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3.4 Arguliner
Wasser- und Bodenschutz - Gülle
- (1) Gülleexport aus den Niederlanden führt zu steigenden Belastungen des Grundwassers in den linksrheinischen Grundwasservorkommen entlang der Grenze zu den Niederlanden. In den Niederlanden besteht ein riesiger Gülleüberschuss, der in Deutschland grenznah günstig entsorgt wird. Messergebnisse aus verschiedenen Brunnen im Raum Heinsberg zeigen seit Jahren steigende Nitratwerte. Nach offiziellen Berechnungen werden allein im Kreis Heinsberg jährlich bis zu 6.000 Tonnen Gülle aus den Niederlanden auf die Felder aufgebracht. Die steigende Nitrat-Belastung des Grundwassers konnte auch durch den Abschluss von Kooperationsverträgen mit der Landwirtschaft nicht gestoppt werden. Im Gegenteil: Kontinuierlich steigen die Konzentrationen sogar in bisher äußerst gering belasteten Brunnen an. In einigen Fällen überschreitet die Konzentration den gesetzlichen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter um das Doppelte bis Dreifache. Die Folge sind Brunnenschließungen und die Notwendigkeit, immer neue, tiefer liegende Grundwasservorräte zu erschließen, damit durch Vermischung die gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden können. Damit werden auch die Anforderungen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie verletzt, da fast alle diese Grundwasserkörper in einem schlechten chemischen Zustand sind.
- In großen LKW-Transportern wird die Gülle in die deutschen Grenzregionen verbracht und dort auf den Feldern verteilt. Solche Transporte finden vorzugsweise am Wochenende oder in den Nachtstunden statt, um das ganze Ausmaß zu verschleiern. Eine reguläre Kontrolle ist so nicht möglich. Seit 2007 ist der In- und Export solcher so genannter Wirtschaftsdünger im Grenzland unter bestimmten Bedingungen zulässig.
- (2) Die Verbringung von Gülle außerhalb des Standortes ist gem. Art. 5 Abs. 1 b) E-PRTR-VO nur meldepflichtig, wenn es sich um Abfall im Sinne des Art. 1 Abs. 1 a) der Richtlinie 2006/12/EG (AbfRRL) handelt. Dies trifft für Gülle, die zum Zwecke der Düngung verwendet wird und entsprechend für "Dung" (entspricht Gülle, Jauche, Festmist) nach der Rechtsprechung des EuGH (verbundene Rechtssachen C-416/02 und C-121/03 Kommission gegen Spanien) nicht zu, wenn diese Stoffe im Rahmen einer rechtmäßigen Ausbringungspraxis auf genau bestimmten Böden als Dünger verwendet und nur für die Erfordernisse dieser Ausbringungen gelagert werden und bei Gewissheit einer derartigen Verwendung.
- (3) Gülle enthält Hormone (steroide Östrogene), die in für Fische relevanten Konzentrationen in Oberflächengewässer gelangen (5), Tiermedikamente und deren Abbauprodukte sowie antibiotikaresistente Keime, die zu nicht therapierbaren Infektionen führen können. Die Antibiotika können Bodenbakterien hemmen bzw. abtöten und damit das natürliche Mikroorganismen-Gleichgewicht und die daran gekoppelten Nährstoffkreisläufe empfindlich stören. Zudem besteht die Gefahr, dass sich im Boden resistente Bakterien anreichern und später vielleicht ihre Resistenzgene an menschliche Krankheitserreger weiter geben. Schon mit der Gülle gelangen resistente Bakterien aufs Feld. Dank der Nährstoffe in den Tierexkrementen können sich die Mikroben dort überdies gut vermehren. Im Oberboden findet eine Anreicherung von Gen-Resistenzen statt. Bestimmte Boden-Mikroorganismen sorgen sogar von sich aus für Nachschub des Antibiotikums Sulfadiazin. Weil Rinder und Schweine das Medikament bereits verstoffwechseln, enthält die Gülle neben dem eigentlichen Antibiotikum auch diverse Ab- und Umbauprodukte. Bodenbakterien können daraus wieder funktionsfähiges Sulfadiazin zurückbauen und so vorübergehend seine Konzentration im Boden weiter erhöhen.
- (4) Diese Antibiotika wurden auch in den Feldfrüchten nachgewiesen und gelangen zum menschlichen Verbraucher, da die Pflanzen sie aufnehmen.
- (5) Neben der Biogasproduktion gibt es das Konzept der Gülletrennung und Verbrennung der Faserfraktion. Die dänische Firma Samson Bimatech entwickelt ein kostenffektives Gesamtkonzept, das Gülle trennt, trocknet und Pellets herstellt und die Wärmeversorgung des einzelnen Hofes sichern kann. Das Konzept ist billiger als eine Biogasanlage. Wie die Treibhausgasbilanz bei diesem Konzept ausfällt steht noch nicht fest.
Quellen
- (1) BUND Presseinformation 77/09
- (2) PRTR-Forum
- (3) Innovationsreport
- (4) nano
- (5) pdf-Datei (dänisch] von der dänischen Umweltbehörde Danmarks Miljøundersøgelser