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Benutzer:Tarzun/Standpunkte/LF-Alternativen

Aus Piratenwiki

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Im Moment schwirren hier und an vielen Stellen diverse Alternativ- oder Änderungsvorschläge zu LiquidFeedback rum. Vielen wohnen IMHO grundlegende Problemstellungen inne, zu denen man sehr schnell gelangt und die nur schwer oder gar nicht lösbar scheinen. Als Grundannahme für folgendes setze ich "Jeder Pirat soll genau eine Stimme" haben voraus. Als Nebenbedingung seien 200 abzustimmende Anträge an den BPT vorausgesetzt.

Die Alternativen laufen im Wesentlichen darauf hinaus, das mindestens das Abstimmmodul ersetzt wird. Im "Modell Fehre" soll so bspw. der Stimmzettel "liquide" erarbeitet werden, die Abstimmung dann in einem "GPG-gepimpten Doodle" stattfinden. Die Stimmabgabe soll in den meisten Alternativen kryptographisch gesichert werden, zur Abstimmung soll ein "Token-System"eingesetzt werden. Kern vieler Alternativen ist der Verzicht auf Delegationen spätestens in der Abstimmung (Modelle bei denen Delegationen eingeschränkt werden seien hier mit erfasst).

Das läuft in zwei Probleme:

  1. Der Krypto-Foo wird extrem schnell nicht mehr ökonomisch nutz- oder überprüfbar und man benötigt Vertrauen.
  2. Durch den Verzicht auf Delegationen wird das System von Leuten mit viel Zeit bestimmt (gilt auch für 1., s.u.)

Zu 2.: Wenn ich in der Abstimmphase nicht mehr delegieren kann, muss ich mich (egal was in der Erarbeitungsphase war) mit jedem Antrag und seinem Thema auseinandersetzen. D.h. ich muss das aus reiner Zeitökonomie bereits in der Erarbeitungsphase tun, da ich ansonsten komplexe, mir unbekannte Anträge entweder "Auto-Ablehnen" oder mich nach der bisherigen Tendenz richten muss ("da stehts schon 90:10, na da stimm ich mal zu wird schon passen" und vice versa). Insofern werden Delegationen auch in der Diskussionsphase sinnlos und verzichtbar (was immerhin bestimmte Probleme durch Wegfall "löst", etwa zu hohe Stimmgewichte, zu lange D.-Ketten und D.-Kreise)

Da kein Pirat in allen Gebieten, von innerer Sicherheit über Urherberrecht und Familenpolitik zu Satzungsdingen, komplett fit sein kann wird zwangsläufig eine Konzentration auf eigene Anträge/Themen stattfinden. Ein Antrag muss also nicht alle Piraten überzeugen sondern nur die, die anhand Überschrift/Schlagworten sich überhaupt daür interessieren. Der Rest muss sich enthalten oder darauf vertrauen, das die Tendenz schon "passt", denn spätestens auf dem BPT stimmt jeder über alles ab. Damit gewinnt in der Vorbereitung die "Zeitelite", die es schafft in allen Gebieten/Anträgen aktiv zu sein und so die Tendenz der Anträge (und damit auch die Bearbeitungsreihenfolge aufm BPT) zu bestimmen --> Zeitelite wins.

Zu 1. In einem kryptographischen Token-System bekomme ich im Ausgangsmodell also 200 Token. Damit sicher ist das das "meine" Token sind muss der Krypto-Foo die mit meinem GPG-Pubkey o.ä. signieren. Das heißt auch, das ich jeden Token vor Verwendung und meine Stimme nach der Abstimmung auf Korrektheit prüfen muss. Als untere Schranke für einen Abstimmvorgang ist 5min realistisch (Abstimmmodul öffnen, Initiative aufrufen, grob auf wesentliche Änderungen prüfen, (ggf. zu verwendendes Token ansagen lassen), Tokenliste öffnen, Token raussuchen und per GPG checken, Token mit Abstimmung übermitteln und Ergebnis prüfen).

Das bedeutet, das ich gute *16* (sechzehn(!)) Stunden, das sind zwei komplette Arbeitstage, alleine für die Vorbereitung des BPTs und da *nur* mit den Abstimmungen beschäftigt bin. Da habe ich noch keinen Antrag überhaupt gelesen. Selbst bei gleichmäßiger Verteilung auf einen 8tägigen Abstimmzeitraum sind das 2h pro Tag. Bei arg optimistischer Schätzung von 2min/Vorgang immer noch eine gute Stunde am Tag. Unabhängig von der Qualität, Sicherheit und der Usability des Ganzen: Das ist von einem "Normalpiraten" nicht machbar -> Zeitelite wins.

Die Alternative zu 1. wäre das bedingungslose Vertrauen sowohl in die Implementierung als auch in die Admins, was unmittelbar zur Wahlcomputerproblematik führt und ebenfalls eine Sackgasse ist (bitte: Das steht zwar *Wahl*computer, das dem zu grunde liegende Problem des "Vertrauen müssens" gilt für Meinungsbilder aber genauso, also spart Euch Semantik, k?), auch wenn es wenigstens den Zeitaufwand fürs Abstimmen verkürzen und dann ca. dem einer Online-Kontobuchung entsprechen würde. Aber in der Regel will man auch nicht 200 Onlinebuchungen en bloc und auch nicht unbedingt 25/Tag vornehmen. Selbst hier landet man beim "Enthalten oder Tendenz wählen"-Problem --> Zeitelite wins.

Wie ich es auch drehe und wende: Ein System welches zum einen auf Delegationen (spätestens beim Abstimmen) verzichtet und kryptographisch gesichert wird führt dazu, das das System von der "Zeitelite" bestimmt werden wird und Leute mit wenig Zeit nur die Wahl zwischen "Kenn ich nicht, Enthaltung" und "Wird schon passen, Ja/Nein lt. Tendenz) haben, wenn sie denn überhaupt die Zeit finden alles abzustimmen. Das von LF (wahrscheinlich, gab ja erst 3 Abstimmungen) gelöste Problem, das die Zeitelite eben *nicht* gewinnt, baut sich jede bisher genannte Alternative IMO wieder ein, was diese Alternativen im Vergleich zu LF ungeeignet macht.

Obiges folgt aus so ziemlich jeder Alternative zu LF die Krypto-Foo macht und auf Delegationen verzichtet unmittelbar, unabhängig von der Implementierung, dem Anonymisierungsgrad usw. Am wahrscheinlichsten für einen weiteren Kompromiss in/für LiquidFeedback ist daher in der Tat der "anonyme" (bleibt sitzen, ich kenn den Unterschied) Zweitaccount, mit dem man IMHO *nur* abstimmen, bzw. andersherum der (ggf. verifizierte) "Klarnamen"-Zweitaccount mit dem man wiederum alles *außer* abstimmen machen darf.

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