentäter der Al-Qaida, die wahllos Menschen in die Luft sprengen sind feige Mörder, was auch jeder Einwohner von Bagdad so sieht. Allerdings unterscheidet ein Bewohner von Bagdad ganz deutlich zwischen Bomben und Minaretten. Doch genau das vermengt die selbstgerechte "Elite" der westlichen neokonservativen Reaktion.

Diese Vermengung führt jedoch auch zu Forderungen gleich das ganze Internet zu verbieten - oder zu zensieren - nur weil es auch verabscheuungswürdige Inhalte gibt.

Wir als Piraten wollen aber die große Chance Internet nicht im Populismus versenken, sondern gerade gegen solche Pauschalisierungen kämpfen. Dafür kämpft auch Aaron König. Wir kämpfen für einen erwachsenen, verantwortlichen, progressiven Umgang.

Aber warum in aller Welt will Aaron König die Chance eines differenzierten Umgangs mit Kultur und Religion zwischen Macht und Missbrauch beantworten wie Kaiser Wilhelm II. ?

Natürlich ist es anstrengend zu differenzieren, zu unterscheiden, zwischen Kulturen und deren positiven wie negativen Ausprägungen.

Sicherlich gibt es muslimische Männer, die Frauen unterdrücken, genauso gibt es aber auch Männer anderer Glaubensrichtungen oder ohne Religionsbekenntnis, die Frauen unterdrücken. Das macht die Sache nicht besser. In keinem Fall jedoch wird der Umgang damit besser wenn wir hier anfangen Stereotypen aufzubauen, Vorurteile zu bekräftigen und existierendes Unrecht auf eine fremde Gruppe zu projizieren, oder: Minarette zu verbieten.

Ein offener Umgang und Dialog zwischen Morgen- und Abendland, die beide ihre Fehler haben, muss auf kritische aber auch selbstkritische Weise erfolgen. Man kann auf politische Verfehlungen bei Menschen-, Bürger- oder Frauenrechten hinweisen. Ein wie auch immer geartetes direktdemokratisches Generalverbot für eine Kultur und dessen Symbole ist aber keine Kritik sondern rabulistische Gewalt.

Die verlinkten Seiten hinter "Hier eine recht gute Sammlung von Zitaten, auf die sich Fundamentalisten gern berufen, um ihre politischen Ansprüche zu legitimieren." sind haarsträubend.

Es werden einzelne Suren hingeworfen. Man kann das als blutrünstig definieren, man kann das aber auch als historische Dokumente betrachten, die im Kontext ihrer Zeit stehen. Den Koran wieder und wieder als den Hort des Bösen zu benennen hört man nur aus äußerst fragwürdigen populistischen Kreisen, die meist mit anderem Hintergrund handeln. Wir glauben immer noch daran, dass Aaron sich hier vergaloppiert hat - wir haben Ihn immerhin mal gewählt.

Der Koran, und das erwähnst -- wohlweislich oder dümmlicherweise -- weder Du, noch deine verlinkte Seite, ist ein religiöses Buch, das genau wie die Bibel einer Interpretation bedarf. Es gibt die islamische Wissenschaft der Korangelehrten, aber es gibt auch "neutralere" Islamwissenschaftler, die dieses Buch auslegen und interpretieren. Sie interpretieren die Gesamtaussage, den historischen Kontext und die Moral dahinter. Kein westlicher Islamforscher würde jemals den Koran als Hort des Bösen bezeichnen - zu solchen Vorurteilen greifen eher rechtsextreme und -populistische Menschen und Organisationen.

Und wem das zu hoch ist, der lese das Neue Testament mit den gleichen Argusaugen, z. B. "Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf Erden; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!" (Lukas 12,49). Nur der geneigte Leser des gesamten Kapitels versteht hier, dass es dabei nicht um das Feuer des Todes sondern des hl. Geistes geht. Also "für etw. brennen". Wer das nicht beachtet, könnte das Christentum ebensogut auf eine Gruppe Pyromanen reduzieren.

Die Litanei erzählt man gern jedem Stammtischbruder in der Hoffnung, dass Aufklärung und Denken doch nochmal wirken. Aber dass man das einem Piraten erzählen muss? Dann muss man sich fragen, was Piraten überhaupt sein wollen. Sind wir die Vertreter des Stammti... Chatboards oder wollen neue wir Menschlichkeit in Gesellschaft und Politik tragen?

Aaron, wir glauben deshalb, dass Deine gestrigen Thesen, wie bereits viele zuvor, bei den Piraten nicht tragfähig sind. Mehr noch: Wir glauben, dass solche öffentliche Bekundungen eines Bundesvorstandes höchst problematisch sind. Selbst wenn Du Deine Aussagen nicht so meinst, wie diese von einer überwiegenden Mehrheit der Leser Deines Blogs verstanden werden, dient das nicht zu Deiner Ehrenrettung - in Deiner Position musst Du Dir Deiner Außenwirkung bewusst sein. Es gehört zu den essentiellen Fähigkeiten des Medienpiraten im Bundesvorstand sich unmissverständlich und verantwortungsbewusst auszudrücken.

Kurz gesagt: Aaron, tritt zurück! Tu dies jetzt - nicht erst, wenn es zu spät ist.

Gezeichnet:

  • Einstimmig der Vorstand der Piratenpartei Deutschland, Landesverband Bayern:
Klaus Mueller, Roland Jungnickel, Michael Schönitzer, Arthur Schibetz, Alexander Bock, Kristian Biss, Markus Gerstel
  • Sowie einzeln Vorstandsmitglieder aller 7 Bezirksverbände Bayerns:
    • Manuel Brandlhuber, Vorsitzender des Bezirksverbands Niederbayern
    • Alexander Philipp, Vorsitzender des Bezirksverbands Oberbayern
    • Benjamin Stöcker, Vorsitzender des Bezirksverbands Oberfranken
    • Johannes Müller, Vorsitzender des Bezirksverbands Unterfranken
    • Achim Ledermüller, Vorsitzender des Bezirksverbands Oberpfalz
    • Stefan Körner, Stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands Oberpfalz
    • Thilo Schumann, Stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands Mittelfranken
    • Kai Mast, Stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands Oberfranken
    • Franz Rauchfuss, Schatzmeister des Bezirksverbands Oberbayern
    • Andreas Geishauser, Beisitzer (polit. Geschäftsführer) des Bezirksverbands Niederbayern
    • Maximilian Weißl, Beisitzer (polit. Geschäftsführer) des Bezirksverbands Oberbayern
    • Markus Heurung, polit. Geschäftsführer des Bezirksverbands Unterfranken
    • Christopher Schirner, polit. Geschäftsführer des Bezirksverbands Oberfranken
    • Dominique Schramm, Generalsekretär des Bezirksverbands Mittelfranken
    • Martin Taukovic, Generalsekretär des Bezirksverbands Schwaben
    • Matthias Pannek, Generalsekretär des Bezirksverbands Oberfranken

Unterzeichnungen

Landesvorstand Bayern

(Unterzeichnete per einstimmigem Beschluss)

Bezirksvorstände Bayern

(einige stehen schon als Einzelunterzeichner im Text)

  1.  ?
  2. ...

Gruppierungen

  1.  ?
  2. ...

Mitglieder, die diese Erklärung unterstützen

  1. Thomas Frömer 13:57, 2. Dez. 2009 (CET)
  2. Andi Z.
  3. Patrick S.
  4. ...

Mitglieder, die diese Erklärung nur teilweise unterstützen

  1.  ?
  2. ...

Mitglieder, die diese Erklärung nicht unterstützen

  1. --WolfgangP 13:50, 2. Dez. 2009 (CET)
  2. ...

Mitglieder anderer Landesverbände, die diese Erklärung unterstützen

  1. MatthiasSchrade (NRW) 13:57, 2. Dez. 2009 (CET)
  2. Thorsten Förster (SH) 14:06, 2. Dez. 2009 (CET)
  3. Daniel Schwerd (NRW) 14:07, 2. Dez. 2009 (CET)
  4. Stephan Tronke (TH) 14:12, 2. Dez. 2009 (CET)
  5. Christopher Lauer (Berlin) 14:14, 2. Dez. 2009 (CET)
  6. Gerald Albe (TH) 14:24, 2. Dez. 2009 (CET)
  7. ...

Mitglieder anderer Landesverbände, die diese Erklärung nur teilweise unterstützen

  1.  ?
  2. ...

Mitglieder anderer Landesverbände, die diese Erklärung nicht unterstützen

  1. Rene D.
  2. ...

Potentielle Wähler, die diese Erklärung unterstützen

  1.  ?
  2. ...

Stellungnahmen

Warum ich diese Erklärung nicht unterstütze

Aarons Blogpost ist auf der einen Seite sehr eindeutig, auf der anderen Seite sehr vielschichtig. Diese tiefe Bedeutung einer rechtspopulistischen Auslegungsmöglichkeit wie sie unsere Vorstände sehen, teile ich jedoch nicht. Es muss möglich sein, sich kritisch zu sensiblen Themen zu äussern, ohne dass einem von der linken politischen Seite sofort die Godwin Keule um die Ohren geschlagen wird. Gut, dies kann man auf vielerlei Arten lesen und auslegen. Was ich jedoch nicht akzeptieren kann, ist eine Stellungnahme mit in meinem Namen als bayerischer Pirat, auf die ich vorher nicht mal ansatzweise Einfluss nehmen konnte. Ich bin daher dankbar, dass diese Wikiseite mir die Möglichkeit mich davon zu distanzieren--WolfgangP 14:04, 2. Dez. 2009 (CET)


Aarons Blogpost spiegelt seine eigene persönliche Meinung wieder. Wir als Piratenpartei fordern seit unserer Gründung das Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Äußerung dieser darf einen Rücktritt nicht begründen. --Rene D.


Warum ich diese Erklärung unterstütze

Hier erläutere ich, warum sich Aaron meiner Meinung nach nicht als Privatperson in der Öffentlichkeit äußern kann: http://schmidtlepp.tumblr.com/post/266206774/warum-aaron-koenig-nicht-als-privatperson-sprechen-kann#disqus_thread Christopher Lauer

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