AG Energiepolitik/RisikoVorsorge PeakOil/PeakOil-FAQ
Inhaltsverzeichnis
- 1 Peak Oil: Fragen und Antworten
- 1.1 Gab es wegen Erdöl nicht schon oft falschen Alarm ?
- 1.2 Angeblich soll Erdöl doch noch 40 Jahre reichen ?
- 1.3 Aber es gibt doch sicher noch genug Zeit, um sich auf steigenden Kosten umzustellen ?
- 1.4 Steigende Ölpreise sorgen dann doch sicher dafür, dass wieder mehr Öl angeboten wird ?
- 1.5 Wenn ich individuell Energie spare, bin ich doch abgesichert oder nicht ?
- 1.6 Ist es dann nicht ein Fehler, aus der Kernenergie auszusteigen ?
- 1.7 Kann Erdöl nicht auch abiotisch entstehen ?
- 1.8 Welches sind die wichtigsten Gegenpositionen zu Warnungen vor Peak Oil ?
Peak Oil: Fragen und Antworten
Diese Seite behandelt häufige Fragen und Argumentationen zu Peak Oil
Gab es wegen Erdöl nicht schon oft falschen Alarm ?
Da Öl ein wichtiger endlicher Rohstoff ist, wurde die Möglichkeit eines Niedergangs schon öfter diskutiert.
Der Club of Rome hat bereits in den siebziger Jahren qualitative Modellrechnungen erstellt, welche deutlich auf die Gefahren sich verknappender Ressourcen hinweisen. Diese Rechnungen waren jedoch Wenn-Dann Szenarien, keine Prognosen.
Die erste wichtige quantitative Prognose war die Rechnung des Ölgeologen Marion King Hubbert, der bereits 1956 einen Rückgang der US-amerikanischen Ölproduktion vorhersagte. Diese Voraussage wurde eundrucksvoll bestätigt und hat die Politik kalt erwischt und führte zu einer Ölkrise und einem stark steigendem Einfluss der OPEC.
Ein Rückgang der globalen Ölförderung wurde dann frühzeitig ab 1990 prognostiziert. Die Ölkrise der siebziger Jahre führte jedoch zu erheblichen Einsparungen, so dass sich der Schwund der Reserven um ein gutes Jahrzehnt verzögerte.
Heute stimmen Fachleute der wichtigsten Organisationen, einschließlich der Internationalen Energieagentur (IEA), der ASPO (Association for the Study of Peak Oil and Gas) und der deutschen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) darin überein, dass das weltweite Maximum der konventionellen Ölproduktion wahrscheinlich etwa 2005 eintrat. Umstritten ist inzwischen nur noch, in welchem Umfang nicht konventionelles Erdöl, also Ölsande und Shale Gas (Fracking) das konventionelle Öl ersetzen können.
Angeblich soll Erdöl doch noch 40 Jahre reichen ?
40 Jahre ist die sogenannte statische Reichweite. Sie gibt an, wie lange das Öl reichen würde, wenn es mit konstanter Rate gefördert würde und der Verbrauch gleich bleibt.
Doch weder das eine noch das andere entspricht der Realität - genauso wie es beim Auspressen einer Zitrone auch bei großer Anstrenung immer schwieriger wird, zusätzlichen Zitronensaft zu gewinnen, so wird die Ölförderung immer schwieriger und teurer. Und der Verbrauch der Menschheit steigt aufgrund des Wachstums der Schwellenländer, in denen ein sehr großer Teil der Menschheit zu bisher sehr bescheidenen Bedingungen lebt, exponentiell. Wir müssen daher eine wachsende Schere zwischen Produktion und Verbrauch erwarten.
Aber es gibt doch sicher noch genug Zeit, um sich auf steigenden Kosten umzustellen ?
Nein, wir sind mit der überfälligen Anpassung bereits sehr im Verzug. Wir wissen zwar nicht ganz genau, ab wann sich das Öl dramatisch verknappt. Aber Schätzungen der ASPO gehen davon aus, dass sich die globale Förderung nach dem Überschreiten des Maximums um 5.8 Prozent jährlich verknappt. Das sind über 50 Prozent in zehn Jahren.
Demgegenüber ist unsere gesamte Wirtschaft - Straßen, Fahrzeuge, Flughäfen, Logistig-Ketten auf billiges Erdöl angepaßt und diese Dinge müssen weit länger als zehn Jahre genutzt werden, um sich bezahlt zu machen. Deswegen ist eine Umstellung überfällig.
Steigende Ölpreise sorgen dann doch sicher dafür, dass wieder mehr Öl angeboten wird ?
Grundsätzlich führt ein höherer Preis zu einem höheren Angebot. Beim Erdöl jedoch gleicht dies die geologischen Faktoren, die zur Verknappung führen, nicht aus. Beispielsweise ist zwischen 1999 und 2012 der Ölpreis etwa um den Faktor vier gestiegen. Die Ölproduktion in der Nordsee ging im gleichen Zeitraum jedoch um 30 % zurück. Der Aufwand ist so stark gestiegen, dass sich eine Ausweitung der Förderung einfach nicht mehr lohnt, sie wäre unwirtschaftlich. Das selbe trifft für viele weitere Regionen zu.
Zudem müssen die höheren Preise ja auch vom Rest der Wirtschaft getragen werden, das ist aber nur begrenzt möglich.
Manche Experten erwarten eine starke Zunahme der Ölproduktion aus Ölsanden und Fracking. Dies gilt aber einerseits als extrem umweltschädlich und ist andererseits auch selber energieaufwendig - es ist fraglich, wie lange sich das wirtschaftlich trägt.
Wenn ich individuell Energie spare, bin ich doch abgesichert oder nicht ?
Individuell z.B. Photovolatik und Solarwärme zu nutzen und auf ein Auto zu verzichten, ist sicherlich eine gute Strategie, um sich gegen zu hohe Energiekosten abzusichern. Es nützt einem aber nichts, wenn die gesamte Wirtschaft um einen herum in Schieflage gerät und es beispielsweise hohe Arbeitslosigkeit gibt und Sachwerte im Preis fallen. Und das kann schnell passieren, denn Treibstoff und Erdölprodukte werden an unzähligen Stellen im Wirtschaftskreislauf benötigt.
Peak Oil ist ein kollektives Problem, das nur politisch bearbeitet und gelöst werden kann.
Ist es dann nicht ein Fehler, aus der Kernenergie auszusteigen ?
Nach unserer Meinung nein. Erstens ist die durch die Kernenergie gelieferte Energiemenge gegenüber den fossilen Energieträgern irrelevant - Kernenergie liefert weltweit nur 2 % der verbrauchten Energie.
Zweitens liegert Atomstrom keinen Tribstoff, und Treibstoffknappheit wird das größte Problem sein. Kernenergie ist auch nicht kostengünstiger als Wind- und Solarenergie, wenn man die externen Kosten berücksichtigt - in vielen Teilen der Welt wird in den nächsten Jahren die Netzparität (Solar Grid Parity) erreicht werden, der Punkt an dem selbst erzeugter Solarstrom für den Endverbraucher billiger ist als Atomstrom.
Und drittens ist auch die Versorgungssicherheit mit Uran fraglich. Rund ein Drittel des heute genutzten Urans stammt aus abgerüsteten Kernwaffen. Der Uranbergbau ließ sich nicht wie geplant ausweiten. Wenn die Bestände an Waffenuran verbraucht sind, kann es sehr wohl zu einer Knappheit an Uran kommen.