BE:Squads/Wirtschaft und Umwelt/Energieausflug 2012

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Seit Frühjahr 2012 führt das Squad Wirtschaft und Umwelt der Piratenpartei Berlin eine Exkursionsreihe zum Thema Energiepolitik und Nachhaltigkeit durch. Besucht wird eine Auswahl von Kraftwerksprojekten in Berlin und Umgebung, um im Rahmen einer moderierten Führung einen direkten Einblick in aktuelle und zukünftige Fragen der Energieversorgung zu erhalten.

Die Exkursionen stehen allen interessierten Piraten offen, allerdings sind die Teilnehmerplätze in der Regel begrenzt. Daher sollte man sich zeitig anmelden, sobald die Termine mit den Besucherdiensten feststehen (eine Ankündigung wird über die Ankündigungslisten und Twitter rumgeschickt).

Organisiert werden die Exkursionen von Janhemme vom Squad Wirtschaft und Umwelt.

Hydrothermale Karbonisierung

Energieneutrale Herstellung von künstlicher Braunkohle?

Das Unternehmen SunCoal betreibt in Ludwigsfelde eine Pilotanlage zur Herstellung von "künstlicher Braunkohle" aus kommunalen Grünabfällen und anderen biogenen Reststoffe.

Dazu setzt das Unternehmen einen Prozess ein (hydrothermale Karbonisierung), der den natürlichen, in Millionen von Jahren ablaufenden Prozess der Braunkohle-Entstehung innerhalb weniger Stunden technisch nachahmt. Die seit 2008 bestehende Pilotanlage wurde 2011 für den kundenorientierten Versuchsbetrieb umgerüstet.

HINWEIS: Die Besichtigung findet am Freitag den 02.11.2012 um 14:00 Uhr statt.
  • Treffpunkt: 13:45 Uhr, Haupteingang der SunCoal Industries GmbH in der Rudolf-Diesel-Straße 15 in 14974 Ludwigsfelde (GMaps).
  • Anreise mit dem Auto: Selbstorganisation. Wenn Ihr mit dem Auto anreist und jemanden mitnehmen könnt, vermerkt es bitte hintern Eurem Namen in der Teilnehmerliste.

Teilnehmerliste (begrenzt auf 15 Plätze, tragt Euch bitte nur ein, wenn Ihr wirklich teilnehmen wollt und könnt...)

  1. Janhemme (drei Plätze im PKW, Abfahrt ca. 12:00 Uhr in Berlin-Friedrichshagen: 1. ..., 2. ..., 3. ...)
  2. Ferdinand
  3. GBW
  4. Rainer
  5. Hase eigenes Auto

Müllheizkraftwerk Ruhleben

"Thermische Abfallbehandlung" oder Kreislaufwirtschaft?

Das 2012 moderinisierte Müllheizkraftwerk des städtischen Berliner Entsorgers BSR in Ruhleben erzeugt über 4+1 Verbrennungslinien aus Siedlungsabfällen über 2,3 Tonnen Hochdruckdampf der im benachbarten Kohlekraftwerk Reuter zur Strom- und Fernwärmeerzeugung genutzt wird. Zwar ersetzen Siedlungsabfälle in diesem Fall den klimaschädlichen Primärenergieträger Kohle, allerdings ist die Verfeuerung von Müll weit entfernt von einer Kreislaufwirtschaft.

Auf einem benachbarten Gelände entsteht aktuell eine Fermentierungsanlage mit einer Kapazität von ca. 60.000 t, in der zukünftig aus Bioabfällen Biogas zur Betankung der BSR-Fahrzeugflotte erzeugt werden soll.

HINWEIS: Besichtigt am Fr., 05.10.2012: Das Team des Müllheizkraftwerkes gab uns eine ca. dreistündigen Einblick in die Berliner Abfall- und Kreislaufwirtschaft.

Interessant vor allem hinsichtlich der Veränderungen der letzten Jahre, was Emissionswerte (vor allem Dioxin) anging, aber auch des aktuellen Transformationsprozesses des Abfallsektors – mit allgemein zurückgehendem Siedlungsabfallaufkommen und steigendem Wettbewerb um den Zugriff auf Rohstoffe. Auch neue Rücknahmemodelle wurden diskutiert, ebenso wie die Überarbeitungen der EU- und Bundesgesetze für den Abfallsektor und die Auswirkung der Einführung neuer Wertstofftonnen.

Das Squad sowie weite interessierte Piraten bekamen z.B. auf dem Führerstand des Krans (eine Greifladung entspricht ca. 10t Müll) die Gelegenheit, die Anlieferung, Bunkerung und Verfeuerung des Abfalls zu beobachten und diskutierten mit BSR-Management und Mitarbeitern der Leitstelle über die Zukunft des Standortes und die Herausforderungen, vor denen die Berliner Müllwirtschaft in den kommenden Jahren steht.

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Kraftwerk Uckermark

Windgas als Lösung der Speicherproblematik?

Das 2011 in Betrieb genommene Kraftwerk Uckermark der Enertrag AG in Brandenburg ist eine Hybridkraftwerk-Pilotanlage, in der gegenwärtig mit Windkraft sogenanntes EE-Gas über Wasserstoff-Elektrolyse und die Beimischung von Biogas erzeugt wird.

EE-Gas (oder Windgas) wird zunehmend als Speichertechnologie der Zukunft gesehen, da über Wasserstoffelektrolyse und Methanisierung ein Energieträger erzeugt werden kann, der variabel in das bestehende Erdgasnetz einspeisbar ist, die Speicherproblematik bei erneuerbaren Energien zu lösen vermag und darüber hinaus universal verwendbar ist (sowohl zur Stromerzeugung in hocheffizienten KWK-Gaskraftwerken der neusten Generation, in Gasheizungen oder Erdgasfahrzeugen.)

HINWEIS: Besichtigt am Fr., 31.08.2012: Das Enertrag-Team gab dem Squad sowie unseren Mitstreitern der Brandenburger AG Umwelt einen interessanten Einblick in die Pilotanlage und die Zukunft der EE-Gaserzeugung.

Das Unternehmen ziele aktuell nicht auf die Erzeugung künstlichen Erdgases (inkl. Methanisierung) ab, sondern strebt nach eigenen Angaben die vollständige Umstellung auf eine Wasserstoffwirtschaft an. Die Pilotanlage diene zum Durchlaufen der Lernkurve und produziere aktuell vor allem Wasserstoff für Tankstellen von Total und Shell.

Einen Teil vermische Enertrag mit Biogas (Methan) zur Strom- und Wärmeerzeugung in einem Blockheizkraftwerk für eine nahegelegene Wohnsiedlung. Der bei der Elektrolyse anfallende Sauerstoff werde in die Außenluft entlassen, da er zur Zeit noch nicht rein genug für die industrielle Verwertung sei. Leider konnten wir aus Brandschutzgründen nicht in der Pilotanlage fotografieren, da alle Geräte ausgeschaltet werden mussten.

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Netzleitstelle Berlin

Wer betreibt ab 2014 das 35.000 km lange Berliner Stromnetz?

Die Konzession des Unternehmens Vattenfall für den Betrieb des Berliner Stromnetzes läuft 2014 aus. Neben dem bisherigen Betreiber gibt es mittlerweile weitere Interessenten, u.a. den Berliner Energietisch, der für eine Rekommunalisierung eintritt und zu diesem Zweck ein Volksbegehren initiiert hat, sowie die Bürgerenergie Berlin Genossenschaft in Gründung, die sich für eine Genossenschaftslösung ausspricht.

Beide Initiativen haben im Squad ihre Vorhaben vorgestellt (die Berliner PIRATEN unterstützen aktuell per positivem Meinungsbild im LQFB den Energietisch) und Vattenfall hat uns bei der Kraftwerksbesichtigung (s.u.) angeboten, die Netzleitstelle zu besuchen, zu deren Aufgeben u.a. die Überwachung und Steuerung des Betriebszustandes des Verteilungsnetzes für das gesamte Berliner Stadtgebiet sowie die Koordinierung der Störungsbehebung gehört.

HINWEIS: Besichtigt am Fr., 09.07.2012, Pressemitteilung hier: "Piraten diskutieren die Zukunft des Berliner Stromnetzes"

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Kraftwerk Klingenberg

Von der Kohleverstromung zur EEG-geförderten Verstromung von afrikanischen Holzschnitzeln?

In dem zwischen Spree und dem Bahnbetriebswerk Berlin-Rummelsburg gelegenen und zuletzt 1965, 1974 und 1987 modernisierten Kraftwerk Klingenberg des Versorgers Vattenfall wird aktuell Braunkohle aus den Tagebauen um Cottbus für die Grundlast verstromt.

Ab 2016 sollen zwei mit jährlich 700.000t Holzschnitzeln aus Liberia betriebene Biomasse-Blöcke und ein KWK-Gaskraftwerk die Kohleverstromung ablösen (Vgl. hierzu den vom Squad Wirtschaft und Umwelt für die AGH-Fraktion der PIRATEN erarbeiteten Änderungsantrag "Biomasse-Importe", DS 17/0196-1)

HINWEIS: Besichtigt am Sa., 26.05.2012: Vor Ort wurde uns von Vattenfall mitgeteilt, dass das Unternehmen mittlerweile von den Liberia-Plänen Abstand genommen hat. Allerdings plant der Betreiber nach eigener Aussage nach wie vor mit Biomasseimporten, um die mit dem Senat vereinbarten CO2-Ziele zu erreichen und die Wirtschaftlichkeit des Neubauprojektes sicherzustellen zu können (vor allem hinsichtlich der benötigten Emmissionsrechte.)

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Ausblick

Auch wenn es aktuell eher unwahrscheinlich ist, könnte man auch noch Braunkohletagebau in der Lausitz einen Besuch abstatten, um sich die massive Zerstörung der Umwelt einmal näher anzusehen.

Der Solarpark Lieberose auf einem ehemaligen, durch Munitionsreste kontaminierten Truppenübungsplatz in Brandenburg, ist mit einer Nennspitzenleistung von ca. 50MW und einer Fläche von 162 Hektar eine der größten Photovoltaikanlagen der Welt und das größte Solarkraftwerk Deutschlands. Die 500.000 m2 Dünnschichtmodule wurden von First Solar hergestellt und vom Projektentwickler Juwi verbaut.

Anregungen und Ideen sind selbstverständlich willkommen...