BE:Parteitag/2013.1/Bewerber/janhemme/Fragen-Antworten
Inhaltsverzeichnis
Eure Fragen, meine Antworten
Auf dieser Seite könnt Ihr mir Eure Fragen stellen. Ich versuche, so schnell wie möglich zu antworten.
Bitte schaut Euch auch meine Antworten auf den Pirat-o-Mat-Fragenkatalog an. Vielleicht habe ich Eure Frage ja bereits beantwortet...
Wenn Ihr Eure Fragen hier stellt, kann ich sie für alle sichtbar beantworten. Ihr könnt mir aber auch einfach Eure Frage per Mail schicken oder mich auf Twitter oder Dienstags im Kinski ansprechen. Ich stehe Euch gerne Rede und Antwort.
Fragen
Frage: Du?
Frage von Georg Nägle: Würdest Du einem System zustimmen, in dem die Mehrheit der Geldmenge durch meist private, auch profitorientierte Unternehmen produziert und verteilt wird und nicht durch staatliche Organe?
- Antwort: Ich.
Fragen von F0O0
Hallo Jan.
Ich habe einige Fragen, die ich gern stellen würde. Oder die andere Menschen stellen wollen. Ich hab da ein pad, wo jede ihre Frage eintragen kann. Solange die Fragen neutral und respektvoll an alle Kandidatinnen gestellt werden. Es sollen sachliche Fragen zur Frage "Warum willst du in den Bundestag?" sein. Sollte ich also später noch weitere Fragen stellen, sind die auch aus diesem pad. Fragen von mir sind mit einem * am Ende gekennzeichnet. Stephan
Wie lange hast du dich mit deinem möglichen zukünftigen Arbeitsumfeld schon auseinandergesetzt? (Gern eine Angabe in Stunden, die du dich mit dem Thema beschäftigt hast)*
- Durch mein Studium, meine berufliche Tätigkeit und nicht zuletzt durch das intensive politische Engagement in unserer Partei kenne ich die politischen Entscheidungs- und Meinungsbildungsprozesse im Bundestag und habe mich natürlich auch mit der Rolle der Bundestagsabgeordneten und dem Arbeitsumfeld auseinandergesetzt. Es ist daher schwierig, dies in Stunden anzugeben.
- Im Umgang mit dem parlamentarischen Instrumentarium bin ich geübt und bringe dieses Wissen heute schon in meiner politischen Arbeit für die Partei ein (z.B. durch das Verfassen von kleinen Anfragen, großen Anfragen oder Entschliessungsanträgen im AGH). Ich kenne mich mit dem Gesetzgebungsprozess detailliert aus – das umfasst auch den Teil, den man nicht unbedingt auf Wikipedia oder in Sozialkundebüchern findet.
- Durch meinen familiären Hintergrund (meine Mutter war in Niedersachen zehn Jahre lang Landtagsabgeordnete für die Sozialdemokraten), kenne ich zudem auch vieles aus der Lebenswelt von Parlamentarier_innen aus erster Hand – auch die Aufgaben und Herausforderungen, die man sich nicht ohne weiteres anlesen kann.
- Im November 2012 habe ich außerdem im Abgeordnetenhaus bei Philipp Magalski hospitiert, um einen tieferen Einblick in die Tätigkeiten eines Abgeordneten und das Arbeitsumfeld zu erhalten und Gespräche über spezifische Fragestellungen meinerseits zu führen.
Weißt du schon welche Ausschüsse du gern besetzen möchtest?*
- Ja, ich habe mir über diese Frage bereits Gedanken gemacht.
- Ich würde die Piratenpartei gerne im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie, im Umweltausschuss sowie im Ausschuss für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vertreten, da diese Kombination meine Themenschwerpunkte gut abbildet und die Anträge aus diesen Bereichen einen dieser Ausschüsse durchlaufen (federführend oder mitberatend).
- Der Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung wäre auch schön, um direkt an den Transparenzaspekten des Bundestages (z.B. Lobbyregister, Offenlegung von Nebeneinkünften, öffentlich tagende Ausschüsse) arbeiten zu können.
- Unsere Kandidat_innen sollten allerdings darauf gefasst sein, dass sie ihre Wunschausschüsse möglicherweise gar nicht bekommen, da dies innerhalb der Fraktion festgelegt wird und es darüber hinaus sein kann, dass der kommende Bundestag den Zuschnitt der Ausschüsse verändert (einige sind allerdings von Grundgesetz vorgeschrieben...). Als Generalist bin ich in der Lage, mich bis zu einem gewissen Grad in jedes Themenfeld einzuarbeiten.
Weißt du, wie oft und wann deine Lieblingsausschüsse tagen?*
- Ja, die Ausschüsse treffen sich in der Regel mittwochs in den Sitzungswochen (vormittags oder nachmittags.) In seltenen Ausnahmefällen auch mal an anderen Tagen (dann in der Regel montags oder freitags.) Da die Sitzungswochen für die MdBs straff durchgetaktet sind, würde es sonst zu Terminkonflikten kommen (die Landesgruppen der Fraktionen treffen sich z.B. in der Regel montags. Dienstagvormittags treffen sich zunächst die Fachpolitiker_innen und dann nachmittags die Fraktion. Mittwoch ist Ausschusstag, später am Mittwoch sowie Donnerstag und Freitagvormittag geht es für die MdBs ins Plenum). Die Anwesenheit in den Ausschüssen variiert, da es teilweise Überschneidungen bei den Sitzungsterminen gibt (darum ist es wichtig, dass wir sowohl gute Leute als Mitglieder_innen aber auch als Stellvertreter_innen in die Ausschüsse entsenden und zuverlässige Berichterstatter_innen für die Gesetzesentwürfe benennen.)
Hast du sie schon besucht oder anderweitig verfolgt und kennst die aktuell behandelten Themen?*
- Es würde mich sehr wundern, wenn Bewerber Ausschusssitzungen im Bundestag besucht hätten, da diese leider nicht öffentlich sind (das müssen wir übrigens ändern!) Es ist allerdings möglich, Expertenanhörungen in den Ausschüssen zu besuchen (dort ist die Öffentlichkeit glücklicherweise zugelassen) und ich habe bereits Anhörungen im Wirtschaftsausschuss (zur TKG-Novelle) und im Umweltausschuss (zum EEG und zum Netzausbau) besucht (die Ausschüsse im Berliner Abgeordnetenhaus tagen zum Glück öffentlich und dort besuche ich regelmäßig Ausschusssitzungen.)
- Ich schaue regelmäßig in die Tagesordnungen, da dort natürlich Themen dabei sind, die mich interessieren und die auch für meine bisherige politische Arbeit in der Piratenpartei relevant sind (auswendig kenne ich die TOs natürlich nicht...).
- Ansonsten schaue ich regelmäßig den Livestream der Bundestagsplenarsitzungen, besuche im AGH das Plenum, Ausschüsse (s.o.) und die Fraktionssitzungen oder Besuche Plenarsitzungen im Bundesrat (wenn dort relevante Anträge, wie z.B. die EU-Datenschutznovelle, das TKG oder das Meldegesetz behandelt werden).
Stichwort Tranzparenz (ja ich schreib das immer so): Hast du schon Ideen oder Konzepte, wie du deine Arbeit im Bundestag transparent gestalten wirst?*
- Sollte ich von Euch auf der AVB nominiert und im September 2013 in den Bundestag gewählt werden, plane ich meine Tätigkeit nach dem Prinzip des gläsernen Abgeordneten sorgfältig und nachvollziehbar auf meiner Abgeordnetenwebseite zu dokumentieren. Dazu gehört neben der Darstellung dessen, was ich im Bundestag konkret mache und gemeinsam mit Euch inhaltlich anstoße, z.B. auch die konsequente Offenlegung der unvermeidlichen Kontakte mit Interessenvertretern und die Offenlegung meiner Einkünfte (wobei ich Nebentätigkeiten ablehnend gegenüberstehe, da aus meiner Sicht das Mandat im Mittelpunkt der Abgeordnetentätigkeit stehen muss!). Ich plane außerdem meinen Kalender zu veröffentlichen und eine Online-Sprechstunde anzubieten, da ich als Fachpolitiker bundesweit ansprechbar sein möchte.
- Da ich der Meinung bin, dass wir auch die Offline-Generation mitnehmen müssen, werde ich in den sitzungsfreien Wochen eine regelmäßige Bürger_innensprechstunde anbieten.
- Wir sind in Berlin in der komfortablen Situation, nicht erst durch halb Deutschland in den Wahlkreis zurückreisen zu müssen. Dieses sollten wir sinnvoll für die Kommunikation mit der Basis nutzen: in der sitzungsfreien Zeit plane ich daher a) weiter ein Squad aus meinem Themenbereich zu besuchen und b) wöchentlich einer Crew einen Besuch abzustatten, um dort Rede und Antwort zu stehen und für Kritik und Anregungen/Initiativen ansprechbar zu sein (ebenfalls leider nur den sitzungsfreien Wochen möglich.)
- Die von mir fest geplante, enge inhaltliche Arbeit mit den entsprechenden Bundes-AGs und Berliner Squads über MLs und Pads (diese Arbeitsweise hat sich im SquadWU bereits bewährt), sowie der konsequente Einsatz von Liquid Feedback bei eigenen parlamentarischen Initiativen, werden ebenfalls zur Transparenz beitragen und den Kommunikationskanal zur Parteibasis offenhalten.
Was genau verstehst du unter Tranzparenz?*
- Ich verstehe unter Transparenz in erster Linie die Offenlegung des Politikprozesses und seiner Ergebnisse. Mensch muss sich zu jeder Zeit selbst ein Bild von der Tätigkeit der Parlamentarier_innen und der Regierung machen können und in der Lage sein, die Grundlagen der politischen Entscheidungen nachzuvollziehen. Der Bundestag ist ein sogenanntes „Arbeitsparlament“ und ich bin der Meinung, dass es möglich sein muss, den Volksvertreter_innen bei der Arbeit zuzusehen und, dass die Dinge eben nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert werden sollten.
- Das gilt für den parlamentarischen Prozess (nach meiner Ansicht müssen die BT-Ausschüsse endlich öffentlich tagen!), aber auch für die Fraktionen, die Fachpolitiker_innenrunden und die einzelnen Abgeordneten – ich lege diese Maßstäbe auch an mich selbst an.
- Das Streben nach mehr Transparenz treibt mich an und ich möchte mit meiner Arbeit dazu beitragen, dass wir nach den BVVs und dem AGH auch im Bundestag einen Mentalitätswandel anstoßen können.
Stichwort Arbeitgeberin: Du wirst im Bundestag nicht nur Abgeordnete, sondern auch Arbeitgeberin sein. Inwieweit hast du dich auf diesen Aspekt deiner möglichen zukünftigen Tätigkeit vorbereitet?*
- Ich habe bereits Mitarbeiter geführt und eingearbeitet. Ich habe mich damit auseinandergesetzt, was es bedeutet, als MdB Personalverantwortung für einen Mitarbeiter_innenstab tragen zu dürfen. Es ist mir wichtig, dass wir als Team Ergebnisse liefern, aber gerade in einer Organisation wie der Piratenpartei, mit flachen Hierarchien und verteilter Verantwortung, muss das MdB-Team gemeinsam funktionieren.
- Ich möchte ausdrücklich nicht top-down führen. Damit wird das gesamte Team hinsichtlich Arbeitsbelastung und Stress entlastet: die Mitarbeiter_innen haben schliesslich auch ein Privat- und Familienleben. Es liegt auch in meiner Verantwortung, meine Abgeordnetenarbeit so zu strukturieren und Aufgaben so zu delegieren, dass das gesamte Team in der Lage versetzt wird, die Aufgaben eigenverantwortlich zu erledigen, ohne, dass das Privatleben darunter leidet.
- Mir ist klar, dass ich, wenn ich wie von mir geplant, die Basis und die Squads/AGs in die Abgeordnetätigkeit einbinden möchte, dafür sorgen muss, dass auch Menschen die nicht zur Zeitelite gehören an der politischen Arbeit teilhaben können. Das bedeutet, dass mein Team und ich Euch proaktiv in unseren Arbeitsprozess integrieren müssen. Dies wird eine besondere Herausforderung sein, die ich proaktiv angehen werde, über Pads, Mailinglisten der Squads/AGs (passive Komponente: vor allem bei Anträgern anderer Fraktionen) und zusätzlich ergänzt um Liquid Feedback (aktive Komponente: bei parlamentarischen Initaitiven die wir gemeinsam anstoßen).
- Der von Dir angesprochene Aspekt liegt mir sehr am Herzen, da MdBs auf ein motiviertes und funktionierendes Team angewiesen sind. Solltet Ihr mir Euer Vertrauen aussprechen und mich auf einen aussichtsreichen Listenplatz wählen, werde ich mich spezifisch zu diesem Thema weiterbilden und dieses Wissen mit anderen Kandidat_innen teilen – gerne durch die Organisation eines Workshops mit Fachleuten , ehemaligen MdBs und/oder Mitarbeiter_innen.
Ehrliche Frage, die ich gern ehrlich beantwortet hätte: Bewirbst du dich auf eine Kandidatur des Geldes wegen?*
- Nein. Was mich antreibt, ist die politische Arbeit selbst und das Mitgestalten des lange überfälligen Modernisierungsprozesses der Politik.
- Wer wegen des Geldes in den Bundestag will, hat sich nicht mit dem Tätigkeitsprofil eines MdBs auseinandergesetzt. Die Belastung für Privat und Familienleben durch die extrem zeitaufendige MdB-Tätigkeit, die Beobachtung durch die Öffentlichkeit (und die zu Recht kritische Piratenbasis!) wird durch das Geld bei weitem nicht aufgewogen, das kann ich aus meiner eigene Erfahrung als Sohn einer engagierten Landtagsabgeordneten bezeugen! Dazu ist die berufliche Zukunft nach vier Jahren Mandatstätigkeit mehr als unsicher. Und: in einer Beratungsfirma würde ich bei vergleichbarem Aufwand ähnlich verdienen.
Nenne einen Programmpunkt aus dem Bundeswahlprogramm und erkläre ihn in 3 Sätzen.
- Joa, dann nehme ich doch am besten gleich mal die beiden Themenkomplexe des Wahlprogramms, die ich selbst geschrieben habe...
- Datenschutz: (1) Wir setzen uns für die sparsame Erhebung, zweckgebundene Verarbeitung sowie die eingeschränkte Weitergabe von personenbezogenen Daten ein. (2) Dein Recht, grundsätzlich selbst über die Preisgabe und Verwendung Deiner Daten zu bestimmen, soll gestärkt, Verstöße sanktioniert und Datenhandel eingedämmt werden. (3) Du musst dich darauf verlassen können, dass von staatlicher Seite mit Meldedaten verantwortungsvoll umgegangen wird und, dass verdachtsunabhängige Datenspeicherung unterbleibt.
- Transparenz und Antikorruption: (1) Wir fordern die Offenlegung der Einflussnahme von Interessensverbänden und Lobbyisten auf politische Entscheidungen, um den demokratischen Prozess zu schützen und Transparenz im politischen Alltag dauerhaft zu etablieren. (2) Du sollst Dir selbst ein Bild machen können, wie und warum politische Entscheidungen zustande kommen und gekommen sind. (3) Um dieses Ziel zu erreichen, müssen z.B. Nebeneinkünfte von Mandatsträger_innen offengelegt, Abgeordnetenbestechung strenger als bisher bestraft und ein verpflichtendes Lobbyregister eingeführt werden.
Wie stehst du zur Vermögenssteuer?
- Da ich der Meinung bin, dass in Deutschland Vermögenswerte im Vergleich zu Erwerbseinkommen aus Arbeit zu gering belastet werden, bin ich für die Aufhebung der Aussetzung der Vermögenssteuer (das Vermögensteuergesetz wurde 1997 lediglich ausgesetzt aber nicht aufgehoben!). Dem steht aus meiner Sicht auch nichts entgegen, denn das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil von 1995 lediglich die damals bestehende Besserstellung von Immobilien gegenüber anderem Vermögen beanstandet.
- Durch eine Harmonisierung der Vermögensabgaben auf europäischer Ebene könnte man zudem Steuerflucht (wie z.B. aktuell aus Frankreich nach Belgien) entgegenwirken.
Wie stehst du zum Thema Umverteilung?
- Für mich misst sich wirtschaftlicher Erfolg nicht nur an ökonomischen Parametern wie der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes oder dem Beschäftigungsstand, sondern auch an gesellschaftlichen Größen wie z.B. Verteilungsgerechtigkeit. Nur durch einen gewissen Grad an Umverteilung kann das Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe garantiert werden, z.B. durch das BGE (die Sozialpflichtigkeit des Eigentums hat in Deutschland übrigens bereits seit 1919 Verfassungsrang...).
- Mehr zu meinen wirtschaftspolitischen Grundüberzeugungen findest Du im Wirtschaftsprogrammantrag, den ich auf dem letzten Bundesparteitag eingereicht und am Rednerpult vorgestellt habe: hier.
Wie stehst du zur Frauenquote?
- Für mich misst sich Mensch an Wort und Tat, nicht am Geschlecht.
Wie stehst du zur Extremismusklausel?
- Die Extremismusklausel der Bundesregierung gehört schleunigst abgeschafft, da sie unbestimmt ist, pauschalisiert und Projekte zur Demokratieförderung schädigt.
Wie stehst du zu Feminismus?
- Gleichberechtigung der Frau und Sexismusbekämpfung sind wichtige und erstrebenswerte Ziele – in allen gesellschaftlichen Bereichen. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass auch andere gesellschaftliche Gruppen benachteiligt werden und, dass in unserer zunehmend heterogenen Gesellschaft Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Formen der Diskriminierung bestehen, die wir gemeinsam überwinden müssen.
Welche politische Richtung siehst du in der Partei am meisten vertreten?
- Die Piratenpartei ist aus meiner Sicht eine Partei, die linke Positionen, z.B. in der Sozial- und Wirtschaftspolitik, mit technolibertär-freiheitlichen Überzeugungen verbindet, z.B. in der Netz- und Bildungspolitik. Was alle Flügel und Landesverbände einigt, ist der Schutz der freiheitliche-demokratischen Grundordnung und ein tolerantes Miteinander.
Wo siehst du unsere Partei in 5 Jahren?
- Ich habe meine Glaskugel leider gerade verlegt und Dein Zeitmaschinen-Antrag ist in Bochum ja leider nicht durchgekommen...
- Jetzt im Ernst: ich hoffe, dass es uns in der kommenden Legislaturperiode gelingt, die anderen Parteien im Bundestag soweit unter Druck zu setzen, dass wir einige unserer Kernforderungen aus dem Wahlprogramm umgesetzt bekommen, ohne dass wir in unserer Haltung und offenen Arbeitsweise korrumpiert werden oder unseren Humor verlieren. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingen wird und bereit, meinen Teil zu leisten.
Mußt du Begriffe, wie Lookism, Ableism, cisgender und ähnliche Begriffe googlen?*
- Cisgender musste ich googlen, die beiden Diskriminierungsmechanismen nicht... Andere Fachbegriffe aus dem akademischen Diskurs der Sozialpsychologie bzw. Genderforschung müsste ich wahrscheinlich eher nachschlagen.
"Fachwissen-Check" von Piratos
Wirtschaft scheint Dein Schwerpunkt zu sein, erkläre bitte:
- Warum zahlt eine Bank Guthabenzinsen?
- Was genau ist „böse“ am Zins in unserem Geldsystem?
- Welchen Effekt hat „Sparen der Privaten“ für die Volkswirtschaft?
- Bei der Betrachtung des Bundeshaushaltes - was ist der politische und wirtschaftliche Unterschied zwischen „Sparprogrammen“ und „Kürzungsprogrammen“ im Bundeshaushalt?
--Piratos 01:36, 3. Jan. 2013 (CET)
Warum zahlt eine Bank Guthabenzinsen?
- Bringt Mensch sein Geld zur Bank, verschiebt er seinen Konsum und das wird durch Guthabenzinsen entlohnt/belohnt. Zinsen sind gewissermaßen eine Vergütung der entgangenen Liquidität, der Opportunitätskosten/des Konsumverzichts und zum Teil auch eine Vergütung des Rückzahlungsrisikos.
- Nachfrage: Warum belohnt eine Bank meinen Konsumverzicht? Was hat die Bank davon? Piratos 03:59, 6. Jan. 2013 (CET)
- Die Bank kann mit dem Geld "arbeiten": d.h. es investieren, ihrerseits verleihen oder davon z.B. die Löhne, Schreibtische oder Kugelschreiber ihrer Angestellten bezahlen.
- Sorry, das ist falsch beantwortet
- 1. Kugelschreiber belasten das Eigenkapital einer Bank, nicht die "Einlagen der Kunden"
- 2. "weiter verleihen" darf die Bank "Dein Geld" auch nicht, dass war mal so in den 1960er Jahren, mit der Einführung des Girokontos für jedermann werden neue Kredite per Bilanzverlängerung neu geschöpft, "Einlagen" sind nicht nötig, um Kredite zu vergeben (siehe Bundesbank Unterlagen S. 70 "Geld und Geldpolitik"[1]
- 3. "arbeiten" kann die Bank nicht mit ihrer "Schuld" = unser Geld (Passivseite der Bankbilanz). Erklärung: Handelt eine Bank mit einer anderen Bank benötigt Sie Zentralbankgeld (Aktivtausch), handelt die Bank mit einer Nichtbank (uns) erzeugt sie das Geld (Aufkauf von Aktiva = Bilanzverlängerung) oder vernichtet unsere Geld bei Verkauf von Aktiva = Bilanzverkürzung. Mit unserem Geld (unser Einlage/gespartes Geld) bei der Bank hat beides nichts zu tun.
- Es bleibt die Frage offen, warum zahlt eine Bank Guthabenzinsen? Hast Du noch eine andere Idee?
- Piratos 18:01, 10. Jan. 2013 (CET)
Was genau ist „böse“ am Zins in unserem Geldsystem?
- Am Zins ist grundsätzlich überhaupt nichts „böse“. Anders als von Zinskritikern behauptet, führen Zinsen weder zu einer exponentiellen Steigerung der Geldmenge, noch blähen sie die Wirtschaft auf, da sie aus dem regulären Geldkreislauf gedeckt werden.
- Finanzkrisen und Spekulation werden durch wirksame Finanzmarktregulierung unterbunden, ganz sicher nicht durch ein Zinsverbot.
- Nachfrage: Hältst Du die Umverteilungsfunktion nicht für problematisch ("böse")? Piratos 03:59, 6. Jan. 2013 (CET)
- Die Antwort auf die Frage nach meiner Meinung zur "Umverteilung" findet Du hier
Welchen Effekt hat „Sparen der Privaten“ für die Volkswirtschaft?
- In der geschlossenen Volkswirtschaft dient die private Ersparnis dem Aufbau eines produktiven Kapitalstocks (mathematisch ausgedrückt: S^p = I – [T – G]). Der Effekt ist eine Produktivitätssteigerung der übrigen Produktionsfaktoren. Privates Sparen führt damit zu höheren volkswirtschaftlichen Erträgen (in offenen Volkswirtschaften kann der Kapitalstock allerdings auch durch den Erwerb von Auslandsvermögen (NX) erhöht werden, ohne die inländische (private) Ersparnis zu verändern.)
Bei der Betrachtung des Bundeshaushaltes - was ist der politische und wirtschaftliche Unterschied zwischen „Sparprogrammen“ und „Kürzungsprogrammen“ im Bundeshaushalt?
- Ob man staatliche Ausgabenkürzungen im politischen Diskurs als „Sparprogramm“ oder „Kürzungsprogramm“ bezeichnet, ist zunächst einmal eine politische Wertung durch semantische Rahmung.
- Volkswirtschaftlich gesehen, ist die staatliche Ersparnis (in der Antwort auf Deine vorherige Frage mit T – G bezeichnet) einfach die Differenz aus Einnahmen (T) und Ausgaben (G) des Staates. Die staatliche Ersparnis kann positiv (Budgetüberschuss) oder negativ sein (Defizit) und im engeren volkswirtschaftlichen Sinn besitzt der Begriff „Sparprogramm“ daher eine gewisse Unschärfe, da damit auch die Erhöhung der staatlichen Ersparnis T – G gemeint sein könnte. Wenn ein Defizitabbau angestrebt wird, sollte man daher besser von Ausgabenkürzungen sprechen (im Sinne der von Dir angesprochenen „Kürzungsprogramme“).
Gender-Fragen von sospirati (no offense)
Was sagst Du zu dem Umstand, dass das Geschlechterverhältnis der Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus 14 Männer zu einer Frau ist?
Befürwortest Du angesichts der Tatsache, dass ungefähr die Hälfte aller WählerInnen weiblich ist, grundsätzlich Listen mit einem ausgeglichenen Geschlechterverhältnis von 50:50?
Du führst auf die Frage nach Deiner Einstellung zu Feminismus an, man dürfe nicht vergessen, dass in unserer Gesellschaft auch andere Gruppen benachteiligt werden. Welche Gruppen meinst Du und auf welche Weise unterstützt Du diese anderen Gruppen? Glaubst, dass Engagement für benachteiligte Gruppen nur nach einer bestimmten Rangfolge geschehen darf bzw. glaubst Du, dass es anderen benachteiligten Gruppen schadet, wenn man sich für Frauen einsetzt?
Wärest Du bereit, Deine persönlichen Ambitionen etwas zurückzustellen, wenn dafür qualifizierte Frauen auf die aussichtsreichen Listenplätze 1-4 gewählt würden?