AG Nuklearia/Spezial/Stellungnahme zum Sieben-Stufen-Plan

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Du bist für Kernenergie, willst aber mit der Piratenpartei nichts zu tun haben? Du bist Pirat, willst aber mit Kernenergie nichts zu tun haben? Die gute Nachricht: Die Nuklearia ist jetzt ein unabhängiger Verein. Mehr dazu hier: Nuklearia e.V.. Die AG Nuklearia in der Piratenpartei bleibt bestehen. Nuklearia-Gruppen in weiteren Parteien sind angedacht.
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Unsere Stellungnahme zum Sieben-Stufen-Plan von »Ausgestrahlt«

Die Antikernkraftinitiative »Ausgestrahlt« hat einen »Sieben-Stufen-Plan zum Umgang mit dem Atommüll-Desaster« vorgelegt. Dazu beziehen wir wie folgt Stellung:

Allgemein

  • Die Nuklearia begrüßt den rationalen Diskurs, der diesem Sieben-Stufen-Plan zu Grunde liegt, und stimmt den meisten Punkten zu.
  • Allerdings befasst sich dieser »Atommüll-Lager-Konsens« ausschließlich mit dem Problem der Endlagerung mit einer Lagerzeit von vielen tausend Jahren.
  • Es bleibt die Option außer Acht, die nötige Lagerzeit auf ca. 300 Jahre dramatisch zu verkürzen. Dies ist durch Transmutationsreaktoren (z.B. Brüter) möglich. Transmutationsreaktoren werden derzeit in mehreren Ländern aktiv entwickelt und werden voraussichtlich in den nächsten 10 bis 20 Jahren kommerziell verfügbar sein. Stichworte bzw. Reaktortypen sind hier PRISM, IFR, LFTR oder MOSART.
  • Die Nuklearia sieht die Vernichtung des Atommülls durch Transmutationsreaktoren als das sinnvollste Konzept an. Transmutationsreaktoren reduzieren den Umfang des Atommülls um rund 99 Prozent. Die Reststoffe brauchen nur noch eine Lagerzeit von rund 300 Jahren. Nicht zuletzt erzeugen Transmutationsreaktoren bei der Umwandlung des Atommülls großen Mengen Energie.
  • Transmutation macht ein Endlager überflüssig. Das Augenmerk sollte daher auf eine mittelfristige Lagerung von wenigen Jahrzehnten fallen, bis Transmutationsreaktoren mit hinreichender Kapazität zur Verfügung stehen.
  • Der von einem Transmutationsreaktor erzeugte kurzlebige Spaltproduktmix kann im Kernkraftwerk selbst verbleiben, etwa in einem geeigneten unterirdischen Raum. Kernkraftwerke verfügen bereits über gestaffelte Sicherheitsbarrieren. Dadurch entfällt der Bau eines zusätzlichen externen Langzeitendlagers.

Zu Stufe 1: Keine weitere Produktion von Atommüll

  • Die Erfüllung von Stufe 1 (»keine weitere Produktion von Atommüll«) sieht die Nuklearia ab 2022 mit dem deutschen Atomausstieg als gegeben. Wir selbst formulieren die Forderung etwas präziser: Keine unkontrollierte Produktion langlebiger Transurane! Niemand weiß, ob es möglich ist, Gebäude so zu errichten oder Kavernen so zu sichern, dass sie viele Jahrzehntausende stabil bleiben. Bauwerke, die dies über Jahrhunderte schaffen, sind jedoch in großer Zahl bekannt: Kathedralen, Burgen, Tempel, Amphitheater. Daher halten wir die Produktion eines Spaltproduktmix, der nach ca. 300 Jahren nur noch so schwach strahlt wie Uranerz, für gesellschaftlich akzeptabel, das Herstellen großer Mengen langlebiger Transurane jedoch nicht. Wichtig ist vor allem, dass die vorhandene Menge an Transuranen, insbesondere Plutonium, steuerbar wird. Zur Zeit wird die Menge einfach nur immer weiter gesteigert, da Leichtwasserreaktoren diese Nuklide ständig nachproduzieren. Durch den Betrieb von Transmutationsreaktoren kann die weltweit vorhandene Transuranmenge je nach Auslegung der Reaktorkerne bewusst gesteuert werden. Eine gewisse Menge an Uran-233, Uran-235 oder Plutonium-239 bleibt erforderlich, um mit diesem Spaltmaterial neue Transmutationsreaktoren zu starten.
  • Neubau und Betrieb von Transmutationsreaktoren mit der Fähigkeit zur Verbrennung des bestehenden Atommülls sind wirksame Mittel, das Atommüllproblem in den Griff zu bekommen und dabei noch Energie zu gewinnen.

Zu Stufe 2: Aus für das Endlagerprojekt Gorleben

  • Die Nuklearia hält die Untauglichkeit des Salzstocks in Gorleben als Endlager für erwiesen.
  • Trotzdem sollte dieser Standort für eine kurz- bis langfristige Lagerung (300 Jahre) nicht vorschnell verworfen werden, sondern Gegenstand einer kritischen und unabhängigen Prüfung sein.

Zu Stufe 3: Fehler der Vergangenheit aufarbeiten (Morsleben, Asse)

  • Die politischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Vorgänge, welche zu den derzeitigen Zuständen in den Lagern Asse II und Morsleben geführt haben, sind Gegenstand derzeitiger Untersuchungen.
  • Diese staatlichen und ggf. juristischen Ermittlungsverfahren halten wir für wichtig, notwendig und unterstützenswert.
  • Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind öffentlich zugänglich zu machen.
  • Transparenz und Bekämpfung fehlgeleiteter wirtschaftlicher und politischer Verflechtungen ist Kernbestandteil gesunder Öffentlichkeitsarbeit.

Zu Stufe 4: Auswahlverfahren entwickeln, Bürgerbeteiligung

  • Die Nuklearia fordert die Erarbeitung eines in allen Schritten transparenten und öffentlichen Standortauswahlverfahrens.
  • Entscheidungen sollten hierin ausschließlich auf Basis naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und fundierter Studien getroffen werden. Wirtschaftliche und politische Einflüsse lehnen wir ab.
  • Die Bürger sind in jedem Schritt aktiv zu informieren. Ihre weitgehende Partizipation im Entscheidungsprozess (z.B. durch öffentliche Anhörungen) ist vorzusehen.

Zu Stufen 5 und 6: Lagermethode und unabhängige Standortkriterien

  • Auf Grund der unserer Meinung nach geänderten Lagerungsumstände (300 Jahre statt mehr als 10.000 Jahre) setzt sich die Nuklearia für eine Lagermöglichkeit ein, die jederzeit eine Rückholung erlaubt.
  • Die engmaschige Überwachung und Verfolgung sowie eine ständige Rüchkolbarkeit der eingelagerten Spaltprodukte muss durchgehend gewährleistet sein.
  • Nur so lässt sich eine sichere und gleichzeitig hinreichend flexible Verwahrung gewährleisten, welche sich den ggf. innerhalb des Lagerzeitraums ändernden Umständen anpassen kann.
  • »Aus den Augen, aus dem Sinn«-Lagermethoden halten wir für ökologisch und ökonomisch unzureichend, da sie die Überwachung und die spätere nachhaltige Nutzung des Urans-238, der Transurane und der Spaltprodukte verhindern.
  • Die Entwicklung standortunabhängiger Lagerkriterien ist zu befürworten.
  • Deutschlandweite Evaluationen möglicher Standorte zur mittelfristigen (30 Jahre) bis langfristigen Einlagerung (300 Jahre) sind zu begrüßen. In diese Evaluationen sind die bestehenden Kernkraftwerksgelände mit einzubeziehen.

Zu Stufe 7: Standorte benennen und untersuchen

  • Die rechtzeitige Suche und Bewertung verschiedener Lagertypen (auch mit Grundlagenforschung) ist essentiell zur Sicherung einer umfassenden Datenlage.
  • Die Nuklearia stimmt damit überein, dass die Wahl zukünftiger Lagerstandorte nicht der willkürlichen Anpassung der Auswahlkriterien unterworfen sein darf.
  • Dieses Risiko wird jedoch begrenzt durch:
    • eine öffentliches und transparentes Verfahren
    • die Bewertung auf Basis ortsunabhängiger Kriterien mittels Studien und naturwissenschaftlicher (Grundlagen-)Forschung
    • die größere Verfügbarkeit von Standorten bei Verkürzung der Lagerzeit auf 30 bis 300 Jahre
  • Bis zur Realisierung von Langzeitlagern (300 Jahre) sollte das Augenmerk auf die Etablierung von Mittelfristlagern (30 Jahre) gelegt werden.
  • Entscheidungen über die Standortauswahl erfolgen schliesßlich unter Maximierung der Aspekte Sicherheit, Überwachbarkeit, Rückholbarkeit, Nachhaltigkeit der Nutzung und bürgerlicher Akzeptanz.


 

Die AG Nuklearia ist eine Arbeitsgruppe innerhalb der Piratenpartei Deutschland und ein Zweig des Nuklearia e.V.. Die auf dieser und den übrigen Seiten der AG Nuklearia genannten Behauptungen haben wir nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Meinungen und Bewertungen sind, soweit nicht anders erwähnt, unsere eigenen. Sie stimmen i.d.R. nicht mit denen der Piratenpartei Deutschland überein.
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