AG Geldordnung und Finanzpolitik/Grillfeste/Positionspapier zur Geldschöpfung

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Vorbemerkung Vorbemerkung:
Dies ist eine Meinung, die derzeit von den Mitgliedern Arne Pfeilsticker und Christoph Ulrich Mayer vertreten wird und spiegelt nur die Meinung einiger Mitglieder der Piratenpartei oder der AG Geldordnung und Finanzpolitik wider. Wer Anmerkungen/Fragen hat schreibt diese bitte auf die Diskussionsseite zu diesem Artikel.


Inhaltsverzeichnis

Positionspapier zum Thema Geldschöpfung und dem Geldschöpfungsgewinn

Vorwort, Vorgehensweise und Sinn und Zweck des Grillfestes

Status des Positionspapieres: Entwurf

Dieses Positionspapier ist eine Gemeinschaftsarbeit von Arne Pfeilsticker und Christoph Mayer.

Änderungen und Ergänzungen bitte nur nach Rücksprache mit den "Grillmeistern".

Mit diesem Grillfest zur Geldschöpfung und dem Geldschöpfungsgewinn sollen grundlegende Funktionsmechanismen unserer Geldordnung geklärt werden, die z.T. heftig umstritten und in den verschiedensten Varianten im Forum diskutiert werden.

Wenn stimmt, was in These 4 behauptet wird, dass der Bankensektor seine Rechnungen mit selbstgemachtem Geld bezahlt, während der Rest der Volkswirtschaft für sein Geld hart arbeiten muss, dann ist das eine wichtige Erkenntnis, die z.T. die Dominanz und die horrenden Gewinne des Bankensektors erklären. Daraus ließe sich ein wichtiges politische Ziel ableiten:

  • Ja zu Banken, die der Realwirtschaft und dem Gemeinwohl dienen.
  • Nein zu Banken, die die Volks- und Weltwirtschaft ausbeuten und Finanzkrisen auslösen.

These 5 zieht die praktische Konsequenz aus den vorangegangenen Überlegungen: Wenn die Geldschöpfung des Bankensektor auf die Zentralbank zurückübertragen werden würde und der Geldschöpfungsgewinn analog zu Münzen einmalig realisiert werden würde, dann könnte mit dem dabei realisierbaren Geldschöpfungsgewinn die Staatsverschuldung Deutschlands in Höhe von ca. 2.000 Mrd. Euro getilgen werden.

Durch dieses Grillfest sollen auch die Grundlagen für folgende These erarbeitet werden:

  • Der Run auf den Geldschöpfungsgewinn führ zu Geldschöpfungsexzessen im Bankensektor und ist eine primäre Ursache für Finanzkrisen.

Thesen

These 1: Bei jeder Form der Geldschöpfung entsteht ein Geldschöpfungsgewinn, der in etwa dem Nominalbetrag der Geldschöpfung entspricht.

These 2: Wird der Geldschöpfungsgewinn dauerhaft über Zinsen realisiert, dann entspricht der Barwert der Zinsen dem Nominalbetrag der Geldschöpfung.

These 3: In unserer heutigen Geldordnung wird der Geldschöpfungsgewinn hauptsächlich vom Bankensektor vereinnahmt.

These 4: Die Geldschöpfung im Bankensektor führt zur Ausbeutung der Realwirtschaft und zu einer ungerechtfertigten Bereicherung des Bankensektors. Wenn das Nachmachen und in Verkehr bringen von Banknoten und Münzen (Geldfälschen) verboten gehört, dann erst recht das Nachmachen und in Verkehr bringen von Giralgeld durch Nicht-Zentralbanken.

These 5: Wenn die Geldschöpfung des Bankensektor auf die Zentralbank zurückübertragen werden würde und der Geldschöpfungsgewinn analog zu Münzen einmalig realisiert werden würde, dann könnte mit dem dabei realisierbaren Geldschöpfungsgewinn die Staatsverschuldung Deutschlands in Höhe von ca. 2.000 Mrd. Euro getilgt werden.

These 6: Banken erzielen auch einen Geldschöpfungsgewinn beim Kauf von Anlagen durch Geldschöpfung

These 7: Durch die Geldschöpfung bei Banken entsteht ein Übergewicht der Geldanleger gegenüber der Realwirtschaft. Bei der Realwirtschaft ist stets Kreditbedarf vorhanden, weil sie wächst und dieses Wachtum finanzieren muss. Bei den Anlegern ist durch die Geldschöpfung immer ein Geldüberschuss vorhanden. Dies zusammen verursacht einen marktwirtschaftlich hohen Zins und hohe Vermögenseinkommen.

Voraussetzungen

Eine zusammenhängende Darstellung des Themas, das zu den aufgestellten Thesen führt findet sich in dem Wiki-Beitrag Was ist Geld?

Für den Beweis der Thesen sind insbesondere die folgenden drei Definitionen wichtig:

Definition Geldvertrag

Ein Geldvertrag ist ein schuldrechtlicher Vertrag, der als Leistung und Gegenleistung Ansprüche auf Geld enthält.

Näheres siehe: Die Architektur des Giralgeldes: Geldverträge und Finanzinstrumente

Rekursive Definition des Begriffes Giralgeld

  1. Geld ist ein Anspruch auf Geld
  2. Ein Anspruch auf Geld gegen die Zentralbank ist Geld. (Rekursionsanfang)

Näheres siehe: Giralgeld: Geld ist ein Anspruch auf Geld

Definition Geldschöpfungsgewinn

Der Geldschöpfungsgewinn ist die Differenz zwischen dem Nominalwert (= Erlös) und den Kosten für den Nachweis des Geldes wie z.B. die Herstellungskosten für Münzen und Banknoten.

Der hier verwendete Gewinnbegriff Gewinn = Erlöse - Kosten stammt aus der Kostenrechnung und wird zur Ermittlung des Gewinns einzelner Produkte oder für die Berechnung des Betriebsgewinns verwendet.

Der Gewinnbegriff aus der Kostenrechnung unterscheidet sich vom Gewinnbegriff aus dem Handelsrecht (Gewinn = Ertrag - Aufwand) und dem des Steuerrechts.

Näheres siehe: Der Geldschöpfungsgewinn: Das wahre Bankgeheimnis

Beweise

Hier findet eine Zusammenfassung und Übersicht über die Beweisführung statt. Auf die eigentlichen Beweise wird verlinkt.

These 1: Bei jeder Art der Geldschöpfung entsteht ein Geldschöpfungsgewinn, der in etwa dem Nominalbetrag der Geldschöpfung entspricht.

Im Zuge der Geldschöpfung/-vernichtung entsteht ein Geldschöpfungsgewinn. Wird das geschöpfte Geld verliehen, dann wird mit der Geldschöpfung die Möglichkeit geschaffen, über Zinsen einen Geldschöpfungsgewinn zu realisieren. Diese Möglichkeit wird im Zuge der Geldvernichtung beendet.

Der Geldschöpfungsgewinn kann auf zwei verschiedene Arten realisiert werden:

  1. Einmalig, indem mit dem geschöpften Geld Rechnungen bezahlt werden. Das geschöpfte Geld wird an Nichtbanken gegen Waren und Dienstleistungen verkauft. Die Höhe des Gewinns ist die Differenz aus dem Nominalwert und den Herstellungskosten des geschöpften Geldes. Bei Giralgeld sind diese Kosten vernachlässigbar, weil Giralgeld lediglich durch Datensätze im Computer nachgewiesen wird. Die einmalige Art der Realisierung findet statt,
    1. wenn gefälschtes Bargeld in den Verkehr gebracht wird oder
    2. wenn der Bund Münzen zum Nennwert an die Bundesbank verkauft,
    3. wenn Banken ihre Rechnungen von Nichtbanken mit Giralgeld bezahlen.
  2. Dauerhaft in Form von Zinsen, wenn das geschöpfte Geld verliehen wird. Diese Art der Realisierung findet statt:
    1. bei der Kreditvergabe der Zentralbank an Banken.
    2. bei den im Umlauf befindlichen Banknoten der Zentralbank. Banknoten sind verbrieftes Zentralbankengiralgeld.
    3. bei der Kreditvergabe des Bankensektors an Nichtbanken.

Bei der Entscheidung, ob der Geldschöpfungsgewinn einmalig oder dauerhaft realisiert werden soll, stellt sich die Frage, welche Form insgesamt mehr Gewinn verspricht.

Wie diese Geldschöpfung funktioniert und wie der Geldschöpfungsgewinn entsteht findet sich im Überblick auf der Wiki-Seite Der Geldschöpfungsgewinn: Das wahre Bankgeheimnis

Ein detaillierter Beweis für die Entstehung des Geldschöpfungsgewinnes bei den verschiedenen Arten findet sich auf der Wiki-Seite Die Geldschöpfung im Detail

These 2: Wird der Geldschöpfungsgewinn dauerhaft über Zinsen realisiert, dann entspricht der Barwert der Zinsen dem Nominalbetrag der Geldschöpfung.

Ein ausführlicher mathematischer Beweis für diese These findet sich im Kapitel: Finanzmathematische Bewertung des dauerhaften Geldschöpfungsgewinnes

Die Zinsgewinne entstehen, wenn man neugeschöpftes Geld gegen Zinsen verleiht. Prof. Huber schreibt dazu folgendes: Den Banken fließt bisher ein Geldschöpfungsgewinn durch die Extrazinsmarge zu. Mit Extrazinsmarge ist die Differenz zwischen den Guthabenzinsen gemeint, die Banken tatsächlich zahlen und denjenigen die sie zahlen müssten, wenn sie ihre Kredite auf dem Geldmarkt refinanzieren müssten. Diese Tatsache betrifft die Giroguthaben, wofür die Banken heute keine oder nur niedrige Guthabenzinsen bezahlen. Wenn Banken diese Giroguthaben normal verzinsen müssten, würde ihnen der Extrazinsgewinn entgehen. Überschlagsrechnung für das Jahr 2008: Geldmarktzins von 3 bis 5 % und Kontokorrentzins/Giroguthabenzins von 0,5 bis 1,5 %. Die Differenz von etwa 2 bis 3 % multipliziert mit der Giralgeldmenge ergibt dann einen Geldschöpfungsgewinn von etwa 16 bis 23 Milliarden €.

These 3: In unserer heutigen Geldordnung wird der Geldschöpfungsgewinn hauptsächlich vom Bankensektor vereinnahmt.

In unserer heutigen Geldordnung werden bis zu 96% der Geldmenge durch den Geschäftsbankensektor geschaffen. Der dabei entstehende Geldschöpfungsgewinn fließt überwiegend dem privaten Geschäftsbankensektor zu.

Näheres siehe: Die Zahlungsgewohnheiten haben sich geändert: Vom Staatsgeld- zum Privatgeldsystem

Die Finanzinstitute sind jedoch nicht die Endstation für den Geldschöpfungsgewinn. Er fließt zu einem guten Teil an Anleger bei der Bank ab oder wird als Dividende ausgeschüttet. Egentümer der Banken profitieren durch Erhöhung des Wertes ihrer Unternehmensanteile.

These 4: Die Geldschöpfung im Bankensektor führt zur Ausbeutung der Realwirtschaft und zu einer ungerechtfertigten Bereicherung des Bankensektors. Wenn das Nachmachen und in Verkehr bringen von Banknoten und Münzen (Geldfälschen) verboten gehört, dann erst recht das Nachmachen und in Verkehr bringen von Giralgeld durch Nicht-Zentralbanken.

Wenn ein Wirtschaftssektor, wie der Bankensektor, seine Rechnungen mit selbst gemachtem Geld bezahlt, während der Rest der Volkswirtschaft für sein Geld hart arbeiten muss, dann führt dieser Sachverhalt zu einer eheblichen Verzerrung im Leistungsaustausch und de facto zu einer Ausbeutung der Nichtbanken durch den Bankensektor.

Wer Banknoten nachmacht und als echt in Verkehr bringt, hat daraus einen erheblichen Vorteil: Ein Geldfälscher erhält für einen 100-Euro-Schein Waren im Wert von 100 Euro und hat für die Herstellung der Banknote weniger als 1 Euro Herstellungskosten. Die Differenz von 99 Euro ist sein Gewinn. Aus diesem Grund ist das Fälschen von Banknoten und Münzen verboten. Aus dem gleichen Grund sollte das Nachmachen und in Verkehr bringen von Giralgeld verboten werden. Darüber hinaus gefährden die Geldschöpfungsexzesse des Bankensektors wie in der Finanzkrise 2007/2008 erlebt die Weltwirtschaft und richten einen erheblichen Schaden an.

These 5: Wenn die Geldschöpfung des Bankensektor auf die Zentralbank zurückübertragen werden würde und der Geldschöpfungsgewinn analog zu Münzen einmalig realisiert werden würde, dann könnte mit dem dabei realisierbaren Geldschöpfungsgewinn die Staatsverschuldung Deutschlands in Höhe von ca. 2.000 Mrd. Euro getilgt werden.

Beweis siehe: Die praktische Konsequenz: Abbau der Staatsverschuldung

These 6: Banken erzielen auch einen Geldschöpfungsgewinn beim Kauf von Anlagen durch Geldschöpfung

Jeder muss für den Erwerb von Anlagevermögen entweder vorhandenes Kapital verwenden oder Fremdkapital aufnehmen. Im einen Fall hat der Erwerber einen Ausfall von Zinsgewinnen, im zweiten Fall Kosten durch die Verzinsung von Fremdkapital. Die Bank nicht, sie kann Giralgeld schöpfen und damit Anlagen erwerben ohne Zinszahlung. Das ist der Geldschöpfungsgewinn bei Erwerb einer Anlage - plus Gewinn durch die Steuerminderung durch die Abschreibung (von nicht erarbeitetem Anlagewert).

Bertreiberkosten und die Abschreibung haben alle Anlagenerwerber zu tragen, dies muss aus der Berechnung eines Geldschöpfungsgewinns ausgeklammert werden. Denn diese Kosten hat jeder andere auch. Wenn die Bank nichts leisten muss, um ein Gebäude zu erwerben und dann auch nichts für den Wertverlust der Anlage bezahlen muss sondern stattdessen diesen Anlagenverlust steuermindernd geltend machen kann, hat die Bank dadurch keine realen Kosten sondern Gewinn.

These 7:Durch die Geldschöpfung bei Banken entsteht ein Übergewicht der Geldanleger gegenüber der Realwirtschaft. Bei der Realwirtschaft ist stets Kreditbedarf vorhanden, weil sie wächst und das Wachstum finanzieren muss. Bei den Anlegern ist durch die Geldschöpfung immer ein Geldüberschuss vorhanden. Dies zusammen verursacht einen marktwirtschaftlich hohen Zins und hohe Vermögenseinkommen.

Banken sind nicht der Endpunkt sondern die Vermittler von Geld. Nur ein kleiner Teil der "Gewinne" bleibt im Unternehmen, ein großer Teil wird an Eigentümer der Bank und an Großanleger bei der Bank weitergeleitet. Wenn wir über Geldschöpfungsgewinn reden, dann müssen wir auch über den Gewinn sprechen, den Dritte aus diesem Vorgang ziehen.

Die Geldmenge und die Geldvermögen wachsen stets stärker (um die 10% jährlich!) als die Wirtschaft faktisch wächst (2-3%). Also gibt es eine Geldschöpfung, die über die Wertschöpfung hinaus geht. Und allein schon diese Differenz ist ein Geldschöpfungsgewinn. Denn wenn nicht die Geldvermögen über Vermögenseinkommen wachsen würden und durch Wachstum der Kreditbedarf in der Realwirtschaft da wäre, dann würde sich ein ganz anderes Gleichgewicht über Zinssätze einstellen.

Durch die Geldschöpfung bei den Geschäftsbanken entsteht das Ungleichgewicht zwischen Finanzwirtschaft und Realwirtschaft, die Zins und Rendite überhaupt erst ermöglichen.

Makroskopischer Beweisansatz

- Die Geldmenge M3 wächst stetig, siehe Grafiken der Deutschen Bundesbank [1] - Im Durchschnitt wuchs die Geldmenge in Deutschland seit 1948 um 8 bis 10% jährlich.

- Die Vermögen wachsen in gleichem Maß wie die Schulden, siehe [2]

- Die Geldmenge wächst zu 85% .. 99% durch Kreditvergaben und Käufe der Geschäftsbanken durch Geldschöpfung.

- Von den Schuldnern fließt Geld in Form von Zins ab. Vermögensinhaber erhalten Zins und Renditen für ihre Geldanlagen.

- Folglich wird durch Geldschöpfung der Fluss von Zins und Renditen von Schulden nach Vermögen verursacht.

- Des weiteren wird durch die Geldschöpfung die Geldmenge für die Anleger und Eigentümer der Bank erhöht, dadurch entsteht ein Geldüberfluss bei der Finanzwirtschaft, was wiederum eine systemische Überlegenheit gegenüber der Realwirtschaft verursacht. Die Realwirtschaft kann im Gesamten nur durch Aufnahme neuer Kredite die liquide Geldmenge erhöhen (im Einzelfall geht das auch durch Geschäftserfolg, im Gesamten nicht). Durch die Aufnahme von Krediten aberwird Zins verursacht. Der so entstehende Zins ist dem Geldschöpfungsgewinn der Finanzwirtschaft bzw. deren Kunden und Eigentümer zuzurechnen.