BE:Parteitag/2013.1/Bewerber/Upohl32
Inhaltsverzeichnis
Wie ich wurde, was ich bin
Manchmal werde ich gefragt: "Ist Ihre Behinderung angeboren oder erworben?" (übrigens auch von Krankenschwestern und die müssten es eigentlich besser wissen). Wenn dann meine Antwort "angeboren" lautet, kommt oft die Antwort "Na, dann sind Sie ja daran gewöhnt, dann ist es ja nicht so schlimm!"
Ich finde, das ist eine ziemlich einfältige Antwort. Sicher, es gab nie diesen Tag X, aber ich bin mir der Grenzen, die mir die Behinderung auferlegt, durchaus bewusst.
Ich bin geboren in einer Zeit (in den 70ern), in der der Weg eines behinderten Kindes vorbestimmt war, vorbestimmt von Sondereinrichtungen, Therapien und Experten, Experten in weißen Kitteln, Psychologen, Therapeuten, Sonderpädagogen.
Und so kam es dann auch:
Schule, Internat und beinahe noch Berufsbildungswerk - alles familien- und wohnortfern.
Viel Kinderklinik, wenig Kindheit. Laufen wie alle anderen, funktionieren wie alle anderen - das war das Ziel.
Fast 30 Operationen, ca. 60 Krankenhausaufenthalte zeugen von dem zum Teil verständlichen Wunsch nach Heilung und Verbesserung. Nicht in allen Fällen war es mein Wunsch, sondern auch der von Ärzten und Therapeuten, die der medizinische Ehrgeiz packte.
Das war es, was ich "gewöhnt" war.
Das alles ist zum Glück lange her und wird auch nie wieder so sein! Für hoffentlich bald niemanden mehr.
Deshalb kandidiere ich!
Dafür brenne ich:
- I wie intelligente, unperfekte Lösungen zum Nutzen möglichst vieler
- N wie neugierig auf unterschiedliche Menschen und Lebensentwürfe
- K wie kompetente, barrierefreie Informationen und Beratung
- L wie lebenslanges, barrierefreies, gemeinsames Lernen
- U wie unabhängige Lebensführung und unabhängige Mobilität
- S wie selbstbestimmt leben können, auch mit Assistenz
- I wie individuelle, respektvolle Pflege bis zum Lebensende
- O wie ortsnahe, individuelle, passgenaue Hilfsangebote
- N wie neutrale, unabhängige Begutachtung
Wenn ich im Bundestag wäre
- würde ich, entsprechend der Bielefelder Studie [1]Gewalt gegenüber behinderten Menschen und insbesondere Frauen und Mädchen zum Anlass nehmen, Notrufe, Beratungsstellen, Zufluchtswohnungen und Frauenhäuser barrierefrei zu gestalten.
- würde ich Patientenrechte stärken und in ein echtes Patienten-Rechte-Gesetz [2]umwandeln, unter anderem durch ein barrierefreies Gesundheitswesen, Schulung von Menschen in Gesundheitsberufen und gleichberechtigten Zugang zu Prävention, Behandlung und Rehabilitation für alle. Gleiches gilt für die Erneuerung des Pflegeneuausrichtungsgesetzes. [3]
- würde ich den Gesetzentwurf [4] des Forums behinderter Juristinnen und Juristen unterstützen, der das Recht der Sozialen Hilfe in ein Recht der Sozialen Teilhabe überführt, die Eingliederungshilfe nach § 54 SGB XII reformiert, Persönliche Assistenz als Teilhabeleistung einführt und physische, informationelle und kommunikative Barrierefreiheit umsetzt.
- würde ich gemeinsam mit anderen die strukturellen Voraussetzungen schaffen, damit das Trägerübergreifende Persönliche Budget [5] nach § 17 SGB IX nach 8 Jahren Dornröschenschlaf als echte Teilhabeleistung wirksam umgesetzt wird.
- die Umsetzung der inklusiven Bildung vorantreiben durch geschultes pädagogisches und sonstiges Personal und barrierefreie Kindergärten, Schulen, Ganztagseinrichtungen, Berufsschulen und Weiterbildungseinrichtungen
- für eine menschlichere Arbeitsmarktpolitik eintreteten, ohne Sanktionen, aber auch ohne Zwangsberentung oder die Abschiebung in eine Werkstatt für behinderte Menschen
- Lösungen erarbeiten, um die durchschnittliche Erwerbsquote erwerbsfähiger behinderter Menschen von derzeit ca. 30% [6] signifikant zu erhöhen und für eine nachhaltige, inklusive Teilhabe an Erwerbstätigkeit möglichst vieler zu sorgen. Durch Barrierefreiheit, einen durchlässigen Übergang Schule-Beruf, Unterstützte Beschäftigung und Arbeitsassistenz. Alles andere ist Verschwendung von Arbeitskraft und Kompetenzen in Zeiten des Fachkräftemangels!
- würde ich den pauschalen und menschenrechtswidrigen Wahlausschluss [7] bestimmter Gruppen öffentlich machen und - wenn möglich - beenden. Politische Teilhabe möglichst vieler Menschen in unserer Gesellschaft voranbringen durch Wahlrecht für Menschen mit Migrationshintergrund, barrierefreie Wahllokale, barrierefreie Wahlen und Wahlunterlagen. Politische Teilhabe kann und soll mehr als beratende Beiratstätigkeit sein für alle Menschen, die hier leben!
Meine wichtigsten Ziele in Leichter Sprache
- Alle Menschen sollen auch Hilfe in Leichter Sprache bekommen, wenn sie bedroht werden oder geschlagen werden.
- Alle Menschen sollen gesund bleiben. Alle Menschen sollen verstehen, was der Arzt oder die Ärztin ihnen sagt.
- Alle Menschen sollen mit anderen Menschen zusammen gut leben. Sie können Hilfen bekommen und dort leben, wo sie es möchten.
- Alle Kinder sollen gemeinsam in eine Schule gehen. Auch wenn manche Kinder im Rollstuhl sitzen oder Lernschwierigkeiten haben.
- Alle Menschen können zusammen arbeiten, wenn sie es möchten. Alle Menschen sollen zum Leben genug Geld haben.
Mein Netzwerk
Wer Inklusion will, findet Wege. Wer nicht, Begründungen.
Danke für diese Chance!


