AG Forschungs- und Wissenschaftspolitik/Entwurf

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Wissenschaft und Gesellschaft

Präambel

Öffentlich finanzierte Wissenschaft ist eine Investition der nationalen und transnationalen Gesellschaft in ihre Zukunft. Daran ist die öffentlich finanzierte Wissenschaft strikt zu messen. Diese Zielsetzung umfasst nicht nur die Schaffung ökonomischer Werte auf wissenschaftlicher Basis, sondern mindestens genauso auch die kritische Begleitung aller gesellschaftlichen Entwicklungen durch die Gemeinschaft aller Disziplinen. Um diese Zielsetzung zu erreichen, muss die Gesellschaft vertreten durch die Politik allerdings Anforderungen an den Wissenschaftsbetrieb stellen und deren Umsetzung begleiten und sicherstellen:

Die wirklich relevanten Themen müssen aufgegriffen werden

Bis heute gibt es keine "offiziell" anerkannte, wirklich systematische Aufarbeitung des Wissensstands zu Fragen wie etwa, ob nicht doch irgendetwas an der Astrologie dran ist oder ob Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus hilft oder was man aus "München 1938" oder „August 1914“ denn nun ableiten kann und vieles, vieles andere mehr. Wer sich dazu zielorientiert informieren bzw. Pseudowissenschaft entgegentreten will, wird sich von der Wissenschaft allein gelassen fühlen.

Daher soll ein Teil der Forschungsförderung in die systematische Klärung und allgemein verständliche Aufbereitung solcher Fragen gehen.

Wissenschaft hat häufig durchaus Recht, verschafft sich aber nicht ausreichend Gehör

Häufig interpretieren Medien, Politiker und Lobbyisten sehr freizügig wissenschaftliche Ergebnisse bzw. lassen missliebige Ergebnisse unter den Tisch fallen. Oft genug geschieht dies nicht einmal absichtlich, sondern aus Unverständnis.

Daher soll bei jedem Bezug in der Öffentlichkeit auf wissenschaftliche Ergebnisse für die Öffentlichkeit transparent sein, was die Ergebnisse tatsächlich sind und welche Schlussfolgerungen die verantwortlichen Wissenschaftler selbst gezogen haben.

Die Qualität wissenschaftlicher Arbeit muss verbessert werden

Die Qualität von wissenschaftlichen Ergebnissen ist häufig höchst problematisch, selbst wenn überhaupt keine Interessen im Spiel sind. Dies zeigt sich bspw. in einander widersprechenden wissenschaftlichen Ergebnissen und im permanenten öffentlichen Strom falscher Prognosen (bspw. unser täglich Wirtschaftprognose). Studien folgen in der Regel nicht unbedingt den Goldstandards des jeweiligen Faches, ohne dass dieses traurige Faktum irgendwie transparent würde. Zudem sind auch die Goldstandards selbst in vielen Bereichen fragwürdig (bspw. bei Umfragen).

Daher soll

  • zumindest für diejenigen wissenschaftlichen Ergebnisse, die gesellschaftlichen Einfluss haben, eine institutionalisierte Qualitätssicherung eingeführt werden (wozu auch die Recherche von anderen, die Ergebnisse potentiell relativierenden Studien gehört),
  • die Goldstandards in jedem Bereich zwecks kritischer öffentlicher Kontrolle transparent niedergelegt werden und
  • für jedes wissenschaftliche Ergebnis mit gesellschaftlichem Einfluss ein Abgleich mit den Goldstandards des Bereichs transparent für die Öffentlichkeit aufbereitet werden.

Ideal wäre langfristig die Etablierung einer Kultur des "Stimmt das denn auch?", in der ganz selbstverständlich jede Expertenmeinung und jede wissenschaftliche Begründung hinterfragt werden.

Außenseitermeinungen müssen mehr Gehör finden

Oft genug hat die Mehrheitsmeinung in der Wissenschaft bodenlos falschgelegen. Beispiele mit extremen Konsequenzen sind das Waldsterben (das, wie wir inzwischen wissen, eine Erfindung war) und die ökonomischen Lehrmeinungen bis zur 2008er Krise, die wesentlich für diese Krise mitverantwortlich waren.

Daher sollen die Vertreter der Mehrheitsmeinung gezwungen sein, sich öffentlich nachvollziehbar auf sachlicher Ebene mit Außenseitermeinungen auseinanderzusetzen.

Wie jedes soziale System fördert die etablierte Wissenschaft die Anpassung an die Mehrheitsmeinung bei ihren Nachwuchskräften bzw. schreckt kritisch reflektierende Nachwuchswissenschaftler sogar tendenziell ab bzw. filtert sie bei allzu deutlich gezeigten kritischen Neigungen aus. Daher sollen Karrierechancen für diejenigen Nachwuchswissenschaftler verbessert werden, die sich ein kritisches Bewusstsein dazu, was sie und ihre Kollegen da eigentlich tun, bewahren wollen.

Die Interessenleitung der Wissenschaft muss unterbunden werden

Es ist eine allseits bekannte, traurige Tatsache, die wohl keiner weiteren Belege bedarf, dass Wissenschaft sich häufig von Interessen leiten lässt. Diese sind häufig finanzieller Natur, aber oft geht es auch eher um Prestige, Korpsgeist u.ä.

Daher sollen alle potentiellen Interessenkonflikte - auch die nichtfinanziellen – öffentlich transparent gemacht werden. Um interessenlose Forschung voranzubringen, soll eine gewissen Zahl von Wissenschaftlerstellen / Instituten umgewidmet werden, so dass diese Wissenschaftler / Institute keine privatwirtschschaftlich geförderte Forschung betreiben dürfen und ihre Forschungsaufträge von der Gesellschaft vertreten durch die Politik mit der Zielsetzung größtmöglicher interesseloser Objektivität erhalten.