AG Energiepolitik/RisikoVorsorge PeakOil/PeakOil-FAQ

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Version vom 4. August 2012, 12:32 Uhr von JohannesX (Diskussion | Beiträge) (Und wenn man zum Beispiel Wasserstoff als Treibstoff nimmt ?)
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Peak Oil: Fragen und Antworten

Diese Seite behandelt häufige Fragen und Argumentationen zu Peak Oil

Gab es wegen Erdöl nicht schon oft falschen Alarm ?

Warnende Prognosen haben sich in wesentlichen Punkten bestätigt.

Der Club of Rome hat bereits in den siebziger Jahren qualitative Modellrechnungen erstellt, welche deutlich auf die Gefahren sich verknappender Ressourcen hinweisen. Diese Rechnungen waren jedoch Wenn-Dann Szenarien, keine Prognosen.


Die erste wichtige quantitative Prognose war die Rechnung des Ölgeologen Marion King Hubbert, der aufgrund ausbleibender Neufunde bereits 1956 einen Rückgang der US-amerikanischen Ölproduktion zwischen 1965 und 1970 vorhersagte. Diese Voraussage wurde durch einen starken Rückgang ab 1971 eindrucksvoll bestätigt. Trotz der Prognosen hat dieser Rückgang die Politik kalt erwischt und führte zu einer Ölkrise und einem stark steigendem Einfluss der OPEC.

Ein Rückgang der globalen Ölförderung wurde dann von Hubbert für etwa 1995 prognostiziert. Weitere Experten schlossen sich Hubbert an. Die Ölkrise der siebziger Jahre führte jedoch zu erheblichen Einsparungen, so dass sich der Schwund der Reserven um ein gutes Jahrzehnt verzögerte.

Heute stimmen Fachleute der wichtigsten Organisationen, einschließlich der Internationalen Energieagentur (IEA), der ASPO (Association for the Study of Peak Oil and Gas) und der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) darin überein, dass das weltweite Maximum der konventionellen Ölproduktion wahrscheinlich etwa 2005 eintrat. Dies ist nur ein ungefährer Zeitpunkt, ganz genau und sicher kann man das erst später feststellen, weil die Förderung immer etwas schwankt und es auch ein Zufallselement gibt. Jedoch ist ein ausbleibendes Wachstum über sieben Jahre ein sehr starkes Anzeichen.

Umstritten ist inzwischen eigentlich nur noch, in welchem Umfang und wie schnell nicht konventionelles Erdöl, also Ölsande und Shale Gas (Fracking) das konventionelle Öl ersetzen können.

Weiterführende Links:

Wikipedia, Peak Oil: Entwicklung des Konzepts
ASPO: Peak Oil?

Angeblich soll Erdöl doch noch 40 Jahre reichen ?

40 Jahre ist die sogenannte statische Reichweite. Sie gibt an, wie lange das Öl reichen würde, wenn es mit konstanter Rate gefördert würde und der Verbrauch gleich bleibt.

Doch weder das eine noch das andere entspricht der Realität - genauso wie es beim Auspressen einer Zitrone auch bei großer Anstrenung immer schwieriger wird, zusätzlichen Zitronensaft zu gewinnen, so wird die Ölförderung immer schwieriger und teurer. Und der Verbrauch der Menschheit steigt aufgrund des Wachstums der Schwellenländer, in denen ein sehr großer Teil der Menschheit zu bisher sehr bescheidenen Bedingungen lebt, exponentiell. Wir müssen daher eine wachsende Schere zwischen Produktion und Verbrauch erwarten.

Weiterführender Link: Wikipedia: Statische Reichweite von Erdöl

Aber es gibt doch sicher noch genug Zeit, um sich auf steigende Kosten umzustellen ?

Nein, wir sind mit der überfälligen Anpassung bereits sehr im Verzug. Wir wissen zwar nicht ganz genau, ab wann sich das Öl dramatisch verknappt. Aber Schätzungen der ASPO gehen davon aus, dass sich die globale Förderung nach dem Überschreiten des Maximums um 5.8 Prozent jährlich verknappt. Das sind über 50 Prozent in zehn Jahren.Selbst falls nur sehr optimistische Prognosen zuträfen, müssen wir mit einem Rückgang etwa ab 2030 rechnen.

Demgegenüber ist unsere gesamte Wirtschaft - Straßen, Fahrzeuge, Flughäfen, Logistik-Ketten auf billiges Erdöl angepaßt und diese Dinge müssen weit länger als zehn Jahre genutzt werden, um sich bezahlt zu machen. Deswegen ist eine Umstellung überfällig.

Weiterführender Link: Wikipedia: Hirsch Report

Steigende Ölpreise sorgen dann doch sicher dafür, dass wieder mehr Öl angeboten wird ?

Grundsätzlich führt ein höherer Preis zu einem höheren Angebot. Beim Erdöl jedoch gleicht dies die geologischen Faktoren, die zur Verknappung führen, nicht aus. Beispielsweise ist zwischen 1999 und 2012 der Ölpreis etwa um den Faktor vier gestiegen. Die Ölproduktion in der Nordsee ging im gleichen Zeitraum jedoch um 30 % zurück. Der Aufwand ist dort so stark gestiegen, dass sich eine Ausweitung der Förderung einfach nicht mehr lohnt, sie wäre unwirtschaftlich. Das selbe trifft für viele weitere Regionen zu.

Zudem müssen die höheren Preise ja auch vom Rest der Wirtschaft getragen werden, das ist aber nur begrenzt möglich.

Manche Experten erwarten eine starke Zunahme der Ölproduktion aus Ölsanden und Gasgewinnung durch Fracking. Dies gilt aber einerseits als extrem umweltschädlich und ist andererseits auch selber energieaufwendig - es ist fraglich, wie lange sich das wirtschaftlich trägt. Außerdem erschöpfen sich die durch Fracking erschlossenen Felder sehr schnell. Die Erschließung schwer erreichbarer Ölfelder in der Tiefsee hingegen benötigt typischerweise über zehn Jahre Zeit.

Aber dann kann man doch sicher auf andere Energiequellen ausweichen, also erneuerbare Energien ?

So einfach geht das nicht. Zwar liefern die erneuerbaren Energien Strom und werden auch immer konkurrenzfähiger gegenüber fossil erzeugtem Strom. Durch die schiere Menge an verbrauchtem Öl ist dieses jedoch sehr schwierig zu ersetzen. Beispielsweise kann man Treibstoff auch aus vergorenem Mais gewinnen. Aber selbst wenn man ganz Deutschland mit Mais bepflanzen und diesen in Biosprit umwandeln würde, könnte das (abgesehen davon, dass es bald nichts mehr zu essen gäbe) den Bedarf des PKW-Verkehrs in Deutschland nicht decken.

Die realistischste Möglichkeit, mit dem Problem Peak Oil umzugehen, sind nach wie vor massive Einsparungen von Energie und Verzicht auf nicht benötigte Verwendungen.

Weiterführender Link: Tom Murphy, The Alternative Energy Matrix

Und wenn man zum Beispiel Wasserstoff als Treibstoff nimmt ?

Zunächst einmal ist Erdöl eine Primärenergiequelle. Wasserstoff dagegen muss erst einmal produziert werden. In der Praxis geschieht dies heute vorwiegend durch chemische Umsetzung von Kohle. Die Elektrolyse aus EE-Strom ist viel teurer - zehn mal so teuer wie Diesel. Deswegen ist die zukunftige Wirtschaftlichkeit dieser Technik, die bisher stets hoch subventioniert wurde, stark umstritten.

Darüber hinaus gibt es bisher keinen anderen Energieträger, der so effizient und kostengünstig wie Treibstoffe aus Erdöl bzw. Erdgas sind. Wasserstoff benötigt hohe Drücke und schwere und teure Tanks. Batterien für Elektroautos benötigen - abgesehen vom sehr hohen Preis - rund das hundertfache Gewicht um die gleiche Menge Energie zu speichern. Deswegen ist es vor allem im Gütertransport sehr schwierig, auf fossile Treibstoffe zu verzichten. Die besten Alternativem im Transport sind bisher elektrische Bahnen und Oberleitungsbusse.

Weiterführendes Link: Die Mär vom Wasserstoff, Dirk Asendorpf, Zeit vom 2.10.2004

Wenn ich individuell Energie spare, bin ich doch abgesichert oder nicht ?

Individuell z.B. Photovolatik und Solarwärme zu nutzen, sein Haus zu dämmen, Wohnfläche zu reduzieren und auf ein Auto zu verzichten, sind sicherlich gute Strategien, um sich gegen zu hohe Energiekosten abzusichern. Es nützt einem aber nichts, wenn die gesamte Wirtschaft um einen herum in Schieflage gerät und es beispielsweise hohe Arbeitslosigkeit gibt und Sachwerte im Preis fallen. Und das kann schnell passieren, denn Treibstoff und Erdölprodukte werden an unzähligen Stellen im Wirtschaftskreislauf benötigt.

Peak Oil ist ein kollektives Problem, das nur politisch bearbeitet und gelöst werden kann.

Ist es dann nicht ein Fehler, aus der Kernenergie auszusteigen ?

Nach unserer Meinung nein. Erstens ist die durch die Kernenergie gelieferte Energiemenge gegenüber den fossilen Energieträgern irrelevant - Kernenergie liefert weltweit nur 2 % der verbrauchten Energie.

Zweitens liefert Atomstrom keinen Treibstoff, und Treibstoffknappheit wird das größte Problem sein. Kernenergie ist auch nicht kostengünstiger als Wind- und Solarenergie, wenn man die externen Kosten berücksichtigt - in vielen Teilen der Welt wird in den nächsten Jahren sogar schon die Netzparität (Solar Grid Parity) erreicht werden, der Punkt an dem selbst erzeugter Solarstrom für den Endverbraucher billiger ist als Atomstrom.

Und drittens ist auch die Versorgungssicherheit mit Uran fraglich. Rund ein Drittel des heute genutzten Urans stammt aus abgerüsteten Kernwaffen. Der Uranbergbau ließ sich nicht wie geplant ausweiten. Wenn die Bestände an Waffenuran verbraucht sind, kann es sehr wohl zu einer Knappheit an Uran kommen.

Weiterführende Links:

Wikipedia: Kernenergie, Begrenzte Verfügbarkeit von Kernbrennstoff
The Oil Drum, Michael Dittmar: The Future of Nuclear Energy: Facts and Fiction - Part I: Nuclear Fission Energy Today

Kann Erdöl nicht auch abiotisch entstehen ?

Theorien zur abiotischen Entstehung von Erdöl gelten heute wissenschaftlich als überholt. Erdöl ist ein Gemisch aus Kohlenwasserstoffverbindungen. Diese bestehen aus Kohlenstoff und Wasserstoff. Die leichteren Kohlenwasserstoffe können grundsätzlich überall dort entstehen, wo diese beiden Elemente vorhanden sind, Methan zum Beispiel wird auch auf anderen Planeten gefunden.

Die Herkunft des irdischen Erdöls war in den fünfziger Jahren nicht klar, und so wurden auch "abiotische Theorien" erörtert. Die seitdem entwickelte, auf geologischen Erkenntnissen und Meßverfahren basierende Theorie zur Entstehung von Öl aus fossilen Sedimenten hat es ermöglicht, immer größere Vorkommen zu finden, die wir heute nutzen. Sie erklärt auch das Vorhandensein biologischer Substanzen, die man im Erdöl findet. Die abiotische Theorie konnte beides nicht.

Weiterführender Link: Wikipedia: Erdöl, Entstehung

Welches sind die wichtigsten Gegenpositionen zu Warnungen vor Peak Oil ?

Seiner Ansicht nach muss lediglich genug in neue Produktionskapazitäten investiert werden. Jedoch wird aufgrund der steigenden Kosten die Finanzierung dieser Kapazitäten immer schwieriger.

  • George Montbiot vertritt, dass die Energiegewinnung aus Fracking und Ölsanden das Problem Peak Oil irrelevant macht:
We were wrong on peak oil. There's enough to fry us all (The Guardian, 2. Juli 2012)

Diese Darstellung ist auf energischen Protest gestoßen. Eine Auswahl:

  1. Jeremy Legget: http://www.guardian.co.uk/environment/blog/2012/jul/04/monbiot-wrong-peak-oil?intcmp=122
  2. Adrian Atkinson: http://www.city-analysis.net/2012/07/14/response-to-monbiots-theres-enough-oil-to-fry-us-all-a-look-at-what-oil-is-left-and-what-recovering-it-will-mean-for-life-on-earth/
  3. Transition culture: http://transitionculture.org/2012/07/04/transition-reflections-on-george-monbiots-announcement-that-we-were-wrong-on-peak-oil/
  4. Ashvin Pandurangi / Automatic Earth: Diskussion mit Montbiot, einschließlich Überlegungen zur ökonomischen Situation: http://theautomaticearth.com/Energy/peak-oil-a-dialogue-with-george-monbiot.html